Judas Priest

Das beste Priest-Album aller Zeiten?

Sad Wings Of Destiny
10
17%
Sin After Sin
2
3%
Stained Class
2
3%
Killing Machine
0
Keine Stimmen
Unleashed In The East
1
2%
British Steel
8
14%
Screaming For Vengeance
5
9%
Defenders Of The Faith
7
12%
Painkiller
23
40%
Angel Of Retribution
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 58

Re: Judas Priest

Beitragvon Jhonny » Montag 30. April 2012, 22:45

"zu Recht" ist natürlich nur aus einer bestimmten Perspektive geschrieben ;-)


hmm ich finde, "Defenders" ähnelt sowohl vom Sound als auch vom Songwriting der "Painkiller" am allermeisten. Der "Point Of Entry" dagegen fast gar nicht. Die fällt eh etwas aus dem Rahmen (aber nicht negativ!)
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Re: Judas Priest

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 1. Mai 2012, 00:39

Über Songwriting mag man diskutieren, aber nicht über den Sound. Da musst Du mir bitte mal erkläen, wo der warme, atmende "Defenders" Sound irgendeine Parallele zum verspachtelten Out-Of-This-Universe-Klangbild der Schmerzkugel hat.
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Re: Judas Priest

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 1. Mai 2012, 04:39

Eigentlich wollte ich nun eine allgemeine Diskussion zu verschiedenen Alben anstoßen anstatt für die x-te "Painkiller gut, Painkiller doof"-Debatte zu sorgen. Schade.
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Re: Judas Priest

Beitragvon firestarter » Dienstag 1. Mai 2012, 08:34

Oliver Passgang hat geschrieben:Eigentlich wollte ich nun eine allgemeine Diskussion zu verschiedenen Alben anstoßen anstatt für die x-te "Painkiller gut, Painkiller doof"-Debatte zu sorgen. Schade.


Mir ging es mit der Pre-"British Steel"-Phase früher ähnlich wie dir - das hat mir schon alles gefallen, war mir aber zu wenig Metal. Heutzutage begeistern mich gerade "Stained Class", "Sin After Sin" und "Sad Wings Of Destiny" mit ihrer Proto-Metal Atmosphäre und den tollen Songs.

"British Steel" war für mich Anfang der 80er sowas wie die "HM Bibel". Heute finde ich das Ding immer noch klasse, aber es sind einige Alben daran vorbeigezogen.

"Point Of Entry" fand ich schon immer hervorragend und kriminell unterbewertet. "Desert Plains", "Heading Out..", "Solar Angels", "Troubleshooter" und "Hot Rockin`" können alles.

"Screaming For Vengeance" und "Defenders OF The Faith" werden wohl auf ewig die stärkste Phase der Band für mich bedeuten. Power, Speed, Hymnen, Sound - alles im Überfluß vorhanden.

"Ram It Down" ist gut, aber nicht überragend. Gleiches gilt für die "Painkiller". Bis auf den genialen Titelsong finde ich die nicht besonders toll, was auch am Sound liegt.

Weiterhin hat die "Turbo" einen gewissen Charme in my book, und mit "Reckless" und "Locked In" 2 sehr starke Songs.

Den Rest finde ich belanglos ("Demolition") bis grottig ("Nostradamus").
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Re: Judas Priest

