Eigentlich wollte ich ja zu diesem auf amüsante Art absurden Schauspiel gar nichts sagen weil die offensichtliche und beharrliche Missdeutung der Ironie einfach zu abseitig ist. Aber zum besseren Verständnis sei dennoch ergänzt, dass die Rezension nur deshalb genau so formuliert ist, weil die Recherchen im Vorfeld der Besprechung ergeben haben, dass die Herren Musiker sich - sinngemäß wiedergegeben - über schlechte Rezensionen am meisten freuen, weil diese der Beweis dafür seien, dass sie selbst die Härtesten und die Rezensenten verweichlichte Loser sind. Wer sich mit solchen Vorab-Sprüchen der Rezension stellt, der braucht sich doch nachher nicht über ebensolche Rezensionen beschweren, denn er hat genau das bekommen, was er doch am meisten mag. Eine solche Ironievorlage nicht zu nutzen, wäre doch ein absolutes Foul gewesen.
Und zur Musik unserer Kameraden nur ganz kurz: Sie mag vieles sein, aber ganz sicher nicht zu hart oder zu extrem, um mir gefallen zu können. Ich sehe auch nicht, dass es eine der wenigen Bands sei, die sich an den alten Vorbildern des Black Metals orientiert. Vielmehr gibt es Unmengen an Bands, die das tun, und die meisten machen es aus meiner Sicht deutlich besser. Wobei es ein relativ schwieriges Unterfangen ist, den alten Black Metal der Aufbruchphase wirklich authentisch einzufangen, denn es gibt drei große Problemfelder:
1.
Viele Bands spielen instrumental und produktionstechnisch auf einem so hohen Niveau, dass es schwierig ist, sie so wahrzunehmen und zu erleben, wie die Bands der (zweiten) Welle, bei denen eben die musikalische Seite oft eher unbeholfen war, aber eine unbändige rebellische Kraft wirkte, und so absolut authentische Werke entstehen ließ. Das lässt sich einfach nicht reproduzieren, und von daher muss man tatsächlich sagen, dass viele neue Bands einfach zu technisch und zu professionell werkeln, als dass sie das verkörpern könnten, was damals eine "Deathcrush", eine "Transilvanian Hunger" oder eine "Drawing Down The Moon" ausmachte.
Dieses Problem ist aber ganz sicher nicht das Problem unserer Thread-Protagonisten, daher kommen wir zu Problembereich 2:
2.
Wer heute auf derbe, unproduzierte und rumpelige Art und Weise versucht, alles niederzuholzen und niederzukreischen, der wird meist an dem Problem scheitern, dass diese bei den Vorbildern zwar in deren Frühphase ebenfalls vorhandenen Attribute eben nicht oder zumindest nicht allein das sind, was diese Phase ausgemacht hat. Was den Reiz der entsprechenden Szene und ihrer Bands ausgemacht hat, ist nicht, dass sie unproduziert, rumpelig und unmusikalisch waren, sondern dass es völlig egal war, ob sie das waren, weil sie mit einem unbezähmbaren Willen zur musikalischen (und teilweise auch zur realen) Revolution aufbrachen, um die Musik und die Welt zu verändern. Das spürte man in diesen Alben und in den Liveauftritten jener Zeit. Flapsig gesagt: "Ich kann zwar nicht richtig den Rhythmus halten, aber mir ist meine Vision so wichtig, dass ich einen Weg finden muss, sie auszuleben, und dafür ist die Gitarre und meine Stimme nun doch die beste Ausdrucksform." - Diese Einstellung führte zu absoluten Unikaten und zu einem nicht reproduzierbaren Zeitgeist, welche für diesen Stil so unbeschreiblich wichtig sind, dass kaum eine heutige Band, die versuchen wird, das zu reproduzieren, damit Erfolg haben kann.
Das ist dann eben der Hauptproblempunkt für die hier besprochene Band. Ich weiß nicht, wie gut oder wie schlecht die Jungs an ihren Instrumenten sind und wie gut sie ein Album produzieren könnten, wenn sie wollten. Das habe ich ja auch geschrieben, dass es nicht darum geht, die Band als schlechte Musiker darzustellen. Allerdings erweckt das "Hetzjagd"-Album eben den Eindruck, dass auf Teufel komm heraus versucht wird, alle Klischees des alten BM zu sammeln und zu vereinen, und damit eine Wirkung zu erzielen, die derjenigen ähnelt, welche den "alten BM" auszeichnete. Das scheitert aus meiner Sicht eben gnadenlos, weil der alte BM eben mehr ist, als die Summe seiner Teile.
