10 Alben, die mich geprägt haben

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 7. Oktober 2012, 20:05

AC/DC -Back In Black (erste Musikkassette)
Iron Maiden -Killers (zweite Musikkassette)
Scorpions -Tokyo Tapes (Musikcassette)
Judas Priest -British Steel (Musikkassette)
Tygers Of Pan Tang -Wild Cat (erster Vinylkauf)
Krokus - One Vice At A Time (erster Vinylkauf)
Accept - Breaker
Venom -Welcome To Hell
Tank Filth Hounds Of Hades
VA - Roxcalibur

Hier geht es mir nicht um irgendeine "Relevanz". Das ist völlig subjektiv und betrifft die persönliche Entwicklung in der Früphase. Bei mir war es tatsächlich von Beginn an Metal, da ich mich vorher gar nicht für mich Musik interessiert habe. Ich war mit 13 also ein Spätzünder in Sachen Musik.

Ich bekam also Ostern 1981 von meiner Tante die damalige Chart Nummer Eins geschenkt. Das war "Back In Black". Ich war sofort fasziniert und das Ding ist bis heute eine meiner meist gehöten Tonträger. Habe ich lustigerweise erst vor kurzer Zeit als CD nach gekauft und war erstaunt, wie textsicher ich noch immer bin. Hatte das Teil bestimmt 10 Jahre gar nicht gehört. Mit ein paar Monaten Verzögerung folgte dann die zweite Maiden, die ich zuerst gar nicht mochte. Das war Krach in meinen Ohren. Eine geschmackliche Verwirrung, die sich schnell schönhören ließ. Das war ja noch großartiger. Von da an begann der wöchentliche Erwerb neuer Musikkassetten., von denen mich die beiden oben genannten am meisten faszinierten. Die schneidenden Klampfen und dieser schrille Gesang auf dem einen Magnetband, die wundervolle Gitarrenarbeit auf der anderen, eröffneten völlig neue Welten. Und den Wunsch so etwas selber einmal live erleben zu dürfen. Aber das dauerte noch ein bisschen. Wenn auch mit einer dieser Bands (Scorpions-Blackout-Tour).
Nun gab es in unserer Kadetten-Anstalt mit etwa 500 Schülern genau fünf Metalfans. Vier davon waren im gleichen Jahrgang. Der andere zwei über uns (und hat heute wohl die größte ammlung der welt, wenn man dem RH glauben darf). Insofern waren Treffen und das Entdecken neuer Musik wöchentlich angesagt. Die anderen hatten einen leichten Vorsprung - der ältere natürlich einen noch größeren, da er sogar in UK war als dort die NWoBHM losging. Irgendwann lief diese komische Stück 'Insanity' und ich musste am darauffolgenden Samstag zum Schauland meines Vertrauens fahren , um den ersten Scheibendreher zu kaufen, da es die Tygers nicht als MC gab. Zusammen mit eben dieser gab es die damals schwer angesagte Krokus-Scheibe. Das lustige Ohrstäbchen Solo von Herr von Arb fanden wir alle toll.

Von da an war ich komplett infiziert. "Breaker" überrante uns mit ungeahntem Geschwindigkeitswahn, Venom mit lustigem Hokus-Pokus, mit Tank entdeckte ich meine Liebe zum Schreiben (erster Fanbrief und erster FC Beitritt) und der "Roxcalibur" war das Tor zur Welt des Undergrounds.

Ich könnte hier jetzt ein paar wenige aktuellere Scheiben nennen, an denen mein Herz hängt, beschränke mich aber erstmal auf diesen Block.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon firestarter » Sonntag 7. Oktober 2012, 21:13

Bei Fokussierung auf die prägende Frühphase sieht das bei mir so aus:

Beatles - rotes und blaues Doppel-Album
AC/DC - Highway To Hell
AC/DC - Back In Black
April Wine - The Nature Of The Beast
Trust - Repression
Scorpions - Blackout
Riot - Fire Down Under
Foreigner - 4
Sex Pistols - Never Mind The Bollocks
Saxon - Wheels Of Steel