Beitragvon Eike » Dienstag 1. Mai 2012, 09:10

"British Steel" mag ich. Die "Stained Class" ist mir mitunter etwas zu schrill, auch wenn ich verstehen kann, wenn für andere gerade die das Nonplusultra ist. "Sad Wings..." ist hübsch von den frühen, so richtig auf den Punkt kommt die Band meines Erachtens auf Albumlänge(!) allerdings erst auf der "Sin After Sin", die ist abwechslungsreich und doch in sich geschlossen und stimmig. "Point Of Entry" ist wohl meine zweitliebste, gerade weil die Band dort so entspannt klingt, die hat was schön lässiges, souveränes, gemütliches. In Kombination mit der "Sin After Sin" sind das zwei Seiten einer Medaille, die sich einfach perfekt ergänzen. "Screaming..." kann ich schon wegen 'Bloodstone' nicht schlecht finden, aber "Defenders..." ist mir lieber und hat auch ein noch cooleres Artwork. "Turbo" mag auch ihren Charme haben, ist in meinen Ohren aber noch zerfahrener als die beiden vorgenannten. "Ram It Down" klingt dann als Album wieder passgenauer, und mit 'Blood Red Skies' ist zudem einer meiner Bandfavoriten drauf. "Painkiller" ist eh ein Meilenstein. Von den neuen finde ich "Angel Of Retribution" noch ganz gut, mit dem Ripper am Mikro wurde ich indes nie ganz warm, und "Nostradamus" klang mir viel zu zerfahren - allerdings kenn ich die auch kaum.

"Stained Class" und "Sin After Sin" ist kein Protometal, das ist Heavy Metal erster Kajüte. Es gibt einen sehr verwerflichen Trend in den letzten Jahren, alles vor Thrash als nicht Metal anzusehen, was völliger Schwachfug ist (vor allem wenn man gleichzeitg vorgeblich kein gutes Haar am (Hardcore)Punk als dem Geburtshelfer schlechtin lassen kann). Und außerdem: Die NWoBHM ist ebensowenig Initialzündung für den Metal, wie ein Dachfest nicht gefeiert wird, sobald die tragenden Wände stehen. Muss anscheinend immer mal wieder gesagt werden... ^.-
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Re: Judas Priest

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 1. Mai 2012, 09:45

In den letzten Jahren hat sie die 70er-Phase von den Priestern zu meiner favorisierten Phase gemausert. Was die Kollegen 1974 auf "Rocka Rolla" bereist für ein Feuerwerk abschießen, ist vollkommen großartig. Allein 'Never Satisfied' und das epische 'Run Of The Mill' sollte man kennen. Heavy Hippie Rock. Über das Zweitwerk mit den traurigen Flügeln muss ich nichts schreiben. Das war in meiner Top 100 in den Top 5. Völlig zu Recht. Keine schlechte Note auf dem Album. Extreme Musik, extrem wunderbare Musik. 'Victim Of Changes' alleine reicht, um hier das böse Wort Pflichtalbum aus dem Ärmel zu ziehen. "Sin After Sin" ist nur minimal schlechter, verteilt gleich zu Beginn mit 'Sinner' den Faustschlag, den man später auf ganzen Album nicht mehr zu spüren bekommt. "Stained Class" war mein erstes Priest Vinyl damals und ich mochte es nicht. Ich hatte die danach folgenden "Killing Machine", "British Steel", "Point Of Entry", sowie die Studiolivescheibe "Odaleheim liegt im Osten" auf Original Cassette rauf und runter gehört und war nicht bereit für diese seltsame Platte. Heute natürlich nicht nach zu vollziehen. 'Beyond The Realms Of Death' ist der Klassiker auf dem Album , aber mit 'Exciter' (schon wieder voll auf die Moppe zu Beginn), 'Saints In Hell' und 'Heroes End' (Taschentuch auspacken) gibt es weiteren Knorke-Metal. Super Trooper.

Die bereits erwähnten Nachfolger sind natürlich allesamt sehr gut, können die stilistische Bandbreite der Frühzeit aber nicht mehr ausreitzen. Vielleicht ist die aufkommende NWoBHM "schuld" am erhöhten Härtegrad ("British Steel") und der Versuch "kommerziell" erfolgreicher zu werden produziert - durch aus sehr gelungene - Melodie-Beeren. Erst auf "Point Of Entry" geht das Band wieder in die Breite und man hat mit 'Solar Angels' und dem göttlichen 'Desert Plains' zwei Wundertüten an Bord. Und mit 'Heading Out To The Highway' soagr einen schmackigen Heavy-Metal-Hit, der solche Schunkelnummern, wie das gebrochene Law oder das beinahe unerträglichen Leben nach Mitterniacht mal eben links und rechts überholen. Im Rückwärtsgang.

