Daher verlegen wir uns nun erst einmal aufs Álosá (schwäbisch für "Anhören") und da muss ich bei den ersten Takten gleich mal an Kubi denken, weil das leicht progressiv, leicht alternativ und bei alldem recht poppig tönt. Aber schauen wir mal, wie sich das entwickelt.
#01 - 3'05" - ??? "Don't Close Your Eyes"
Der Song heißt offenbar so wie oben angegeben. Gehört habe ich ihn nie zuvor, aber durch die sehr eingängigen Melodien und sehr kommerziell-zeitgemäßen Zutaten hat man trotzdem den Eindruck, ihn schon zigfach gehört zu haben. Ein bisschen punkig, aber gänzlich ohne Dreck und Staub, eher Hochglanz, poppige Melodien, vorwiegend melodischer Gesang, ein paar zaghafte Screamo-Anflüge... halt alles, was sich so in der Schnittmenge von Avril Lavigne bis As I Lay Dying tummelt, hat seine Spuren hinterlassen und dürfte die U20-Rocker-Gemeinde begeistern. Gesungen wird neben der Refrain-Zeile noch so etwas wie "listen to the frequency of the sound". - Jo, das kann ich mir gut anhören, aber dass es mich jetzt nicht direkt zum Amazon-Einkaufswagen greifen lässt, dürfte niemanden überraschen. Dazu ist der Metalanteil zu wenig messbar, und ein Freak-Faktor, der den Mangel an Metal kompensieren könnte, fehlt auch. Easy-Listening halt.
#02 - 12'53" - ??? "???"
Ellenlanger Song, spacige Arrangements, fiepende Synths, entrücktes Feeling, progressives Blubbern, sanfte Genreprog-Stimme... "Round and round our journey goes, where it stops, noone knows, take it to the very end, step inside amongst your friends ..." - Jau, ich lege mich fest, dass das typisch britischer Art-Prog ist, wie ich ihn in der Marillion-, Fish-, Pendragon-Ecke suchen würde. Erkenne ich natürlich nicht. Ob es etwas für mich ist? Nun, ich sage mal so: "Es ist schön!" - Reizt mich mehr als #01, aber es hat schon ein bisschen was von "In Schönheit sterben.", sehr langatmig, sehr ausufernd, sehr schöngeistig. Dazu habe ich viel zu selten die Muße. Also auch eher nicht für den Einkaufszettel.
#03 - 4'14" - ??? "???"
Viel Piano im Intro, das auch im weiteren Verlauf nicht nachlässt. Dann eine dramatische Steigerung, starker Drive, Captain-Future-mäßiges "Wohohoho!", der Bass pumpt fein. Mein Wichtel mag es spacig und poppig. Im Refrain heißt es "don't you know you'll learn to live again,
soon to find your road to everything". Synthie-Pop meets Dark Wave, vermutlich ein altes Original des Genres. Bisher der stärkste Song des Samplers, der durchaus an der Habenwollen-Schwelle kratzt, obwohl es kein Metal ist. Ach ja, und aus letzterem Grunde weiß ich natürlich auch hier nicht, wer das ist.
#04 - 11'33" - ??? "???"
So, jetzt wird's wieder frickelig und schöngeistig. Der Sänger klingt nach nicht-anglophonem Akzent. Ich würde auf Finnland tippen, aber das kann täuschen. Das Instrumentarium ist Stratovarius-mäßig, viel Synth, leicht neoklassische Gitarren; aber die Arrangements sind progressiver, weniger straight, verkopfter. Towers, Labyrinth, Time, lost in the creation... Dann ein Fade-out bei ca. 6:40, Fade-in bei ca. 8:10 mit Fiepen, Flöten-Synth, Wabern. Um die 10. Minute herum wird's dann nochmal etwas metallischer. Einmal mehr habe ich nicht die geringste Ahnung, wer hier wabern könnte. Spricht mich auch nicht wirklich an.
#05 - 4'47" - ??? "???"
"Every time i'm looking around, I see the madness..." - Erstmal ein Viervierteltakt. Rhythmisch. Singende Leadgitarre. Ausgeprägtes Spiel mit instrumentaler Laut-Leise-Dynamik. Vergleichsgrößen? Wenn es Metal wäre, dann würde ich es strukturell/kompositorische in Richtung Nevermore rücken, aber es ist halt mal 0,0% Metal. Na gut, der Jam-Part im letzten Fünftel hat vielleicht 1,3% Metal. Mein Wichtel macht es mir sehr schwer, weil ich hier komplett in einem Stilbereich gelandet bin, in dem ich nicht nur NICHTS kenne, sondern auch kaum etwas vernünftig beschreiben kann.
#06 - 12'04" - ??? "???"
Und gleich noch ein Zwölfminüter hinterher. Das ist mehr die Ecke Singer/Songwriter. Akustische Begleitung, blubbernder Bass, eine charismatische, leicht angerauhte Stimme, feine Leads von der Elektrischen, dann die obligatorischen Space-Synths, die mein Wichtelfreund bei keinem Song auszulassen scheint. "When he woke up in the morning, suddenly he realized his life was empty though full of fears..." - Dann ein Heep-Break par excellence. Leute, ich bin komplett ahnungslos hier.