Zwischen ca. 12 und 14 habe ich praktisch nur die beiden Beatles Doppelalben gehört. Dann hab ich mir Anfang 1981 die "Back In Black" gekauft und im Frühjahr, zur Konfirmation (!), die "Highway To Hell" geschenkt bekommen. Damit war es um mich geschehen. Trust brachte dann ein Kumpel vom Schüleraustausch in Fronkreisch mit und die Sex Pistols meine erste Freundin vom Schüleraustausch in England. April Wine, Scorpions, Foreigner und Riot gab es in unserem kleinen Provinz-Plattenladen und die "Wheels Of Steel" war das erste Album, dass ich damals im LP-Mekka zu Köln (Saturn) gekauft habe. Auf Cassette haben wir übrigens nie etwas gekauft, ich kann mich noch nicht mal daran erinnern, dass es die ganzen Klamotten auch auf MC gab.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Jhonny » Sonntag 7. Oktober 2012, 21:29

Faszinierender Thread.

Meine Liste wird sehr unmetallisch.

The Beatles - Red Album (Vinyl - 1998)
Linkin Park - Hybrid Theory (anfangs nur ausgeliehen - 2001/02)
Red Hot Chili Peppers - By The Way (ebenso - 2002)
dcTalk - Jesus Freak (eine meiner frühen CDs - 2002/03)
Hammerfall - Glory To The Brave (Einstieg in den Metal - 2004)
Dream Theater - Images And Words (Verzauberung durch den Prog - 2004)
Savatage - Hall Of The Mountain King (erste CD, die ich nach einem hier gelesenen Review gekauft habe - und mein ernsthafter Einstieg in den etwas unkommerzielleren Metal - 2004)
Iron Maiden - Brave New World (erste Maiden - 2004)
Genesis - Selling England By The Pound (frühe 70er-Faszination - 2004/05)
Fates Warning - Awaken The Guardian (das Glanzstück der Metal-Alben, ein heimlicher Liebling - und bis vor wenigen Monaten die teuerste Scheibe meiner Sammlung und die einzige, die ich bewusst doppelt habe - 2005)


Die Beatles hatte ich 1998 von einem Schulkollegen ausgeliehen. 5. Klasse... und dann bei meinem Dad als Vinyl entdeckt. Er hatte sie wohl seit den 70ern kaum aufgelegt. Faszinierendes Songwriting, auch heute noch.

Linkin Park's Hybrid Theory war für mich das erste Album. Sonst hatte ich nur Radio und MTV als Beschallung erlebt.
Hier wurde ich fürs Alben-Format begeistert. Und musikalisch war der Weg zu härterem geebnet.
Auch die Chili Peppers hörte ich so in der Mittelstufe rauf und runter. Die Mischung aus Funk, Rock, Rap und guter Laune brachte mich zum Lachen und zum Weinen.

dcTalk waren für mich der erste Beweis, das fromme Christen auch wirklich gute Musik machen können. Der Mix aus Rap, Rock und Pop, verbunden mit dreistimmigen Gesängen konnte mich mitreißen und war auch textlich für mich sehr ansprechend.
Erst auf der christlichen Pop-Seite Sound7 im Internet bin ich erstmals über Metal-Reviews (von Saviour Machine, Narnia, Mortification usw.) gestoßen - und habe angefangen, Metal zu hören und dann auch zu kaufen. Die Seite hatte auch mal einen Hinweis auf Powermetal.de, wegen irgendeinem Review glaub ich. So bin ich hier drüber gestolpert.

Meine erste Erfahrung mit traditionellem Metal waren Narnia, Seventh Avenue, Rob Rock und Warlord... alles ganz cool (alles auf dem christlichen Freakstock kennen gelernt) - aber erst mit Hammerfall (mein Hammerfall-Backpatch spricht ja heute noch Bände) und Blind Guardian kam der Donnerschlag, der mich ganz für den echten Metal fesselte. 2004 war das.Glory To The Brave und Imaginations From The Other Side stehen für mich etwa auf Augenhöhe, wenn es um meine Entwicklung geht. Kurz danach kamen Avantasia I & II sowie meine erste RH (# 203) - und nach der dortigen Diskussion sofort The Glorious Burden, bis heute mein liebstes Iced Earth Album.

