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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Rüdiger Stehle » Mittwoch 13. November 2013, 01:53
Da ich mich in letzter Zeit wieder vermehrt über limitierte Auflagen und Bonus-Geschichten aufregen musste, die nur dem Zweck dienen, den Fans das Geld für ein Album doppelt aus der Tasche zu ziehen, oder besonders viel Geld für besonders limitiertes Zeug einsacken zu können, habe ich mir überlegt, mal einen Artikel über solche Geldschneidereien zu planen, und dabei die sich geprellt fühlenden Fans, die betroffenen Bands, die Labels und den Einzelhandel zu Wort kommen zu lassen. Wenn das was wird, wollte ich es natürlich an Beispielen aufziehen, und daher würde es mich interessieren, in welchen Fällen euch derlei Gebaren von Bands und Labels besonders geärgert hat, und warum - ebenso im Gegenzug: In welchen Fällen ihr Ltd.Ed. für legitim und für schöne Sammlerstücke mit echtem Mehrwert haltet. Einfach mal frei von der Leber weg. Es darf auch diskutiert werden. Der Thread soll keine reine Stoffsammlung werden, sondern zunächst mal schon ein ganz normaler Diskussionsthread, damit ich ein bisschen eure Sichtweisen kennen lerne und sehe, wo ich noch tiefer graben könnte oder sollte. Mein erster großer Aufreger in derlei Fragen war die zweite JON OLIVAS PAIN, die es als Tinbox mit dem einen und als Digipack mit dem anderen Bonustrack gab. Dazu noch das Jewel-Case ohne Bonustracks: http://www.musik-sammler.de/media/50821http://www.musik-sammler.de/media/51253Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele, aber ich würde gerne erst einmal von euch was zum Thema lesen.
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von Eike » Mittwoch 13. November 2013, 02:05
Hm, ich finde es zwar auch manchmal ärgerlich, wenn man um ein Album quasi "komplett" zu haben, es mehrmals kaufen muss, weil neben den gemeinsam Tracks A1, A2, A3 usw. auf der einen Ausgabe noch ein Bonustrack B ist, auf der anderen dann ein Bonustrack C stattdessen, oder über ähnlich seltsame Vorkommnisse. Aber ein wirklicher Aufreger ist das für mich nicht. Ich würde es auch nicht dem Apotheker vorwerfen, wenn seine Kundschaft tablettenabhängig ist. Schließlich zwingt einen niemand, sich das alles zu kaufen, allerhöchstens das eigene Spinnertum.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 13. November 2013, 02:35
Eike hat geschrieben:Schließlich zwingt einen niemand, sich das alles zu kaufen, allerhöchstens das eigene Spinnertum.
Ja, das ist natürlich der ganz leichte Weg raus aus der Misere. Kann man so sehen, ich bin da aber doch gänzlich anderer Meinung, weil hier die Labels auf sehr perfide Art und Weise die weithin bekannte Neigung der Fans einer Band dahin gehend ausnutzen, alle neuen Songs ihrer Lieblingsband zu bekommen. Klar, keiner muss kaufen, völlig klar, aber die Absicht ist eben sonnenklar, und ja, ich finde das durchaus unmoralisch, was in dem Bereich getrieben wird. Das als Spinnertum und Suchtverhalten abzutun, finde ich irgendwie nicht gut, denn die Leute, die das Zeug kaufen, sind ja letztlich diejenigen, die eine Band mögen, die sie unterstützen wollen und sich gerne die Alben kaufen, am Erscheinungstag, zum vollen Preis und gerne auch die limitierte Auflage, die drei Euro mehr kostet. Wenn man genau diesen Leuten dann damit dankt, dass sie statt 15,- oder 20,- Euro für das neue Werk nun 30,- Euro investieren dürfen, wenn sie alle neuen Songs haben wollen, dann finde ich das ausgesprochen schäbig und unfair. Klar, keiner muss, aber die Bands und Labels wissen ganz genau, dass die Leute so ticken. Natürlich gehören immer zwei dazu, aber - um den Apotheker-Vergleich zu bemühen - ist es doch ein großer Unterschied, ob er nur das liefert, was angefragt wird, oder ob er sich extra etwas besonders Schäbiges einfallen lässt, um durch die Sucht des Kunden noch mehr Geld zu machen. Zum Beispiel, dass es die Tabletten nur zusammen mit dem Schaumbad gibt. Jede Band und jedes Label soll mit der Musik etwas verdienen können, aber wenn man mit Taschenspielertricks die Unterstützung der treuesten Fans so schamlos ausnutzt, dann ist das einfach mies, wie ich finde. Für mich ist das tatsächlich einer der größten Aufreger in unserer Szene überhaupt. Aktueller Anlass ist für mich die neue Falkenbach. Ein tolles Album, zu dem es eine wunderschöne Buch-Edition gibt. Die hätte ich mir ggf. so oder so gekauft. Aber es ist einfach mies, dieser Edition eine Bonus-CD mit 4 exklusiven Tracks beizufügen, die der normale Digipack nicht hat. Sprich, wer die Bonustracks haben will, der muss halt die läppischen 35,- - 45,- Euro in die Hand nehmen. Armer Suchti, aber auch. Eine wertige Sonderauflage darf gerne auch Geld kosten. Da habe ich kein Problem damit. Aber wenn durch Bonustracks auch die zum Kauf getrieben werden sollen, denen die normale Scheibe mit allen Songs auch gereicht hätte, dann ist das aus meiner Sicht einfach eine üble Masche.