Danach wirds heftiger. Man schreit nach Rache und zauber mit "dem anderen Thing" einen weiteren Schunkel-Metal-Hit aus dem Hut. Nett, das Teil. Im besten Song des ALbums geht es um elektrische Eier. Ob Mister Halford da ... *hust*. Erst der Defender kann mich komplett überzeugen. Total fantastisches ALbum. Nur Hits. Und 'The Sentinel'. Der Megahit. Danach wird es seltsam."Turbo" hieß damals nicht umsonst gern "Diesel". Finde da aber sogar ein paar gute Nummern drauf. Ebenso auf "Ram It Down". ABer es bleibt eher belanglos. Zumindest im Bandkontext. Über die Schmerzkugel schreibe ich nichts mehr. Ein toller Song. Die Phase ohne Rob produzert ein paar nette Nummer -'Cathedral Spires' - zeigt einen tollen Sänger, aber leider auch das Unvermögen noch immer gute Musik zu schreiben. Erst mit Rob geht es wieder bergauf. Aber nur im Schneckentempo. Wobei ich die Scheiben alle ncht oft genug gehört habe, um eien fundierte Meinung abzugeben.
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Re: Judas Priest

Beitragvon Eike » Dienstag 1. Mai 2012, 10:18

Was die Kollegen 1974 auf "Rocka Rolla" bereist für ein Feuerwerk abschießen, ist vollkommen großartig. Allein 'Never Satisfied' und das epische 'Run Of The Mill' sollte man kennen.
Ja.

'Victim Of Changes' alleine reicht, um hier das böse Wort Pflichtalbum aus dem Ärmel zu ziehen.
Ja.

'Beyond The Realms Of Death' ist der Klassiker auf dem Album ,[...] 'Exciter' [...] Knorke-Metal. Super Trooper.
Ja.

Erst auf "Point Of Entry" geht das Band wieder in die Breite und man hat mit 'Solar Angels' und dem göttlichen 'Desert Plains' zwei Wundertüten an Bord. Und mit 'Heading Out To The Highway' soagr einen schmackigen Heavy-Metal-Hit, der solche Schunkelnummern, wie das gebrochene Law oder das beinahe unerträglichen Leben nach Mitterniacht mal eben links und rechts überholen. Im Rückwärtsgang.
Jaaaa!

Im besten Song des ALbums geht es um elektrische Eier.
Hm, ja, das Auge könnte noch vor dem Körpersaftmineral liegen.
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Re: Judas Priest

Beitragvon Jhonny » Dienstag 1. Mai 2012, 11:22

Holger Andrae hat geschrieben: Völlig zu Recht.


gibt es das? ;-) (in dem Fall würde ich natürlich zustimmen :D )


Der Sound von "Painkiller" und "Defenders" ist für mich recht ähnlich, da ich beide super druckvoll und schon fast modern produziert finde.
"Defenders" klingt wesentlich voller als "Screaming", in meinen Ohren - und ebnet damit für die Nachfolger den Weg (vom Sound her sehe ich zwischen 1984 und 1990 eine recht hohe Kontinuität - nur die Songs '84 und '90 sind halt stärker als auf den anderen beiden Scheiben).
Aber das ist nur meine Meinung beim Anhören - dass das bei dir subjektiv ganz anders klingt, kann natürlich gut sein.


Für mich sind die 70er Scheiben auch kein Proto-Metal (früher hätte ich sie wohl als Hard Rock bezeichnet...) - sondern Metal.

