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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Siebi » Donnerstag 14. August 2014, 18:54
Martin kennt viel, informiert sich dank Beruf oder privatem Interesse aus dem Netz, schreibt mit feinst gewählten Worten wie aus einem Fachlexika entnommen bei einem Magazin, dass für mich so gut wie keine Grenzen und Nischen kennt. So ein geartetes Printmagazin würde es meiner Meinung nach eher schwer haben.
Zum Thema "Internet bietet im Internetzeitalter mehr Information". Schneller vielleicht ja, aber haben Print und Internet wirklich unterschiedliche Ansätze? Auch aus dem Internet kann ich weit mehr ziehen als Zahlen, Daten und Fakten. Umgekehrt gilt das für Print ebenso. Es soll sogar Menschen und eingefleischte Musikliebhaber geben, für die www dreimal derselbe Buchstabe in einer Reihe ist. Ich erwarte bei einem Musikliebhaber, egal ob Netzerfahrener oder Nondigitaler, dass er sich mit der Materie beschäftigt, auch bei Bands, die nicht seinem Gusto direkt entsprechen. Ob das im Internet oder als Print geschieht ist vollkommen Kokolores. Was sich im Internet darüber hinaus alles Journalist schimpft, auch da hege ich starke Zweifel.
Ein Printmagazin bietet für mich persönlichen Eskapismus, mein Wohlfühloase, an der ich mich labe, in mein stilles Kämmerlein gehe, eine schöne Platte auflege und mich in den Geschichten suhle wie eine Sau im Mast. Zudem ist es ein Nachschlagewerk, ein bleibendes Fossil, dass ich ohne weiteres Medium immer zur Hand nehmen kann. Wenn es dann noch um meine Lieblingsmusik, Heavy Metal, von erfahrenen Szenekennern mit Tiefgang geht, dann ist das meine Welt. Und auch hier entdecke ich genug Neues und Interessantes.
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Siebi
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 14. August 2014, 19:16
In dieser Debatte bin ich eher bei Siebi als bei Eike und Martin.
Das mag aber auch daran liegen, dass Martins Staubkorn in musikalischen Dingen mein Weltall ist. Hier will ich eher den Mikrokosmos als den Makrokosmos ergründen, mein musikalisches Weiterbildungsinteresse ist fast ausschließlich nach innen gerichtet und kaum nach außen. Aber "innen" will ich schon alles ergründet haben. Natürlich ist die Demarkationslinie völlig diffus und subjektiv. Für die einen ist Rammstein und Korn noch diesseits der Demarkationslinie, für mich ist es jenseits. Wieder andere sehen Black und Death Metal jenseits, für mich sind sie klar diesseits. Da wird es keinen breiten Konsens geben, aber - von Ausgabe 1 her zu urteilen - steckt das "Deaf Forever" eben seinen "Metal-Rahmen" genau so ab, wie auch ich ihn abstecken würde. Diesseits sind alle etablierten, traditionellen Metal-Spielarten und die Stile, die zur Metal-Genese geführt haben. Jenseits ist all das, was aus dem Metal hinaus strebt. Wenn das so bleibt, dann ist das eben genau die Metal-Definition, die auch ich habe.
Was den Sinn und Zweck eines Printmags angeht? Hmm... Bin ich der Richtige, darüber zu schwadronieren? Das "Deaf Forever #1" bzw. "5/14" ist mein erster Printmag-Kauf seit vielen Jahren (vom "That's Metal"-Fanzine abgesehen), und ich habe in der Zeit ohne Print-Mags exakt nichts vermisst. Trotzdem ist es schön, mal wieder eines zu haben.
Ich bin schon ein alter Haptiker. Genauso, wie ich ein MP3-Album nicht "habe" und es mir daher auch keine wirkliche Freude bereitet (egal wie gut die Musik ist), "habe" ich auch Online-Publikationen nicht. Ich schreibe zwar für eine, und das tue ich gerne, aber es ist tatsächlich so, dass ich auch die Encyclopaedia Metallum am liebsten ausdrucken würde. Dinge, die man sortieren und in Regale stellen, sowie bei Bedarf heraus nehmen kann, finde ich schon ausgesprochen toll.
