Große Festivals - Pro & Contra

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Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 9. August 2010, 03:46

Zur Entlastung des Themas "Grave Digger" nun hier mal die eigenen Spielwiese für Festivalfrust und Festivallust.

Diskussionsstand:

OldSchoolFreak hat geschrieben:man sollte die Festival menge einfach mal reduzieren!! meiner Meinung nach wird viel damit kaputt gemacht!!durch die Festivals werden die Club Konzerte immer weniger und der Underground hat immer weniger Chancen!!


Jesus hat geschrieben:Eine äußerst gewagte These. Um nicht zu sagen Blödsinn. Aber das gehört hier wirklich nicht rein.


OldSchoolFreak hat geschrieben:@ Jesus : Deine Meinung ;-)


Rüdiger Stehle hat geschrieben:So gewagt finde ich die These nicht. Es sind inzwischen so viele Festivals geworden, dass durchaus ein gewisser Übersättigungseffekt erreicht ist und bei kleinen Clubtouren ein Rückgang der Zuschauerzahlen festzustellen ist. Grade im traditionellen Metal-Untergrund findet sich das Phänomen wieder. Alte US-Bands, die aufs KIT oder HOA geladen werden und dort von 2000 Leuten (aus ganz Europa) abgefeiert werden, meinen, dass sich eine Europatour lohnen könnte und spielen dann 10 Gigs vor je 50 Leuten und sind frustriert. Liegt natürlich zum einen an einer falschen Erwartungshaltung, aber auch daran, dass eben viele Leute sagen: Oh, Raven habe ich im Mai beim Rock Hard und letzte Woche beim HOA gesehen; die muss ich nicht auch noch auf der Hallentour sehen. Bands in dem Rang haben vielleicht noch selbst Einfluss, da sie ja sagen können, ich mache mich auf Festivals rar, dann kommen die Leute zu meiner Tour.

Aber die ganz kleinen Bands, die nicht oder seltenst auf Festivals gebucht werden, die leiden schon unter den vielen Festivals. Gerade im Sommerhalbjahr. Es gibt nicht wenige Leute die sagen: "Oh, ich war jetzt in Wacken und auf 'm Breeze. Die nächsten paar Wochen schaue ich mir keine Gigs mehr an."

Die Festivalmenge zu reduzieren, würde ich aber auch nicht gut finden. Allerdings würde ich es gut finden, die Festivals weniger aufzublähen und eben nicht 150 Bands auf vier Bühnen durchzupushen, sondern eine Bühne und eine handverlesene Anzahl an Bands, mit denen der Veranstalter sich auch identifizieren kann.

Letztlich gilt eh wieder "suum cuique", was will man machen.


Jesus hat geschrieben:Wenn die ganzen großen Bands auf Festivals spielen, bleiben für die wirklich guten Bands mehr Clubauftritte. Fans von metallischem Mainstream können sich auf den Festivals austoben und sich als volltrunkene Proleten aufführen und ich kann dafür mit 50 anderen Leuten in einem hübschen kleinen Club eine Band abfeiern, die vielleicht gar nicht eingeladen worden wäre, wenn eine größere und bekanntere Band nicht zu beschäftigt wäre mit ihren Festivals.


Chavo89 hat geschrieben:Mir ist egal, was ihr alle davon haltet, aber ich war jetzt zum dritten Mal in Wacken. Hatte jedes Mal viel Spaß und habe viele Bands gesehen, darunter auch kleinere.
Um mal wieder zum Thema zu kommen: Der Grave Digger-Auftritt war super. Van Canto hätte nicht unbedingt mit auf der Bühne stehen müssen, aber das haben Doro und Hansi Kürsch für mich wieder ausgeglichen. Ich kannte "Tunes of War" vorher nicht und kenne sowieso nicht wirklich viel von Grave Digger, aber das Album wird wohl auf meinem Einkaufszettel landen. Ohne Wacken wär das vllt nie passiert ^^


OldSchoolFreak hat geschrieben:tja leider werden es immer weniger Bands die auf Tour kommen ;-) ich sehe nicht ein warum ich mir Urlaub nehmen soll und 800 km fahren soll für 3 tage Schlamm und Dreck und dafür ein Haufen Geld zu bezahlen!!
ich war einmal in wacken und mir hat es gereicht!!! sicher mag so ein Festival auch vorteile haben gerade für Leute die nicht aus den Großstädten kommen!! nur sehe ich auch nicht ein warum ich den Bands hinterher fahren soll !!
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 9. August 2010, 04:04

Jesus hat geschrieben:Wenn die ganzen großen Bands auf Festivals spielen, bleiben für die wirklich guten Bands mehr Clubauftritte. Fans von metallischem Mainstream können sich auf den Festivals austoben und sich als volltrunkene Proleten aufführen und ich kann dafür mit 50 anderen Leuten in einem hübschen kleinen Club eine Band abfeiern, die vielleicht gar nicht eingeladen worden wäre, wenn eine größere und bekanntere Band nicht zu beschäftigt wäre mit ihren Festivals.