In den 70ern würde ich einige Bands schon klar als Metal betrachten - die NWoBHM kann aus meiner Sicht trotzdem als die entscheidene Phase gewertet werden, weil sie eine breite Szene erschaffen hat. Davor gab es PRIEST, RAINBOW, RUSH, SABBATH, SCORPIONS, THIN LIZZY, MOTÖRHEAD - und ein paar kleinere Truppen wie RIOT oder ACCEPT.

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Re: Judas Priest

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 1. Mai 2012, 11:35

Hehe... wir verschießen mal wieder alle miteinander unser Pulver in Sachen musikhistorischer Abhandlungen im Forum, statt daraus einen coolen Artikel zu basteln. Das ist großartig und deshalb mache ich da jetzt auch direkt mit:

"Rocka Rolla" ist für mich auch noch Proto-Metal und noch kein Heavy Metal. Da fehlt dann am Härtegrad und an der Extremität des Ausdrucks doch noch einiges. Dennoch ist die Scheibe sehr schön und faszinierend. Verträumt und durchaus progressiv, sehr verspielt und mit einem Sänger, der schon damals wirklich alles kann. Auch für mich ist 'Never Satisfied' der Hit schlechthin, gefolgt von 'Run Of The Mill' und 'One For The Road'. Die 70er-Produktion ist großartig differenziert und auch das Artwork eine Klasse für sich.

Der Zweitling "Sad Wings Of Destiny" ist dann - ähnlich wie bei Holg - schon eines meiner absoluten Lieblingsalben überhaupt. Mit Songs wie 'The Ripper', 'Victim Of Changes', 'Tyrant', 'Island Of Domination' und 'Genocide' sind wir für mein Empfinden dann auch schon klar aus dem "Proto" raus und schlicht und ergreifend "Metal to the bone". Das Falsett, die Härte, die Songstrukturen; ja, das alles spricht schon eine sehr deutliche Sprache, auch wenn sich die Produktion gegenüber dem Vorgänger noch nicht so entscheidend verändert hat.

Die "Sin After Sin" ist vermutlich bis heute das PRIEST-Album, das ich am seltensten gehört habe. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber hier bin ich nie so richtig in den Fluss des Albums eingetaucht. Natürlich ist das toll gemacht und toll gesungen, und es finden sich auch tolle Klassiker mit drauf, aber es ist tatsächlich so, dass der Großteil der Scheibe nie richtig im Ohr geblieben ist. Weiß der Geier warum. Ich glaube, dass ich die heute noch einlegen muss. Kann ja nicht angehen, so etwas.

Mit "Stained Class" ändert sich das wieder auf ganzer Linie. Hier finde ich einen Volltreffer nach dem anderen, der Ausdruck ist nochmals etwas extremer geworden, die Produktion härter und trotzdem sehr angenehm und warm. Die Kompositionen sind für mein Empfinden teils sehr anspruchsvoll und haben viel Tiefgang, die Hooks sind oft hintergründiger und nachhaltiger als das, was die Band später gemacht hat. Meine Favoriten sind 'Better By You Better Than Me', das Titelstück und 'Beyond The Realms Of Death'.

Die "Killing Machine" liegt in meiner Gunst dann wieder etwas weiter zurück und hat sich nie so eingebrannt wie bei vielen anderen Fans. Vielleicht, weil sie weniger epische Ansätze als der Vorgänger hat, und weil sie einen gewissen Stadionrock-Ansatz hat. Auch hier gibt's natürlich keinen Song, der nicht mindestens cool wäre - ja, ich mag auch die flachen Mitsinghymnen wie 'Take On The World' total gerne - aber die Kniefall-Stücke sind mit 'Running Wild' und 'Before The Dawn' ein wenig dünner gesät.

"British Steel" ist zwar kaum weniger straight und simpel, hat aber einen merklich größeren Faustfaktor, nochmal mehr Härte und es reiht einmal mehr Hit an Hit an Hit. Klar, es sind nicht die feinsten Elaborate der Band, aber vermutlich die eingängigsten, die man eben im Schlaf mitsingen kann. Es gibt wenige Alben der Metalgeschichte mit einer größeren Klassikerdichte.