Über Powermetal.de und die RockHard-Top 300-Liste (die es online gab) stolperte ich über 2 sehr prägende Truppen - Dream Theater und Savatage.
Erstere begeisterten mich für den Prog, zweitere für den Power Metal.
Dream Theater und Savatage wurden sofort zwei meiner meistgesuchten Bands auf eBay :) - Manowar stießen, ebenfalls aufgrund der Reviews hier, schnell dazu.

Ein guter Freund (mein Trauzeuge mittlerweile - dieses Jahr mit mir am KIT) spielte derweil beim Abendlichen Zocken neben irgendwelchen Bravo-Hits ständig ein Maiden-Album - Brave New World. Im Mediamarkt für 10 € gefunden, musste ich sie mitnehmen. Maiden waren die erste Band mit mehr als 5, 6 Alben, die ich komplettiert hatte (kurz nach dem Abitur 2007 kamen No Prayer For The Dying und das Debüt - vom Abigeld gekauft).
Meine ersten drei Maiden-Alben (neben der Brave New World noch Number Of The Beast und Seventh Son Of A Seventh Son) waren vielleicht der endgültige Volltreffer in mein Herz - Metal in purer, klassischer Form war angesagt, alles andere stand bestenfalls im zweiten Glied (auch wenn ich immer viel nichtmetallisches gehört habe).

Ein anderer Freund redete 2004 ständig von Genesis. Ich dachte, er spinnt - Phil Collins war für mich der Inbegriff des kommerziellen Pops. Heute sehe ich das ganz anders und sammle gerne Genesis. Ich hatte über zwei Jahre hinweg fast jede CD der Band von ihm ausgeliehen, dazu Live-DVDs, Bootlegs (er war sehr radikaler Sammler und hatte Tapes, Singles, Bootlegs... quasi alles von der Truppe gesammelt). Dieses Sammlergen hatte ich so zwar nie - aber es war eine ganz neue, intensive Faszination für eine Band, die eindeutig keine Metal-Band war, die älter war als der Großteil der Metal-Szene - und die sehr viel kommerziell war / wurde als viele Metal-Truppen.

Fates Warning's Awaken The Guardian wollte ich früh haben... While Heaven Wept erwähnten sie (mit Manilla Road und Cirith Ungol) in einem Interview in meiner ersten RH als großes Vorbild, und WHW fand ich sehr sympathisch im Interview. Das Review von Boris Kaiser im RH-Top-500-Alben-Buch war sicher eine größere Motivation. Doch am anziehendsten... war das Cover. Es hing lange als Poster an meiner Zimmertür, ich habe nur wegen dem Cover die Scheibe als Vinyl dazu gekauft.
Als sie 2005 für 20 € von Metalblade neu auf den Markt gebracht wurde, investierte ich fast einen Monat Taschengeld in die Scheibe. Sie war es mir vom ersten Durchlauf an wert und ist für mich die vielleicht mystischste Scheibe des Metal. Sie ist sicher nicht meine meistgehörte (der Titel geht wohl an Linkin Park oder eine der ersten Maiden-Scheiben), aber jeder Durchlauf sorgt für eine Gänsehaut, wie es sonst kaum ein Album schafft.

So, das waren 10... eine spannende Entdeckung auch für mich selbst. Von den Alben, die ich nach dem Abitur 2007 gekauft hab, gab es da noch Kandidaten? Mal überlegen...
AC/DC - Black Ice
Fifth Angel - Fifth Angel
Nevermore - Dead Heart In A Dead World
Van Halen - 5150

das waren die neueren Kandidaten meiner Sammlung. Alle weiteren Kandidaten (von Manowar, Blind Guardian, Avantasia, Boston, Toto, Deep Purple, Saxon, Black Sabbath, Rush, Seventh Avenue, Lifehouse, Alter Bridge, Iced Earth oder Helloween) habe ich schon über 5 Jahre.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon frankjaeger » Sonntag 7. Oktober 2012, 22:55

