Schön, dass dir die Serpents Oath so gut gefällt.
Ich habe mir dieses Jahr viel zu wenig neuen Black Metal zugelegt. Unter den knapp 650 Neuzugängen des Jahres 2020 sind maximal 10 heurige Black-Metal-Scheiben enthalten. Das ist schon ein ziemliches Fiasko würde ich sagen, denn ich halte mich schon nach wie vor für einen beinharten Genre-Aficionado. Aber vielleicht ist es eine dieser Phasen wie damals ca. 1998, dass das neue Zeug abreißt, und ich nur noch bei den Großen Alten am Ball bleibe. Nicht so intendiert, aber was will man denn auch immer machen.
Der Grund, den Thread zu Öffnen ist dann auch, dass hier vorgestern noch zwei fette Würmer aus den Löchern gekrochen sind, die der späte Rabenvogel gefangen hat und die auf der Zielgeraden doch noch dafür sorgen, dass 2020 ein richtig gutes Black-Metal-Jahr wird. Beide Alben - wer den WHIG-Thread verfolgt, weiß Bescheid - sind für mich unerwartete Genre-Highlights des Jahres 2020 und allgemein Bands, die ich zwar auf dem Schirm habe und auch eifrig gesammelt habe, die aber doch nie so stark in meinem Fokus waren, dass ich sie als Genre-Stockerlkandidaten für 2020 auf dem Zettel gehabt hätte.
Die Rede ist von:
INQUISITION - "Black Mass For A Mass Grave" - Agonia Records 2020Nachdem die Stimmung in den letzten Jahren doch ziemlich gegen die kolumbianisch/US-amerikanische Kapelle ausgeschlagen ist, und dadurch auch der Deal mit Season Of Mist flöten gegangen war, habe ich mir ernsthaft Sorgen um das weitere Schicksal der Band von Dagon und Incubus gemacht, doch zum Glück scheinen die Herrschaften ausdauernd und beharrlich zu sein. Mit ihrem achten Album bewegen sie sich stilistisch ein paar Millimeter seitwärts und ästhetisch und optisch noch ein paar Millimeter weiter. Das Album dominierte bisher meine weihnachtliche Stimmung und hat sehr schnell auf ganzer Linie gezündet. Dagon ist gesanglich der beste Knurrhahn westlich von Bergen, und auch sonst gibt es durchaus eine gewisse Nähe zu Immortal, wobei Inquisition schon auch einen sehr eigenen Ansatz hat. Ich finde dieses Mal vor allem die Leadgitarrenarbeit bestechend und den Sound sehr angenehm. Und auch kompositiorisch weiß die Band zu überzeugen, aus meiner Sicht sogar ein gutes Stück mehr als auf dem Vorgängeralbum.
https://www.youtube.com/watch?v=6abHv9ZhN5oUnd:
FORTÍÐ - "World Serpent Duology" - Prophecy Productions 2020Nicht minder überraschend zündet auch die isländische Black/Viking-Truppe um Einar "Eldur" Thorberg ein spätes Leuchtfeuer des Genres zur Wintersonnwend. Als alter Bathory-Ultrà hab ich die Isländer natürlich auch schon eine Weile auf dem Schirm, doch meistens schaffen es die Labels der Band so wenig Promo für ein neues Album zu machen, dass ich es erst Jahre später in die Finger kriege. Dieses Mal war das zufällig anders, denn zufällig bin ich tatsächlich am VÖ-Tag über das sechste Studioalbum gestolpert, und das ist ein richtiger Hammer geworden. Denn spätestens jetzt bringt die Band so viel musikalische Klasse, so vielschichtiges Songwriting und so viel Tiefgang mit, dass sie zu den Genre-Altvorderen von Enslaved, Einherjer und Helheim aufschließen kann. Melodisch und doch hart, spieltechnisch vielseitig und variantenreich, aber doch mit rotem Faden, packende Hooks an Gitarren und Gesang. Großartig produziert. Doch, da passt dieses Mal echt alles.
https://www.youtube.com/watch?v=3lg9ndHdp-Ihttps://www.youtube.com/watch?v=Ybxv7rp_OBMDie Videos sind gedreht Clips, teils ganz hübsch. Kann man sich anschauen.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38