Bewertungsschema

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Bewertungsschema

Beitragvon salisbury » Dienstag 17. September 2013, 22:20

the seeker hat geschrieben:ihr entwertet aber die Höchstenote(n), indem diese hier so oft vergeben wird

was sind die babyblauen seiten?


Das liegt aber auch daran, dass die Crew geschmacklich sehr sehr heterogen ist und wenn jeder im Jahr 3-4 Mal ne Zehn auf seine Highlights vergibt, kommt eben schon was zusammen. Deswegen empfehle ich: Rezis lesen, nicht auf die Note gucken!

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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Nils Macher » Dienstag 17. September 2013, 22:22

the seeker hat geschrieben:ihr entwertet aber die Höchstenote(n), indem diese hier so oft vergeben wird


Nö. Wir stehen auf Musik und bewerten nicht künstlich niedriger, um nicht so "oft" Höchstnoten zu haben. Insgesamt sind bei uns 1% der Reviews 10er. Können wir doch nix dafür, wenn es so viel geile Mucke gibt. Wir haben keine "gut finden Quote" ;-)
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon salisbury » Dienstag 17. September 2013, 22:31

Stimme dem Nils voll und ganz zu. Ich als Mensch, bei dem die 10 auch eher locker sitzt, versuch immer mein Bestes, den Leser in meinen begleitenden Text auf denselben Trip mitzunehmen, den ich beim Hören empfinde. Ob das gelingt, weiss ich nicht. Meinem geschätzen Kollegen gelingt das aber, wenn ich selber der Leser bin. Das THRÄNENKIND-Review, sag ich nur...(sowas will ich auch irgendwann mal schreiben können...)
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon ishina » Dienstag 17. September 2013, 23:05

Zur 15-Punkte-Skala:

Diese habe ich für mich lange als die bisher beste Skala angesehen, aber dann immer mehr Probleme gehabt, die Musik in ihr einzuordnen. Ich habe die 15-Punkte-Skala immer in fünf Dreipunkteblöcken wahrgenommen, die ich mit den fünf Schulnoten in Österreich (nicht genügend, genügend, befriedigend, gut, sehr gut) assoziiere. Bei den Schulnoten gibt es auch immer bei Randfällen entweder ein Plus oder Minus hintendran, je nachdem, ob die Leistung die Kategorie fast übertrifft oder sich gerade noch darin befindet. So ist für mich dann ein Album mit 10 Punkten eine 2-, mit 12 Punkten eine 2+. Eine weitere Assoziierung habe ich auf progarchives.com aufgeschnappt und übernommen. Dort gibt es fünf Sterne, die wie folgt beschrieben sind:
1 Stern: Poor. Only for completionists
2 Sterne: Collectors/fans only
3 Sterne: Good, but non-essential
4 Sterne: Excellent addition to any prog rock music collection
5 Sterne: Essential: a masterpiece of progressive rock music

Diese Kategorien finde ich extrem hilfreich beim Einordnen der Musik. Auch hier kann ich mit Plus- und Minussuffixen die Feinabstufung vornehmen, sodass ich wieder zur 15-Punkte-Skala komme. So ist ein 12-Punkte-Album nun eine exzellente Erweiterung jeder Musiksammlung mit besonderer Qualität, die ich aber vom Gefühl her nicht in die Schublade Meisterwerke einordnen kann, die für andere Kaliber reserviert ist. Hier geht es viel um das Gefühl dafür, ob ein Album exzellent, nur gut und ein Meisterwerk ist und die interne Hackordnung dieser Klassen.

Wenn ich so darüber schreibe, dann regen sich in mir wieder die großen Sympathien für dieses Bewertungsschema. Hier habe ich z.B. Alben wie HAKEN's "Visions" und DARK SUNS' "Orange" nach meinem Gefühl stimmiger einordnen können, als mir das mit der zehnstufigen Skala gelungen ist.

Zu den "10-von-10-Punkten-Alben":

Ich habe keine persönliche Politik, diese Note künstlich zu verknappen. Es ist nur so, dass ich wahrscheinlich weniger begeisterungsfähig als Nils und Sally bin. Nur höchst selten begeistert mich Musik so nachhaltig, dass ich diese höchste Note zücken möchte. Bei Verwendung der 15-Punkte-Skala habe ich das im Übrigen noch seltener getan. Das ist ein Unterschied im persönlichen Empfinden der Wertigkeit von Musik bezogen auf ein inneres Bewertungsschema.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon salisbury » Dienstag 17. September 2013, 23:39

Die Progarchives-Notendefinition hat was, würde aber hier nur sehr schwer funktionieren. Nach welchen Richtlinien wird bewertet, was ein "Masterpiece" ist? Ist es der kleinste gemeinsame Nenner? Musik, die alle toll finden? Das wird sehr schwierig. Kaum hast Du mal drei Leute zusammen, die z.B. "Raven the refused to sing" als Masterpiece einordenen, finden sich drei weitere, die hier heftigst widersprechen würden. Ähnliches würde für "Operation Mindcrime" und "Awaken the guardian" gelten. Oder nehmen wir "Masterpiece of Metal". Das wird ja noch schwieriger. Wir sind uns ja nichtmal einig, was genau Metal ist! Hier ist also ein ähnliches Problem wie bei mit den Proglisten, die wir vor einigen Tagen diskutiert haben. Welchen Alben gehören dort rein und woher kommt die Geschmackshoheit der Instanz, die dort Alben als "Meisterwerke" ausweist? Dies jedoch müsste man bei solch einer Skala erstmal tun, damit man sie mir Wertigkeit und Aussagekraft füllt.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 17. September 2013, 23:42

