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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 00:10
So, hier mal der Versuch einer kleinen Einordnung meiner CF-Sammlung, wobei der weit weniger ergiebig sein wird als bei Satyricon, da ich die Scheiben lange nicht so intensiv und oft gehört habe. Daher muss ich eben auch beim Schreiben ein bisschen quer hören... Wie immer geht's chronologisch zur Sache, und jetzt wo die Debüt-EP "Through Chasm, Caves And Titan Woods" (Avantgarde Music 1995) läuft, fällt mir ein, dass CARPATHIAN FOREST eine der letzten Bands der zweiten Welle war, die ich damals noch "from scratch" verfolgt habe. Der Band eilte ein gewisser Ruf voraus, und so waren wir damals sehr begierig auf diese Debüt-EP. Sie schlug dann auch ziemlich heftig ein, und ging als ziemlich perfekter Norse BM durch. Dass sie damals schon black'n'rolliger war als die meisten anderen Bands, fällt mir erst jetzt auf, wenn ich das Ding seit gut 17 Jahren zum ersten Mal wieder bewusst anhöre. Dafür hat sie aber mit "The Eclipse / The Raven" (im Übrigen tatsächlich eine Poe-Adaption) auch epische, naturmystische Momente. Man hört übrigens den fünf Songs an, wer welche davon geschrieben hat. Die epischeren, keyboardlastigeren, mystischeren Stücke stammen von Nordavind, während Nattefrost schon damals das rotzige Element bevorzugte. Im Endeffekt haben beide viel von Bathory, die einen mehr in die Ecke von "You Don't Move Me" und "Satan My Master" und die anderen mehr in die "Blood Fire Death"-Ecke, indes ein wenig weniger brachial. Etwas CF, ein wenig Vorwegnahme von Falkenbach... ja, das ist schon sehr toll und aus damaliger Sicht sogar ziemlich eigen. Wie gesagt, eines der späten Debüts der großen Welle, die ich noch unter die Klassiker des Genres zählen würde, auch wenn es natürlich nie den Status erlangte, wie die Debüts der Bands, die vorher kamen. Dennoch ein ganz tolles Scheibchen, das dir, Loomis, ziemlich sicher zusagen wird, würde ich meinen, und für mich tatsächlich spannender als das Gorgoroth-Debüt - was kein Statement gegen "Pentagram" ist!  keltisch frostig: http://www.youtube.com/watch?v=zK_63PMFy_0mystisch und magisch: http://www.youtube.com/watch?v=GxHd2AC0f2whttp://www.youtube.com/watch?v=srRnMPXJSYk
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von enemy-of-reality » Donnerstag 19. September 2013, 00:14
Bei CF war ich mir nie sicher, ob das jetzt eigentlich Satire ist oder nicht. Aber wenn ich mir jetzt wieder das Cover mit der rosa (!) Schrift so ansehe......
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 00:48
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von enemy-of-reality » Donnerstag 19. September 2013, 01:01
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 01:22
Wie ich oben schon angedeutet habe, war das ja am Anfang noch eine Band, die aus zwei Gegenpolen bestand. Nattefrost und Nordavind. Letzterer stieg nach der "Strange Old Brew" aus und danach änderte sich die Darstellung der Band doch recht signifikant. Am Anfang (also auf der EP) war da noch nichts Überzeichnetes oder Karikierendes. Das fing dann aber schon mit der ersten Full-Length an.
Damit will ich dir nicht widersprechen, sondern nur darauf hinweisen, dass das Groteske erst langsam dazu kam und die Band nicht von Anfang an ausmachte. Dass CF und vor allem das Soloprojekt NATTEFROST heute viel von Selbstkarikatur und BM-Groteskentheater hat, ist absolut richtig. Keine Frage!