Da ist zwar auch was dran, aber die Bands, die ich sehr gerne anschaue sind nicht immer, aber doch sehr oft auch für die Festivals relevant. Wenn man natürlich ganz bewusst in den Bereichen des Undergrounds wildert, die für die Festivals nicht mehr interessant sind, dann stellt sich die Frage so nicht. Aber wenn ich jetzt an Bands wie Raven, Jag Panzer oder meinetwegen auch Sólstafir denke: Die sind keineswegs Mainstream, aber trotzdem sind sie für die einschlägigen Festivals relevant. Der Dualismus "wirklich gute Bands <-> große Bands" missfällt mir auch irgendwie. Es gibt eben auch "gute große Bands", und wenn ein gewisser Prozentsatz der Zielgruppe diese Bands auf teuren und anstrengenden Festivals anschaut, dann hat er eben weniger Geld und weniger Bock nebenher auch noch die Touren kleiner Bands anzuschauen. Die meisten Interessierten trennen eben nicht, wie du es hier andeutest zwischen den "großen Mainstreambands auf Festivals" einerseits und den "guten Undergroundbands im Club" andererseits, sondern sie haben hier wie da ihre Faves, und wenn dann Budget und Zeit begrenzt sind, dann gewinnen oft die Festivals, weil du da eben auf einen Rutsch in der Regel mehr Bands siehst als bei den Clubgigs. Wenn ich zum z.B. zum KIT gehe sehe ich für 45,- Euro 22 Bands, die mich interessieren; allesamt mehr oder minder Underground, und so ziemlich alles (für mich) gut bis sehr gut oder gar besser.


Chavo89 hat geschrieben:Mir ist egal, was ihr alle davon haltet, aber ich war jetzt zum dritten Mal in Wacken. Hatte jedes Mal viel Spaß und habe viele Bands gesehen, darunter auch kleinere.

Ich war in den Jahren von 1997-2005 insgesamt neun Mal in Wacken, kann also sicher nicht hin stehen und über Wacken ablästern. Ich konnte in der Zeit hunderte Bands dort sehen, die mich allesamt interessiert haben. Wacken bietet also durchaus viel fürs Geld, insbesondere wenn man noch nicht so ewig in der Szene herum geistert und noch viele Bands live kennen lernen möchte. Wenn man dann mal so ziemlich alles live gesehen hat, was "Rang und Namen" hat, dann verlagern sich die Prioritäten ein wenig. Zumindest geht es mir so. Ich muss mir den Wacken-Stress wegen der Hand voll interessanter Bands, die ich noch nicht gesehen habe, nicht mehr antun. Deshalb gehe ich inzwischen eben lieber auf kleine Festivals, auf denen ich selten gesehene mittelgroße bis kleine Bands in gemütlicher Atmosphäre anschauen kann. Hätte ich Maiden und Slayer noch nie live gesehen, dann wäre ich vermutlich auch heute noch in Wacken, weil - mal ganz ehrlich - für den sehr allgemein metallisch interessierten Allrounder ohne Scheuklappen gibt es in Sachen Vielfalt kaum eine preiswertere Chance, möglichst viele alte und neue Bands kennen zu lernen als in Wacken oder bei vergleichbaren Events.


OldSchoolFreak hat geschrieben:tja leider werden es immer weniger Bands die auf Tour kommen ;-) ich sehe nicht ein warum ich mir Urlaub nehmen soll und 800 km fahren soll für 3 tage Schlamm und Dreck und dafür ein Haufen Geld zu bezahlen!!
ich war einmal in wacken und mir hat es gereicht!!! sicher mag so ein Festival auch vorteile haben gerade für Leute die nicht aus den Großstädten kommen!! nur sehe ich auch nicht ein warum ich den Bands hinterher fahren soll !!

