Bewertungsschema

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Dienstag 24. September 2013, 12:36

Wenn ihr die Noten so definiert, mag das ja auch stimmen. Dann definiert sich "gefällig" mit etwa 7 Punkten. Aber es macht gleichzeitig die Skala an sich redundant, weil somit im Endeffekt zwei Drittel der Noten umsonst existieren und genauso gut mit "schlecht" wiedergegeben werden könnten. Als Ordinalskala entspräche dies den unteren Werten einer Erdbeben- oder Windskala, in der die unteren Werte allesamt gleichermaßen nicht der Rede wert sind. Mir stellt sich natürlich die Frage, inwiefern mir das als Leser und Musikinteressierten hilft. Die Ausgangsfrage war nun einmal, was ich von der Skala halte und welche Skala ich bevorzuge.

Ganz simpel; jüngste Beispiele aus diesem Forum:

Ich lobte MAYHEMs "Chimera" in meiner Playlist und vergab für dieses feine, atmosphärische Album, welches ich nicht allzu oft auflegen werde, gute 7 Punkte. Havoc meinte daraufhin sogleich, es wäre mindestens 8,5 Punkte wert. Ist sein gutes Recht, seine Meinung. Doch das würde meine interne Skala kippen, denn dann blieben mir für all die vielen BM-Alben, die ich noch wesentlich mehr mag, nur noch 3 weitere Noten übrig.

Später lobte ich SATYRICONs Entwicklung auf der Selbstbetitelten, doch weil ich auch diverse Punkte darauf kritisierte, meinte Havoc sogleich, ich würde das Album "hassen". Ja, Herr Havoc, der schnippische, passiv-aggressive Kommentar mit der Rückhand ist mir nicht entgangen und hatte mich gleichermaßen amüsiert wie verwundert. Nun hatte ich bereits alles zu diesem Album gesagt und würde ihm in einem Soundcheck 5 Punkte geben. Handwerklich gut gemacht, entlockt ein anerkennendes Nicken, begeistert mich allerdings auch nicht und wird nicht mehr aufgelegt. Er als Fan vergibt natürlich wieder einmal 8,5 Punkte.

CULT OF LUNA ist eine Band, die ich wirklich mag, doch auch hier vergab ich für "Vertikal" im Kontext der Band "nur" 6,5 Punkte, was das Album aus meiner Sicht immer noch überdurchschnittlich und für den Fan kaufenswert macht, aber gleichzeitig den Unterschied zu den meiner Meinung nach besseren Vorgängern verdeutlicht. Abermals vergab Havoc dagegen 8,5 Punkte.

Natürlich kann mal all diese Alben tatsächlich gleich gut finden. Für mich jedoch sollte eine 8,5 nicht einfach nur ein beiläufiges "basst scho" darstellen, sondern wirklich schon ein ziemlich gutes Album sein. Dementsprechend ist eine 6 auch noch ein ganzes Stück entfernt von einem "schlecht".

Kurzum: Skalen für subjektive Empfindungen sind doof.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 24. September 2013, 12:57

Ich finde im Gegenzug Skalen doof, die sich den Anschein der Objektivität geben, die es aus meiner Sicht in der Kunstkritik nicht geben kann. Dass die Wertung der subjektiven Skala de facto nur dem etwas bringt, der den Bewertenden einschätzen kann oder am besten persönlich kennt, das ist indes richtig. Das haben wir aber bewusst in Kauf genommen, weil wir ja wollen, dass der Leser uns als Rezensenten "kennenlernt" und lernt, die subjektiven Wertungen entsprechend zu lesen.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon ishina » Dienstag 24. September 2013, 14:48

Eine Frage möchte ich noch in den Raum werfen: Bewertet ihr Alben zum Teil auch bewusst niedriger als sie euch gefallen? Damit meine ich: Mir gefällt die Musik auf manchen Alben zwar wirklich gut, an manchen Tagen könnte ich auch behaupten, ich "ginge steil" auf sie, aber gleichzeitig merke ich eindeutig, dass die Musik stellenweise Schwächen besitzt, aufgesetzt wirkt, flach ist - unabhängig davon, wie gut sie mir gefällt. Ich denke dabei für mich an Alben wie die 2011er von PAGAN'S MIND, die ich viel gehört habe, aber nie als besonders gutes Album habe einordnen können, weil sie mir zu simplistisch ist. Oder das Debütalbum von ASPERA bzw. ABOVE SYMMETRY, das mir wirklich, wirklich gut gefällt, ich aber aus Gründen offensichtlich fehlender Eigenständigkeit nie hoch bewerten konnte.

Wie haltet ihr das? Gibt es neben dem subjektiven auch noch ein pseudoobjektives Element in eurer Note?
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Nils Macher » Dienstag 24. September 2013, 14:54

ishina hat geschrieben:Eine Frage möchte ich noch in den Raum werfen: Bewertet ihr Alben zum Teil auch bewusst niedriger als sie euch gefallen?
Wie haltet ihr das? Gibt es neben dem subjektiven auch noch ein pseudoobjektives Element in eurer Note?


