Rüdiger Stehle hat geschrieben:... ja, so nennt mein Wichtel das Oeuvre meines Samplers, der in ein in Grautönen gehaltenes Aquarell-Artwork gehüllt ist, das eine Hütte im Wald zeigt. Der Wichtel hofft, dass mich die kargen und trostlosen Klangwelten nicht zu sehr langweilen mögen, und dass sich vielleicht sogar eine Band finden möge, die er mir näher bringen kann. Nun, ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass das gelingen wird, doch warten wir mal ab. Karg und trostlos klingt für den Black Metaller in mir ja schon mal nicht verkehrt, und auch das Intro... ja, das Intro verheißt Gutes...
Vielleicht ein kurzes Wort zum Artwork. Beim Durchforsten der Sammlung bin ich über das selbstbetitelte Album von ISLAND gestoßen. Dies musste ich dir natürlich nicht näher bringen, aber hat mir wieder die fantastische Kunst von Zeng Mi in den Kopf gerufen. Nicht nur stammt der Ausschnitt des Covers von eben jenem Künstler (zu sehen in voller Pracht hier: http://www.hksgi.org/exhibition2007/Zhe ... %2001.html), sondern auch ich habe mir ein Herz gefasst und den Bildband bestellt, der hier in Deutschland von ihm veröffentlicht wurde. Ich bin ein bisschen seiner Kunst verfallen, weil sie für mich persönlich sehr gut darstellt, wie ich Musik fühle. Es ist häufig entrückt, häufig gar nicht greifbar, aber von betörender Schönheit und Mystik. Leider hat es mein Drucker nicht ganz geschafft, die farbliche Intensität auch auf den Coverdruck zu transportieren.
1. ??? - 'The Highland Widow's Lament' - 1'59"
Möwengeschrei, Brandung und ein tuckernder Motor leiten einen Shanty ein. Gesungen in Scots, begleitet von flächig agierender Pipe. "Without a penny in my purse to buy a meal for me..." lässt auf das schottische Traditional 'The Highland Widow's Lament' schließen. Die Sängerin kenne ich natürlich nicht. Toll gesungen, tolles Lied, tolle Atmosphäre. Super!
Das stand für mich außer Frage, dass ich dich damit ködern kann
In der Tat handelt es sich um das Einleitungsstück aus meinem absoluten Lieblingsfilm, was vielleicht auch den ein oder anderen Klang in der Aufnahme erklärt. Leider scheint es die Anfangsszene nicht mehr auf Youtube zu geben. Bei dem Film handelt es sich um "The Wicker Man" aus dem Jahre 1973.Link: https://www.youtube.com/watch?v=-_-sHA_SQBI
2. ??? - 'Nine Forgotten Names' - 8'30"
Und hier ist dann aber Schluss mit Romantik. Es regiert sofort aus dem Stand heraus der schwarze Stahl. Zunächst erdrückend, brachial. Nach dem Intro wirkt es direkt wie eine Attacke von ENDSTILLE oder MARDUK, doch diese Kollegen sind es meines Erachtens nicht, die hier über uns herein brechen. Das erste Hauptriff ist stoisch. Nach anderthalb Minuten gibt es das erste merkliche Break, dann wird der Song groovig und strukturierter. Der Gesang bis dato leider nicht wirklich verständlich, so dass ich noch keine Idee habe, wer hier werkeln dürft. Dann wird's ab ca. 2:30 episch, schleppend. Doch, das gefällt. Bei 3:45 dann Spoken Word, mehr oder weniger, beschwörend, dräuend, mantrisch, hypnotisch. Sehr guter Song, der wohl, wenn ich es richtig verstanden habe, 'Nine Forgotten Names' heißt. Die Band kenne ich nicht, da bin ich mir sehr sicher.
Vielleicht spinne ich auch nur, aber für mich war es beim ersten Hören absolut klar, dass es sich bei der Band um Finnen handeln muss. Diese morbide, abgrundtiefe Bosheit kenne ich in dieser musikalischer Richtung nur von den Nordlichtern.
