Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

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Re: Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

Beitragvon Martin Schneider » Freitag 21. Dezember 2012, 15:32

Mir ist gestern aufgefallen bei welcher Band ich die Entwicklung deutlich negativ fand: IN EXTREMO. Die mochte ich bis zu "Mein rasend Herz" immer sehr gerne, aber seit "Saengerkrieg" geben die mir gar nichts mehr. Ich hab bei dem Album immer den Eindruck gehabt es besteht nur aus dummen Abzählreimen. Kommerziell waren die letzten beiden Alben allerdings sehr erfolgreich.
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Re: Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

Beitragvon Drumtier » Samstag 16. Februar 2013, 23:55

Ich steh so ganz allein im Thrash/Death/Black-Unterforum herum, Hände in den Taschen, von Zeit zu Zeit aufs Handy blickend, wartend ob vielleicht irgendwer zufällig zur Tür rein kommt aber während ich so warte fällt mir ein, dass ich hier noch was offen hab. Wollte noch ein paar Bands vorstellen die meiner Meinung nach eine nennenswerte Entwicklung durchgemacht haben, ob diese gut war bzw ob wieder anderen Bands eine Entwicklung gut getan hätte. Sprich, ich werd das in vier Untergruppen einteilen: Band mit Entwicklung --> positiv, Band mit Entwicklung --> negativ, Band ohne Entwicklung --> positiv und schließlich Band ohne Entwicklung --> negativ.

Eine positive Entwicklung durchgemacht haben meiner Meinung nach:
DEATH
Das Paradebeispiel für eine gelungene, durchdachte, harmonische, rasante und grandiose Weiterentwicklung einer schon guten Band. Nicht nur hab ich selbst im bandeigenen Thread schon das eine oder andere Wort dazu im Detail verloren, auch sonst gibts über den genialen Chuck und seine Mitstreiter nicht mehr viel zu diskutieren. So geht Musik. Punkt.

GORGUTS
Die vergleiche ich gern mit DEATH weil sie eine ähnliche Entwicklung durchgemacht haben allerdings im Zeitraffer. Das erste Album war noch sehr roher, simpel gehaltener Death Metal der alten Schule. Das zweite Album könnte man dann mit Spiritual Healing oder Human vergleichen, also sehr viel technischerer, komplexerer Death Metal aber immer noch sehr wütend und vergnüglich. Mit dem dritten Album könnte man am ehesten auf Individual Thought Patterns verweisen als ihr jeweils technischstes Album. Völlig zu Recht sind beide heutzutage in der Metalwelt absolute Klassiker und die Obscura ist auch heute noch die Königsdisziplin für einen angehenden Death Metal Fan. Ihr viertes und letztes Album dann im Sinne der Parallelität mit TSOP zu vergleichen ist sicher die schwierigste Übung hier aber es passt durchaus noch. Das in der bisherigen Karriere vorgestellte wird zum Abschluss vermengt und in ein weiteres brilliantes Meisterwerk gegossen. Wieder werden beide Alben von manchen Teilen der Fans kritisiert aber ich kann selbst wenn ich es wollte nichts finden was man an einem der jeweiligen Alben kritisieren könnte. Glücklicher Unterschied von GORGUTS zu DEATH, Erstere gibts mittlerweile wieder, ich durfte sie live erleben und auch ein neues Album sollte jetzt dann tatsächlich bald erscheinen.

CYNIC
Wieder so eine Band bei der ich mich bewusst erinnern muss mit Superlativen und Ausrufezeichen zurückzuhalten aber welche Band kann schon eine derartige Entwicklung vorweisen und dennoch jedesmal mit einer solchen Vehemenz überzeugen. Die prä-Focus erschienenen Sachen werd ich irgendwann aufstöbern müssen, stattdessen beginne ich mit Focus. Wegweisendes Debüt, verband den frühen Death Metal als er auf dem Weg zu seinem Höhepunkt war mit Jazz und diesem berüht-berüchtigten Vocoder, der auch mich zu Beginn ein wenig knabbern ließ. Oft kopiert, nie erreicht. Unbeschreibliches Album. Traced In Air dann der heiß ersehnte Nachfolger, eh nur 13, 14 Jahre später, bin zu faul um nachzusehen. Völlig anderes Bild. Es regiert das Träumen. Die dahinschwebenden Melodien werden nur mehr selten von aggressiveren Ausbrüchen unterbrochen wie man sie von Focus kannte. Grandiose Songwriter die ebenso grandiose Musiker sind errichteten ein weiteres grandioses Meisterwerk. Mangels neuem Album, Daumen drücken für einen 2013er Release, geh ich auch noch kurz auf ihre Carbon Based Anatomy EP ein. Die Aggression, der Death Metal, ja der Metal generell ist so gut wie verschwunden. Was bleibt ist die Schönheit. Grandiose Songwriter und so, ich will mich nicht wiederholen.

KATATONIA
Die sind auch sehr gut mit CYNIC zu vergleichen, genreüberschreitende Band wenn auch über viel mehr Alben verteilt die dennoch keine Ausreißer vorzuweisen haben. Der Doom der Anfangstage zuerst aus der Black Metal Schiene und dann mit Death Metal und dann plötzlich war man froh solang überhaupt noch Metal da war. Auch dieser wurde stetig weniger aber die Faszination blieb. Wie man dieselbe Stimmung, die Emotionen, die Gefühle und schlicht das Feuer über so viele Jahre, Alben und Genres vermitteln kann, das ist schon bewundernswert. Ganz, ganz große Band!