Oh, da mache ich auch mit:

Wenn ich ganz früh anfange, und meine Single-Phase weglasse, muss ich sagen:

Beatles - rot und blau
Elvis - diverse Best ofs
Reinhard Mey - Keine Ruhige Minute
Cat Stevens - Back To Earth
Madness - One Step Beyond
The Police - Regatta De Blanc
FEE - Notaufnahme
AC/DC - Back In Black
Iron Maiden - Killers
Saxon - Denim And Leather
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Jhonny » Sonntag 7. Oktober 2012, 23:02

die Beatles-Best-Offs wurden bisher in 3 von 4 Listen genannt... das ist ne Quote!
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon frankjaeger » Sonntag 7. Oktober 2012, 23:05

Damn, ich habe eien vergessen! BEE GEES - Tragedy. Jhonny hat das getriggert mit dem Stichwort "5. Klasse".
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 7. Oktober 2012, 23:12

In Sachen Einstieg in die Musikwelt sieht es bei mir sehr ähnlich aus wie bei Holg. Ich bin etwa sieben Jahre Jünger und fing auch ziemlich genau sieben Jahre später mit 13 Jahren, also anno 1988, mit dem bewussten Musikhören an. Und auch bei mir war es bereits von Anfang an der Heavy Metal, der mich gefesselt und geprägt hat, nachdem ich bei einem Klassenkameraden die Musik erstmals kennen gelernt habe. Vorher war Musik für mich nur eine absolute Randnotiz, aber da war es dann mit einem Schlag passiert, und die zehn Meilensteine, die mich Schritt für Schritt immer weiter in dieses Faszinosum hinein zogen, waren:

Manowar "Kings Of Metal"
Helloween "Keeper Of The Seven Keys II"
U.D.O. "Animal House" (+ Accept "Hungry Years")
Manowar "Sign Of The Hammer"
Slayer "Seasons In The Abyss"
Running Wild "Pile Of Skulls"
Darkthrone "A Blaze In The Northern Sky" (+ Immortal "Pure Holocaust")
Venom "Black Metal"
Bathory "Jubileum I"
Cirith Ungol "Paradise Lost"

Die meisten hier im Forum dürften es ja längst wissen: Manowar war der Türöffner in meine Metalwelt, und das natürlich - wie damals üblich - durch eine überspielte Kassette vom älteren Bruder eines Klassenkameraden. Die Scheibe faszinierte mich von Anfang an, und zwar vor allem das monumentale "The Crown And The Ring", während mir seinerzeit der Opener "Wheels Of Fire" noch viel zu hart und extrem war. Das sollte sich indes bald legen. Die B-Seite dieser Kassette war übrigens "Kingdom Of The Night" von Axxis, das mir zwar gefiel, aber nie große Wirkung auf mich hatte.

Manowar war also das Losungswort, und ich war - kaum konnte ich "Metal" schreiben - schon Komplettist. Klar, ich sammelte Briefmarken, Münzen, Spielzeugsoldaten... folglich musste Metal auch gesammelt werden. Auch wenn mir damals der unschätzbare Wert von Original-Tonträgern noch nicht bewusst war. Also ging natürlich die Suche nach Leuten los, die mir die anderen Manowar-Alben überspielen konnten, was sich anfangs nicht ganz einfach gestaltete. Doch dazu kommen wir später zurück.

Auf dieser Suche nach Manowar-Alben wurde natürlich das eine oder andere Album zu Tage gefördert, und so bekam ich wenig später von einem Kameraden ein Tape welches auf der A-Seite Helloweens "Keeper 2" enthielt, und auf der B-Seite U.D.O. mit "Animal House", die mich beide auch massiv beeindruckten. Die tollen melodischen Gitarren und die Nachtigall am Mikro bei Helloween, und auf der anderen Seite der stampfende Sound mit dem Reibeisenmann - ja, das war riesig spannend.