Das erste Album ging tatsächlich noch eher in die atmosphärische Death Metal-Ecke, mit der ich die Band auch schätzen gelernt habe. Dieser Song ist vom Nachfolger, bei dem sie eine ordentliche Schippe Black Metal draufgeschaufelt haben. Definitiv kein Album für alle Lebenssituationen, da auch das Klangbild über die extrem lange Albumlaufzeit auch etwas anstrengt; aber wenn man aufmerksam zuhört, eröffnen sich wundersame Melodien, eine pechschwarze Tiefe und auch ein Hauch von Melancholie.
Der Name ist außer von mir im Forum nie gefallen, deswegen löse ich das gleich auf. Das sind DESOLATE SHRINE mit 'Lair of Wolf & 1000 Lions'.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=row6mhv7qxA
3. VHÖL - 'Plastic Shaman' - 5'48"
Wir bleiben in Schwarzheimsgard. Etwas old-schooliger und vom Schlagzeug her rumpeliger. Die Gitarre flirrt fein im Tremolo herum. Der Sänger erinnert stark an Nocturno Culto, ist es aber natürlich nicht. Dann setzt zum Refrain eine Sängerin ein, die mir ebenfalls bekannt vorkommt. Wir haben hier sehr viel Black Metal im Mix, aber auch klassisch-metallische Versatzstücke und ein wenig abgedrehten Punk. Wäre definitiv etwas für Meister Fenriz, und irgendwann, irgendwie klickt es dann, und der Rezensent erinnert sich beim Lead um ca. 4'00" herum, daran, welche abgedrehten Kalifornianer auch mal ein BM-Projekt an den Start brachten, nachdem schon die Stammbands UNHOLY CADAVER und HAMMERS OF MISFORTUNE schon in der Frühzeit durchaus BM-Roots hatten. Der Song heißt 'Plastic Shaman' und ist von VHÖL, was ich dann eben über Metal Archives heraus gefunden habe. Hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, und das werde ich mir dann wohl angeln müssen.
Wie schon angedeutet: Großen Respekt, dass du dir das selber hergeleitet hast. Bei VHÖL war ich mir eigentlich auch sicher, dass du das mögen wirst. Die Band verbindet brodelnden Spielwitz, mit viel Energie und auch dem, was ich bei dir immer unter Faustfaktor verstanden habe. Ein fieser Bastard aus Black- und Heavy-Metal, der in dieser rohen Form für mich ein echter Ohrenöffner war.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=hnClL-W7VZA
4. ??? - '???' - 6'44"
Wieder Black Metal, den ich ein Stückchen weit in der HELHEIM-Schiene so irgendwo zwischen "Yersinia Pestis" und "Kaoskult" verorten würde. Flächige Gitarrenarrangements, sehr präsenter, schneidender und druckvoller Gitarrensound. Den Gesang verstehe ich leider kaum bis gar nicht, so dass ich nur schwer einen Anhalt finde. Man hört vor allem bei ca. 3'30" herum auch einen sehr feinen Bass. Danach folgt eine Atmosphären-Passage mit lange ausklingenden Akkorden, und ein wenig Spiel am Jammerhaken. Dann fallen die heftigen Gitarren fast Dropdown-artig ein, wildes Gescreame dazu. Sehr wuchtig, das alles! Dann ein Ausklang mit blechern scheppernder Perkussion.
Die Helheim-Assoziation finde ich interessant. Da liegst du geographisch mal mindestens einen großen Teich daneben
Tatsächlich ist das eine Band, die ich selber erst in diesem Spiel kennen und in den letzten Monat absolut lieben gelernt habe. Offiziell mag die Band die Bezeichnung Black Metal gar nicht und bezeichnet sich lieber als War Metal. Gerne schmückt man seine Cover mit toten Vögeln oder Ernest Hemingway und schafft es auch nur zu zweit, eine mächtige Soundwand zu erzeugen.Und erstaunlicherweise, ohne während des Erstellen des Samplers daran auch nur einen Gedanken verschwendet zu haben, ist die Band tatsächlich auch bei Profound Lore Records unter Vertrag....
