Ok, hier mal CD 1, die zweite schaff ich hoffentlich in den nächsten Tagen.
CD 1:
01.
HUMAN FORTRESS - 'Knights In Shining Armour' ("Defenders Of The Crown")
Die Niedersachsen fingen mal als Geheimtipp im Adjektivlisten-Metal bei Limp Music an, konnten mich aber erst mit ihrem zweiten Album wirklich überzeugen. Dort wurden die bombastischen Keyboards des Debüts zurückgefahren und der tolle Sänger bekam mehr Raum, sich auszutoben. Leider war für den guten nach einem kurzen Gastspiel bei VICTORY und eben dieser Scheibe erst mal Schicht im Schacht und HUMAN FORTRESS legte mit neuem Sänger ein drittes, ziemlich furchtbares Album "Eternal Empire" ab, auf dem Aggro-Gesang und moderne Riffs mit folkigen Synthies kombiniert wurden, was größtenteils ziemlich in die Hose ging. Wer aber gerne gut gemachten europäischen Power Metal der Jahrtausendwende hört, der sollte "Defenders Of The Crown" mal gehört haben.
02.
DIVINEFIRE - 'The World's On Fire' ("Glory Thy Name")
Der NARNIA-Sänger auf Solopfaden, wenn auch nicht weniger christlich als sonst. Die Doublebass wird hier wirklich gnadenlos durchgetreten, das Album kann so auf Dauer etwas ermüdend sein, einzelne Songs sind aber wirklich stark gesungene, bombastische Euro-Metal-Nummern. Sicher kein Muss, aber schon ein Geheimtipp aus der zweiten Reihe, der mir auch heute noch ab und an die Zeit versüßen darf.
03.
LUCA TURILLI - 'Legend Of Steel' ("King Of Nordic Twilight")
Über meine Vorliebe für das erste Soloalbum des RHAPSODY-Gitarristen habe ich ja im Thread schon mehrfach geschrieben, mehr HELLOWEEN, weniger, dafür gezielter eingesetzte Orchestrierung, das Album kann mit sauber gespieltem, gut produzierten Euro Metal immer noch sehr gut unterhalten.
04.
MOB RULES - 'Outer Space' ("Temple Of Two Suns")
Mit MOB RULES kommen wir nun zu einer Band, die immer etwas durchwachsene Alben abgeliefert hat. Eingängige, ja poppige Songs, die richtig Spaß machen können, wechseln sich immer wieder mit ordentlich gemachtem, aber beliebigem Material ab. Auf dem Zweitling "Temple Of Two Suns" überwiegen in meinem Empfinden die guten Stücke, dieser Song, das leicht folkige 'Celebration Day' und der Opener 'Pilot Of Earth' bieten zumindest einen prima Einstand, zwingend ist aber auch dieses Album nicht, etwas für Liebhaber aber allemal.
05.
SECRET SPHERE - 'Recall Of The Valkyrie' ("Mistress Of The Shadowlight")
Auch wenn die Italiener heute irgendwo im Niemandsland zwischen modernem Power Metal, poppigen Melodien und etwas Prog herumeiern, haben sie mal als waschechte RHAPSODY-Konkurrenz angefangen. "Mistress Of The Shadowlight" bietet alles, was die großen Landsmänner auch hatten, nur noch schneller, noch mehr und noch bombastischer. Jede Menge Keyboard-Orchester, schnelle, Malmsteen-Gedächtnissoli und kitschige Fantasytexte. Das Album braucht man wohl nur, wenn man beinharter Italo-Sammler ist, in sich schlüssiger als die neueren Werke der Band ist es aber allemal.
06.
SINERGY - 'Beware The Heavens' ("Beware The Heavens")
SINERGY war die Band von Kimberly Goss, die mal bei THERION Keyboard spielte und mit Alexi Laiho von CHILDREN OF BODOM liiert war, der dann auch auf den Alben etwas Gitarre spielen und rumrotzen durfte. So richtig gezündet haben aber die wenigsten Lieder der Band, das hier vorliegende 'Beware The Heavens' biedert sich zudem noch mit etwas viel Bombast an die NIGHTWISH-Klientel an, was bei anderen Stücken und Alben weniger der Fall ist, die dann deutlich aggressiver ausfallen. Dennoch eher eine Randnotiz im Euro Metal und eher etwas für Komplettisten.
07.
STEFAN ELMGREN'S FULL STRIKE - 'Mandrake's Dream' ("We Will Rise")
Der ehemalige HAMMERFALL-Gitarrist hatte offensichtlich das Bedürfnis, ein Soloalbum aufzunehmen. Die Tatsache, dass eigentlich alles nach Ausschussware seiner Hauptband klingt, lässt vermuten, dass seine Ideen eben nicht gut genug für HAMMERFALL waren und ihm die Einsicht dazu fehlte. Dennoch, mit 'Mandrake's Dream' und dem Titelsong sind zwei nette Lieder auf dem Album, das man aber nur als Komplettist braucht und ich hab es ehrlich gesagt seit Jahren nicht mehr gehört.
08.
