Himmlisches Geklimper

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Himmlisches Geklimper

Beitragvon salisbury » Samstag 16. Januar 2016, 23:54

Auf diesem Namen hört mein Sampler. Auf dem Cover ringt ein Engel mit einem Mann auf einer Anhöhe. Musikalisch ist der Sampler sehr divers und sorgt für viel Abwechslung. Ich kenne kein einziges Lied. Let's go:

Track1 - 5:31

Die erste Minute gehört allein einer verzerrten E-Gitarre. Ein Riff aus drei Tönen wird ganz langsam gespielt. Man lässt ausgeklingen. Obertöne quietschen. Dann nochmal. Und nochmal schneller und dann richti g schnell und rhythmisch und es wird ein richtiges kleines Riff draus und dann werden Läufe dazwischen gespielt und eine zweite Gitarre stösst dazu, nach ca 1:20 dann auch Gitarre und Bass. Und dann ein Shouter: “Life. I fucking like it!” Dann wird es schwierig zu verstehen. Bei 2:10 geht es ins Uptempo über, sogar mit Blasts, aber klar hörbaren Anschlägen, das Riff erinnert etwas an VOIVOD, die Stimme überschlägt sich.

Insgesamt würde ich das als technischen Thrash bezeichnen, leicht punkig vielleicht und vermutlich auch etwas älteren Semesters. Insgesamt sehr trockener Klang und jeder Menge Variationen, bis zum Ende im Uptempo verharrend. Ich habe keine Ahnung, nichtmal die leiseste Idee, was das ist. Sehr ungewöhnlicher Track jedenfalls.

Track2 - 3:28

Es bleibt beim härteren Metal. Ein recht eintöniges Stakkato-Riff, darauf schreit eine Sängerin ein paar schwer verständliche Worte. Nach einer halben Minute wird es melodischer. Ich verstehe Wortfetzen wie “control your desire” und “higher”, eventuell ist das ein fremdländischer Akzent. Eine kurze Strophe, nochmal Refrain, dann Bridge mit Klimper-Synthie-Sounds: you won’t turn around, you don’t touch the ground, you have lost voice and faith, you have just one disgraaaaaahaaaace, und es riffelt wieder.
Ingesamt suchen wir also recht kraftvoll und teilweisse aggressiv gespielten Melodic-Metal mit weiblichem Gesang, Keyboards und eingängigem Refrain. Ich hab auch hier absolute keine Vermutung.

Track3 - 6:11

Es geht in Richtung neo-klassischem Melodic Power Metal. Es erinnert mich an ANGRA oder auch frühe RHAPSODY. Der Anfang könnte auch von STRATOVARIUS sein. Der theatralische Sänger hat meines Erachtens südländischen Akzent und sehr viel vom Pathos eines Fabio Lione. Der Song hat sehr viele Variationen. Ich verstehe auch etwas Text, auch wenn das lustig wäre, wenn richtig: “Celestial Bee, help me to see, a struggle to live, without an ocean on our side”, Hmm. Macht keinen Sinn…

Meine Verdächtigen wären VISION DIVINE oder ADAGIO oder VIPER BRAZIL, so etwas in die Richtung. Allerdings glaube ich vom Sound her, dass es etwas eher neueres ist. Vielleicht ANGRA. Die Gitarren sind tiefer gestimmt und haben wumms und werden nicht von Synthies übertönt. Die machen auch eher Klavier-Sounds als Flächen.

Ich finde des Song sehr gut, das will ich kennen.

Track4 - 4:14

Es geht wieder in die musikalisch deftigere Richtung. Ich denke sofort an eine Mischung aus SEPULTURA und MOTÖRHEAD. Typische SEPS-mäßige Bonga, dann grooviges Tribal-Drumming, ein am Anfang ein arabischer Background-Gesang. Aber der Haupt-Gesang klingt voll nach Lemmy mit Halsweh. Der Song treibt mächtig voran, sehr sehr cool. “I am the god of the grain” wird mehrmals wiederholt. Könnte man jetzt googlen aber das wäre ja Beschiss.