5. ??? - '???' - 8'17"
Aha, jetzt kommt der Stilwechsel. Schon das Klangbild macht klar, dass jetzt Doom kommt. Der findet sich irgendwo im Dreieck zwischen Maryland, Solstice und Trouble. Episch und elegisch, aber nicht allzu true-metallisch, jedoch durchaus auch kompatibel für die True-Doom-Fraktion. Der Sänger ist eher hoch und spitz. Jo, der würde hervorragend zu Solstice passen. Am Ende singt er "No more time, no more breath" - Kenne ich nicht; mag ich aber und das passt auf jeden Fall ins Beuteschema, auch wenn ich die letzten Monate eher nicht ganz so doomig unterwegs bin, wie ich es schon mal war. Das Riff ab ca. 4:15 ist der Hammer. Tolle Akkordfolge!
Ja, den hat Thunderlaan ja schon richtig geraten. Das sind die Amerikaner von PALLBEARER mit dem Song 'Devoid Of Redemption'. Ich war schon beinahe erstaunt, das Album nicht in deiner Sammlung gefunden zu haben und wollte es dann natürlich nicht unversucht lassen, dich davon zu überzeugen. Die Band wird gerne mit WARNING verglichen, wobei ich PALLBEARER weit weniger trist und verneinend finde. Ich denke, dass für den Vergleich hauptsächlich die ähnlich anklagende Stimme verantwortlich ist. Das Album kann ich nur wärmstens empfehlen. Ein sehr tiefes und bewegendes Album, welches auch klanglich sehr roh und und ungeschönt präsentiert wird.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=W8p6Rkax3mg
6. VIRUS - 'The Black Flux' - 6'28"
Wieder Doom, dieses Mal aber in einem moderneren Klangbild mit massiveren Gitarren, klarerer Produktion, stoischerem, kälterem Rhythmus. Der lange instrumentale Anfang lässt auch eine gewisse Postrock-Note aufkeimen. Ab der zweiten Minute wird's dann etwas lebhafter, der Bass spielt recht groovend, das Stück wird sehr rhythmisch, die Klanglandschaften bewegen sich in voivodische Dimensionen. Hier würde ich dann nimmer von Doom sprechen. Ab ca. 2'40" kommt dann endlich Gesang dazu - ich hatte schon Angst, dass keiner mehr käme. Mittlere Tonlage, mehr gesprochen als gesungen. Aber klar und charismatisch. Nicht zu viele Worte... Den Sänger kenne ich, verdammt... die Soundscape-Gitarren, das zurückhaltend verfrickelte. Jau, ich weiß es, ich weiß es... VED BUENS ENDE, aber die sind's natürlich nicht. Okay, gut, Carl-Michael Eide ist ja jetzt (also schon seit 14 Jahren, was?) bei einer Band namens VIRUS, und die werkelt hier. Habe ich bisher nicht auf dem Schirm gehabt, aber ja, das ist wirklich gut. Wird vorgemerkt.
Auch wieder ne starke Leistung, sich die Band selbst zu erarbeiten. VIRUS ist für mich im metallischen Bereich sicherlich die meistgehörte Band der letzten Monate. Ich liebe diesen frischen, schrägen, unverbrauchten Sound. Die völlig irrwitzigen Gitarrenlinien und Harmonien, das kongeniale Schlagzeugspiel, dieser unnachahmliche Groove trotz aller Schrägheiten. Ich habe etwas gehadert, gerade diesen Song auf den Sampler zu packen, da er doch recht lange braucht um etwas in Fahrt zu kommen, aber wenn er es tut, bin ich musikalisch im siebtem Himmel. Für mich ist das die logische Fortführung von VED BUENS ENDE... Viele Songs auf der ersten Demo sind ja auch alte VBE-Songs.
Insgeheim habe ich den Song auch aus dem Grund draufgepackt, um zu sehen, ob du das auflöst

Link: https://www.youtube.com/watch?v=j_dGsYmQ1Sc
7. ??? - '???' - 6'04"
Der Song ist dreieinhalb Minuten lang ein A-Gitarren-Instrumental, bis dann ein folkig-metallischer Einschlag dazu kommt. Pagan Metal könnte man es nennen. Aber eher die klischeefreie Variante davon. Der Sänger keift, die Gitarren glänzen mit melodischen Leads.Ich fühle mich ein wenig an die verträumteren Sachen von Suidakra, sowie an die weniger schunkeligen Sachen von Waylander erinnert. Aber ich habe keine Ahnung, mit wem wir es zu tun haben. Das Stück klingt wieder akustisch gezupft aus. Schöner Song.