Doch die Suche nach Manowar stand immer noch im Vordergrund, und sie führte letztlich dazu, dass ich eine CD kaufen musste. Ja, so war es: Es hatte einfach keiner, den ich kannte, die "Sign Of The Hammer", die einzige der vier (!!!) existierenden Manowar-Alben, die mir noch fehlte (von "Into Glory Ride" und "Hail To England" hatte keiner hier je gehört). Nun, ich hatte also "Battle Hymns", "Fighting The World" und "Kings Of Metal" auf überspielten Tapes und die "Sign Of The Hammer" fehlte. Also führte mich der Weg in den Media Markt, diese unbekannte Welt, und dort wurde ich fündig. Die notwendige Stereo-Kompaktanlage musste natürlich auch mit gekauft werden. Ging ja nicht anders. Das dann angehört, war mir schnell klar, dass ich natürlich auch die anderen drei (!!!) Manowar-Alben auf CD brauchen würde, und was glaubt ihr, was los war, als ich dem Text zu "Blood Of The Kings" entnehmen musste, dass es noch zwei weitere Manowar-Alben gab, die keiner hatte und keiner kannte... das war ganz und gar nicht schön...
:schade:

Also musste ich wohl oder übel auf andere Bands ausweichen, ging mal in den Müller und stöberte nach Sachen, die nach "Metal" aussahen und (ich bin bekanntlich Schwabe!) noch dazu billig waren. Fündig wurde ich dann in der ACCEPT-Best-of "Hungry Years" für 7,99 DM - natürlich wusste ich noch nicht den Unterschied zwischen Alben und Compilations, und ich erkannte die Stimme von meinem U.D.O.-Tape wieder, welche Freude... es gibt also auch Leute, die in mehreren Bands sind. Welt der Wunder revisited...

Hier schlug indes der Komplettismus nicht direkt zu, weil von Accept so viel herum stand, und ich dafür nicht das (übrige) Geld hatte. Am Weltspartag muss man ja auch was auf die Bank bringen und schon damals war im Blut, dass am Ende des Jahres immer mehr Geld auf dem Konto sein muss als am Anfang des Jahres. Also erst einmal Pause und sich an Manowar, Helloween, Accept und U.D.O. gefreut, doch es war der magische Drang, der mich in den Müller zog und mich ein gutes Jahr später die "Seasons In The Abyss" von Slayer kaufen lies, und einige billige Compilations mit GAMA-Bands, nochmal ein Jahr später gefolgt von der "Pile Of Skulls" von Running Wild. Und das wurde dann auch meine zweite Lieblingsband, also die zweite Band, von der ich "alles" haben wollte.

Man fing dann langsam an, Metalmagazine zu lesen, und das Rock Hard hatte damals immer einen Coupon als Eckabschnitt (heute würde man Voucher sagen), mit dem man vor Ort in einen ganz bestimmten Plattenladen gehen konnte, um eine Promo-CD abzuholen. In dem Laden fragte ich dann einfach mal nach "Hail To England" und "Into Glory Ride" und der Mann konnte mir tatsächlich helfen. Ich bekam ein Bootleg von "Reborn Classics" für stolze 60,- DM, das er tatsächlich für mich bestellt hat (ich kann mir denken wo... bei einem bekannten Versand, der damals immer 40,- DM für die RC-Bootlegs nahm, das dann plus Porto und Gewinnspanne für meinen Laden vor Ort - aber das hat sich mir natürlich erst viel später erschlossen). Es tat weh, aber nur so lange bis ich die CD anhören konnte.

Das aber nur am Rande, denn was ich wirklich erzählen wollte... im Rock Hard wurden damals auch ganz böse Buben interviewt und kurz darauf boykottiert, und da das natürlich besonders spannend war, fand sich in meinem Plattenladen auch bald mal ein Album namens "A Blaze In The Northern Sky" von einer Band namens Darkthrone, und etwa zeitgleich auf einem SPV-Billigsampler ein Song namens "Call Of The Wintermoon" von einer Band namens Immortal. Was das bei mir ausgelöst hat, das wisst ihr vermutlich. Jedenfalls war der Black Metal aus Norwegen ab sofort das Meine - und er ist es, mehr als jeder andere Metalstil, bis heute.