Man darf bei der "hohen Anzahl an 10ern" auch nie vergessen, dass einige von uns nicht 20-50 Neuveröffentlichungen im Jahr hören, sondern eher 250-400. Wenn man dann 3x so begeistert ist, dass es eine 10 gibt, ist das bei ~1% der Scheiben der Fall. Wäre doch schlimm, wenn es nich so wäre, oder?

In den mittlerweile mehr als 4 Jahren, in denen wir den Soundcheck machen, habe ich von ~1.300 gehörten Alben den folgenden Bands eine 10 gegeben: 40 Watt Sun, The Intersphere, Long Distance Calling, Arch/Matheos, Threshold. Und es ist nicht nur so, dass ich bei allen Alben noch dazu stehe, es ist sogar so, dass es zu wenige sind und ich mittlerweile 1-2 weiteren Alben eine 10 geben würde, weil sie einfach den Test of Time bestanden haben (namentlich The Butterfly Effect & The Gracious Few).

Ich führe übrigens tatsächlich eine Statistik darüber wie oft wir im SC die 10 (und alle anderen Noten) vergeben und wer sie wie oft innerhalb seiner Noten vergibt. Ich kann da nix erkennen, was übertrieben oder "die Note entwertend" wäre. Ein bisschen Leidenschaft für unser großes Hobby - und nix anderes ist PM.de für uns ja - sollte man uns schon zugestehen.

Ansonsten ist meine Definition der Noten, die, die wir auch intern benutzen und damit fahre ich für mich ganz hervorragend.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 18. September 2013, 03:42

Ich stehe ja auch hin und wieder im Ruf, zu viele 10er zu vergeben, möchte mich da aber mit meinen Vorrednern solidarisieren und diesem Eindruck widersprechen. Zum einen bin ich ganz und gar nicht der Meinung, dass es keine perfekten Alben gibt. Wenn ein Album so klingt, dass ich nichts daran ändern wollen würde, dann ist es doch perfekt, oder? Ich bin mir sicher, dass ich weit über 100 Alben in meiner Sammlung habe, an denen ich nichts ändern möchte, und ich fände es schlimm, wenn das nicht so wäre. Warum sollte ich mir ausschließlich Alben kaufen, an denen ich etwas auszusetzen habe? Verstehe ich nicht...

Außerdem ist natürlich auch Peters Punkt sehr entscheidend. Wenn von ca. 300-400 neuen Alben, die wir pro Jahr so zu hören bekommen, nicht wenigstens 5 perfekt wären, dann fände ich das absolut tragisch und erschütternd, und ich müsste mir ernsthaft Gedanken darüber machen, den ganzen "Quatsch" bleiben zu lassen.

Letzter Punkt: Man darf nicht vergessen, dass unsere Promoverteilung den höchsten Wert darauf legt, dass die Alben für die Reviews nicht einfach "randomly" zugeteilt werden, sondern dass die Alben jeweils bei passionierten Genregängern oder bei Leuten landen, die die entsprechende Band seit Jahren oder Jahrzehnten verfolgen und meist auch deren Fans sind. Nicht, weil wir den Bands gute Noten zuschanzen wollen, sondern weil der Leser, der sich für eine Band interessiert, am besten von jemandem über deren neue Scheibe informiert werden kann, der sich sehr gut auskennt.

Wenn jemand wissen will, wie der Death Metaller die neue Bon Jovi findet, oder der Proggie die neue Darkthrone: Genau dafür haben wir den Soundcheck und die Gruppentherapie! - Das Einzelreview ist in erster Linie für den speziell an einer Band oder einem Album interessierten Leser gedacht, und soll daher auch von jemandem verfasst werden, der beurteilen kann, wie diese Scheibe im Kontext des restlichen Schaffens der Band zu sehen ist.

Das bringt es automatisch mit sich, dass öfters eine Höchstnote dabei heraus kommt, als wenn man oberflächlich zuteilt. Es sei denn, man würde die Höchstnote künstlich zurückhalten, und das wollen wir nicht.

Ich sehe das recht pragmatisch, fast wie der Deutschlehrer. Der gibt die 1,0 für einen Aufsatz auch nicht nur dann, wenn er völlig ergriffen ist, von dem, was der Schüler schreibt, sondern bereits dann, wenn er an Sprache, Form und Inhalt nichts auszusetzen hat und das entsprechend gut findet, was der Schüler darlegt. Würde ich darauf warten, dass mir vor Begeisterung der Kopf platzt, dann bräuchte ich eine Zeitmaschine in die Zeit von 1988-1996, oder ich hätte nur noch all Schaltjahr einen Zehner, und das kann auch nicht der Sinn einer Notenskala sein.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Martin van der Laan » Mittwoch 18. September 2013, 09:01

the seeker hat geschrieben:ihr entwertet aber die Höchstenote(n), indem diese hier so oft vergeben wird


Ich schere jetzt einfach mal aus der Verteidigungs-Phalanx der Kollegen aus und behaupte, du hast recht.

