Bewertungsschema

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Bewertungsschema

Beitragvon Oliver Passgang » Montag 23. September 2013, 15:57

@Jesus: Da steckt viel Wahres drin. Letztlich sind wir da aber auch nur ein weiterer Vertreter dieser Praktik und - so blöd das ist - abhängig davon, wie das die meisten anderen auch handhaben. Zudem erwähne ich noch einmal: Die Zahl als solche hat bei uns nur in Verbindung mit den Interpretationen Relevanz.

Ich merke gerade nur mal wieder, wie sehr mich dieses Thema nervt. Klar, ich soundchecke gerne, ordne Alben auch mit Vergnügen ein und die Noten sind da ein notwendiges Übel, jedoch wäre das alles (rein hypothetisch) ohne diesen Zahlenkrieg irgendwie noch schöner. Das jedoch nur am Rande.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Montag 23. September 2013, 16:05

Peter Kubaschk hat geschrieben:der "mittlere Wert" einer Skala den "Durchschnitt" (zwei im übrigen völlig unterschiedliche Werte) repräsentieren soll


Schon klar. Aber das bedeutet auch, dass sich das Mittel auf einen komplett anderen Ausgangspunkt bezieht als auf den Durchschnitt. Wenn ich jetzt links Jakobs Review zu INVIVO sehe mit solchen Beschreibungen wie "netter Prog", "ist aber nur bedingt spannend" und "manche Songs dümpeln sogar ohne jegliche Spannung vor sich hin [Auflistung des halben Albums]", dann amüsiert mich natürlich schon die Diskrepanz zwischen dem Geschriebenen und der Note. Und auch mit dieser Meinung:

Peter Kubaschk hat geschrieben:Durchschnittliche Alben werden nicht mit 7.0 Punkten bedacht, denn 7.0 Punkte sind "gut".


Das Album ist laut Jakob gut, weil die Hälfte der Song vor sich hin dümpeln und nur bedingt spannend sind?

Peter Kubaschk hat geschrieben:wir versuchen, dass ein Album auch einem passenden Redakteur (sprich tendenziell interessierten Redakteur) zuweisen. Da ist es doch normal, dass der Durchschnitt höher ist als der mittlere Wert der Skala. Würden alle Redakteure alle Veröffentlichungen aller für uns relevanten Genres bewerten, wären wir wahrscheinlich sehr viel näher an einem 5.5er-Durchschnitt als jetzt.


Ja, das ist korrekt. Ich kritisiere ja auch nicht speziell euch, sondern die generellen Schwächen des 10er-Systems.

Peter Kubaschk hat geschrieben:Aber ganz allgemein gilt, dass ihr einfach die Rezensionen lesen sollt und die Zahl darunter eine sekundäre Spielerei ist


Das haben wir ja von Anfang an geklärt, aber ishina fragte nach dem Bewertungsschema und nicht danach, wie aufmerksam wir die Texte lesen ;-)
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon frankjaeger » Montag 23. September 2013, 16:15

Wenn ich jede Black, Death und Metalcore-Kapelle bewerten müsste und Rüdiger jede Alternative und Prog-Band wäre der Durchschnitt von 5,5 bereits erreicht :grins:
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Montag 23. September 2013, 16:18

Richtig.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jakob » Montag 23. September 2013, 20:06

Jesus, seit wann sind denn drei Songs von elf das halbe Album?
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Montag 23. September 2013, 20:22

Seit Menschen bewusst rhetorische Stilmittel wie überspitzte Formulierungen verwenden, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Oder kürzer: Für mich liest sich das Review jedenfalls nicht wie die Beschreibung eines 7-Punkte-Albums. Wenn etwas bestenfalls nett klingt, man es nicht gerne ein weiteres Mal auflegen möchte und häufig beim Hören abschweift, wäre das für mich wohl eher eine 5. Aber der letzte Absatz mit der hiesigen Definition der Bewertungen begründet Deine Punktevergabe und wie weiter oben bereit bemängelt ist es eben die Verschiebung des Durchschnittswertes zur 7 und die Verzerrung der Skala zu einem schlichten 4-Punkte-System, die für mich die Schwäche der 10er-Skala ausmacht. Nicht nur hier, sondern überall und generell.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 23. September 2013, 23:25

Das Problem ist existent, da hast du recht, doch ich denke tatsächlich, dass der Grund dafür nicht die Schwäche der Skala ist, sondern die Art der Bemusterung, wie es Peter ja schon gesagt hat.