Da natürlich spannend war zu wissen, wer und was diese grimmigen Gesellen dazu trieb, so grimmig zu sein, folgten kurz darauf die Väter mit Venom und Bathory, die mir ab sofort zu treuen Begleitern wurden. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich nach Ulm fuhr, um mir eine Venom-Scheibe zu holen, als ich ein Interview mit Darkthrone gelesen hatte. Doch verdammt, der Müllermarkt hatte DREI Venom-CDs (die ersten drei). Ich hatte in meinem Leben noch nie drei CDs auf einmal gekauft... also sollte es (bei dem Namen und dem Artwork eh klar!) die "Black Metal" sein. Zu Hause angehört, komplett weggefegt, und was denkt ihr, wo ich am nächsten Tag mit dem Bus hin gefahren bin, und was ich dort gekauft habe: Ja, richtig, nach Ulm zum Müller, und "Welcome To Hell" und "At War With Satan" eingetütet. Natürlich mit schlechtem Gewissen, des Weltspartags wegen.

Was in dieser schwarzen Phase dann allerdings die Tür zurück auch zum "normalen" Metal aufstieß, den ich zeitweise fast aus den Augen und Ohren verlor, war dann damals ein Magazin oder Fanzine. In dem stand 1993 kurz und knapp irgendwo eine News über das Ende der Band Cirith Ungol, von der ich nie gehört hatte. Aber dort stand, dass die Band zusammen mit Manowar und (den mir ebenfalls völlig unbekannten) Manilla Road den Epic Metal begründet habe. Das waren Worte wie Donnerhall... meine Liebe zu Manowar schoss mir wieder durch Körper und Geist, und damit das Verlangen nach diesen komischen unbekannten Bands. Bei der nächsten Plattenbörse stand dann erstmals seit Langem nicht Black Metal auf dem Einkaufszettel, sondern "Cirith Ungol" und "Manilla Road". Von Letzteren war seinerzeit aber auch gar nichts aufzutreiben, doch es gab aber einen Händler, der hatte alle vier Scheiben von Cirith Ungol am Stand. Ich hab sie alle vier auf einmal gekauft, ohne jemals auch nur einen Ton von der Band gehört zu haben. Ich habe es nie bereut.

Und mit dem Händler bin ich seit demnächst 20 Jahren sehr gut befreundet und seit einigen Jahren auch sein Trauzeuge...
:grins:
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Teichfrosch » Montag 8. Oktober 2012, 00:46

Hubbidu, da merkt man bei meiner Aufstellung schon deutlich, dass ich musikalisch aus einer ganz anderen Ecke komme. Ich liste allerdings nicht nur Alben die ich schon früh gehört habe, sondern alle prägenden. Können also durchaus auch neuere Werke dabei sein. Bei mir ging das zeitlich ungefähr so ...

1. FETTES BROT - "Auf einem Auge blöd"
2. RAGE AGAINST THE MACHINE - "Rage Against The Machine"
3. KORN - "Issues"
4. PORCUPINE TREE - "In Absentia"
5. DREAM THEATER - "Metropolis Pt. 2"
6. KILLSWITCH ENGAGE - "The End Of Heartache"
7. 65 DAYS OF STATIC - "The Fall Of Math"
8. SLAYER - "Reign In Blood"
9. SATYRICON - "Volcano"
10. NEUROSIS - "The Eye Of Every Storm"

So ungefähr könnte das aussehen...

1. Mein erstes eigenes Album. Muss man mehr sagen? Es folgten noch so einige Hip-Hop-Alben. Gute Musik, die ich heute aber quasi garnicht mehr höre. Meine Sympathie für guten deutschen Hop ist aber bestehen geblieben, leider wird hier viel Schund veröffentlicht, der die öffentliche Wahrnehmung oftmals beherscht und formt. Spätere Nachwehen waren u.a. das EMINEM Debüt und "2001" von DR. DRE.