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von Jakob » Mittwoch 13. November 2013, 02:47
Da wissen sich die Label der Tatsache zu bedienen (sie auch auszunutzen, klar), dass der Metaller für eine CD noch Geld hinlegt. Und für eine hochwertige Aufmachung bereit ist, noch mehr zu zahlen. Von Wiederveröffentlichungen sprichst du aber nicht oder? Dadurch werden Alben ja auch oft wieder zugänglich gemacht.
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von Jakob » Mittwoch 13. November 2013, 03:08
Nachtrag: Man könnte also auch das Kaufverhalten in Frage stellen, denn nur wo es Nachfrage gibt, gibt es auch ein Angebot.
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von Eike » Mittwoch 13. November 2013, 03:51
Oder den Kapitalismus an sich: Nur das Label überlebt langfristig, das das Kaufverhalten maximalstmöglich für sich zu nutzen weiß.
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von the seeker » Mittwoch 13. November 2013, 10:06
Boykott und sich die Songs anderweitig besorgen
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 13. November 2013, 13:23
Die doch eher gleichgültigen oder erduldenden Reaktionen verstören mich ein wenig, aber gut, wenn ihr meint, dass das kein Aufreger ist, gut, dann ticke ich wohl verkehrt. Schade. Jakob hat geschrieben:Da wissen sich die Label der Tatsache zu bedienen (sie auch auszunutzen, klar), dass der Metaller für eine CD noch Geld hinlegt. Und für eine hochwertige Aufmachung bereit ist, noch mehr zu zahlen. Von Wiederveröffentlichungen sprichst du aber nicht oder? Dadurch werden Alben ja auch oft wieder zugänglich gemacht. Nachtrag: Man könnte also auch das Kaufverhalten in Frage stellen, denn nur wo es Nachfrage gibt, gibt es auch ein Angebot.
Ich weiß nicht, ob ich das Kaufverhalten in Frage stellen würde, da ich es natürlich, ehrenhaft und selbstverständlich finde, dass ein Fan einer Band, der diese unterstützen möchte, gerne alle neuen Songs dieser Band haben möchte. Mein Problem ist, dass diese für mich natürliche Begehrlichkeit nicht nur dafür genutzt wird, ihm diese Songs zu einem angemessenen, marktüblichen Preis zu verkaufen, sondern dafür, ihm gewisse Songs doppelt zu verkaufen, oder doppelt so teuer zu verkaufen, als dies üblich wäre, damit er überhaupt die Chance bekommt, auch noch den Bonustrack zu kriegen. Über die hochwertige Aufmachung an sich würde ich kein Wort verlieren. Man kann das neue Buch seines Lieblingsautors als billiges Paperback oder als teure gebundene Ausgabe kaufen. Das ist eine faire Auswahl, das ist in Ordnung, und es ist logisch, dass die gebundene Ausgabe mit wertvollem Papier teurer ist. Wer nur lesen will, nimmt das Paperback, wer eine schöne Auflage im Regal haben will, der greift tiefer in die Tasche. Was aber hier im Musikbusiness gemacht wird, ist vergleichsweise, dass dein Lieblingsbuch in der gebundenen Ausgabe drei Bonuskapitel hat, oder dass das letzte Kapitel des Fantasy-Romans nur in der limitierten Auflage mit Ledereinband und Goldprägung enthalten ist. Das würde ich als Leser dezent schäbig finden, und nicht anders ist das bei einem Musikalbum. Eike hat geschrieben:Oder den Kapitalismus an sich: Nur das Label überlebt langfristig, das das Kaufverhalten maximalstmöglich für sich zu nutzen weiß.