Für eine wirklich gute und mir persönlich wichtige Band, die ich noch nie gesehen habe, fahre ich auch mal 700 Kilometer allein für einen Clubgig. Sag mir, dass Cirith Ungol im Dezember in Kalifornien einen einmaligen Reunion-Gig spielen und danach alle ihre Instrumente an den Nagel hängen, und ich buche morgen ein Ticket. Band hinterher zu fahren oder nicht, ist ja keine Frage der Festivals, sondern eine Frage der Hingabe und des Freaktums... ;-)
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Jesus » Montag 9. August 2010, 06:26

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Aber wenn ich jetzt an Bands wie Raven, Jag Panzer oder meinetwegen auch Sólstafir denke: Die sind keineswegs Mainstream, aber trotzdem sind sie für die einschlägigen Festivals relevant.


Ich habe Sólstafir dreimal in kleinen Clubs gesehen und will mir gar nicht vorstellen, wie wenig effektiv der Auftritt wäre um 11 Uhr morgens in einem Bierzelt am zweiten Tag eines Festivals. Null Atmosphäre und der Großteil des Publikums ist noch vom Vorabend angetrunken oder benimmt sich asozial, grölt dabei "SLAYAAAHH!" oder "HELGAAA!". Ne, dann lieber Club.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Es gibt eben auch "gute große Bands", und wenn ein gewisser Prozentsatz der Zielgruppe diese Bands auf teuren und anstrengenden Festivals anschaut, dann hat er eben weniger Geld und weniger Bock nebenher auch noch die Touren kleiner Bands anzuschauen.


Bei den Ticketpreisen, Fahrtkosten und Spesen müssen diese Leute offensichtlich mehr Geld haben.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Band hinterher zu fahren oder nicht, ist ja keine Frage der Festivals, sondern eine Frage der Hingabe und des Freaktums... ;-)


Eine Frage von Zeit und Geld wohl eher.
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Chavo89 » Montag 9. August 2010, 09:01

Ich verstehe noch nicht ganz, wo bei großen Festivals der Stress sein soll, aber das liegt vielleicht auch an eurem Alter ;-) Wacken war jedenfalls gemütlich wie sonst auch...
Wäre ich dieses Jahr nicht nach Wacken gefahren, hätte ich mir Bands wie ANVIL, GRAVE DIGGER oder METSATÖLL vielleicht niemals live angesehen und deren Klasse nie erkannt. Ich werde also auch nächstes Jahr wieder hinfahren, wenn das Lineup stimmt und mein Studium das zulässt.
Ich war dieses Jahr auch das erste mal beim RockHard-Festival. Das fand ich auch klasse. Ist natürlich vom Veranstaltungsort auch viel schöner, aber in Wacken ist das immer so ein einmaliges Gefühl. Auf dem Zeltplatz und auch vor den Bühnen. Es ist doch einfach geil, wenn zigtausende Fans "Fear of the Dark" mitsingen.

Hätte ich Maiden und Slayer noch nie live gesehen, dann wäre ich vermutlich auch heute noch in Wacken, weil - mal ganz ehrlich - für den sehr allgemein metallisch interessierten Allrounder ohne Scheuklappen gibt es in Sachen Vielfalt kaum eine preiswertere Chance, möglichst viele alte und neue Bands kennen zu lernen als in Wacken oder bei vergleichbaren Events.

Ich habe Maiden jetzt zweimal in Wacken gesehen und vorher einmal in Düsseldorf. Und sie sind immer wieder geil. Ist ja nicht so, dass die immer die gleichen Songs spielen! Die Setlist dieses Jahr war grandios und hat die ganzen alten Säcke, die die neuen Alben nicht so gut finden richtig geärgert, ich dagegen hatte richtig Spaß.
Es kann doch kein Grund sein, nicht dorthin zu gehen, nur weil man die Band schon mal gesehen hat. Ich bin Fan, deshalb will ich meine Lieblingsbands auch öfter live sehen als ein mal!
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Julian Rohrer » Montag 9. August 2010, 10:08

Also mir erschließt sich der direkte Zusammenhang jetzt auch nicht. Klar, die Sommermonate sind ja schon seit jeher mit Festivals besetzt - aber auch sonst geht da Hallenmäßig relativ wenig, da es ja die wenigsten in die stickigen Moloche zieht, wenn sie auch draußen im Biergarten (für die Preußen: http://de.wikipedia.org/wiki/Biergarten) sitzen können. Und im Herbst, Winter, Frühjahr geht da dann wiederum wenig im Open-Air-Bereich. Nein, ich denke vielmehr, dass das eine fruchtbare Koexistenz ist.
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Oliver Passgang » Montag 9. August 2010, 11:04

Da ich jemand bin, der quasi "live lebt", werde ich nun mal in die Diskussion einsteigen.