2. Mein erstes Gitarrenmusik-Album. Muss man eigentlich auch nicht viel mehr sagen... zweifelsohne ein moderner Klassiker und so gut, dass die Band diese Qualität selbst nicht mehr erreichen sollte. War für mich essentiell, um vom Hiphop auf Gitarrenmusik umsteigen zu können. Es folgten darauf u.a. das Debüt von LIMP BIZKIT oder die Rockscheiben von CYPRESS HILL sowie natürlich ...

3. KORN! Auch wenn sie mit dieser Scheibe eigentlich schon ziemlich kommerzialisiert und glatt gebügelt waren, so war der Klang dieser Musik für mich dennoch ein echtes Erlebnis. So richtig schräg und abgedreht, viel abgedrehter als das, was Sally heutzutage als "abgedreht" bezeichnet ... :grins: Die frühen Alben finde ich mitlerweile besser, und grundsätzlich höre ich die Band sowieso nicht mehr, einfach da ich Sachen kenne die deutlich besser sind und mir die Zeit fehlt den ganzen Durchschnitt zu hören, aber in seinem Klang war das Album überaus prägend für mich. Zwar auch nicht das erste richtig harte Album (das war wohl etwas früher LIMP BIZKIT mit ihrem Debüt), aber wohl eindeutig das abgedrehteste.

4. + 5. Es folgte eine Phase, in welcher ich Musik eigentlich garnicht großartig gehört habe, zumindest nicht bewusst und/oder auf Albumlänge, sondern eher in Form von Tanzmusik in Clubs oder in Mixes - nämlich in Form von Techno, Drum and Bass, House und weiteren Spielarten der elektronischen Musik. Zwar gab es da Bands die ich gelegentlich gehört habe, aber so richtig bewusst mit Musik beschäftigen gehörte damals nicht zu meinen Beschäftigungen.
Das änderte sich dadurch, dass ein Freund anfing, sich mit (moderner) progressiver Musik zu beschäftigen. Aus dieser Zeit stammen dann PORCUPINE TREE und DREAM THEATER. Beide fand ich anfangs furchtbar verweichlicht und eigentlich ganz grauenhaft (besonders vom Gesang), aber irgendwann hatte ich es dann doch oft genug gehört so dass es mich zu begeistern verstand. Bis ich dann allerdings selber richtig damit anfing Musik gezielt zu suchen und zu hören, bis dahin sollten noch ein paar Jahre vergehen. In jedem Fall sind diese zwei Alben maßgeblich an meinem Interesse für schönen Prog mitverantwortlich.

6. Was ich nämlich viel mehr gehört habe zu dieser Zeit war modernes Gebrülle, und hierbei stellt die KILLSWITCH ENGAGE das wohl am häufigsten gehörte Album dar. In diese Zeit fallen alle möglichen Alben von diversen Metalcore, Hardcore und Post-Hardcore Bands. Im Zuge dieser Veröffentlichung war ich auch erstmals auf einem Festival, nämlich dem Rock am Ring 2004. Es wurde rauf und runter gehört... logisch.

7. Ähnlich wie bei 4. und 5. fand ich das anfangs viel zu schluffig und weich, aber das Interesse kam mit häufigerem Hören, und so stellt dieses Album mein erstes rein instrumentelles Album dar. Da hätte ich es wahrlich schlechter treffen können, denn auch dieses Album zählt bis heute zu meinen Lieblingen in dem Bereich. Dass mir hier der Übergang so leicht viel liegt wohl auch daran, dass das Album für Post-Rock-Verhältnisse relativ energisch ist und nicht so träumerisch wie beispielsweise EXPLOSIONS IN THE SKY.

