Musikzeitschriften

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Havoc » Samstag 29. März 2014, 23:15

Teichfrosch hat geschrieben:Nichts macht mich wütender als diese Art von aggressiver, unreflektierter Dummheit.


Jetzt wo ich so drüber nachdenke.....schwierige Sache...einerseits kann ich genau verstehen was Rüdiger meint....sowas finde ich auch irgendwo cool.
Aber andererseits hast du...Frosch....auch Recht....solche Spackos können mich auch auf die Palme brignen mit ihren totalen Assi-Meinungen.
Schwierige Sache....unterhaltsam ist es auf jeden Fall....andererseits muss man aber wohl auch hinterfragen ob man einem solchen Typen echt auch
noch eine Plattform bieten muss. Das wird im RockHard soweit ich das mitbekommen habe ja ebenfalls diskutiert. Mhhhhhhh.....letzten Endes bin ich
aber eigentlich doch dafür sowas abzudrucken....dann bekommt man halt noch mal vorgehalten was für irre Typen und Meinungen es gibt...es sagt ja keiner, dass das
richtig ist was der verzapft.
Benutzeravatar
Havoc
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 23756
Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:10

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 29. März 2014, 23:34

@ Frosch:
Das muss ich nicht auf Wikipedia nachlesen, ich weiß, was Ted für politische Positionen vertritt. Das verfolge ich schon lange genug mit großer Freude...
;-)

Teichfrosch hat geschrieben:Nichts macht mich wütender als diese Art von aggressiver, unreflektierter Dummheit.


Eines gibt es, was mich sehr viel, ja tausendfach wütender macht, als unreflektierte und dumme Meinungen. Das sind Leute, die unreflektierte und dumme Meinungen boykottieren, verbieten oder totschweigen möchten. Jeder Mensch hat ein fundamentales Recht auf eine falsche Meinung und darauf, sie mit voller Überzeugung jedem erzählen zu dürfen, der sie hören will oder auch nicht.

Dazu nur ein altes geflügeltes Wort, das für mich der oberste Leitsatz einer freiheitlichen Gesinnung ist:

"Ich hasse deine Meinung, aber ich kämpfe mit meinem Leben dafür, dass du sie sagen darfst."

Das gilt aus meiner Sicht ganz ausdrücklich auch und vor allem für Rassisten, Kommunisten, Verschwörungstheoretiker, Fundamenalisten, Provokateure, Volksverhetzer, Veganer und Ted Nugent. Es gibt einige Punkte, in denen ich voll und ganz bei Ted Nugent bin; es gibt noch viel mehr Punkte, bei denen ich seine Meinung ganz ausdrücklich nicht teile oder gar vehement ablehne. Aber ich schätze ihn in jeder Hinsicht dafür, dass er zu seiner Meinung steht, egal wie hart der Gegenwind ist, und wie viele Leute er damit nervt. Denn der Totengräber der freiheitlichen Gesellschaft sind nicht die Radikalen, sondern die Gleichschalter, die Gralshüter des politischen Tabus, die Totalitären der PC-Fraktion mit ihren "man kann doch nicht, man darf doch nicht"-Mantras. Die züchten eine Gesellschaft aus Einschüchterung, Heuchelei und Falschheit, eine Gesellschaft, aus verborgenen politischen Absichten, aus politischem Untergrund und aus Denunziantentum.

Lass die Leute sagen, was sie denken; dann tust du dir leichter, ihre Absichten zu erkennen und sie entsprechend zu bewerten.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35320
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Klaus » Samstag 29. März 2014, 23:38

Chavo89 hat geschrieben:
Klaus hat geschrieben:Ohne Ted gäbe es Anvil nicht.


Toll, und jetzt?


