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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Nils Macher » Freitag 21. Juni 2013, 11:46
Martin van der Laan hat geschrieben:Sieht fast so aus als sei BURZUM ein klassischer Fall für moralische legitimierte illegale Downloads... Auch wenn sich die Argumente wiederholen, und wahrlich niemand die Deutungshoheit über den Fall Vikernes beanspruchen kann, ist das grundsätzliche Thema, um das es hier geht, doch ein sehr interessantes und ambivalentes. Ich habe einmal eine unheimlich fesselnde Reportage gelesen von den Wagner-Festspielen in Bayreuth - die kam von einem jüdischen Journalisten, dessen Familie im Holocaust massiv dezimiert wurde. Als der seine Empfindungen schilderte bei der pathetisch-feierlichen Inszenierung des Nibelungen-Rings, habe ich Gänsehaut bekommen. Kann es einen klassischeren tragischen Konflikt geben als den zwischen der grenzenlosen Kraft und Herrlichkeit dieser genialer Musik und der tiefen Abscheu gegen die menschenverachtende Weltsicht ihres Schöpfers? Heißt das jetzt, dass das Böse durchaus die Wurzel von etwas Erhabenem sein kann? Oder das beides getrennt und nebeneinander in derselben Seele existieren kann. Hat jemand mal alte Filmaufnahmen von dem Klavier spielenden Joseph Göbbels gesehen? Verfolgt jemand die Debatte über die aktuelle Ausstellung deutscher Malerei im Louvre? Was die französischen Kuratoren da zumindest implizieren ist, dass die (deutsche) Kunst tatsächlich so ein janusköpfiges Wesen darstellt, das sowohl makellose Schönheit als auch den Keim der Vernichtung in sich trägt - je nach Blickwinkel (fast wie dieses optische Spielchen mit Freud und der Frauengestalt in "What's on a man's mind"). Aus genau diesen Gründen geht eben auch eine diabolischen Faszination von einer Band wie BURZUM aus; diese tiefen, ursprünglichen Empfindungen erscheinen mir deutlich interessanter als eine schlichte Moral-Polemik.
Zum Thema Louvre: Ich verfolge die Debatte dazu nicht, finde die Aspekte aber durchaus interessant. Was mir dabei aber oftmals abgeht, ist die tiefenhermeneutische Implikation bei gleich einer ganzen Künstlergeneration. Dazu müsste ich mir aber mehr Informationen aneignen um adäquat auf das Thema einzugehen. Aber ja, diesen Grundkonflikt im Black Metal finde ich sehr spannend. Das ist meiner Meinung nach auch die zentrale Diskrepanz zu dem meisten, was es heute noch an Black Metal gibt. Da gelangt man zu dem Punkt, den norwegischen Black Metal der 90er für "mehr als Musik" zu erachten und liegt für meinen Geshcmack auch absolut richtig damit. Deswegen ist das für mich auch Kunst und kein Produkt der Kulturindustrie. [Mehr zu diesem Thema vielleicht in einem anderen Thread, es gibt schließlich noch viele andere Inhalte im METAL MIRROR.]
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von Martin van der Laan » Freitag 21. Juni 2013, 12:46
Das mit der hermeneutischen Implikation musst du freudianisch und nicht programmatisch denken... Nils Macher hat geschrieben:[Mehr zu diesem Thema vielleicht in einem anderen Thread, es gibt schließlich noch viele andere Inhalte im METAL MIRROR.]
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von Rüdiger Stehle » Freitag 21. Juni 2013, 14:53
Martin van der Laan hat geschrieben:Auch wenn sich die Argumente wiederholen, und wahrlich niemand die Deutungshoheit über den Fall Vikernes beanspruchen kann, ist das grundsätzliche Thema, um das es hier geht, doch ein sehr interessantes und ambivalentes. Ich habe einmal eine unheimlich fesselnde Reportage gelesen von den Wagner-Festspielen in Bayreuth - die kam von einem jüdischen Journalisten, dessen Familie im Holocaust massiv dezimiert wurde. Als der seine Empfindungen schilderte bei der pathetisch-feierlichen Inszenierung des Nibelungen-Rings, habe ich Gänsehaut bekommen. Kann es einen klassischeren tragischen Konflikt geben als den zwischen der grenzenlosen Kraft und Herrlichkeit dieser genialer Musik und der tiefen Abscheu gegen die menschenverachtende Weltsicht ihres Schöpfers? Heißt das jetzt, dass das Böse durchaus die Wurzel von etwas Erhabenem sein kann? Oder das beides getrennt und nebeneinander in derselben Seele existieren kann. Hat jemand mal alte Filmaufnahmen von dem Klavier spielenden Joseph Göbbels gesehen? Verfolgt jemand die Debatte über die aktuelle Ausstellung deutscher Malerei im Louvre? Was die französischen Kuratoren da zumindest implizieren ist, dass die (deutsche) Kunst tatsächlich so ein janusköpfiges Wesen darstellt, das sowohl makellose Schönheit als auch den Keim der Vernichtung in sich trägt - je nach Blickwinkel (fast wie dieses optische Spielchen mit Freud und der Frauengestalt in "What's on a man's mind"). Aus genau diesen Gründen geht eben auch eine diabolischen Faszination von einer Band wie BURZUM aus; diese tiefen, ursprünglichen Empfindungen erscheinen mir deutlich interessanter als eine schlichte Moral-Polemik.
