Orden Ogan

Re: Orden Ogan

Beitragvon salisbury » Montag 15. Dezember 2014, 00:34

Also als Antagonist zu vermeintlich "echtem" Stahl lasse ich es vielleicht gelten. Ansonsten wird aber zu vielen tollen Bands das Plastikattribut zugeordnet, als dass es für mich eine ernstzunehmende Kategorie wäre ;-) .
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 15. Dezember 2014, 00:42

Für mich ist es das auch nicht, aber ich verstehe trotzdem genau, was die Leute meinen, die das Attribut benutzen. Nur stört mich das halt bei vielen Bands überhaupt nicht (z.B. Sabaton). Das sind jetzt zwar meist keine Sachen, die irgendwie meine "Lieblinge" werden könnten, aber den expliziten Ausschlussgrund "Plastik-Sound" kenne ich auch nicht.
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Re: Orden Ogan

Beitragvon salisbury » Montag 15. Dezember 2014, 01:15

Hmm, ich finde es tatsächlich sehr schwierig zu beurteilen, wie echt z.B. die Chöre bei ORDEN OGAN sind oder warum sie schlecht produziert sein sollen. Dazu müsste ich mich mit der Produktion von Chören beschäftigen. Und was bedeutet "echt"? Ich meine, das sind menschliche Stimmen. Ob das jetzt tatsächlich die ORDEN OGAN-Leute sind, ist schwer zu hören aber wäre das nicht auch egal? Man kann ja auch andere Leute diese Parts singen lassen. Und ob die Chöre gesampelt sind? So feine Ohren habe ich nicht, um zu hören, ob hier tatsächlich nicht auch mal eine Singspur dupliziert wurde. Und dann der Drumsound: okay, der ist ziemlich statisch. Aber auch das ist legitim, weil ja die Ausrichtung der Musik überhaupt nicht allzu rhythmusorientiert ist. Die Drums und der hier recht tieffrequente Bass halten aber die Melodieinstrumente zusammen und geben ihnen eine Basis. Ein über das gesamte Laut/Leise-Spektrum verbreitetes Drum-Klangbild würde hier gar nicht gehen. Mir fallen auch kaum Metalbands ein, wo dies der Fall ist.
Gitarren höre ich an den Stellen, wo sie wichtig sind, laut und deutlich, alle Riffs sind gut hörbar, sauber und nachspielbar gespielt und die Soli haben genug Raum. Aus meiner Sicht sind alle gegen die Produktion erhobenen Anklagepunkte haltlos, zumal ich unterm Kopfhörer auch ohne Surround einen schönen, räumlichen Klang erlebe. Wo soll da also "Plastik" bei ORDEN OGAN sein???
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 15. Dezember 2014, 01:51

Du verstehst den Begriff wirklich nicht, was?

Es geht nicht zwingend darum ob das jetzt echte Chöre, Orchester, Drums sind; sondern darum, dass es nicht roh klingt, sondern poliert, aufgeblasen, bombastisch, hochglänzend, weichgezeichnet... wie Barbie-World, wie Werbejingles, wie ein Disney-Film, wie aus einem Studio mit goldenen Wasserhähnen im Klo und einem Butler in Livree der Kaviarhäppchen und Sekt statt Pizza und Bier bringt.

Es gibt einfach bei vielen Menschen das von mir zwar nicht generell geteilte, aber doch zumeist sehr nachvollziehbare Empfinden, dass Rock und Metal eben nicht nach Pomp & Circumstance klingen sollte, sondern nach einem 4-Spur-Gerät in Keller des Elternhauses; nicht nach Band mit Choreographie, Orchester und Chor im Stadion, sondern nach einer Band im 50-Nasen-Klub mit zwei Marshalls, 'nem Drumkit und einer Bühne, die 30 Zentimeter höher ist als die Tanzfläche.

Je mehr etwas von diesem Ur-Rock-Setup abweicht, desto künstlicher, designter wirkt es, und dafür ist für viele eben "Plastik" ein Schlagwort.
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Holger Andrae » Montag 15. Dezember 2014, 08:59

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Du verstehst den Begriff wirklich nicht, was?

Es geht nicht zwingend darum ob das jetzt echte Chöre, Orchester, Drums sind; sondern darum, dass es nicht roh klingt, sondern poliert, aufgeblasen, bombastisch, hochglänzend, weichgezeichnet... wie Barbie-World, wie Werbejingles, wie ein Disney-Film, wie aus einem Studio mit goldenen Wasserhähnen im Klo und einem Butler in Livree der Kaviarhäppchen und Sekt statt Pizza und Bier bringt.

Es gibt einfach bei vielen Menschen das von mir zwar nicht generell geteilte, aber doch zumeist sehr nachvollziehbare Empfinden, dass Rock und Metal eben nicht nach Pomp & Circumstance klingen sollte, sondern nach einem 4-Spur-Gerät in Keller des Elternhauses; nicht nach Band mit Choreographie, Orchester und Chor im Stadion, sondern nach einer Band im 50-Nasen-Klub mit zwei Marshalls, 'nem Drumkit und einer Bühne, die 30 Zentimeter höher ist als die Tanzfläche.

