Peter Kubaschk hat geschrieben:Ja, du klingst wirklich wie ein willenloser Joey-Jünger. Das Verhalten wird völlig zu Recht kritisiert. Und das ist auch unabhängig von MANOWAR, denn bei deinen Beispielen gibt es die gleichen Stimmen. Und von einer "großen Schande" hat ja auch niemand gesprochen.
Peter, ich habe in den letzten Monaten mehrfach totale Untergrund-Eigenpressungen (CORMORANT, POSSESSOR, BURNING SHADOWS, FLOTSAM & JETSAM etc...) gekauft oder vorbestellt, bei denen der Deal war oder ist: Einmal bezahlen, Download vorab, CD wenn lieferbar. Nichts anderes hat MANOWAR angeboten, zugesagt und eingehalten: Du zahlst sofort, der Download-Link kommt innerhalb von zwei Tagen ab Verfügbarkeit vorab, und die CD kommt, wenn sie fertig ist.
Das einzige, was du der Band in dieser Hinsicht tatsächlich vorwerfen kannst, ist, dass der "Nur Download Käufer" den Download-Link exakt 48 Stunden vor dem "CD/Download Bundle Käufer" bekommen hat. Klar, mit der VÖ-Taktik kriegst du ca. hundert kopfkranke Maniacs aus dem "House Of Death" und einen aus dem "schwäbischen Rabennest" dazu, sich das Ding einmal mehr zu kaufen. Aber bei den Göttern: Wer so versessen darauf ist, das alles in der ersten Minute zu haben, der zahlt halt verdient dreimal und ist selber schuld daran. Ich gehöre selber zu der Gruppe, von daher darf ich das sagen.
Dass die VÖ-Planung und die zugehörige Kommunikation in Sachen "The Lord Of Steel" - gelinde gesagt - ein Desaster ist, das will ich kein bisschen beschönigen. Wobei ich da - ganz ehrlich und ohne rosa Brille - eher denke, dass es aus der Not geboren ist, denn ein absichtlicher kommerzieller Schachzug. Man hat einfach zu fest und zu oft versprochen, das Album rechtzeitig fertig zu haben, und hat es - als klar war, dass weder das Artwork noch die CD rechtzeitig fertig werden - vorgezogen, die Download- und Hammer-Geschichte zu initiieren, um nicht das Gesicht zu verlieren und die VÖ-Deadline einmal mehr zu reißen.
Denn mal ehrlich, was meint ihr denn, wie viele Leute so fanatisch sind, dass sie den Download kaufen, obwohl sie ganz genau wissen, dass sie das ganze Album spätestens 24 Stunden später auf YouTube anhören können? Ich habe keine Ahnung, aber ich würde meinen, dass gute Hundert schon viel sind. Da kommt allenfalls ein niedriger vierstelliger Betrag zusammen, und die Mehrzahl der Besteller wird ja das Paket "vorab Download, CD hinterher" bestellen, so dass die Band da nicht mal doppelt verdient, sondern die Kohle nur früher einsacken kann.
Daher denke ich, dass die logischste Erklärung für das Planungsdesaster ist, dass man einmal mehr die selbst gesetzte und felsenfest versprochene Deadline gerissen hätte und panische Angst hatte, dass sogar die härtesten Fans darauf mehr als nur ein bisschen sauer reagiert hätten.
Nils Macher hat geschrieben:Ich muss sagen, du hast mit den genannten Aspekten sicher Recht. Ich kann mich davon auch nicht freisprechen, zum Glück bleibt es bei mir in einem überschaubaren und finanzierbaren Rahmen.
Grundsätzlich bin ich aber kein Freund von den zig farbigen Vinylvarianten bei NB und von einem gewissen Wahn, der umhergeht. Selbstverständlich ist jeder dafür eigenverantwortlich, was er kauft und was nicht. Das muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass man es so lange überstrapaziert bis die Konsumenten keine Lust mehr darauf haben.
Wie so viele Dinge gibt es hier sehr viel Grau und nicht immer schwarz/weiss. Ich habe mich vielleicht deswegen so ausgedrückt weil ich finde, dass Manowar die Grenze des guten Geschmacks vor einer Weile überschritten haben. Aber da sind sie nicht die einzige Band.
In Sachen VÖ-Politik finde ich Manowar an sich noch relativ human. Es gibt in der ganzen Bandgeschichte vielleicht eine Handvoll wirklich exklusive "non album tracks", und die waren ausnahmslos auf Releases, die sehr preiswert waren, da sie auf EPs mit mehreren unveröffentlichten Songs standen ("Thunder In The Sky", "The Dawn Of Battle"). Die Single-B-Seiten waren ansonsten ausschließlich Alternativversionen (vor allem Liveversionen) von Albumtracks. Das ist ähnlich wie bei Venom auch: Wo andere Bands zu einem Album vier Singles mit jeweils einem exklusiven B-Seiten-Studiosong machen, da gab's bei Manowar und Venom hin und wieder eine Single oder EP mit mehreren exklusiven Songs, die dann - für einen Fan - aber auch ihr Geld wert war.
Was verschiedene Vinylfarben und derlei Zinnober angeht, hat Manowar zu "WOTW"-/NB-Zeiten zwar dieses Spiel auch mitgespielt, aber das Witzige ist ja, dass die Leute, die auf so etwas stehen, sich gar nicht beschweren, sondern sich darüber freuen, und dass diejenigen, die sich beschweren, das Zeug eh nicht kaufen, also auch keinen Grund zur Beschwerde haben.
Ansonsten bin ich da schon bei dir, mir ging's tatsächlich um den Begriff der "Abzocke", den ich mit Betrug am Kunden gleichsetze, und der mir daher für den vorliegenden Fall etwas zu hart war. Dass die Band die Geduld und das Vertrauen der Fans überstrapaziert, finde ich viel gravierender als die Pleiten-Pech-und-Pannen-Geschichte um die Veröffentlichung des Albums.
Im Endeffekt kann man das Dilemma um Manowar mit einem Satz zusammenfassen: "Versprecht nichts, was ihr nicht halten könnt, und gackert erst, wenn das Ei gelegt ist." - Wenn man sich daran hielte, dann wäre die Welt aus rosaroter Zuckerwatte. Fünf Vinylfarben hin, und Ken-Kelly-Artworks her.

alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38