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von Eike » Donnerstag 14. August 2014, 21:01
Rüdiger Stehle hat geschrieben:In dieser Debatte bin ich eher bei Siebi als bei Eike
Das schließt sich ja nicht wirklich aus. Ich kann das alles nachvollziehen, und weitgehend unterschreiben. Siebi hat geschrieben:Ein Printmagazin bietet für mich persönlichen Eskapismus, mein Wohlfühloase, an der ich mich labe, in mein stilles Kämmerlein gehe, eine schöne Platte auflege und mich in den Geschichten suhle wie eine Sau im Mast. Zudem ist es ein Nachschlagewerk, ein bleibendes Fossil, dass ich ohne weiteres Medium immer zur Hand nehmen kann. Wenn es dann noch um [...]musik [...] von erfahrenen Szenekennern mit Tiefgang geht, dann ist das meine Welt. Und auch hier entdecke ich genug Neues und Interessantes.
Dezent gekürzt (bzw. eigentlich ja erweitert), und ich schreibe es mir auf flatternde Fahne! Und das hier auch: Rüdiger Stehle hat geschrieben:Genauso, wie ich ein MP3-Album nicht "habe" und es mir daher auch keine wirkliche Freude bereitet (egal wie gut die Musik ist), "habe" ich auch Online-Publikationen nicht.
Ich bin zwar was erwerben/sammeln/erhalten angeht, deutlich vorsichtiger geworden, weil Besitz einen auch besitzt, aber vom Gefühl her ist so eine Zeitschrift im besten Falle eben doch nochmal "mehr", weil sie einfach eine andere, erweiterte Sinnlichkeit mit sich bringt.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 14. August 2014, 21:44
Die Aussage mit dem Widerspruch zielte in erster Linie auf die stilistische Selbstbeschränkung ab, die ich will und auch brauche. Wie schon öfters gesagt, bin ich halt eben doch kein Musikliebhaber, wie manch anderer hier, sondern einfach ein Metalfreak. Nicht mehr, nicht weniger. Je älter ich werde, umso klarer wird mir das. Und ich brauche echt kein Magazin, das mir irgendwelche transmetallischen Perlen vorstellt. Die mögen - sogar für mich - nett anzuhören sein, aber das ist eben nicht Teil meines Nerd-Universums, und ich habe da auch kein Bestreben, dieses Universum zu erweitern. Man mag nun sagen, dass ich da unheimlich viel verpasse. Das mag auch stimmen, aber vielleicht verpasse ich auch unheimlich viel, weil ich nicht kiffe, nicht saufe, nicht Motorrad fahre, keine Weibergeschichten habe... mir alles völlig egal. Es ist wie es ist, und ich bin in meinem Metal-Nerdtum eigentlich ganz gut aufgehoben, und daher finde ich es schon verdammt cool, wenn sich ein Mag genau mein Staubkorn, mein Universum, als Stilbereich ausgewählt hat. Dass wir Sammler nicht nur besitzen, sondern immer auch ein Stück weit "besessen" sind, das ist natürlich richtig. Aber wir Schwaben haben im Allgemeinen ein sehr inniges und zärtliches Verhältnis zum Besitz, von daher geht das schon in Ordnung. Liebe vergeht, Hektar besteht! 
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von Martin van der Laan » Donnerstag 14. August 2014, 22:20
Rüdiger Stehle hat geschrieben:vielleicht verpasse ich auch unheimlich viel, weil ich (...) keine Weibergeschichten habe
QFT. 
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von Eike » Donnerstag 14. August 2014, 22:31
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Liebe vergeht, Hektar besteht!
Ein Knüllerspruch.
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von Martin van der Laan » Donnerstag 14. August 2014, 22:35
Siebi hat geschrieben:Ein Printmagazin bietet für mich persönlichen Eskapismus, mein Wohlfühloase, an der ich mich labe, in mein stilles Kämmerlein gehe, eine schöne Platte auflege und mich in den Geschichten suhle wie eine Sau im Mast. Zudem ist es ein Nachschlagewerk, ein bleibendes Fossil, dass ich ohne weiteres Medium immer zur Hand nehmen kann.