Stichwort "große Festivals".
Ich werde dieses Jahr insgesamt auf vier großen, mehrtägigen Festivals gewesen sein (Metalfest Germany, Rock im Park, Wacken Open Air, Summer Breeze).
Dabei nimmt das Wacken auch bei mir gewissermaßen eine Sonderstellung ein. Denn egal, wer dort spielt, ich werde wieder mit einem Großteil meiner Freunde hinfahren, weil es für uns immer wieder eine schöne Party ist, und zum anderen wie immer genug (oder besser gesagt: zu viele) Bands spielen werden, die ich sehen möchte. Dass das Wacken sich eh ein wenig vom reinen Musikfestival wegentwickelt hat, das dürfte nichts neues sein. Aber auch mich als überzeugter Fan der Musik (und davon kann ja wahrlich nicht bei jedem sprechen, der zum Wacken fährt - leider) stört diese Ausrichtung nicht wirklich. Denn ich habe meinen Spaß.

Dass ein Konzert um halb 2 in der Mittagshitze (bei 95% der Bands) nicht so wirkt wie in einer angemessen großen Halle, das ist klar. Und trotzdem kann auch das Laune machen und ist für viele Leute eben auch das value-for-money, was man sonst vielleicht nie bekommt. Und wenn man dann mehr oder weniger "durch Zufall" mal eine Band sieht, die man sonst nicht gesehen hätte und die einen dann total flasht... ich liebe das. Und man rennt ja nicht mal eben in eine x-beliebige Konzerthalle in der Umgebug. ;-)

Bei den anderen drei Festivals, die ich dieses Jahr aufgesucht habe / aufsuchen werde, hängt es im Gegensatz zum Wacken ganz klar vom LineUp ab, ob ich grundsätzlich hinfahre - und dort steht auch für mich ganz klar die Musik im Vordergrund (denn was Rock im Park angeht, kann ich damit eigentlich nicht soo viel anfangen - dieses Jahr passte aber eine Menge zusammen.

Was das Thema "Benehmen auf Festivals" (worauf Jesus ja schon mehrfach anspielte) bin ich der Meinung, dass das ein für sich abgeschlossenes System ist, in dem man sich auch mal... äh... "offener" oder "anders" benehmen kann als man es im "Alltag" tun würde. Klar, das kann natürlich ausarten (und tut es auch oft) und trotzdem denke ich, dass das legitim ist, solange andere nicht in Mitleidenschaft gezogen werden (spricht sich leichter als es in der Relaität oft der Fall ist, ich weiss).

Stichtwort "Underground und Hallenkonzerte"
Aber genau so gerne wie auf Festivals fahre ich definitiv auf Konzerte jeder Größenordnung bei Bands jeden Bekanntheitsgrades. Da geht es dann (natürlich) nur um die Musik - zumindest für mich. Ich war dieses Jahr schon auf 21 Konzerten (die Festivalbands nicht mit eingerechnet), am Ende des Jahres werden es ca. 40 sein - denn für mich gibt es fast keine schöneren Momente, als wenn eine geliebte Band mir eine Gänsehaut verpasst. Und das kann NAPALM DEATH genau so schaffen wie ANATHEMA - nur halt auf gaanz andere Art und Weise.

So, das reicht als Roman erst einmal. Später vielleicht mehr. ;-)
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Chavo89 » Montag 9. August 2010, 12:25

Ich stimme Oliver da tatsächlich in allen Punkten zu! Schön geschrieben ;-)
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Mr. Know-It-All » Montag 9. August 2010, 15:02

Ich muss Chavo und Oliver ebenfalls völlig zustimmen.

Ich war in diesem Jahr das dritte mal auf dem WOA und es hat mir, wie auch die anderen beiden Male, sehr viel Spaß gemacht. Natürlich fahre ich in erster Linie wegen der Musik hin und ich denke, wenn ein Line-up des WOA mich tatsächlich mal überhaupt nicht interessieren würde, dann würde ich auch nicht hinfahren - auch wenn ich wegen des Feelings gerne dort bin.