Je mehr etwas von diesem Ur-Rock-Setup abweicht, desto künstlicher, designter wirkt es, und dafür ist für viele eben "Plastik" ein Schlagwort.


Sehr schön beschrieben, werter Rabe.

Ich bin jetzt zwar kein zwingender Verfechter von 4-Spur-Aufnahmen - obwohl ich diese im Ernstfall einer zu glatt polierten Barbie-Produktion wohl vorziehen würde - aber wenn einer Metal Band jegliche Kanten fehlen, bin ich raus. Wobei ich ja nicht grundsätzlich etwas gegen "weiche" Musik habe. Man höre Gypsy Kyss: Butterweich, aber kein Plastik. Obendrein behauptet da auch keiner, es sei Metal. Wie auch Saracen zum Beispiel. Das ist Pomp, da darf das plüschen.
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Re: Orden Ogan

Beitragvon salisbury » Montag 15. Dezember 2014, 09:27

Okay, danke, Rüdiger und Holg, so langsam beginne ich zu verstehen...

Damit bekenne ich mich hier offiziell zum Fan der "Plastik-Produktion". Sehr passend auch für einen, der gern "Fußpilz"-Musik hört. ;-) Nach all meinen Recherchen bin ich glaube auch "Hipster". Ein sehr cooles Ergebnis nach drei (?) Jahren Powermetal.de-Forum :D
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Jakob » Montag 15. Dezember 2014, 14:38

Du bist sicherlich KEIN Hipster, Sally ;-)
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Eike » Montag 15. Dezember 2014, 16:42

"Hipster" ist doch ein mittlerweile völlig verbranntes Wort, ausgehöhlt von 90% Leuten der Marke Dumpfbratze, die das verwenden, ohne zu wissen, was es bedeutet, im irrigen Versuch, damit etwas unwidersprochen abkanzeln zu können, das zu begreifen sie zu dumm und oder denkfaul / gefühlsarm sind. Wer das nutzt, setzt meine Alarmglocken in Schwingung, jetzt vermutlich gleich etwas saudummes mir anhören zu müssen, und in 90% aller Fälle folgt das dann auch stante pede.
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Frozen » Dienstag 16. Dezember 2014, 14:39

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Es gibt einfach bei vielen Menschen das von mir zwar nicht generell geteilte, aber doch zumeist sehr nachvollziehbare Empfinden, dass Rock und Metal eben nicht nach Pomp & Circumstance klingen sollte, sondern nach einem 4-Spur-Gerät in Keller des Elternhauses; nicht nach Band mit Choreographie, Orchester und Chor im Stadion, sondern nach einer Band im 50-Nasen-Klub mit zwei Marshalls, 'nem Drumkit und einer Bühne, die 30 Zentimeter höher ist als die Tanzfläche.


...Und Bandmitgliedern die ständig von eben dieser "Treppenstufe" runter ins Publikum kommen und keinerlei Berührungsängste haben, nichtmal während sie spielen. Sehr schön beschrieben ;)

Ist genau das was mich am bisher gehörten von OO stört. Es ist nochmal ne satte nummer glatter, feiner, glänzender und künstlicher als das bisherige. Bei guten Songs kann ich darüber wegblicken.

Zum Teil ist es aber auch wirklich nur ein Ärgernis wo ich mir nicht vorstellen kann dass das irgendwer mag ausser dem Label und den Produzenten. Nimm Bloodbound als Beispiel: Unholy Cross hatte viele geile, auf Priest angelehnte Riffs und kam fast ohne Chöre und Bombast in diesem Sinne aus, auch wenns natürlich purer Happy Metal war. Die neue gibt ja Ohrenkrebs... Ich fürchte, das neue OO album wird nicht gross anders sein.
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Re: Orden Ogan

Beitragvon Chavo89 » Dienstag 16. Dezember 2014, 14:50

Ich bin auch Plastik-Fan. Stört mich gar nicht. Das Schöne ist ja, dass es Plastik in so vielen unterschiedlichen Farbtönen gibt. Stahl hingegen... Thomas hat das alles schon gut beschrieben. Eine derartige Produktion gehört zu diesem Genre ja irgendwie dazu, so wie der Nichtsound zum Black Metal gehört. Wo da das Problem sein soll, verstehe ich tatsächlich nicht. Wer's nicht mag, der mag es einfach nicht. Ist doch nicht schlimm. Ich sehe einfach nicht ein, warum immer gleich diskutiert werden muss, was Metal ist und was nicht. Als sei das irgendwie von Belang, oder als könnte man diese Bands, bzw. das gesamte Genre damit strafen, ihnen dieses besonders verehrte Attribut abzusprechen.
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