"Point Of Entry" ist das glatte Gegenteil des Vorgängers. Entspannt, rockig, wenig Faust, weniger Härte. Dennoch toll und zwar auf ganzer Linie. Es enthält einige gern vergessene oder zumindest selten genannte Perlen, die sich in jeder PRIEST-Setlist gut machen, wenn sie denn mal ausgegraben werden. Die grandiose stilistische und kompositorische Abwechslung, die PRIEST ausmacht, kommt hier voll zu tragen.

Da die Fans aber offenbar mehr auf die Härte der "British Steel" abfuhren, wenden sich die PRIESTER mit "Screaming For Vengeance" wieder noch metallischeren Tönen zu und zeigen der NWoBHM, dass auch die Dinosaurier noch heavy sind. Neue Geschwindigkeitsmarken, neue Scream-Dimensionen und grandiose Songs wie 'The Hellion / Electric Eye', 'Riding On The Wind' oder 'Bloodstone' machen das Album essentiell.

Zu "Defenders Of The Faith" gibt es dieses Mal keinen nennenswerten Entwicklungsschritt, denn stilistisch bleibt man dem auf "Screaming" gefundenen Modell treu, perfektioniert es jedoch nochmals und erschafft ein Werk, das mit einer ähnlichen Hitdichte aufwarten kann wie "British Steel" und "Sad Wings Of Destiny". Eines der größten Album JUDAS PRIESTs und somit des Metals überhaupt.

Auf "Turbo" wird so langsam unmissverständlich klar, dass JUDAS PRIEST sich nicht unbeirrt aus eigenem Antrieb ändert und entwickelt, sondern dass die Band immer auch ein Ohr am Puls der Zeit hat und sich von Anbeginn her immer selbst neu erfunden hat, indem sie die eigenen Trademarks mit aktuell angesagten Einflüssen verbunden hat. Das waren dann Mitte der Achtziger eben Synths und poppige Sounds. Nach den Vorgängeralben ein deftiger Stilbruch gerade für harte Metaller, doch retrospektiv ein mutiges und alles in allem auch starkes Album. Die Melodien sind nämlich wirklich aller Ehren wert und mit 'Locked In', 'Out In The Cold' und 'Turbo Lover' sind auch tolle Klassiker enthalten.

Wie schon nach "Point Of Entry" wurde jedoch auch hier die Sackgasse erkannt und zurück gerudert, so dass "Ram It Down" wieder an die stählerne Frühachtziger-Phase anknüpft. Richtig umgehauen haben mich hier indes nur das Titelstück und 'Blood Red Skies', während der Rest des Materials für mich nur gut bis sehr gut, aber nicht zwingend ist. Gerade die Hooklines der Refrains finde ich bisweilen etwas zu unspektakulär.

Dass die Band sich und der Thrash-Metal-Bewegung zu Anfang der Neunziger nochmals beweisen musste, wie hart man auch als Veteran nach 20 Jahren im Business noch sein kann, dürfte die Ursache für die stilistische Ausrichtung des nächsten Albums sein. "Painkiller" ist so hart, wie traditioneller Metal sein kann, und ich finde das Album rundum toll. Die Diskussion über gerade diese Scheibe wird hier ja ausgiebig betrieben und ich denke die Argumente sind ausgetauscht. Für mich gilt: Zusammen mit "Sad Wings", "Stained Class", "British Steel" und "Defenders" die beste PRIEST, und mit dem Titelstück, "Hell Patrol", "Metal Meltdown", "Night Crawler", "A Touch Of Evil" und "One Shot At Glory" ist die Hitdichte für mich erneut absolut atemberaubend.