Damit zum letzten Punkt, der traditionell ans Werk gehenden Blackies massive Probleme bereitet:
3.
Egal, wie unbeholfen die ersten musikalischen Schritte von Bands wie Mayhem, Beherit, Blasphemy, Burzum oder wem auch immer aus heutiger Sicht wirken mögen: All diese Bands haben nicht kopiert und versucht, ein Klischee, eine Szene zu bedienen, sondern sie haben versucht, den extremen Gefühlen, die sie in sich fühlten, eine ureigene, unerhörte musikalische Form zu verleihen, obwohl sie weit davon entfernt waren, handwerklich gute Musiker zu sein. Und genau das ist ihnen gelungen: Sie haben es geschafft, dass ich 1990/1991/1992 als Metalfan mit offener Kinnlade vor der Stereoanlage gesessen bin und völlig ungläubig dem gelauscht habe, was da passiert ist. Das hatte man zuvor nicht gehört, man konnte sich gar nicht vorstellen, dass jemand so etwas tut und aufnimmt. Hinzu kam dann, dass aufgrund dieser revolutionären musikalischen Ausdrucksform auch die Mutmaßung folgte, dass diese Bands es völlig ernst meinen und nicht nur eine musikalisch untermalte Rolle spielen, was gewisse Ereignisse ja schließlich auch bestätigten. Auch das ist nicht reproduzierbar, jedenfalls nicht bei Hörern, die diesen Stil seit 20 Jahren hören.
All das führt dazu, dass die zweite (also die eigentliche) Black-Metal-Welle, aus meiner Sicht die letzte große Revolution der Metalgeschichte war, und dazu, dass diese Bands, welche diese Revolution trugen, einen ganz besonderen Stellenwert haben. Und genau dorthin kommt man als Band der drölften BM-Welle eben nicht, und am allerwenigsten damit, dass man das Klangbild und die musikalische Klasse der alten Bands Stand 1989/1990 aufgreift und mit Klischees volltankt, dass die Schwarte kracht.
Letztlich lässt das ganze Auftreten doch kaum eine andere Reaktion zu:
Man macht ein Album im musikalischen Stil der Frühphase der Protagonisten der großen BM-Welle und produziert das auch genau so - handwerklich dürftig - wie das damals geschehen ist. Man lässt kein einziges Klischee aus, das der BM jemals aufgeboten hat. Man verkündet im Vorfeld des Versendens der Promos, dass man schlechte Kritiken besonders schätzt, weil die ja nicht die Klasse der Band schmälern, sondern nur die Rezensenten als Weicheier ausweisen. Und aus dem Umfeld (?) werden Led Zeppelin als unwichtig und Marduk als Kommerzblackies bezeichnet.
Zuletzt noch hierzu:
Ich wollte nur eine gesittete Diskussionsrunde zu Hassmord eröffnen. Scheinbar ist das in solch einem Forum nicht möglich. Musikgeschmack ist immer subjektiv und man kann ja seine eigene Meinung äußern, aber dabei muss man noch lange nicht diese polemischen...mehr als das...zynischen... Antworten ertragen.
Mal ehrlich: Sich über zynische Antworten zu beschweren, wenn man eine Band verteidigt, die sich so präsentiert, wie es diese Band hier tut, ist ja schon fast herzig. Da bleibt für eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit der Musik nicht mehr allzu viel Raum. Ich habe mich unter den obigen Ziffern 1 - 3 dennoch bemüht, sachlich und dieses Mal ohne jeden Sarkasmus den Ansatz zu erklären, warum die "Hetzjagd" an mir scheitert und ich an ihr, und warum die "Hetzjagd" in der überwiegenden Rezeption eben allenfalls ein "nettes Album für absolute Stilfanatiker" werden kann und nicht mehr.
So oder so, und das
nicht zu meiner Verteidigung, sondern nur zur Kenntnisnahme, wie Frank schon angedeutet hat: Ich glaube nicht, dass viele Rezensenten dieser Welt sich für "Hetzjagd" so viel Zeit genommen hätten wie ich. Und das eben darum, weil Black Metal - gerade in seiner urigsten und archaischsten Form - so ziemlich mein wichtigster und liebster Metalstil überhaupt ist. Deswegen läuft jetzt auch gerade die neue Scheibe dieser Band, und der "Traktor" gefällt mir schon mal deutlich besser als alles auf dem Debüt.
Ist jetzt doch verdammt lang geworden... war gar nicht beabsichtigt.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38