Track 5 -3:22

Jetzt geht es tief in Richtung obskurem Kauz-Metal/Rock. Gesprochen: “What have these lonely mountains more irgendas”. Dann spielen nur Bass und Gitarre zusammen, erst ein Riff, dann ein zweites, dann kommt Schlagzeug-Gehoppel. Ich würde das zunächst grob in Richtung NWoBHM sortieren. Aber der Song verändert sich ständig, dann kommt noch ein sehr obskurer, nicht wirklich metallisch anmutender Gesang dazu. Er geht auch schrill in die Kopfstimme rein, Auf einmal erinnert mich das sogar ein paar Sekunden an RUSH, ist aber längst nicht so filigran. Der Sound ist auch eher Demo oder sehr alt. Merkwürdiges Ding.

Hat jemand ne Ahnung?
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon Schaf » Sonntag 17. Januar 2016, 10:26

Die 4 ist AMEBIX mit - du hast es richtig erkannt - 'God of the Grain'.
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon salisbury » Sonntag 17. Januar 2016, 12:37

Schaf hat geschrieben:Die 4 ist AMEBIX mit - du hast es richtig erkannt - 'God of the Grain'.


This is fucking right!
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon Schaf » Sonntag 17. Januar 2016, 12:42

Natürlich ist das fucking right. Ist 'ne klasse Platte.
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon salisbury » Sonntag 17. Januar 2016, 13:41

Nächster Schwung:

Track 6 - 7:01

Es geht zunächst in Richtung Doom. Die Gitarren spielen das Riff, das sicher jeder Gitarren-Neueinsteiger als erstens beherrscht. Nein, nicht ’Smoke On The Water’. Darauf folgt eine Solo, darunter schwerfällige Drums, die dann in langsames Marschtempo verfallen und ein anderes simples Riff begleiten. Speziell wird es dann wieder beim Gesang. Hoch aber keine Kopfstimme, etwas wackelig aber originell. Hmm, ist das DOOMSWORD? Check. Nein, aber nicht so arg weit weg. GATES OF SLUMBER? Nee, dann eher DOOMSWORD. Aber trockener und nicht so arg metallisch-martialisch pathetisch. Mal sehen, ob ich was verstehe. ABer so etwas wie einen Refrain kann ich kaum ausmachen. Doch. Aber echt kaum zu verstehen…seemingly endless…cosmic race…where darkness resides…relations will deny (???). Gegen Ende wird das noch durch durch ein paar Flächensounds aufgepeppt. Der Sänger erzählt recht viel Text. Der eine oder andere würde behaupten, der Song wäre episch.

Ich denk mal, das wird hier gelöst werden

Track 7 - 4:24

Slide-Gitarre. Verzerrt und verhallt. Slooow. Der Klampfer benutzt den Bottleneck. Es vergeht wieder mehr als eine Minute, bis das Intro vorbei ist, dann folgt ein eher rockiges, melodisch, ganz leicht folkiges Lick ind schönem leichten Zerr-Sound. Drum legen einen leichten Groove und wieder tönt ein Sänger mit Wiedererkennungs-Wert. Diesmal etwas weinerlicher, aber mit angerauhtem Rock-Timbre. Gefällt mir sehr gut! Nach 3:20 kommt ein kurzer dramatische Ausbruch, jetzt hab ich ganz dicke RADIOHEAD-Assoziationen. Wieder super schwer zu verstehen: Klingt wie, “you pay your horses leave, I thought it while you scream”. Haha, ich wäre eine gute Quelle für misheard lyrics :). Aber geniale Passage, die dann wieder in das Haupt-Lick zurückführt, das aber doch noch ein weniger aufgeregter wirkt als vor dem Breakout. Solo und Schluss! Das will ich auch haben!

Track 8 - 5:04

Es bleibt weiterhin bei sehr ungewöhlicher Mucke, wobei mein Wichtel immer schaut, dass es handgemachte Rockmusik ist.

Der Song fadet langsam ein, ein Glas wird zerbrochen, etwas Größeres wird zerbrochen, Bass und Schlagzeug grooven sich langsam ein, auf dem Bass liegt ein Detune-Zerr-Effekt und, was ihn relative Schräg und wässrig klingen lässt. Wieder ein Sänger, der wohl genauer Thom Yorke Musik studiert hat, aber weniger nach ihm klingt als #7, mittlere Tonlage, er singt die Vokale schön aus mit leichtem Vibrato, Effekte sorgen für Dopplungen. Hat Klasse. Immer wieder gibt es creepy Geräusche im Hintergrund. In einer Bridge wird etwas vom “blue sky, einem daydream, und love in blue” erzählt. Soso, herr Wichtel, alles klar. Ab 3:30 dann wieder RADIOHEAD total, der bass freakt out, die Stimmen wuseln auseinander. Was für eine fantastische Passage. Bis sich der Song wieder fängt. So richtig einen Refrain gibt es nicht, es schleicht sich dann eher wieder aus, ab Schluß gibt es sogar noch eine Strich von einem, ähem, Streicher.