Wenn man schon 20 verschiedene Abstufungen machen kann, dann sollte die 10,0 ein absolute Ausnahme sein. Wenn ich an einem Album nichts auszusetzen habe, bekommt es eine 7-8. Für eine 10 will ich so heftig gegen die Wand geblasen werden, dass ich tagelang aufgewühlt und völlig fasziniert bin, wenn ich mich mit der Promo befasse für das Verfassen eines Reviews oder für die Bewertung im SC. Selbst bei Überscheiben wie in den letzten Jahren die von VEKTOR oder SHINING habe ich es bei 9,5 belassen, weil es selbst auf diesen Alben den einen oder anderen "gewöhnlichen" Moment gibt. Lediglich bei ETHEREAL ARCHITECT konnte ich nicht anders. Ich finde es sowieso äußerst schwierig mit den begrenzten Mitteln des Heavy Metal allein ein perfektes Meisterwerk zu erschaffen; egal welchem "normalen Strophe-Refrain-Strophe-Riff-Metal-Album" kann ich allerhöchstens rückschauend eine verklärte 10 geben, wobei ich dann narzisstischerweise diese 10 eher für diese meine Lebensmomente und Aha-Erlebnisse zücke, die ich mit diesen Alben verbinde. Es gibt insgesamt wirklich nur eine Handvoll Metal-Alben, die mich mit ganz einfachen Mitteln zur völligen inneren Raserei treiben... "Metal Church", "Gutter ballet", "Act III", "Keeper...Part I" oder eben "Monolith"... ich sollte vielleicht mal meine jahrelang auf Eis liegende Metal-TOP100 vollenden... Kurzum: die kurzfristige 10,0 (d.h. die im Review-Prozess für eine Neuerscheinung vergebene) ist bei mir für epochale Meisterwerke reserviert, die nicht nur alles richtig machen, sondern die meinen Erfahrungshorizont sprengen, die mir etwas geben, von dem ich vorher nicht mal wusste, dass es das überhaupt gibt. Metalbands schaffen das manchmal (eigentlich immer seltener...vielleicht ein gewisser Abnutzungseffekt nach all den Jahren!?), ansonsten eher Leute wie Olafur Arnalds oder Nils Frahm oder The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble oder Magnus Lindberg (der finnische Komponist, nicht der Typ von Cult of Luna)...
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 18. September 2013, 10:24

Nach meiner bescheidenen Meinung, kann man weder _zu_ gute noch _zu_ schlechte Noten geben, weil diese Wert ja völlig subjektiv sind. Ein Redakteur ist schneller und anhaltender von einem Album begeistert, während ein anderer Redakteur eher sehr analytisch an jeder werk heran geht und somit vielleicht weniger freizügig mit ganz hohen Werten um sich wirft.

Ich persönlich vergebe ja auch ganz geren mal eine 10 und habe mich von meinem ursprünglichen Vergabesystem als die Noten neu waren, ein wenig abgewendet. Während ich zu Beginn unserer Notenvergabe, die 10 als etwas Heiliges angesehen habe und diese zum Beispiel für die Kingsbane vguten Gewissens vergeben konnte, weil ich die Musik seit fast zwei Dekaden abgöttisch verehre, so bin ich im Laufe der Zeit eher dazu übergegangen, auch dann eine 10 zu verteiteln, wenn mich ein Album innerhalb des Sc-Monates völlig umhaut, ich es immer wieder hören will und es in mir eventuell sogar die Begeisterung für den eventuell vorhandenen Backkatalog der Band neu entfacht. Diese Alben höre ich auch deutlich häufiger als diejenigen, die am Ende dann eine weniger gute Note erhalten. Das ist auf der einen Seite eine gewisse Absicherung, um eine schnelle Abnutzung auszuschließen, auf der anderen Seite natürlich auch ein Automatismus, denn ich möchte so eine gute Scheibe ja auch häufig hören.

Eine Notenskala abseits der Unsrigen ...
In den 80er Jahren haben alle Printmagazine mit einem 10er System gearbeitet und in der Regel wurde in Halbpunkte-Schritten bewertet. Es ist also auf der einen Seite eine Gewöhnungsfrage. Das englische Magazin Metal Forces hatte dann eine Skala von 1-100, die aber von allen, wie eine 10er Skala gelesen wurde. Ändert also auch nichts, den eine 86/100 liest man als 8,6/10. Das fanden wir damals schon alle eher albern, denn gut.
Ich habe bereist mit einem 20er System gearbeitet, nämlich mit diesem:
Bild
Das wird dort auch immer noch verwendet. Finde ich von der Grundüberlegung her auch sehr gut, leider hat auch dies der Leser nicht verstanden.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Bewertungsschema

Beitragvon firestarter » Mittwoch 18. September 2013, 10:37

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