#07 - 4'30" - ??? "???"
Ach was, spacige Synths? Ich bin verblüfft! Der Sänger ist dieses Mal etwas tuckig-androgyn-britpoppig, was mich vermuten lässt, es mit einer jüngeren Band zu tun zu haben. Keine Ahnung. Es klingt irgendwie, als wäre die Band leicht bekifft unter einer Palme in der Südsee in einen Katamaran eingestiegen, durch ein Wurmloch geflutscht und würde jetzt irgendwo zwischen Aldebaran und Melmak im Äther treiben. Für mich ist das ziemlich ziel- und punktlos.
#08 - 6'52" - ??? "???"
Und wieder wabert es, dieses Mal allerdings orchestraler, und dann ENDLICH, ENDLICH, dringt M.E.T.A.L. an mein Öhrchen, es darf jemand screamen, shouten und growlen. Hach, was habe ich das vemisst, die letzte Dreiviertelstunde? Auch diese Band gibt sich jedoch spacig und artsy. Dafür faibelt der Wicht in extremem Maße, deucht mir. Chorale Arrangements. Erinnert mich an VOYAGER, aber die Australier haben keinen Song mit 6:52.
#09 - 7'29" - ??? "???"
Bassig, rhythmisch, leicht funky. "White space, white noise, When there’s nothing left, there’s nothing left to destroy"... progressiver, funkiger Rock mit gelegentlichen Ausbrüchen. Jo, mei, kenn i nadierlich ao idt! In den härteren Momenten ist das ganz cool. Aber funky mag ich ja generell eher weniger.
#10 - 8'23" - ??? "???"
Folkige Flöterei, Quetschkommoderei, aber man merkt gleich am Anfang, dass das im Zweifel doch kein Pagan Folk wird. Irgendwie warte ich auf die singende Inger Nilsson, aber dann wird es, oh Wunder, wieder spacig und wabernd. Gruftig und wabernd, "strolling in the dark"... ich verstehe kaum etwas. Der Sänger hat was von Billy Idol. Geflöte zwischen Jethro Tull und der ersten Hawkwind. "We are watching you"... PHIDEAUX? Das habe ich so ähnlich in Erinnerung...
So, was soll ich sagen? Ich habe NICHTS erkannt, außer vielleicht den letzten Song, und das wäre dann auch nur Zufall, dass mir der Name eingefallen ist. Was lernen wir daraus? Entweder wollte der Wichtel mir etwas kredenzen, das ich garantiert nicht kenne, um mit Nachdruck meinen musikalischen Horizont aufzubiegen, oder der Sampler war nicht auf mich zugeschnitten.
Letztlich ist ziemlich klar, dass das weitgehend ziemlich deutlich an meinen Hörgewohnheiten vorbei geht, was aber nicht schlimm ist. Heiße neue Tipps werden sich kaum finden, ansatzweise die Chance auf den Wunschzettel haben die Interpreten der Stücke 3, 8 und ggf. 10. Allerdings auch eher ganz weit hinten auf dem Wunschzettel. Auch Nr. 2 und einige andere haben schöne Momente, sind mir dann aber irgendwie zu langatmig und zu wenig straight. Songs über 10 Minuten muss ich nur im Notfall haben, und dann sollten sie wenigstens perseverativ sein...

Solche Sampler führen mir dann doch immer wieder ziemlich nachdrücklich vor Augen und Ohren, dass ich eben doch kein "Musikliebhaber" bin, sondern tatsächlich der alte bornierte Metaller, der immer keiner sein will.
Dennoch: Das will ich nicht als Wichtelschelte verstanden wissen, denn zum einen kann nur dazu lernen, wer Neues und Fremdes ausprobiert, zum anderen hat mich keiner der Songs genervt oder gestört, und zuletzt ist es ja auch immer wieder gut, wenn man merkt, dass man im transmetallischen Universum doch nicht wirklich viel verpasst, das einem wirklich nahe gehen würde.
Daher auf jeden Fall mal vielen Dank für den Sampler, auch wenn er meinen Horizont nicht wirklich aufbiegen konnte.
Was die Frage der Verantwortlichkeit betrifft, würde ich auf die folgenden Kollegen eingrenzen:
Sally
Kubi
Nils
Loenz
Eike
Hierbei hege ich eine gewisse Tendenz hin zu Sally ob der spacigen Gemeinsamkeiten, die wir beide in Sachen Hawkwind haben, und ob der ausgeprägten Space-Rock- und Artrock-Neigung.
Bei Loenz und Kubi wäre der Schwerpunkt wohl nicht ganz so artsy-spacey, bei Nils würde ich ein wenig mehr Metal erwarten und bei Eike etwas mehr Kessel Buntes.



