|
|
Metal MirrorRe: Metal MirrorIch hatte die Anekdote wohl schon einmal erzählt oder sogar nieder geschrieben. Mir schwirrte Peter Steele im Kopf herum, den ich als Beisitzer zu einem Interview in den 90ern als eloquenten und äußerst charismatischen Gesprächspartner erleben durfte. Die Antwort auf die Frage nach einem Songtitel wie "Der Untermensch" beantwortete er mit einem süffisanten Lächeln und dem Kommentar, ob sein Gesprächspartner glauben würde, die Band würde ohe solche Schockeffekte so viel Presse auch außerhalb der Musik/Metal-Szene bekommen.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Metal MirrorJa, ich glaube, dass du das mal erzählt hast. Aber selbst hier stellt sich dann die Frage, ob die treffende Analyse des kommerziellen Effekts tatsächlich darauf schließen lässt, dass er den Text nur deshalb geschrieben hat. Ich komme da immer wieder auf den Punkt zurück, dass Metal eine Art "LARP" ist, und unsere Szene bis zum Anschlag mit passionierten Rollenspielern bestückt ist. Peter Steele war mit Sicherheit einer der schillerndsten Rollenspieler dieser Szene, ganz gleich ob mit Carnivore oder mit Type O. Dieses Rollenspiel beinhaltete Provokationen, Schockeffekte, aber teils auch Seelenstriptease und tief emotionale Songs. Da stellt sich dann immer die Frage, was echt ist, was Show ist, oder ob nicht vielleicht alles davon sowohl als auch ist. Wirkliche Überzeugungen, oder das Abreagieren negativer Emotionen, um diese zu bewältigen, oder aber einfach das Austesten der Reaktionen der Umgebung... oder doch schlichtes Kalkül?
Um den Kreis zur "PC" an dem "Untermensch"-Beispiel zu vollenden: Diejenigen, die ich als die von mir vorhin kritisierten "PC-Typen" sehe, regen sich über den Songtitel an sich auf, einfach, weil Pete ein böses Wort benutzt hat, das man nicht benutzen darf. Wer den Text liest, den Text hinterfragt und versucht zu ergründen, welchen Zweck der Text erfüllt, der fällt für mich bereits nicht mehr in die PC-Kategorie, wenn er seine Entscheidung, ob er den Text billigt oder nicht, vom Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit der Materie abhängig macht. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Metal Mirror
Okay, doch noch gelesen, weil mein Lernpartner Verspätung hat. Aber gerade Bands mit Marketing-Image gibt es doch wie Sand am Meer: KISS, die sich schminken, um aufzufallen, Alice Cooper, der Schlangen und Guillotinen auf die Bühne zerrt, um zu unterhalten, Bowie, der sich androgyn gibt und deklamiert, er sei schwul, Black Sabbath, die erst nach den Kritiken ihr dunkles Image aufgreifen und vermarkten, Marylin Manson, der sich sogar Micke-Maus-Ohren aufsetzt, die Sex Pistols und alle Malcolm McLaren-Bands, die als Design-Projekt gegründet werden ebenso wie etwa die Monkees, die als Beatles-nachahmer gecastet wurden, Kraftwerk, die mit Synthesizern und Roboter-Nachbauten von sich selbst ihr eigenes Image schuf und vermaktete, AC/DC, die in ihren Anfangstagen alle verkleidet waren um herauszustechen oder Pink Floyd, die seit Beginn riesige Videoprojektionen auffuhren und später Schweinen das fliegen beibrachten und Wände zum Einsturz zwangen. Ich glaube, gerade in den 60er bis 80er Jahren war ein (mehr oder weniger) konzipiertes Image sehr weit verbreitet, man verdrängt es nur sehr gerne um seinen Helden keinen Makel zukommen zu lassen. Verbitterter Unruhestifter
Re: Metal MirrorDas geht zurück in die Antike: Seit sich der erste Mensch eine Maske aufsetzte und dazu Krach schlug.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Re: Metal Mirror
Ja, aber das ist doch genau das, was ich mit Rollenspielerei meine. Ob da die finale Verbindung "ich mache das, um mehr zu verkaufen" im Vordergrund stand oder steht, das weiß ich nicht. Es ist mir per se auch völlig egal, da es mich gar nicht interessiert, ob meine "Helden" Makel haben - ich gehe davon aus, dass jeder Makel hat. "Um aufzufallen" und "um zu unterhalten" sind für mich schon völlig andere Ansätze als "aus finanziellen Gründen", denn da spielt ein dem Künstler oft eigener Exhibitionismus, ein Hang zur Selbstdarstellung etc... mit, die ja ursprüngliche Grundlagen jeder künstlerischen Tätigkeit sind. Das ist ja genau das, was ich meinte: Es ist sehr schwer, bei einer Band zu unterstellen, dass sie etwas aus allein oder überwiegend kommerziellen Gründen macht. Das würde ich am ehesten noch vermuten, wenn jemand wie Rock'n'Rolf heute eine neue Running Wild macht und man den Eindruck haben mag, dass er eigentlich gar nicht viel Lust darauf hat. Und selbst da bin ich mir nicht so recht sicher. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Metal MirrorAusgabe #79 ist seit ein paar Tagen online. Dieses Mal ohne streitbare Kolumne meinerseits. Von mir im Heft: Interviews mit JAMES LABRIE, MASCHINE und THRÄNENKIND.
http://www.metal-mirror.de/magazin/2013 ... _08_79.pdf
Wer ist online?Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 7 Gäste |
|