Über diese Geisel der Menschheit wollte ich an dieser Stelle jetzt nicht philosophieren. Außerdem glaube ich nicht, dass dieser Ansatz richtig ist. Die Zahl dieser nibelungentreuen Fans, die so etwas mitmachen, ist nämlich verschwindend gering. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Im Endeffekt wage ich zu prophezeihen, dass überhaupt kein Label überleben wird. the seeker hat geschrieben:Boykott und sich die Songs anderweitig besorgen
Für mich leider keine Option, da mein Credo bei den für mich verstärkt sammelwürdigen Bands (= Lieblingsbands im weiteren Sinne) ist, jeden offiziell veröffentlichten Studiosong auf einem offiziellen Tonträger zu besitzen. Die Falkenbach-Boni werden durchaus als Einzel-Download bei Amazon und iTunes angeboten, aber das ist keine Option. Filesharing und YouTube-Rip natürlich sowieso nicht. Bei oben genanntem Buch-Beispiel würde ich mir das letzte Kapitel auch nicht handkopieren und dem Paperback beilegen wollen, oder gleich das Buch online lesen. Nun gut, ich bin mal gespannt, ob sich noch jemand findet und meldet, der ähnlich wie ich cholerische Anfälle bekommt, bei derlei Geschäftspraktiken. 
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von Oliver Passgang » Mittwoch 13. November 2013, 13:28
Ich bin tendenziell schon bei Rüdiger. Da meine finanziellen Mittel bisher nicht die allergrößten waren und in der nahen Zukunft auch nicht sein werden, kommt es für mich überhaupt nicht in Frage, ein Album doppelt zu kaufen. Das führt bei entsprechender Bonustrack-Praxis (mittlerweile checke ich vor jedem Kauf musiksammler.de!) dann allerdings dazu, dass ich mir ein Album in der Regel gar nicht hole oder eben warte, bis auch die Ultra Ltd. Edition irgendwann mal bezahlbar ist. Das tut hier und da mal weh, jedoch gibt es so viel gute Musik, dass ich mich nicht an einzelnen Alben, die so vermarktet werden, aufhängen muss...
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 13. November 2013, 13:43
Jakob hat geschrieben:Von Wiederveröffentlichungen sprichst du aber nicht oder? Dadurch werden Alben ja auch oft wieder zugänglich gemacht.
Das habe ich vergessen: Wiederveröffentlichungen sind ein Thema für sich. Natürlich freue ich mich darüber, wenn lange nicht mehr erhältliche Alben neu aufgelegt werden. Das ist eine glasklare Sache, weil es schön ist, wenn auch der zu spät geborene Metaller die Gelegenheit bekommt, diese Klassiker zu kaufen. Dass diese Alben dann meist Bonusmaterial haben, das finde ich im Prinzip nicht richtig, weil natürlich auch hier der ganz offensichtlich beabsichtigte Doppler- und Tripler-effekt sauer aufstößt. Der Bonus dient natürlich exklusiv dem Zweck, dass derjenige, der sich die "Steets" von Savatage schon 1991 und nochmal beim ersten Rerelease 2001 (mit den Acoustic-Boni) und beim zweiten Rerelease 2006 (mit den Live-Boni) gekauft hat, auch 2013 nochmal zuschlägt, weil ja jetzt endlich alle Erzählerintros dabei sind. Und natürlich die Gospelversion von "Jesus Saves", deretwegen man sich 1997 schon die Best-of "From The Gutter To The Stage" geholt hat. Das würde ich allerdings relativieren, weil oft sehr, sehr viel Zeit dazwischen liegt, und es dann von der Mehrheit der Zielgruppe nicht mehr als Abzocke interpretiert wird, sondern eher als wirklicher Bonus, in den man gerne nochmal investiert. Wenn ich also morgen 30 Jahre nach Erst-VÖ einen Rerelease der auf CD noch nie erschienenen SATAN'S HOST "Metal From Hell" bekäme, der die unveröffentlichten Songs des "Midnight Wind"-Demos als Bonus enthält, würde ich das nicht als problematisch empfinden. Wenn aber eine große Band wie Savatage alle fünf bis zehn Jahre den kompletten Backkatalog neu auflegt und immer neue Gimmicks beifügt (Livetracks, Acoustictracks, Erzählerintros, Linernotes, eine CD-Rückengrafik, wenn man alle Alben hat...), dann ist das natürlich auch ein recht bescheidenes Spielchen, das da gespielt wird. Klar "keiner muss das kaufen... etc... pp...", aber es werden halt ganz gezielt Begehrlichkeiten geweckt, und das finde ich nicht fanfreundlich. Dass es natürlich legal ist, und dass natürlich der Fan selbst nicht unschuldig ist, das ist völlig klar. Es stellt sich halt einfach die Frage, ob es fair und moralisch ist, die Zuneigung der Fans in dem Maße auszunutzen. Darum geht es mir in dem Thema, und die Argumentation "och jo, muss doch jeder selbst wissen, was er kauft", greift mir da einfach zu kurz.
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