Bester Beitrag zum Thema! 
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von Eike » Samstag 29. Juni 2013, 04:04
Siebi hat geschrieben:Nenn' doch mal Namen, wer denn der pc-Pöbel ist, von dem du da dauernd faselst.
Auf solche Fragen bekommt man grundsätzlich nie eine sinnvolle Antwort. Die vielbeschworene political correctness ist eine Schimäre, gegen die verbal von Leuten gekämpft wird, die langweilige Spießer sind, aber sich auch mal gaaaaanz mutig fühlen wollen. Oder die einfach nachgeplappert wird ohne zu denken. Wann immer irgendwo empört die Rede von political correctness geschwungen wird, weiß ich, dass nachfolgend irgendwas Dummes gesagt wird. Aber das ist müßig, solche Diskussionen führen zu nix, ich sage da auch weiter nichts mehr zu...
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von Nils Macher » Samstag 29. Juni 2013, 11:16
Eike hat geschrieben:Siebi hat geschrieben:Nenn' doch mal Namen, wer denn der pc-Pöbel ist, von dem du da dauernd faselst.
Auf solche Fragen bekommt man grundsätzlich nie eine sinnvolle Antwort. Die vielbeschworene political correctness ist eine Schimäre, gegen die verbal von Leuten gekämpft wird, die langweilige Spießer sind, aber sich auch mal gaaaaanz mutig fühlen wollen. Oder die einfach nachgeplappert wird ohne zu denken. Wann immer irgendwo empört die Rede von political correctness geschwungen wird, weiß ich, dass nachfolgend irgendwas Dummes gesagt wird. Aber das ist müßig, solche Diskussionen führen zu nix, ich sage da auch weiter nichts mehr zu...
Danke für diese hinreissende Beschreibung meiner Person.
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von Rüdiger Stehle » Samstag 29. Juni 2013, 14:53
Eike, ich sehe das im Endeffekt genau umgekehrt wie du. Für mich sind die "P.C.-Menschen" die langweiligen Spießer. Unter "P.C." verstehe ich den gutmenschlichen Aufschrei der Empörung beim bloßen Fallen gewisser Begriffe, Symbole, Aussagen, Meinungen. Leute, die beim Anblick einer Rune, beim Vergessen des Genderings (KollegINNen), beim Hissen der Bundesflage oder beim Wort "Neger" in der kleinen Hexe den "man kann doch nicht, man darf doch nicht, man soll doch nicht"-Betroffenheitsanfall bekommen. Leute, die grundsätzlich die Meinung vertreten, dass man NICHTS mit der NS-Zeit vergleichen darf. Leute, die in einer Rede vor Parteigenossen 30x "liebe Freundinnen und Freunde" und am liebsten noch "Mitgliederinnen und Mitglieder" sagen. Leute, die sich darüber empören, dass in einem Kinderbuch ein gezeichnetes Klassenbild auftaucht, in dem augenscheinlich keine Klassenkameraden mit "Migrationshintergrund" sind usw... usf... Das sind auch für mich die P.C.-Horden, und JA, sie nerven, wo immer sie einen Ton von sich geben.
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von Jesus » Samstag 29. Juni 2013, 14:56
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Für mich sind die "P.C.-Menschen" die langweiligen Spießer.
Und Spießerinnen!
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von Chavo89 » Samstag 29. Juni 2013, 15:01
Das Problem ist aber doch, dass man nicht mehr vernünftig diskutieren kann, ohne dass gleich wieder die PC-Debatte vorgeschoben wird. Damit wird sehr gerne abgelenkt...
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von Jhonny » Samstag 29. Juni 2013, 15:02
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Eike, ich sehe das im Endeffekt genau umgekehrt wie du. Für mich sind die "P.C.-Menschen" die langweiligen Spießer. Unter "P.C." verstehe ich den gutmenschlichen Aufschrei der Empörung beim bloßen Fallen gewisser Begriffe, Symbole, Aussagen, Meinungen. Leute, die beim Anblick einer Rune, beim Vergessen des Genderings (KollegINNen), beim Hissen der Bundesflage oder beim Wort "Neger" in der kleinen Hexe den "man kann doch nicht, man darf doch nicht, man soll doch nicht"-Betroffenheitsanfall bekommen. Leute, die grundsätzlich die Meinung vertreten, dass man NICHTS mit der NS-Zeit vergleichen darf. Leute, die in einer Rede vor Parteigenossen 30x "liebe Freundinnen und Freunde" und am liebsten noch "Mitgliederinnen und Mitglieder" sagen. Leute, die sich darüber empören, dass in einem Kinderbuch ein gezeichnetes Klassenbild auftaucht, in dem augenscheinlich keine Klassenkameraden mit "Migrationshintergrund" sind usw... usf... Das sind auch für mich die P.C.-Horden, und JA, sie nerven, wo immer sie einen Ton von sich geben. 
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von Eike » Samstag 29. Juni 2013, 15:06
[quote][Das Problem ist aber doch, dass man nicht mehr vernünftig diskutieren kann, ohne dass gleich wieder die PC-Debatte vorgeschoben wird. Damit wird sehr gerne abgelenkt...quote]Klar, sonst könnte man ja in Verlegenheit kommen, eine Meinung zu äußern und gegebenfalls sogar zu verteidigen. Da begibt man sich lieber in die Opferposition... *mimimimimi*
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