Wie "und jetzt"? Das war lediglich eine Feststellung, die mir im Zusammenhang mit TN in dem Moment einfiel. Musst dich nicht gleich angesprochen fühlen.
Benutzeravatar
Klaus
Kurzhaarmetaller
 
Beiträge: 1904
Registriert: Donnerstag 12. Dezember 2013, 20:16

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 30. März 2014, 00:21

Bin mir fast sicher dass wir die Diskussion schon mal hatten, aber ich bin nicht der Meinung, dass man frei seine Ansicht vertreten dürfen sollte der Holocaust hätte nie stattgefunden - nur als Extrembeispiel und zudem begünstigt durch die Tatsache, dass genau das in Deutschland so Gesetz ist. So wie ich das sehe ist das Meinungsäußerung vs. Tatsachenverdrehung. Man kann der Meinung sein dass der Holocaust nicht schlimm gewesen wäre, dass die Juden es verdient gehabt hätten, dass wir am besten einen neuen Holocaust starten sollten und was weiß ich noch alles, aber leugnen dass er stattgefunden hat ist für mich keine Meinungsäußerung sondern der Versuch, die Tatsachen zu verdrehen. (Bitte keine Diskussion über "Wahrheit" und "Tatsachen", nur zur Erinnerung, ich studiere Philosophie ;) )

Um mal nicht direkt die Diskussion mit Goodwin's Law zu ersticken kann man ja auch Evolutionstheorie vs. Kreationismus nehmen. Bin 100% dagegen, dass letzteres im Zuge "freier Meinungsäußerung" in den Schulunterricht aufgenommen wird. Sorry, aber bei Tatsachen gibt es keine zwei Meinungen, egal wie sehr ich auch sonst für freie Meinungsäußerung bin.
Benutzeravatar
Teichfrosch
Metalhead
 
Beiträge: 3170
Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 30. März 2014, 00:32

Öhm, falsche Tatsachenbehauptungen zu verbieten, ist aber auch Kindergarten (§ 130 StGB eingeschlossen). Sie nicht in der Schule zu unterrichten, sollte Konsens sein, aber sie unter Strafe zu stellen? Warum? Weil die Leute sich als ungebildet präsentieren und den Vernunftbegabten damit ermöglichen, sie als ungebildet zu identifizieren? Mir ist es doch lieber, wenn ich vom Betroffenen direkt erfahre, dass er in einer verzerrten Realität lebt, als wenn er aus Angst vor Strafe damit hinterm Berg hält, trotzdem diese Überzeugung hat, und versucht, seine Botschaften "subtil" an den Mann zu bringen. Schrifttreue Kreationisten und Holocaustleugner schaden durch ihre Wahrnehmungsstörungen doch in erster Linie sich selbst und sonst niemandem. Auslachen, mitleidig belächeln, Kopf schütteln... gut ist...
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35320
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon the seeker » Sonntag 30. März 2014, 01:55

wenn man solche Leute zu den "coolsten auf Gottes Erde zählt" oder deren geistige Ergüsse abdruckt, sorgt das eher dafür, dass man selbst kopfschüttelnd belächelt wird
Benutzeravatar
the seeker
Sandkastenrocker
 
Beiträge: 452
Registriert: Donnerstag 3. März 2011, 20:38

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 30. März 2014, 02:22

Rüdiger, nicht jeder ist so schlau und reflektiert wie du. Darin liegt ja die Gefahr von Demagogen und Hasspredigern. Gesetze werden nicht gemacht um die Starken einzuschränken, sondern um die Schwachen zu schützen, und daher finde ich solche Gesetze absolut richtig und wichtig.
Benutzeravatar
Teichfrosch
Metalhead
 
Beiträge: 3170
Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 30. März 2014, 02:41

the seeker hat geschrieben:wenn man solche Leute zu den "coolsten auf Gottes Erde zählt" oder deren geistige Ergüsse abdruckt, sorgt das eher dafür, dass man selbst kopfschüttelnd belächelt wird

Mach, was du für richtig hältst, und belächle, wen du willst.
Darum geht's mir ja gerade: Meinungsfreiheit, sonst nix!
:dafuer:

Die beiden Zitate, die ich zum Beleg der Coolness gebracht habe, finde ich im Übrigen auch tatsächlich gut und richtig. JJ hat doch genau das provoziert, indem er The Nuge abspricht, sich gesund zu ernähren, und ihm vorhält, in Deutschland als konservativer Redneck-US-Amerikaner, nicht für voll genommen zu werden. Die Reaktion finde ich konsequent und richtig, und ja, tatsächlich auch rundum "cool". Warum lavieren, Kreide fressen und versuchen, auch in Germanistan akzeptiert zu werden? Er ist, wer er ist, dazu steht er: Take it or leave it!