Nö. Die neue VOLTURE aus dem Soundcheck ist beispielsweise alles andere als neu, bahnbrechend oder sonstwas. Aber die macht einfach tierisch Böcke und läuft bei mir ständig, weil ich richtig viel Spaß dabei habe.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 24. September 2013, 15:01

ishina hat geschrieben:Eine Frage möchte ich noch in den Raum werfen: Bewertet ihr Alben zum Teil auch bewusst niedriger als sie euch gefallen? Damit meine ich: Mir gefällt die Musik auf manchen Alben zwar wirklich gut, an manchen Tagen könnte ich auch behaupten, ich "ginge steil" auf sie, aber gleichzeitig merke ich eindeutig, dass die Musik stellenweise Schwächen besitzt, aufgesetzt wirkt, flach ist - unabhängig davon, wie gut sie mir gefällt. Ich denke dabei für mich an Alben wie die 2011er von PAGAN'S MIND, die ich viel gehört habe, aber nie als besonders gutes Album habe einordnen können, weil sie mir zu simplistisch ist. Oder das Debütalbum von ASPERA bzw. ABOVE SYMMETRY, das mir wirklich, wirklich gut gefällt, ich aber aus Gründen offensichtlich fehlender Eigenständigkeit nie hoch bewerten konnte.

Wie haltet ihr das? Gibt es neben dem subjektiven auch noch ein pseudoobjektives Element in eurer Note?


Ich weiß genau, wovon du sprichst. Früher habe ich mich auch häufig mit dieser Frage beschäftigt, bis ich festgestellt habe: Wenn es einen Grund gibt, dass ich eine Platte immer und immer wieder auflegen will, dann sind alle möglicherweise noch so objektiven (jaja...) Kritikpunkte - bzw. jene, die man selbst dennoch wahrnimmt - vollkommen irrelevant. Die kann man in einer Rezension zwar nennen, fallen dann jedoch einfach wirklich nicht ins Gewicht. Denn würde mir die Musik keine Freude bereiten, würde ich sie nicht hören. So einfach. :)

EDIT: Daraus folgt für mich übrigens:
"Ich höre ein Album - trotz evtl. vorhandener Schwächen - viel und gerne!" -> gute Note!

Umgekehrt ergibt sich jedoch nicht zwangsweise:
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Dienstag 24. September 2013, 15:07

Wenn ein Album Schwächen besitzt, gibt man ihm die entsprechende Note. Dafür gibt es ja die Zahlen unterhalb der Zehn! Und nur weil es nicht perfekt ist, bedeutet das nicht, dass man keinen Spaß damit haben kann.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jhonny » Dienstag 24. September 2013, 15:10

Ein Album wie Kings Of Metal ist dafür doch ein Paradebeispiel - einerseits ein unnötiges Hörspiel und ein unnötiger CD-Bonus-Track, also eine scheinbar nicht perfekte CD, andererseits aber solche Hymnen, dass ich sagen muss: Es gibt nur ganz wenige Metal-Alben auf diesem Niveau.
Wie könnte ich da weniger als 10 Punkte geben?

Ähnlich geht es mir mit The Glorious Burden von Iced Earth. Obwohl ein, zwei Nummern durchaus schwächeln ist es eine meiner meistgehörten Scheiben, kaum ein Album ist besser eingesungen, wenige Alben haben eine so tolle Atmosphäre (und zwar nicht nur in der überirdischen Abschlusstrilogie). Wieso sollte ich da 9 Punkte geben?
Ein Album, dass ich quasi fast ständig hören kann und das tiefe Emotionen beim Hören auslöst darf auch 10 Punkte erhalten.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Nils Macher » Dienstag 24. September 2013, 15:10

Da stellt sich doch die Frage, was "Schwächen" überhaupt sind? Für den einen wäre es eine Schwäche, wenn eine Band sich wiederholt, einen Stil 1:1 nachspielt etc. Für den anderen eben nicht. Natürlich geht Gefallen immer mit der persönlichen Gewichtung von "Stärken" und "Schwächen" einher. Ergo: Note = wie viel Bock habe ich, das Album zu hören. Anders kann es meiner Meinung nach nicht gehen.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 24. September 2013, 15:12

Jesus hat geschrieben:Wenn ein Album Schwächen besitzt, gibt man ihm die entsprechende Note. Dafür gibt es ja die Zahlen unterhalb der Zehn! Und nur weil es nicht perfekt ist, bedeutet das nicht, dass man keinen Spaß damit haben kann.


Wir sprechen hier doch nicht von einer Zehn. Ich denke, dass ishina die Region um 7,0-8,0 Punkte (gemessen an der PM.de-Skala) meint. Und da kenne ich es eben von mir selbst, dass wenn Alben in der Tat Schwächen haben (z.B. eintöniges Drumming), diese jedoch den Spaß der Scheibe so wenig mindern, man ruhig trotzdem hoch (also 8,0 aufwärts) bewerten darf. Ansonsten versucht man sich auch an einer scheinbar objektiven Analyse der Musik. Das versuche ich in meinen Reviews zwar immer in Worte zu fassen, für mich ist jedoch einzig und allein ausschlaggebend, ob die Musik mich emotional erreicht - und das kann sie auch trotz (oder manchmal sogar gerade wegen?) vorhandener Makel.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon ishina » Dienstag 24. September 2013, 15:15

Ich spreche nicht von einer Zehn. Die vergebe ich ohnehin nur dort, wo ich nachhaltig begeistert bin.

Ich meine eher Alben, die mir Spaß machen wie eine 7, 8 oder 9, ich aber nicht darüber hinweg komme, dass ich dennoch deutlich bemerke, dass sie an etwas kranken, das ich auch benennen kann. Das drückt dann die "pseudoobjektive" Bewertung ein wenig nach unten.
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