Das ist abermals eine amerikanische Band (aber nicht bei Profound Lore Records unter Vertrag
). Darin ergründen zwei Musiker musikalisch ihre indianischen Wurzeln. Mindestens Jesus kennt die Band, Feamorn habe ich auch schon einen Song auf den Sampler gepackt. Vielleicht kommt ja noch jemand drauf.8. ??? - '???' - 8'46"
Hier begegnen wir erst einmal längere Zeit reduzierten Sphärenklängen und warten auf Hawkwind oder deren ex-Astronaut Nik Turner. Fiep, Waber, Swoooooshh... Nach anderthalb Minuten kommt durch eine Art Pulsieren so etwas wie Dynamik auf. Ab zwei Minuten dann eine Gitarre mit massigen, wuchtigen Akkorden, die lang ausklingen, dazu eine Art Spieluhr. Perkussion mit einzelnen, massiven Schlägen tritt hinzu, bevor wir wieder ins Spacige geraten. Eine flüsternde Stimme regt sich gegen 3:00 und erzählt uns: "A glow rises from the darkness Like the first light of dawn Breaking through the veil of night" - Sehr Trance-artig, erinnert das Ganze von der Stimmung her ein wenig an TIAMAT, aber auch Einflüsse aus Black Metal, Doom und Ambient sind spürbar. Die Band kenne ich einmal mehr - natürlich - nicht, aber das gefällt mir in der Tat sehr sehr gut!
Ich bin immer noch völlig baff, dass Martin das erkannt hat. Nicht, dass die Beschreibung das nicht zulassen würde, aber Vindensang ist jetzt wirklich keine Band, die ein großes Forum hätten, vor allem nicht in Europa. Seinen Einwurf, dass das Album zu "Post-Rock" sein könnte, möchte ich abschmettern. Ich kann zwar verstehen, was er damit meint und die Grenzen sind ja sehr schwimmend, aber für mich ist das vorranging packender und tiefgehender Ambient. Die Band macht für mein Empfinden sehr viel richtig, in dem sie dies mit einem sehr wuchtigen Schlagzeug konterkarieren. Momentan einer der heißesten Anwärter auf mein Album des Jahres.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=0uMikCgkgvg
9. ??? - '???' - 7'34"
Einmal mehr werden wir akustisch eingeführt. Ein Saiteninstrument klingt, wieder bewegen wir uns in keltisch oder angelsächsisch folkigem Gewässer: "there lived a lady by the north sea shore" - Der Akzent klingt dieses Mal eher Englisch als Schottisch (wie beim Opener). Finde ich toll, aber ich kenne den Interpreten nicht. Sehr melancholisch, und doch erhaben, von der Stimmung her nicht unähnlich dem "Lied der Zwerge" aus dem Hobbit oder "Rains of Castamere" aus Game Of Thrones. Ganz tolles Stück!
In der Tat ist B'ee, der Sänger von IN GOWAN RING, Amerikaner, wobei ich die "englischer Assoziation" durchaus nachvollziehen kann. Das Stück ist auf einem recht obskuren Sampler mit dem Namen "Maere" veröffentlicht worden, auf dem Bands Märchen und Sagen vertont haben. Die Seite, die ich damals für das Projekt mehr schlecht als recht gebaut habe, ist leider nicht mehr online. Ich meine, dir von der Band aber auch schonmal 'Hazel Steps' untergejubelt zu haben, was dir gefallen haben müsste....
Ich bin doch etwas erleichert, dass der Sampler recht gut bei dir ankam. Ich hatte ein etwas ungutes Gefühl dabei, weil er sehr viel "dümpelt" - was ja die Musik, die ich gerne hab, sehr gerne macht
Dass ich dir immerhin ein paar Bands näher bringen konnte (was ja wirklich keine leichte Aufgabe ist) und auch ein paar in den Fokus rücken könnte, verbuche ich mal als Erfolg 