Wie sich manche Leute dort verhalten finde ich teilweise auch recht fragwürdig. Leute, die die halbe Nacht durch "Prost ihr Säcke!" bölken oder den ganzen Tag besoffen in einer Ecke abgammeln - beides kann ich nicht verstehen. Erstere Personengruppe nervt mich und regt mich auf, die zweite tut mir leid.
Für mich hat neben der Musik auch das Feeling einen recht hohen Stellenwert. Es wird keinen Tag auf dem WOA geben, an dem ich kein Bier trinke und an dem ein oder anderen Abend bin ich auch mal betrunken. Trotzdem schaue ich mir die Bands an, die mich interessieren.
Und die Deppen, die im Endeffekt 3 Bands gesehen haben, sich aber an keine erinnern können - ist ja deren Problem. Zwar schade, dass da falsche Schwerpunkte gesetzt werden, aber dadurch lasse ich mir doch den Spaß an einem Festival verderben und es ist auch kein Grund für mich, ein so großes Festival nicht zu besuchen.

Natürlich wirken Auftritte in Clubs teilweise ganz anders. Ich ziehe zum Beispiel Gamma Ray abends in der Bochumer Zeche ganz klar einem Auftritt mittags auf dem WOA vor. Trotzdem schaue ich sie mir auch dort an, weil es eine Band ist, die ich sehr schätze und es ist auch mal eine Erfahrung, eine Band unter solchen Umständen live erleben zu können.
Auf der anderen Seite gibt es Auftritte, die auf so einem Festival viel besser rüberkommen als in einem Club. Orden Ogan zum Beispiel - da haben sich tausende Fans vor der (viel zu kleinen) Wackinger Stage versammelt und mit der Band zusammen eine sowas von affengeile Party gefeiert ... Die Musik der Band wäre in einem Club, der auf Grund des Bekanntheitsgrades der Band auch nur halb gefüllt gewesen wäre, nicht so gut zur Geltung gekommen.

Und das mit dem Stress kann ich auch wirklich nicht verstehen. Ich habe das bisher keinmal Stress gehabt, sondern empfand das ganze Festival eigentlich immer als recht entspannt.
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Holger Andrae » Montag 9. August 2010, 15:30

Zu Wacken:
Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass man Wacken heute anders empfindet, wenn man gar nicht weiß, wie es zu Anfang ablief. Ich war vom ersten Wacken bis 2001 jedes Jahr dort. Mal gezeltet, mal zu Hause gepennt. Habe das von Beginn an vom Line Up abhängig gemacht und bin auch mal nur für einen Tag hin gefahren. Okay, das kann man natürlich nur, wenn man in der Nähe wohnt.
Was die Atmosphäre angeht: Ich empfand es auf den letzten beiden auf denen ich war (2000/2001) im Verhältnis zu vorher total mies organisiert, man wusste andauernd nicht, wer denn nun wo spielen würde und auch die Ordner hatten keinen Plan. Die Preise fürs Festival wurden immer unverschämter und die Preise auf dem Gelände ebenfalls. Permanent musste ich mich zwischen parallel spielenden Helden entscheiden, weil die Organsiatoren von der Musik an sich wenig Ahnung haben. Als dann auch noch null - in Zahlen:0 - Bands spielten, die mich reitzen würden und ich mehrfach mitereleben durfte, wie es zu Übergriffen aus der rechten Szene kam, hab eich es vorgezogen, mein Geld anderswo zu verplempern. Ich kann jeden verstehen, der da Party machen möchte. Bei einem prozentual gleichbleibend hohem ANteil an Vollidioten ist die physische Anzahl an Spinnern aber natürlich um ein vielfaches angestiegen. Mir sind das halt zu viele.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Große Festivals - Pro & Contra

Beitragvon Peter Kubaschk » Montag 9. August 2010, 15:37

Mr. Know-It-All hat geschrieben:Und das mit dem Stress kann ich auch wirklich nicht verstehen. Ich habe das bisher keinmal Stress gehabt, sondern empfand das ganze Festival eigentlich immer als recht entspannt.


Ich glaube, dass mit dem Stress versteht man nur, wenn man auf dem Wacken 2000 oder noch früher war, wo es einfach noch nicht ganz soooooo riesig oder gar klitzeklein war. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Festival 35.000 oder 75.000 Besucher hat, man 5 Min oder 25 zum Gelände läuft, 10 oder 30 Min am Einlass steht, man zeltet oder in einer Pension wohnt etc. etc.

Wir sind halt auch älter. Daher ist das KIT auch so gut für uns. Echte Betten, echte Duschen, 10 Min zur Halle, 2.000 Headbanger, 20 Bands, das schafft man mit Ü30 noch. Natürlich nur mit Pause. :grins:
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