CANS - 'Beyond The Gates' ("Beyond The Gates")
Etwas anders sieht die Sache bei seinem Bandkollegen Joacim Cans aus, der fast zur gleichen Zeit sein Soloalbum veröffentlichte. Das nahm einige Entwicklungen vorweg, die sich auf späteren Alben von HAMMERFALL wiederfinden, viel Midtempo, mehr Chöre und hin und wieder eine düsterere Atmosphäre. Ein Pflichtkauf ist "Beyond The Gates" zwar ebenfalls nur für HAMMERFALL-Komplettisten, beim erneuten Durchhören konnte mich as Album aber durchaus unterhalten und steht den späteren Alben der Hauptban nicht unbedingt nach.
09.
OLYMPOS MONS - 'The Princess Of Saba' ("Conquistador")
Was soll ich hierzu sagen? Die Finnen OLYMPOS MONS spielen Euro Metal aus dem Lehrbuch, hier mit der, seit RAINBOWs 'Stargazer' bekannten Orient-Melodik. Das Album ist durchweg solide, gut gespielt und knackiger produziert als viele Konkurrenten, wirklich essentiell ist es aber nicht und dieser Song, dank der exotischeren Atmosphäre klar der Höhepunkt.
10.
DREAM EVIL - 'The Chosen Ones' ("The Chosen Ones")"Dragonslayer")
Die Schweden, in deren Reihen der omnipräsente Gus G. auch mal klampfte, waren das Steckenpferd von Produzent Fredrik Nordström, der mit seinem Studio Fredman von DIMMU BORGIR über IN FLAMES bis zu HAMMERFALL so ziemlich alles produziert hat, was seit den 90ern aus Skandinavien kam. Hier lebte der gute seine Begeisterung für klassischen Metal im Fahrwasser von HAMMERFALL aus, deren "Crimson Thunder"-Tour man auch eröffnen durfte. Mit "The Book Of Heavy Metal" war dann auch der kreative Höhepunkt erreicht und anschließend machte die Band mehr durch permanente Lineup-Wechsel denn durch musikalische Leistungen von sich reden. Dennoch, die ersten drei Alben sind allesamt cool und für Fans von HAMMERFALL und Konsorten sicher eine lohnende Investition.
11.
RED WINE - 'Gigantes De Hierro' ("Suenos Y Locura")
Nicht Italien, sondern Spanien, viel mehr kann ich über diese Band und das Album auch nicht sagen, das ich irgendwann mal für kleines Geld gebraucht gekauft habe. Solider bis guter Euro Metal, teils auf Englisch und teils auf Spanisch gesungen. Finde ich immer noch gut, ein Pflichtkauf klingt aber definitiv anders. Wer ein Herz für südeuropäischen Metal hat, kann aber mal reinhören.
12.
WINGDOM - 'Where Do We Go?' ("Reality")
'Where Do We Go?' - Diese Frage stellte sich der ehemalige SONATA-ARCTICA-Keyboarder und gründete kurzerhand eine eigene Band. Timo Kotipelto gründete kurzerhand ein eigenes Label und veröffentlichte das Debütalbum, wie die Frage jedoch danach beantwortet werden muss, weiß ich nicht, da ich WINGDOM aus den Augen verloren habe. Leicht progressiv angehauchter Euro Metal mit Hang zum Midtempo, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, bedenkt man, in welche Richtung sich SONATA ARCTICA mit Alben wie "Unia" entwickelten. Da können die musikalischen Differenzen dochh nicht so groß gewesen sein. Das Album braucht man aber sicher nur, wenn man in diesem Feld gerne alles (oder fast alles) kauft.
13.
KOTIPELTO - 'Knowledge And Wisdom' ("Waiting For The Dawn")
Und hier ist dann auch Herr KOTIPELTO selbst mit seinem ersten Soloalbum, das eine ägyptische Thematik hatte. Leider war der gute Mann schon immer ein deutlich besserer Sänger als Songwriter, weshalb seine Soloalben eher durchwachsen sind. Das Lied hier und das sehr ruhige 'Movement Of The Nile' sind aber sehr schön.
14.
THE STORYTELLER - 'Ambush' ("Crossroads")
Ein paar Schweden werfen HAMMERFALL, HELLOWEEN und FALCONER in einen großen Topf, rühren kräftig um und denken sich eine Fantasygeschichte zwischen "Algalord Chronicles" und "The Steading Of The Hill Giant Chief" aus, fertig ist ein völlig durchschnittliches Euro Power Metal Album, wären da nicht ein paar wirklich eingängige Melodien und der leicht naive Charme, den die ersten beiden Alben der Band hatten. Mit einem Konzeptalbum über Hexeenverfolgung in Schweden wurde dann alles professioneller, bevor "Underworld" das kreative und wirkliche Ende der Band markierte, dem nun im Februar mit "Sacred Fire" ein Neuanfang folgt, der zumindest wieder vielversprechender klingt. Wer leicht folkigen Euro Metal mit mehr Begeisterung als Technik mag, der kann sich mal nach den ersten beiden Alben umsehen.
15.
DARK MOOR - 'Dies Irae (Amadeus)'("The Gates Of Oblivion")
Nochmal Spanien, diesmal mit Sängerin, auch wenn diese inzwischen durch einen Sänger ausgetauscht wurde. "The Gates Of Oblivion" erschien auf der Höhe der Italo-Welle und stellt in Produktion, Komposition und Artwork sozusagen das Rokoko zu RHAPSODYs Barock dar. Das Album ist jedenfalls ein ziemlicher Kitsch- und Bombast-Overkill, hat aber einige gelungene Songs zu bieten und ein herrlich aussagekräftiges Cover.