Running Wild

Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Siebi » Dienstag 8. Oktober 2013, 18:35

Oh, ich mag Deine Reviews, nüchtern und sachlich ist gut, finde das hier sorgsam in Worte gewandet, rein die Umsetzung oder Dein Begehren verstehe ich nicht. Lassen wir die Note bei Seite, nehme ich nur den Text. Da fließt meiner Meinung nach Wertung mit ein. Ich halte es eben für fraglich, inwieweit der deskriptive Teil hier einem objektiven Ansatz folgt, denn mit dem Weichzeichnen in Relation der Rolfignoranten legst Du eine Baseline, wertest damit das Gehörte ab. Am Schluss kommt ein für mich konträres "macht Spaß, weil die Historie so toll ist". Warum nicht gleich den Spaß anhand der gehörten Musik der Zielgruppe näherbringen?
Wer ist die Zielgruppe? Nur die Fanboys? Denke, der klassische Metalfan sollte angelockt werden können. Will man mit seiner Begeisterung in einem Review nicht JEDEN auf eine Spur bringen und ihn zumindest zum Reinhören bewegen? Hier klingt es nach "Ja mei, für Fans super, für die ollen Ignoranten nix". Dass kann man von jedem Album jedes Künstlers sagen. Den Opener finde ich z.B. sehr gelungen, vor allem das Solo ist erste Sahne.

Aber gut, vielleicht zähle ich gerade Erbsen und kacke Korinthen. Bei einem Bier an einem Tisch in gemütlicher Umgebung wäre das eine feine Diskussion. Darum bin ich jetzt still und freu mich auf mein Feierabendbier. Prost, Rüdiger!
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon the seeker » Dienstag 8. Oktober 2013, 19:13

einfach mal die balls haben und die Note dementsprechend verteilen
ich hab mich da auch gewundert bei den genannten Mängeln noch eine 9 zu sehen, das liegt aber auch an der Beschreibung zu den Noten... da gibts dann wirklich Spielraum und man kann seine favs mit etwas besseren Noten belohnen, immerhin zuckte man mit :grins:
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Eike » Dienstag 8. Oktober 2013, 19:29

Also Leute, manchmal frage ich mich, ob bzw. wie genau ihr Rüdigers Ausführungen eigentlich lest. Oder ist das wirklich so schwer nachzuvollziehen? Da hat er doch oben mehrfach lang und breit mit detailliertesten Ausführungen erklärt, dass es keine Frage von "balls" oder nicht ist, wie er seine Note vergeben hat. Wenn man den Gegenwind so mitbekommt, den er hier dafür bekommt, einer möglichst objektivierenden Rezension eine (übrigens laut Redaktionsentscheid genau so gewollte) subjektive Note zur Seite zu stellen, dann komme ich sogar eher zu dem Schluss, dass es "balls" braucht, dazu zu stehen, dass für ihn ein schwächeres Album von RW immer noch besser ist als ein stärkeres Album der meisten anderen Bands in dem Sektor. Irgendwie erinnert mich dieser Thread zunehmend an "Und täglich grüßt das Murmeltier", mit Rüdiger in der Rolle von Bill Murray.
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 8. Oktober 2013, 20:47

Eike hat geschrieben:Wenn man den Gegenwind so mitbekommt, den er hier dafür bekommt, einer möglichst objektivierenden Rezension eine (übrigens laut Redaktionsentscheid genau so gewollte) subjektive Note zur Seite zu stellen, dann komme ich sogar eher zu dem Schluss, dass es "balls" braucht, dazu zu stehen, dass für ihn ein schwächeres Album von RW immer noch besser ist als ein stärkeres Album der meisten anderen Bands in dem Sektor.

Genau das ist der Punkt, den ich immer wieder gerne klar machen möchte, ohne damit in dieser Deutlichkeit hausieren zu gehen. Die Rezension macht klar, dass es ein Running Wild Album ist, das auch aus meiner Sicht eher im hinteren Drittel der Discographie anzusiedeln ist. Daher kommen auch die zahlreichen Kritikpunkte, die ich keineswegs als unberechtigt wegwischen will, sondern weitgehend sogar gut nachvollziehen kann. Trotzdem ist das für mich dann immer noch gut genug, um die Mehrheit der anderen Bands und deren Alben locker in die Tasche zu stecken. Wenn das so ist, dann kommen solche Reviews dabei heraus. Vergleichbarer Fall: "Gods Of War"