Im Endeffekt geht's mir nur darum, dass ich eine herrliche Freude an Leuten habe, die durch ihre Präsenz und Rhetorik die totalitäre politische Bevormundungs- und Tabukultur unserer Republik zum Erbeben bringen. Das ist alles. Davon kann es gar nicht genug geben, und Ted Nugent ist bei aller teilweise vorhandenen Absurdität seiner Sprüche und sozialer Grenzwertigkeit seiner Positionen, die ich allesamt sehr wohl erkenne, ein Paradebeispiel.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35320
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 30. März 2014, 02:49

Teichfrosch hat geschrieben:Rüdiger, nicht jeder ist so schlau und reflektiert wie du. Darin liegt ja die Gefahr von Demagogen und Hasspredigern. Gesetze werden nicht gemacht um die Starken einzuschränken, sondern um die Schwachen zu schützen, und daher finde ich solche Gesetze absolut richtig und wichtig.

Danke für die Blumen.

Das ist meiner Ansicht nach aber trotzdem die falsche Methode. Die richtige Methode ist Aufklärung, und die ist nur möglich, wenn die Leute ihre "gefährliche" Meinung auch offen sagen dürfen. Denn nur dann kann man sie konfrontieren, entzaubern, vorführen. Nicht, indem man sie medial und politisch boykottiert, sie in ihrer jeweiligen Subkultur belässt und dort an ihrem Mythos stricken lässt. Deswegen hab ich ja auch kürzlich im Polit-Thread geschrieben, dass ich gegen die 5%-Hürde bin, und dass ich die Extremisten von links und rechts ausdrücklich im Parlament haben will. Zum einen kann ihre Klientel sich dann nicht mehr den Mythos umhängen, nicht parlamentarisch vertreten zu sein und nicht von der Politik repräsentiert zu werden, und zum anderen kannst du ihnen dann in aller Öffentlichkeit die Fragen stellen, die sie entmystifizieren können.

So funktioniert Demokratie; nicht so, dass man Tabus pflegt und die extremen Meinungen mangels parlamentarischer Repräsentation in den Untergrund drängt.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35320
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

Re: Musikzeitschriften

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 30. März 2014, 03:45

@ Frosch / Seeker:

Vielleicht noch zur Erklärung und zum besseren Verständnis meiner Position zu z.B. Nugent (tatsächlich nur ein Beispiel von vielen), einen der ursprünglichen Gründe dafür, warum für mich das Schlimmste in unserer Gesellschaft nicht Radikale, Ungebildete oder Verblendete sind, sondern Weltverbesserer und politische Bevormunder.

Im Endeffekt geht es mir an dieser Stelle, in diesem Thread darum, dass seinerzeit ein uns wohl bekanntes Magazin - ja, eben jenes, welches auch den guten Ted interviewte - mal eine Kampagne unter dem Titel "Verbieten gehört verboten" hatte. In jener empörte man sich durchaus demonstrativ darüber, dass Leute wie Christa Jenal (Politikerin der Grünen und eherne Bewahrerin des Jugendschutzes) dafür sorgten, dass Cannibal Corpse auf dem Index landete, dass Horrorfilme indiziert wurden, dass CC keine Konzerte mehr geben konnte, dass Manowar-Lyrics ("Hail & Kill") - ja, ja, heilen, töten, und dann auch noch zurück zum deutschen Ruhme - als vermeintlich rechtsradikal gebrandmarkt wurden usw...

Nun kommt ein Ted Nugent, ein Varg Vikernes, ein Fenriz, ein Euronymous, ein Mika Luttinen, ein Dave Vincent, ein Jon Schaffer, und huch, oh Wunder, plötzlich hupt man selbst ins Jenal-Horn und ruft zu Boykotten auf etc... Sprich: Zuerst kritisiert man Zensur und Bevormundung, und dann, wenn die Bevormundeten plötzlich aus der falschen Ecke blöken, dann reiht man sich ein und findet Boykotte gar nicht so verkehrt, um diesen bösen Burschen - am Ende gar Patrioten, Misanthropen oder Schlimmeres - keine Plattform zu bieten.