Hui, das ist ja schon eine Arbeit, ich lass es einmal bei diesen vier Bands, hab ja nie Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Noch kurz ein paar Band bei denen die Entwicklung schief gegangen ist:

KATAKLYSM
Alles gesagt. Ich kann mittlerweile stolz (?) von mir behaupten, dass ich Freunde aus aller Herren Länder hab bei denen ich "berühmt" für meine Abneigung gegenüber dieser Band bin. Immerhin kann ich mir nicht vorwerfen es nicht immer wieder versucht zu haben.

CRYPTOPSY
Teilweise zumindest. Mit ihrem aktuellen Album haben sie das Ruder wieder herumgerissen ansonsten hätte die Band vielleicht sogar einen noch schlimmeren Absturz als ihre Landsleute durchgemacht. Beeindruckendes Debüt, überdrüberhypermegagenialer Nachfolger, dann der erste Stilbruch aber mit genügend Kontinuität und Können um das durchführen zu können, nach dem folgenden Album dann der nächste Stilbruch bzw. die versuchte Rückkehr die schon eher durchwachsen ist und dann der nächste Stilbruch. Man kann ihnen nicht vorwerfen feig zu sein oder auf der Stelle zu treten aber das ist ganz einfach schief gegangen. Jahre des Wartens, des Rätselns, des Hoffens und Bangens vergingen und schließlich die entscheidende Rückkehr mit ihrem passenderweise selbstbetitelten Album. Das Warten hat sich gelohnt, die Band hat wieder zu alter Stärke zurückgefunden, was bleibt ist nur das Fragezeichen wann der nächste Stilbruch passiert und ob sie diesmal die Qualität halten können.

SEPULTURA
Selbst wenn ich nur die Band in der Besetzung mit Max Cavalera betrachte muss ich sie schweren Herzens in diese Kategorie einordnen. Kultiges Debüt das zwar heutzutage oft ein wenig belächelt oder zumindest nicht ganz ernst genommen wird aber diese Behandlung ganz und gar nicht verdient. Pioniere des Death Metal und mehr Aggression und Wut in ihren holprigen Songs als so manche sterile Deathcore Band heutzutage. Dann wechselten sie das Fach und machten zunächst eine herausragende Entwicklung durch, der Death Anteil nahm ab, Thrash nahm zu, die songwriterischen Fähigkeiten wurden besser und die Aggression blieb sowohl beim schon sehr guten zweiten Album aber noch viel mehr beim geradezu beängstigend guten dritten Album. Die Entwicklung wurde auch zur Arise fortgesetzt allerdings haben sich da schon ein paar ganz kleine Momente der Schwächen eingeschlichen, zu 9 bis 9,5 Punkten reichts aber immer noch. Dann nahm die Entwicklung eine weitere Kurve und Chaos AD präsentiert sich ganz anders, viel punkiger, räudiger, einfacher und mit viel mehr Leerlauf zwischen guten Songs, die zweifelsfrei noch vorhanden sind. Die sind durchaus auf der folgenden Roots auch noch zu finden, wenn man andere Ansprüche als zu Beneath The Remains Zeiten stellt und sie nicht zwischen all der nervenden Musik bis Nicht-Musik vergisst. Für viele gilt die Band ja auch heute noch als absolute Ikone, für mich leider nicht mehr so wirklich, aber ihre Klassiker kann einem keiner nehmen.

Ich könnte jetzt noch ein paar andere Bands erwähnen wie METALLICA oder MORBID ANGEL, aber da keine davon je zu meinen absoluten Lieblingsbands zählte berührt mich die schiefgegangene Entwicklung nicht ganz so. Mit den Gruppen 3 und 4 mach ich ein anderes Mal weiter. Puh...
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Re: Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

Beitragvon enemy-of-reality » Montag 18. Februar 2013, 18:40

Wenn sich Musiker weiterentwickeln/den Stil verändern, weil sie das wollen, dann ist das gut.
Wenn sich Musiker weiterentwickeln/den Stil verändern, weil andere das wollen, dann ist das falsch.
Wenn Musiker an ihrem Stil festhalten, weil sie das wollen, dann ist das gut.
Wenn Musiker an einem Stil festhalten, weil sie denken, dass die Fans das wollen oder dass sie deshalb kommerziell erfolgreicher sind, dann ist das falsch.

In the mid-70s a fan came up to Miles Davis and said, “Miles, you’re my man, but that new shit you’re into, I just can’t get with it.’ And Miles answered, quick as lightening, ‘Should I wait for you?’”
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Re: Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

Beitragvon the seeker » Montag 18. Februar 2013, 19:31

und woher weißt du wieso sich die Bands entscheiden zu klingen, wie sie klingen :?

ist das nicht egal, solangs am Ende gefällt?
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Re: Entwicklungen von Bands - gut oder schlecht?

Beitragvon enemy-of-reality » Mittwoch 20. Februar 2013, 02:37

the seeker hat geschrieben:und woher weißt du wieso sich die Bands entscheiden zu klingen, wie sie klingen :?

Das weiß ich natürlich meist nicht, das kann man bestenfalls vermuten.

ist das nicht egal, solangs am Ende gefällt?

Für den Fan/Hörer natürlich schon, klar.
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