Bei den Einzelreviews versuchen wir immer, die Scheibe einem Fan der Band, einem Genrefan oder zumindest einem an Band und/oder Genre besonders interessierten Kollegen zu geben. Dass dann eine globale 10er-Skala, deren Werte der Schreiber ja auch für Genres hernehmen muss, die er bis ins Mark hasst, zwangsläufig zu einer "Durchschnittsnote" deutlich über der 5,5 für ein "durchschnittliches Genrealbum" führen muss, ist selbstverständlich, weil der Rezensent ja per se schon das Genre, in dem er bewertet, im globalen Musikkontext überdurchschnittlich toll findet.

Müsste ich im Soundcheck 25 Alben aus allen globalen Musikgenres bewerten, läge mein Schnitt sicher nicht höher als 5,0, eher niedriger, weil es da eben auch ziemlich viele Sachen gibt, die mich völlig abstoßen. In einer Skala mit nur Rockalben wäre wohl ein Wert von um die 6,0 für ein durchschnittlich solides Rockalbum das Maß. In einem Soundcheck mit nur Metalalben sind wir dann in der Tat an dem Punkt, wo ein durchschnittlich nettes Album von mir die 7,0 haben wird, und damit für mich gerade am Rande der Einordnung "würde ich für bis zu 3 Euro durchaus mal mitnehmen, wenn nichts Dringenderes ansteht" stehen, während ich über ein für mich nur durchschnittliches Rockalbum gar nicht erst nachdenken würde. Das halte ich für relativ konsequent, und es trifft bei mir auch zu, wie ich immer wieder am Soundcheck sehe. Je mehr Alternative, Post-Rock/Metal und Prog im Soundcheck ist, umso niedriger wird mein Durchschnitt. Wenn nur Metal im traditionellen Sinne drin ist, dann geht der Schnitt enorm hoch. Desgleichen bei Frank oder Sally... wenn wir 10 Brutal-Death-Scheiben drin hätten, wäre deren Schnitt signifikant niedriger.

Was ist die Konsequenz daraus für die Skala? Da wir ja alle verschiedene Geschmäcker haben, muss sie global auf "jede Musik" anwendbar sein, damit scheidet eine Umwidmung zu einer Skala nur für Metalalben, in der per Definition ein durchschnittlich nettes Metalalbum die 5,5 bekommt, natürlich aus. Auch in der Außenwirkung wäre das schwer zu vermitteln, weil weder der Leser noch der Promoter die textliche Reviewaussage "Jau, das ist ein ganz nettes Album, guter Durchschnitt der Metalwelt." mit der Note 5,5 / 10 in Einklang bringen wird.

Im Endeffekt sehe ich (bei jeder Skala) nur die Konsequenz, dass der Leser die Note entweder als echte Nebensache wertet und vornehmlich auf das Review achtet, oder dass der Leser sich die Mühe macht, die Notendefinitionen zu lesen und zu verstehen und in einen Kontext zum jeweiligen Rezensenten bringt.

Nehmen wir nochmal das durchschnittlich nette Metalalbum her und vergleichen das mit unserer Notendefinition für 7,0 und 7,5:

"Ein gutes Album, dem der letzte Kick fehlt, um es dauerhaft auflegen zu wollen."

Das ist für mich genau das, was auf das durchschnittlich nette Metalalbum passt. Handwerklich gut, und für sein spezielles Genre durchaus echte Qualitätsware. Ansonsten macht es Spaß, wenn es nebenher läuft, aber der große Drang ist nicht da, das haben oder ständig hören zu müssen.