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 01:43
An das erste vollständige Album "Black Shining Leather" (Avantgarde 1998) habe ich nicht wirklich viele Erinnerungen. Das Album ist genau in der Phase gekommen, als die (vorübergehende) BM-Übersättigung bei mir einsetzte. Die Band hat zwischen EP und Album einfach etwas zu lange gebraucht, um sich in die Reihe der Bands einzusortieren, die ich trotz der Übersättigung dauernd weiter verfolgt habe. Ich habe das Album noch als Promo bekommen, aber erst gut 12 Jahre später als Rerelease richtig nachgekauft. Es unterscheidet sich schon sehr stark vom Debüt, auch wenn sich Nattefrost und Nordavind weiterhin das Songwriting teilen. Das Mystische und Epische ist weitgehend über Bord gegangen, bis auf zwei oder drei Songs in Teilen, auch die folkigen und atmosphärischen Elemente sind verschwunden. Die Nordlandästhetik musste mit Ausnahme der Waldbilder im Booklet einer zunehmenden SM-Ästhetik weichen. Wie Enemy oben angedeutet hat, geht alles mehr ins Groteske, wobei man es "Black Shining Leather" noch nicht so sehr anmerkt wie später dann. Musikalisch haben wir relativ rockigen, groovenden Black Metal, meist im Midtempo. Es gibt aber auch Geschwindigkeitsausbrüche und richtig doomige Parts. Noch ziemlich viel Celtic Frost, bis auf zwei, drei Song eher weniger Bathory, dafür etwas mehr Motörhead. Hier und da haben wir auch ein paar Keyboards der Dimmu-Marke, allerdings viel weniger bombastisch und lange nicht so kalt und transparent-steril produziert wie DB zur selben Zeit. Besonders stark an der Scheibe sind die hier sehr charismatischen Vocals von Nattefrost. Und dann gibt's noch ein recht schräges, sehr elektronisches, aber dennoch verdammt cooles THE CURE Cover.  Der Titelsong: http://www.youtube.com/watch?v=FP6qKtapL3cDer Doomsong: http://www.youtube.com/watch?v=pfEH3PNsd9MDas
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 02:07
Das dritte Studioalbum "Strange Old Brew" (Avantgarde 2000) habe ich dann tatsächlich erst 2011 als Peaceville Rerelease von 2007 gekauft und auch vorher nicht gehört. Nach "Black Shining Leather" hatte ich die Band fast komplett aus den Augen verloren. Die Scheibe ist die erste, die nicht mehr nur das Duo in den Mittelpunkt stellte, sondern neben Nattefrost und Nordavind auch Bilder von Tchort und Kobro im Booklet hatte, allerdings offiziell noch als Gastmusiker. Der kompositorische Einfluss von Nordavind nahm signifikant ab. Die Songs sind nun zu 70% von Nattefrost geschrieben, was man stilistisch natürlich merkt. Warum die Band allerdings bei den Metalarchives-Reviews von Mittelwerten von 88% und 81% direkt auf 55% abstürzt, kann ich nur schwer erklären. Ja, auch ich finde es schwächer als "Black Shining Leather", vor allem, weil es etwas eindimensionaler und abwechslungsärmer ist. Aber der gebotene knatternde Mix aus den punkrockigen frühen Bathory und Celtic Frost ist doch ziemlich lässig. Im Mittel ist das Album schneller als die Vorgänger, es wird auch mal geblastet. Der Gitarrensound und der Drumsound sind ziemlich stark. Die Ausrufezeichen setzten einmal mehr die Nordavind-Songs. Die sind nämlich doomiger, viel langsamer und lockern das Album enorm auf - sogar 'ne Piano-Ballade ist dabei. Und alle Songs sind zwischen 1991 und 1997 geschrieben worden, was erklären mag, warum das dann trotz allem noch immer sehr old-schoolig klingt.  Nordavind in Doom: http://www.youtube.com/watch?v=13uI4HJ0KGQFetziges: http://www.youtube.com/watch?v=wSGMjKzMyp4
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. September 2013, 02:07
Mehr dann demnächst mal... bin müüüüüde...
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von Hang Mai Le » Donnerstag 19. September 2013, 08:40
Live auf jeden Fall sehenswert gewesen 
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von Loomis » Donnerstag 19. September 2013, 17:40
Die "Through Chasm, Caves And Titan Woods" liest sich schon mal nach Pflichtkauf an. und die Hörprobe klingt auch so. Ich werde das Thema auf jeden Fall weiter verfolgen, liest sich auch sehr interessant.
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