10 Doom Essentials

Re: 10 Doom Essentials

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 6. Juni 2013, 21:55

Peter Kubaschk hat geschrieben:Aber das gilt doch für jeden Stil. Doom interessiert doch immer noch die gleiche kleine Gemeinde, es gibt nur mehr Musik davon.


Die Ausnahme ist die Stilistik "gute Musik".
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Benutzeravatar
Holger Andrae
Musikredaktion
 
Beiträge: 26382
Registriert: Dienstag 5. Januar 2010, 02:44

Re: 10 Doom Essentials

Beitragvon Dr. Best » Samstag 8. Juni 2013, 09:31

Peter Kubaschk hat geschrieben:Aber das gilt doch für jeden Stil. Doom interessiert doch immer noch die gleiche kleine Gemeinde, es gibt nur mehr Musik davon.

Und wo kommen dann die vielen Leute auf den Konzerten her, wo das Interesse, Bands die kein Doom sind, als solche zu verkaufen? Warum interessieren sich plötzlich unglaublich viele für Doom, die vor 5 Jahren nichtmal genau wussten, was das ist?

Ich denke schon, dass die Szene an sich einfach eine gewaltige Veränderung vollzogen hat, hin zu einer deutlich massentauglicheren Ausrichtung. Sei es Sludge, Noise, Drone, Experimental-Kram auf der einen Seite oder der ganze derzeit hippe 70s Kram auf der anderen und vielleicht auch ein Stück weit das derzeitige Interesse an einzelnen Epic-Bands: so Kram verkauft sich derzeit gut und ist beliebt.
Recht geben kann ich dir maximal bei sehr traditionell ausgerichteten, kleineren Bands, da hat sich das Interesse eher wegbewegt. Interessant ist da der Vergleich zwischen zB Orchid und Saint Vitus, die beide auf den letzten Touren etwa gleich viel Publikum gezogen haben, bei ähnlicher Tour-Frequenz. Wobei man auch da ehrlich sagen muss: 200 Leute wären vor 10, 12 Jahren eine utopische Zahl gewesen...

Für mich ist das etwa vergleichbar mit der noch aktuellen Underground-Fixierung oder dem schon abebbenden Re-Release-Wahn.
Verbitterter Unruhestifter
Benutzeravatar
Dr. Best
Kurzhaarmetaller
 
Beiträge: 1866
Registriert: Mittwoch 14. März 2012, 00:39

Re: 10 Doom Essentials

Beitragvon Jesus » Samstag 8. Juni 2013, 10:10

Durch den Aufstieg von Post-Metal Anfang des Jahrtausends wurden halt mehr Fans anderer Szenen auf Doom Metal aufmerksam. Leute, die von sich selbst behaupteten, keinen Metal zu hören, aber doch NEUROSIS und MASTODON zu ihren Lieblingen zählten (von denen kannte ich auch einige, sie nannten besagte Bands dann einfach Post-Hardcore und leugneten jegliche Metal-Einflüsse), erkannten halt nach und nach, dass deren von Hardcore und Intellektuellen beeinflusste Szene (nennen wir sie der Einfachheit halber "Hipster", ohne eine Wertung zu beabsichtigen) sich doch gar nicht so sehr vom bösen, dummen Metal und seinen ungewachsenen, stumpfsinnigen Fans unterscheidet und dass gerade der Doom in seinen extremeren Ausprägungen der unnahbaren Ästhetik avantgardistischer Hipster-Künstler ähnelt. 10 Jahre Szenevermischung später hat sich das Publikum des Doom vervielfacht und der ergraute, bierbäuchige Metaller, der ST. VITUS noch auf ihrer ersten Tour erlebte, steht jetzt zusammen mit dem von Tunnelohr- und -nasenringen verunstalteten Emo in der ersten Reihe bei EARTH und ORCHID. Möglicherweise hat aber auch einer von beiden einfach nur die Doomster ORCHID mit der gleichnamigen Screamo-Band verwechselt...
Benutzeravatar
Jesus
Super-Duper-Mega-Ober Metaller
 
Beiträge: 10890
Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
Wohnort: Das Herz Preußens

Re: 10 Doom Essentials

Beitragvon Dr. Best » Samstag 8. Juni 2013, 12:15

Stimmt, den Teil hatte ich noch ganz vergessen...
Verbitterter Unruhestifter
Benutzeravatar
Dr. Best
Kurzhaarmetaller
 
Beiträge: 1866
Registriert: Mittwoch 14. März 2012, 00:39

Re: 10 Doom Essentials

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 8. Juni 2013, 12:36

Jo. Das deckt sich letztlich ja auch alles mit den Ausführungen vom Frank und Jochen zum Ende des "Doom Shall Rise" und dem zugehörigen bittersüßen Fazit: "Doom has risen!"

Als ich Mitte der Neunziger erstmals so richtig auf Doom Metal aufmerksam wurde, da war die Szene quasi scheintot. Da waren Saint Vitus, Count Raven und Candlemass gerade zeitweilig verblichen oder im Ableben begriffen und auch sonst gab es wenig, das sich stolz als "Doom" vermarkten ließ. Die britischen Trauerweiden gaben sich lieber als "Gothic Metal" aus, die Old Schooler waren fast völlig verschwunden, über Doom wurde nicht groß geredet.

Demgegenüber hat sich heute das öffentliche Interesse, die Zahl der neuen jungen Bands und die Zahl der wieder aktiven Veteranen und auch das Angebot und der Absatz von CDs deutlich vervielfacht.

In gewisser Weise ist die Doomszene fast zu sehr explodiert: siehe DSR-Story, siehe Grabenkämpfe, siehe die Tatsache, dass selbst große Doomfans ob der Flut an Veröffentlichungen kaum mehr mit den Achseln zucken, wenn von einem der einschlägigen Labels wieder eine neue Band angespült wird.

Das mit dem VÖ-Overkill lässt wieder etwas nach, aber ansonsten gilt das gesagte unverändert.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35310
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

Vorherige

Zurück zu Heavy / True / Doom / Power Metal

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste