Christian Schwarzer hat geschrieben:Jakob hat geschrieben:Dass es das Studium gibt, ist nach vielen Seminaren und etlichen Büchern eine logische Schlussfolgerung.
Naja, nicht wirklich. Zumahl sich auch fast alles in mir sträubt, das "studieren" zu wollen. Ok, halt dauernd als Feldforschung und ohne Dozent... Das Feld taugt sicherlich gut für Seminare, als wählbarer Zweig (Fokus auf Musik-machen und das Spielen in einer Band) innerhalb eines Musik-Studiums gleich welcher Art wär das auch eine tolle Sache. Ein ganzes Studium finde ich lächerlich.
Lächerlich finde ich das nicht. Es ist eher die Frage, was man meint, als Absolvent nachher für eine Legitimation und Kompetenz zu haben. Ein solches Studium mit der Zielsetzung, den Absolventen zum fähigen Heavy-Metal-Musiker zu machen, halte ich für eher abwegig, da man als Künstler generell zum einen ein Handwerk (Spieltechnik) lernen muss und zum anderen inspiriert sein muss. Das eine muss man nicht studieren, und das andere kann man nicht studieren.
Das Studium allerdings als besodere Qualifikation für Musiklehrer, Musikhistoriker, Musikjournalisten, Bandmanager, Labelscouts usw... zu verstehen, halte ich für durchaus sinnvoll und kein bisschen lächerlich. Hardrock, Heavy Metal und sämtliche hiermit verbundenen Derivate sind mittlerweile ein derart großer und uferloser Ozean geworden, dass es an der Stoffmenge sicherlich nicht fehlt, um ein umfangreiches Studium zu füllen, mit fachbezogenem Unterricht zum Beispiel in den Bereichen Spieltechnik, Musiktheorie, Musikgeschichte, Medienkunde, Soziologie, Marketing, Journalistik usw...
Dass das Studium an sich weder einen guten Musiker noch einen guten Manager oder Musikjournalisten erzeugt, das ist klar. Dass es eine "rebellische Subkultur" unter Umständen noch weiter professionalisiert und kommerzialisiert, ebenfalls. Denn wozu soll jemand "Metal" studieren, wenn er das nachher nicht beruflich nutzen möchte. Ebenso ist klar, dass es sehr viele Leute geben wird, insbesondere solche, die seit Jahrzehnten den Metal l(i)eben, die möglicherweise oder gar sicherlich mehr Ahnung und Kompetenz für die Materie mitbringen, als ein "studierter Jungspund" von der Uni. Aber das ist doch auch in jedem Fachbereich so. Wo gibt es nicht den alten Handwerksmeister, der viel mehr Ahnung von der Materialbearbeitung hat, als der ihm vorgesetzte Diplomingenieur für Maschinenbau, den Vollbluthändler, der jedem BWLer was vormachen kann, wenn es um ein Gespür für den Markt geht, usw...
Dennoch denke ich, dass es - wenn man die Sache mal nüchtern und nicht als Szeneinsider betrachtet - sicherlich vor allem in den Bereichen Journalismus und Marketing durchaus eine Nachfrage von z.B. Labelbossen im Majorbereich oder Chefredakteuren "seriöser" Medien geben könnte, einen "Diplom-Metaller" einzustellen, von dem sie verbrieft haben, dass er sich mit der Materie auskennt. Oder auch bei kommerziellen Musikschulen, die sich einerseits damit brüsten wollen, dass sie nur studierte Mucker als Lehrer haben, aber eben andererseits auch jemanden aufbieten wollen, der die Nachfrage nach
Unterricht speziell für angehende Rocker und Metaller befriedigen kann.
Vielleicht ist das ein erstes Zeichen dafür, dass auch die Musikwissenschaft Rock und Metal langsam an der Schwelle von der U-Musik zur E-Musik sieht.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38