8. Dieses Album ist eigentlich das erste Album, mit dem ich Metal wirklich wahrgenommen habe und feststellen musste, dass Metalcore in Sachen "böse, laut und schnell" nicht einmal annähernd das leisten kann, was die Langhaarzottel in den diversen Metalspielarten so machen können. Und das war von 1986! Was musste es da erst noch anderes geben? Nunja, ab dann habe ich so ziemlich alles gehört was laut und schnell ist, Death, Thrash, Core und alle Bastarde dazwischen. Meine Freunde und ich haben uns zwar schon in unserer früheren Phase als "Metaler" bezeichnet, sofern wir darauf angesprochen wurden (und de facto haben wir ja auch Metal gehört, nur hatten wir keine Ahnung von dem Genre als Ganzem und was es da alles gibt), aber erst ab diesem Album begann ich, das Genre wirklich zu erforschen. Definitiv meine eigentliche Metal-Initialzündung, ab jetzt wurde es ernst. Hat mich beim ersten Mal anhören einfach unglaublich hinweggefegt.

9. Und wenn ich "laut und schnell" meine, dann meine ich bis "Volcano" tatsächlich NICHT Blackmetal. Denn Blackmetal, das wusste ich von diversen Quellen, war böse, denn Blackmetaler sind Nazis oder Satanisten. Oder beides. Oder satanistische Nazis, die Kinder schlachten. Und essen. Nunja, über ein kurzes Intermezzo mit einem Mädchen, die damals "Fuel For Hatred" sowie Satyr, also den Sänger, ganz toll fand (und den Rest des Albums scheisse), kam ich dann doch an mein erstes Schwarzmetallalbum. Nachdem ich das Album für mich erschlossen hatte tat sich eine ganz neue, riesige und furchtbar spannende Welt auf. Tatsächlich hat mir dieses Album jegliche Berührungsängste mit Musik überhaupt genommen, und erst so konnte ich verschiedenste Sachen für mich entdecken, auch ganz abseits von Blackmetal.

10. Ziemlich zeitgleich mit "Volcano" und unabhängig davon habe ich für mich selbst NEUROSIS entdeckt. Die sind dann auch schuld daran, dass ich heutzutage Doom Metal genieße, diverse Ultralahm-Kapellen sowie Sludge. Wobei hier natürlich der Einstieg dank meiner -Core Vergangenheit vergleichsweise leicht war - Brüllen kann mich nicht schrecken.


Wenn ich mir das so durchlese ist meine Prägung irgendwie ganz anders als bei den mesiten anderen, scheint mir... weit weniger metallisch, weit kommerzieller bis zu einem gewissen Punkt.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Holger Andrae » Montag 8. Oktober 2012, 11:06

Spannende Texte bisher. Sehr schön.

Wenn ich Rüdigers Post lese, scheint neben dem zeitlich ähnlich verlaufenden Hergang noch eine weitere Parallele zu bestehen: Das Sammel-Gen. Bevor ich anfing Scheiben zu kaufen, habe ich als kleiner Bengel - ich schrieb es eventuell schon mal - Schlümpfe gesammelt. Das ging so weit, dass ich irgendwann den Hersteller Peyo angeschrieben habe und somit regelmäßige Newsletter mit Neuerscheinungen im Briefkasten hatte. Das Ergebnis: Klein-Holgi ging tatsächlich in den Spielwarenladen seines Vertrauens und wollte am VÖ-Tag seinen neuen Schlumpf haben. Das hat selten funktioniert und erntete zuerst Verärgerung beim Verkäufer ("Da gibt es keinen Veröffentlichungstermin"), später Belustigung ("Oh, was sollte denn heute erscheinen, kleiner Mann?") Die ca. 250 verschiedenen schlümpfe habe ich heut noch im Keller. Samt Schlumpfhaus und sonstigem Zubehör. Auch gern in Kombination mit Playmobil und sogar Big Jim .... Off toppic. Sorry

Zum Thema Magazine und Fanzines schreibe ich bei Interesse eventuell später noch was.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Jhonny » Montag 8. Oktober 2012, 12:04

Gesammelt hatte ich auch immer... Lustige Taschenbücher (bei meinen Eltern stehen noch ca. 150 Stück), dann Star Wars Bücher (und teilweise auch Comics) - die sammel ich ja heute noch.
CDs heute natürlich, dazu z.T. auch DVDs, auch wenn das sicher nicht so ausgeprägt ist.
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