Track 9 - 4:17

Klasse Übergang in einen wieder konventionelleren Rocksong, der aber #7 und #8 in nichts nachsteht. Ihr merkt, meine Begeisterung für den Sampler wird immer spürbarer.

Das klingt sehr bekannt, vom Gesang her. Ich tippe auf MAGNUM, etwas Altes, was ich nicht kenne. MAGNUM haben wir grad im Soundcheck, ja Stimmen verändern sich. Ich muss auch an URIAH HEEP denken. Check. Nee. Ich bleib bei MAGNUM. Der Song ist flott rockend, sogar ein wenig RUSHig, schönes warmes Solo (was auch für MAGNUM spricht), verspielter Bass. “How strange when you know the feeling, that something ain’t right. So geht’s los. Im Refrain heisst es “I’m ALive, I’m just gonna be free” und so. Googlebar also. Mach ich aber nicht. Mensch, die Bridge ist ja soooo MAGNUM.

Track 10 - 4:32

Fuck, das ist jetzt aber ein böser Twist. Moderner Sound, Boller-Doublebass. Euro-Power aber ohne Zusatz-Gedöns (hier Symphonic). Aber dann dieser butterweiche Gesang. SERENITY? FALCONER? Nein, beides ganz klar nicht. “Another day went by just yesterday”. Ah, jetzt ja. So ganz physikalisch korrekt ist das aber nicht oder? “Another night goes by too fast.” “Every day we sense the same weak face, never seem to catch a break”. Ein Song gegen Überarbeitung? Es folgt ein kurzer Pre-Chorus mit einem effektbeladenen Zusatz-Gesang und dann kommt ein typischer Euro-Metal-refrain, catchy, eingängig.
Oh, ist das KAMELOT? Vielleicht vor der Symphonic-Phase? Ich gebe zu, ich würde Khan nicht zielsicher erkennen. Und ich hab hier längst nicht alles, vor allem aus der Früh-Zeit. Ich denke aber nicht, dass es KAMELOT ist. Stimme und Band kommen mir dennoch ungemein bekannt vor. Damn. Wir haben gegen hinten ein paar Stakkato-Breaks, coole Wizard-Soli, der Sänger weist darauf hin “this is you life, this is your song”. Thanks. Bei Bedarf kann ich mehr Lyrics raushören.
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon Schaf » Sonntag 17. Januar 2016, 14:17

Die 7 ist TWO GALLANTS mit 'We Are Undone'. Und außer mir gibt es glaube ich nur einen in diesem Forum, der sowohl AMEBIX als auch TWO GALLANTS hört. Nicht wahr, Marius? ;)
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon salisbury » Sonntag 17. Januar 2016, 16:23

Wow, TWO GALLANTS also. Cool Schaf. Feine Musik, Marius. Marius also! Respekt, Kollege, Respekt, das ist ein verdammt ausgeklügelter Sampler, der meinen Geschmack gut kennt und geschickt an seinen Rändern knabbert. Und einem tollen Spannungsbogen. Ich kann gleich sagen, der dritte Part hat's nochmal in sich mit SUPER Sachen!
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon Chavo89 » Sonntag 17. Januar 2016, 20:39

Sehr gut, Schafi! Du hast natürlich recht. Der Sampler war ziemlich auf dich zugeschnitten, Sally, das stimmt. Das Erstellen hat mir tierischen Spaß gemacht, auch deine Beschreibungen lese ich begeistert. Tipps gibt's, wenn du durch bist.
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon salisbury » Dienstag 2. Februar 2016, 09:46

Sorry, lieber Marius, hatte die letzten Tage ein bissl zu tun. Plus Soundcheck. Hier geht es aber bald weiter.
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Re: Himmlisches Geklimper

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 2. Februar 2016, 10:18

die #9 müsste 'I'm Alive' von URIAH HEEP sein.
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