Siebi liegt natürlich nicht ganz verkehrt, wenn er sagt, dass es gar nicht nötig wäre, die Scheibe so sehr aus der Perspektive der Kritiker zu relativieren, wenn ich selber sie doch toll finde. Das mag zwar sein, aber das ist halt nicht mein Ansatz beim Reviewen. Das polarisierende, stark (eigen-)perspektivische Schreiben ist nicht mein Stil. Mir liegt immer, ich denke das merkt man auch im Forendiskurs, daran, die verschiedenen möglichen Sichtweisen zu einer Band oder einem Album vermittelnd darzustellen. Pro und Contra relativ ausführlich ausarbeiten, an mehr oder minder objektivierbaren Punkten ausführen und dann ein subjektives Fazit ziehen, das stets als subjektiv zu kennzeichnen ist. Mit dieser Art der Dialektik bin ich aufgewachsen und die ziehe ich sowohl bei 10-Punkte-Reviews als auch bei 3-Punkte-Reviews durch. Das Motto: "Nur meine Meinung ist im Review gefragt." ist halt so gar nicht das meine.

Was aber vielleicht zutrifft, ist, dass in diesem speziellen Review die Kritikpunkte zu sehr im Fokus stehen, und das, was letztlich meine (durchaus gebremste) Begeisterung ausmacht, dahinter zurück steht. Im Zweifel hätte ich die begeisternden Momente noch mehr ausführen müssen, aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob das gegangen wäre, denn die sind mit "Rolf singt" und "die Melodien sind typisch Running Wild" eigentlich schon recht erschöpfend abgehandelt.
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Siebi » Dienstag 8. Oktober 2013, 21:35

Ganz allein meine Meinung und keine Kritik an Rüdigers Schreibstil, Syntax, Semantik, alles sehr gut und angenehm zu lesen. Lassen wir Rüdiger und die Note bei Seite, vollkommen Egalomat. Ich weiß auch, was Rüdiger mitteilen will, erstens weil ich ihn und seinen Geschmack gut kenne und zweitens weil ich ihn als angenehmen ruhigen immer abwägenden Gesprächspartner schätze. Aber ich widerspreche in dem Punkt der Objektivität bei der Beschreibung von Kunst.

Mir geht es um das Herausheben des Objektivierens, das es für mich bei Beschreibung von Kunst nicht gibt. Warum? Mir ist völlig egal, ob ein schwächeres RW-Album besser gefunden wird als 90% der aktuellen Veröfffentlichungen, und schon ist subjektive Wertung im Spiel, schwächer versus besser anyone? Im Kontext des Backkatalogs gerne vergleichen, da ist Bezug gefragt und selbst hier fließt Wertung ein, weil es keine Rangfolge der Klassiker gibt, alles Geschmacksempfinden.

Minuspunkte aufzuzählen, also werten, und dann zum Schluss zu kommen, die Minuspunkte wären in der Minderzahl, obwohl viele Sound- und Songwritingschwächen benannt, die positiven Aspekte nur angerissen werden, sorry, ich bekomm das nicht zusammen. Ausserdem ist es aus meiner Sicht eben NICHT objektiv, sondern subjektiv wertend. Objektiv wäre die Anzahl der Songs, Angabe von Produzent, Arrangeur, Studio, beteiligte Musiker, der Drumcomputer war ein Roland Sasso vom Typ 2.0, das Gitarrentuning XY bei Song Z auf A' oder C#-Dur, die Platte erscheint in diesem oder jenem Format, VÖ-Termin, also reine Fakten.

Konjunktiv mit "würde hätte wäre wenn" finde ich ebenso deplatzierend, reine Interpretation, die wiederum des Rezensenten Meinung abbildet. Ist er jetzt begeistert UND es ist ein schwaches Album? Schließt sich aus, oder? Er meint für ihn als Fan mit Bezug auf Historie stark und für die Ignoranten nix. Ist das keine subjektive Wertung? Woher glaubt man zu wissen, dass es für die Ignoranten nix ist? Es wird, so empfinde ich es, von einer eigens definierten Basis ausgegangen, eigene Annahmen als wahr bzw. objektiv betrachtet. Dem widerspreche ich. Für mich ist ein Review mit jedem Wort, mit Ausnahme neutraler Fakten, subjektive Wahrnehmung des Beschreibenden, der seinen Höreindruck und seine Emotionen dem Leser darlegt. Begeisterung löst ein aktiver positiver Schreibstil aus, verneinendes Schreiben ist negativ behaftet, nicht nur bei Reviews, auch bei wissenschaftlichen Arbeiten oder Präsentationen.
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 8. Oktober 2013, 23:13

Siebi, was das Objektivieren angeht, rennst du bei mir offene Türen ein. Das mag vielleicht oben falsch herüber gekommen sein, aber ich bin ein absoluter Gegner davon, subjektive Meinungen als Tatsachen oder Wahrheiten darzustellen. Genau wie du sagst, sind das einzig wirklich Objektive an Reviews Angaben zur Spielzeit, zur Farbe des Covers, zur Zahl der Tracks oder zum Aufnahmestudio und dergleichen. Alles andere sind Wahrnehmungen, die meines Erachtens auch so sprachlich zu kennzeichnen sind, zumindest wenn es nicht eh offensichtlich ist. Das ist seit jeher mein Credo beim Reviewen.