Im Endeffekt habe ich es einfach komplett über, dass irgendwelche Leute in unserer Gesellschaft herum rennen und ständig jedem erzählen wollen, was man darf, was moralisch ist, was unmoralisch ist, was man nicht darf, was politisch korrekt ist, was gut für uns ist, was schlecht für uns ist, und dass die Leute auch noch daneben stehen und Beifall klatschen, weil diese edlen Menschen und Heilsbringer die Gesellschaft vor solch fürchterlichen Gefahren wie Zigaretten, innerörtlichen 50er-Tempolimits, Horrorfilmen, Videospielen, Süßigkeiten, Gangsta-Rap, Feuerwerk, Gen-Mais, Schweinefleisch, Death Metal, Black Metal, Monogamie, Zölibat etc... retten wollen.

Für meinen Teil will ich einfach nicht, dass irgendwelche P.C.-Leute die Texte jeder Band durch schnüffeln, ob da vielleicht irgend etwas drin steht, was einen Indexeintrag rechtfertigt, um dann - wegen nichts und wieder nichts - Anträge bei der BPjS zu stellen, die zu allem Überfluss auch noch regelmäßig Erfolg haben. Ich will nicht, dass Cannibal Corpse in Deutschland andere (Comic-)Artworks oder Kiss ein anderes Logo haben muss als in den USA. Ich will nicht, dass Impaled Nazarene reihenweise Konzerte absagen muss und Deutschland gar nicht mehr besuchen will, weil gewisse Leute Sarkasmus und Provokation nicht ertragen. Ich will nicht, dass Filme geschnitten werden, dass auf Zigarettenschachteln abgestorbene Gliedmaßen und zerfressene Lungenflügel prangen, obwohl der Staat Milliarden an den Zigaretten verdient. Auch will ich nicht, dass man als Anhänger einer Band verdächtigt wird, die Ideologie eines der Bandmitglieder zu unterstützen, nur weil man die Band mag, oder dass man bei öffentlichen Reden gleich Sexismus-Vorwürfe befürchten muss, wenn man nicht jeden Satz mit einem debilen "Liebe Freundinnen und Freunde" einleitet oder die gute Figur einer Reporterin im Dirndl bemerkt. Oder, dass jeder Politiker zurück treten muss, der jemals irgend etwas mit dem Dritten Reich verglichen hat (Jenninger, Däubler-Gmelin u.v.m.). Oder dass im Dienste der Sicherheit alles und jeder abgehört wird, weil es diejenigen, die nichts zu verbergen haben, ja gar nicht tangieren kann. Oder dass man ernsthaft meint, das älteste Gewerbe der Welt trocken legen zu können.

Gewissen Kräften in dieser Gesellschaft (und die finden sich bei SPD und Grünen mindestens genauso zahlreich wie in der konservativen Union) schwebt eine rundum vollkaskoversicherte Existenz vor, welche dem Menschen das Denken abnimmt, welche unliebsame Erscheinungen ausblendet, welche jedes selbst gewählte Risiko vermeidet, und welche ständig alle und jeden darüber belehren muss, was "geht", und was "nicht geht".

Weil es tatsächlich wenige Dinge in unserer Gesellschaft gibt, die mich mehr aufregen, ist für mich jeder ein Stück weit ein Hoffnungsschimmer, der den Leuten, die dieses Szenario betreiben und befürworten, kräftig vor den Koffer ... singt. Ted Nugent ist einer davon; es gibt viele andere, durchaus auch linke Freidenker. Da bin ich gar nicht politisch festgelegt. Einfach nur Leute, die sich trauen zu sagen:

"Speziell von EUCH lasse ich mir nicht sagen, was ich zu denken und zu sagen habe!"

Befürworter jeglicher Bevormundung müssen provoziert werden; immer und überall! Sie sind "1984" und "Brave New World". Ted Nugent mag alles möglich sein, nicht nur Gutes, aber er ist ganz sicher nicht "1984" und "Brave New World".

Letztlich habe ich halt lieber Leute, die sich ihr Mittagessen selbst mit Genickbiss einfangen, als Leute, die mir vorschreiben wollen, welche CDs ich anhören und kaufen darf.

Cheers, und alles andere, Kameraden!

:grins:
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35320
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

VorherigeNächste

Zurück zu Die Rockbar

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Loomis und 0 Gäste