Jemand, der weniger metalfixiert ist als ich, der packt dasselber Album im Zweifel dann einen Punkt tiefer hinein, weil er sagt, dass es da auch in anderen Genres vieles gibt, was ihn mehr kickt, während das bei mir halt extrem selten ist.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Jesus » Dienstag 24. September 2013, 08:04

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das Problem ist existent, da hast du recht, doch ich denke tatsächlich, dass der Grund dafür nicht die Schwäche der Skala ist, sondern die Art der Bemusterung, wie es Peter ja schon gesagt hat. Bei den Einzelreviews versuchen wir immer, die Scheibe einem Fan der Band, einem Genrefan oder zumindest einem an Band und/oder Genre besonders interessierten Kollegen zu geben.


Das ist logisch. Darum geht es mir auch gar nicht. Mir ist klar, dass man mich, wenn ich Pflicht-Rezensent wäre, nicht mit Symphonic Power Metal und Dream-Theater-Klonen bemustern wird. Dann würde der Schnitt auch unter 5 Punkte fallen.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Dass dann eine globale 10er-Skala, deren Werte der Schreiber ja auch für Genres hernehmen muss, die er bis ins Mark hasst, zwangsläufig zu einer "Durchschnittsnote" deutlich über der 5,5 für ein "durchschnittliches Genrealbum" führen muss, ist selbstverständlich, weil der Rezensent ja per se schon das Genre, in dem er bewertet, im globalen Musikkontext überdurchschnittlich toll findet.


Ebendt. Nur weil jemand ein Genre generell gut findet, muss ein Album aus diesem Genre ja nicht von vornherein mindestens 7 Punkte wert sein, weil der Rezensent es sich "gut anhören kann", ohne verzweifelt den Ausschalter auf der Anlage zu suchen oder sich dabei zu übergeben. Wenn ein Album mich nicht stört, problemlos nebenbei her laufen kann und dabei vielleicht auch noch zum vorsichtigen Zehenwippen anregt, ist das für mich noch kein Zeichen dafür, dass es besser ist als 75% seiner Artgenossen. Insbesondere, wenn man es zwei Wochen später eh wieder vergessen hat. Man muss auch als Fan eines Genres in der Lage sein, ein Album als durchschnittlich anzusehen, wenn es eben nur seinen Job macht, aber nicht begeistert. Bonuspunkte für die Genrezugehörigkeit sagen nichts über die Qualität aus.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 24. September 2013, 12:06

Da hast du zwar Recht, aber das entspricht ja gar nicht der definierten Aussage unserer Skala. Wir bewerten ja mit der Note gerade nicht mit einem objektivierenden Ansatz, ob ein Album ein für sein Genre durchschnittlich gutes Album ist, sondern schlicht und einfach, ob der Rezensent das Album gerne hört, oder nicht. Und dass ich selbst unterdurchschnittliche Alben aus dem norwegischen Unterholz deutlich lieber höre als die neue ALTER BRIDGE ist nunmal ein Faktum, das sich in der Note entsprechend niederschlagen muss. Sprich, selbst wenn ein Norse-BM-Album nicht besser ist als 75% seiner Artgenossen, muss ich dem trotzdem 7 Punkte geben, weil ich sowas trotzdem gerne höre, auch wenn ihm der letzte Kick fehlt, um es dauerhaft aufzulegen.

Ich wundere mich schon sehr, dass die Definitionen der Noten nicht einfach akzeptiert werden. Denn bei uns steht nirgendwo, dass ein exakt durchschnittliches Album seines Genres eine 5,5 bekommen muss, oder dass eine 7,5 bedeuten würde, dass das Album besser ist als 75% seiner Artgenossen. Ich weiß gar nicht, wie du auf diese Arithmetik kommst. 7,5 sagt doch nichts über das Verhältnis des Albums zu den Alben der Artgenossen aus, sondern allenfalls darüber, dass es 75% des von uns aufgestellten subjektiven Anforderungsprofils erfüllt. Rein theoretisch können auch alle Bands eines Genres 75% meines Anforderungsprofils erfüllen. Den Schluss, dass nur die besten 25% des Genres eine Note von 7,5 oder besser bekommen können, habe ich nie gezogen, und er erscheint mir auch kein Stück weit logisch.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Nils Macher » Dienstag 24. September 2013, 12:09

Ich finde den Anspruch an eine Bewertungsskala für Musik, gar intervallskaliert zu sein, ziemlich schwachsinnig. Unser Bewertungsschema entspricht einer Ordinalskala und gut ist.
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