Wenn oben von einem objektivierenden Rezensionsansatz die Rede war, hätte ich das wohl treffender einen Ansatz genannt, der auf Grundlage von Erfahrungswerten versucht, eine Hypothese darüber aufzustellen, wie verschiedene Zielgruppen gemessen an ihrem Erwartungshorizont auf die Scheibe reagieren würden. Es ist nicht beabsichtigt, meine Wahrnehmungen als solche zu objektivieren, sondern aus der Interpretation verschiedener Blickwinkel eine Hypothese über die mutmaßliche Gesamtrezeption zu keltern. Das mache ich in dem Maße aber auch nur bei Bands, bei denen scharfe Kritik, Spott und Hohn an der Tagesordnung sind, oder die zumindest in ihrer eigenen (ex-)Fanbasis kontrovers aufgenommen werden. Vielleicht will ich damit ein Stück weit der Rezensionskritik vorgreifen, die mir nachher vorwirft, vor lauter Fanboytum die Kritikpunkte übersehen zu haben.

Der Vorhalt, eigene Annahmen als wahr bzw. objektiv zu betrachten, würde mich ziemlich hart treffen, weil ich genau das nicht will und in meiner Wahrnehmung auch nicht tue.

Was richtig ist, dass die Rezension sich insgesamt ein wenig zu sehr damit aufhält, zu erörtern, wer wohl im Zweifel was nervig finden könnte, ohne hinreichend klar deutlich zu machen, warum das mich persönlich eben nur marginal stört. In dem Punkt hat das Review eine deutliche Schwäche, denn es ist ein wenig zu beflissen, den Kritikern alle denkbaren Ansatzpunkte aus der Hand zu nehmen, um nicht in den Ruf zu geraten, man sei auf den wild rennenden Ohr taub. Dabei ist mir tatsächlich die Schilderung dessen, was ich wirklich toll daran finde, ein gutes Stück zu dünn geraten.

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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon enemy-of-reality » Mittwoch 9. Oktober 2013, 00:21

Ich fand dein Reviw irgedwie lustig, Rüdiger. Als ich "Die alte Fregatte hat ein wenig Aufwind bekommen." gelesen habe und dann darunter die Note gesehen hatte, dachte ich mir nur "WTF??". Aber am Ende des Reviews erklärst du es dann ja selbst sehr schön. :dafuer:
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon scumi » Mittwoch 9. Oktober 2013, 22:43

Ein gutes Review von Rüdiger, dass in etwa auch meine Sichtweise wiederspiegelt. Ich würde der Platte am Ende in etwa 6 bis 7 Punkte verpassen, was auch daran liegt, dass meine persönliche Richterskala anders funktioniert als die von Powermetal.de. Für mich ist es ein gutes Album mit einigen schwachen Songs, welches ungeachtet seiner eigenen Qualitäten das große Pech hat, im Schatten eines übermächtigen Backkatalogs zu stehen.
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 9. Oktober 2013, 23:55

Danke für dein Feedback, Scumi. Es freut mich, dass du deine Position trotz der Notendiskrepanz in der Rezension wieder findest. Wenn du hier nochmal die Definition der Skala ansprichst, dann ist das natürlich auch ein wichtiger Punkt, der hier mein Review und die Note scheinbar so weit auseinander klaffen lässt.

Würde ich die Note stärker im Bezug auf den Vergleich zur eigenen Diskographie der Band wählen, z.B. "Gates To Purgatory" und "Pile Of Skulls" als Optimum setzen, das 10 Punkte (und eben keine imaginären 14,73 Punkte) verdient hat und sämtliche Alben nach der Frage einordnen wie viel Prozent der Klasse des optimalen RW-Albums sie bringen, dann dürfte ich der "Resilient" auch nicht mehr als 7 Punkte geben. Aber da ist halt dann die Krux an der Sache, dass ich nicht mehr schlüssig Alben von Bands bewerten kann, die ich zwar auch toll finde, die aber nicht das entsprechende Affektionsinteresse auslösen.
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Re: Running Wild kommen zurück

Beitragvon scumi » Mittwoch 16. Oktober 2013, 21:07

Ja das Problem mit dem Wertungssystem verstehe ich. Ich persönlich tue mich immer schwer damit, Alben Noten zu geben oder sie in Ranglisten einzuordnen. Wenn mir zwei Alben gefallen, dann stellt sich mir persönlich die Frage gar nicht, welches mir besser gefällt. Sie gefallen mir dann eben beide auf ihre Weise aus höchstwarscheinlich unterschiedlichen Gründen.
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