Auch wenn es in Anbetracht meiner vorherigen Statements paradox klingen mag, aber ich kann diese Empfindung sehr gut verstehen und nachvollziehen. Ging mir ehrlich gesagt auch lange so. Es mag sogar sein, dass ich es wieder so genießen könnte wie Du, Siebi, wenn ich im Rest meines Lebens mal ein oder zwei Gänge runterschalten würde. Ich bin vermutlich zu sehr auf das effiziente Verarbeiten neuer Information gepolt, dass ich mich zu schnell anfange zu langweilen, wenn ich das Gefühl habe etwas schon zur Genüge zu kennen. Meine Stellungsnahmen haben sowieso keine dauerhafte Gültigkeit oder so, dass ist jeweils mein momentaner Gemütszustand und ich habe kein Problem damit in einem Jahr das Gegenteil zu behaupten. 
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von Holger Andrae » Donnerstag 14. August 2014, 22:59
Ich bin da eher bei Siebi und Rüdiger, da ich ab und an schon gern mal mit einer derartigen Lektüre unterm Kopfhörer abtauche (auch in alten Mags/Fanzines) und mich dabei komplett vergesse. Zeitreisen ist eben etwas sehr feines. Aber zum eigentlichen Thema zurück: Ich habe das Heft erst seit heute Morgen und konnte esbisher nur einmal komplett durchblättern. Aber: Ich habe schon jetzt neue Bands entdeckt und Anregungen, was mal wieder laufen sollte, gab es natürlich eh en masse. Wobei ich auf der anderen Seite auch Thunderlaan zustimmen musste als er ein paar Seiten früher seine optimale Bandmischung postete. So richtig Underground ist das Heft nälich natürlich nicht. War ja weder zu erwarten, noch ist das jetzt ein Manko für mich.
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von Jhonny » Donnerstag 14. August 2014, 23:26
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Da wird es keinen breiten Konsens geben, aber - von Ausgabe 1 her zu urteilen - steckt das "Deaf Forever" eben seinen "Metal-Rahmen" genau so ab, wie auch ich ihn abstecken würde. Diesseits sind alle etablierten, traditionellen Metal-Spielarten und die Stile, die zur Metal-Genese geführt haben. Jenseits ist all das, was aus dem Metal hinaus strebt. Wenn das so bleibt, dann ist das eben genau die Metal-Definition, die auch ich habe. Trifft meine Meinung auf den Kopf. Die besten RH-Ausgaben mit tollen Specials krame ich immer wieder gerne raus (auch wenn ich mich absichtlich von einem ganzen Stapel ausgaben getrennt habe, um Platz zu schaffen), denn da gibts so viel zu schmöckern, nachzulesen und wenn die Hefte ein paar Jahre älter sind auch zu schmunzeln. Meine Hoffnung ist, dass ich das in 5 bis 10 Jahren auch über eine ganze Reihe "Deaf Forever" Ausgaben sagen werde. Ein Online-Magazin hat viele Vorzüge, die hier nicht aufgezählt werden müssen, kann für mich ein gutes, liebevolles Printmagazin mit klarer musikalischer Ausrichtung und einer guten Mischung aus großen Bands und Underground (gerade diese Mischung ist aus meiner Sicht bisher sehr gut gelungen) nicht ersetzen.
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von Holger Andrae » Donnerstag 14. August 2014, 23:45
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Holger Andrae hat geschrieben:Der Sinn hinter Jhonnys Aussage erschließt sich mir trotzdem nicht ganz. Ich kaufe doch kein Metalmagazin, um mich darin über andere Musikarten zu informieren.
Exakt DAS hat Jhonny doch gemeint.
Ja, das habe ich schon begriffen jetzt. Aber: Mir erschließt sich das Posten dieses Kommentares nicht. Ich kaufe doch auch kein Magazin über vegane Ernährung und schreibe in meiner ersten Meinung dazu, dass dies kein magazin für Fleischfreunde sei.
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