Oft fallen ja bei großen Bands die Alben mit Interrimssängern irgendwann voll unter den Tisch und so spricht heute auch kaum mehr jemand von den Alben der Owens-Ära bei JUDAS PRIEST. Da bin ich ein ganz klarer Ausnahmefall, denn ich fand und finde die Scheiben noch immer toll. Gerade "Jugulator" beweist einmal mehr die PRIESTsche Strategie, den Balanceakt zwischen dem eigenen Erbe und aktuellen stilistischen Trends zu meistern, und für mich gelingt sie hier zumindest in weiten Teilen. Der etwas sterile, industrielle Post-Thrash-Sound des Albums ist sieben Jahre nach "Painkiller" sehr gewöhnungsbedürftig, doch zum einen singt Owens grandios, und zum anderen finden sich mit 'Bullet Train', 'Death Row', 'Burn In Hell', 'Abductors', 'Dead Meat' und der Epik-Ballade 'Cathedral Spires' doch auch wieder satte sechs Volltreffer auf dem Album. Wenn man das von einem "durchwachsenen" Album behaupten kann, dann ist man wahrlich eine große Band.

Bei "Demolition" werden die Industrial-Thrash-Anflüge durch sanfte Annäherungen an New Metal ersetzt, die sich dann doch ein wenig zu sehr von dem entfernten, was noch unter dem Namen JUDAS PRIEST möglich scheint. Zum Glück sind diese sehr zurückhaltend eingeflochten und so kann man durchaus von einem stimmigen, homogenen Album reden, das in meinen Ohren ein sehr stabiles Niveau hat, allerdings wenige echte Überflieger. Im Vergleich zum Vorgänger weniger Hits, allerdings gefallen mir hier die schwächeren Songs besser als auf der "Jugulator". Highlights sind für mich die beiden Balladen, das Einstiegstriple und 'Bloodsuckers'.

Mit Halfords Rückkehr und "Angel Of Retribution" wird wieder die andere typische PRIEST-Strategie offenbar: Wenn das Horchen am Puls der Zeit in eine Sackgasse geführt hat, kehren wir mit dem nächsten Album zurück zu einem bewährten Stilbereich. Damit ist der Engel ein Album wie auch der Racheschrei und die Rammbockplatte. Die Band kombiniert ihre beliebtesten Phasen "1980-1984" und "Painkiller" ziemlich gelungen und ergänzt das ganze um eine hübsch kitschige Ballade und einen außergewöhnlich doomigen Epic zum Ende hin. So dass es auch dieses Mal nicht ganz ohne (gelungene) Experimente abgeht. Für mich ein grandioses Comeback, dem ich durchaus fünf echte Volltreffer zuschreiben würde. Darunter 'Judas Rising', 'Angel', 'Wheels Of Fire' und natürlich 'Eulogy / Loch Ness' - der Rest ist aber auch nicht von schlechten Eltern.

Dass Stagnation im Hause JUDAS PRIEST aber niemals gewünscht ist und nie lange anhält, beweist dann schon wieder "Nostradamus", mit dem sich die Band an eine Rockoper, an Bombast und an rockarmes Material wagt. Für mich ist das in letzter Konsequenz der größte Stilbruch in der gesamten Bandgeschichte, denn bei allen Annäherungen an Trends, welche die Band in der Vergangenheit vorgenommen hat, war doch ein Grundelement immer gegeben: Die Band war rockig und eingängig, hymnenhaft und mitsingbar, straight und direkt. Das ist bei "Nostradamus" erstmals nicht der Fall. Ein groß angelegtes Konzeptalbum, eine elaborierte Rockoper, und damit ein Wandel, der nur schwer zu schlucken ist. Das ändert nichts daran, dass "Nostradamus" toll gemacht und vor allem herausragend gesungen ist. Dennoch ist es mein bisher am wenigsten verehrtes PRIEST-Album, weil ich noch immer nicht die Kurve gekriegt habe, ihm so viel Zeit zu geben, wie es offenbar braucht, um richtig zu zünden.
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Re: Judas Priest

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 1. Mai 2012, 14:03

Wow, das sind doch mal viele super Beiträge! :dafuer:
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