Rotting Christ

Rotting Christ

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 21. Oktober 2024, 00:42

So, ich mach jetzt einfach mal ein riesiges Fass auf, das diese Forum noch nicht angestochen hat.

Riesig deshalb, weil ROTTING CHRIST (* 1984 als BLACK CHURCH, seit 1997 als ROTTING CHRIST) die wohl dienstälteste griechische Black-Metal-Band ist, und eine der dienstältesten Black-Metal-Bands weltweit. Anfangs spielte man Grindcore, doch seit der ersten förmlichen EP "Passage To Arcturo" (1991) sind wir im Black Metal daheim.

Warum mache ich das jetzt? Nun, weil ich vor Kurzem zusammen mit Julian und Heydulf bei einem Gig der Hellenen war, weil dieser ganz formidabel war, und weil ich mich daher entschlossen habe, jetzt die Sammlung zu vervollständigen. Bisher hatte ich nur das Frühwerk, also die EP und die ersten drei Studioalben. Jetzt ist zustätzlich die "A Dead Poem" (1997) hier aufgeschlagen, und von den restlichen, noch fehlenden 10 Alben sind 8 bestellt. Ihr seht, ich meine es ernst. Alles oder nichts!

Ihr werdet also ggf. mit mir ein bisschen auf Entdeckungsreise gehen. Aber vorab geht's mir mal um die "A Dead Poem". 1997 war eine üble Zeit. Da erdreisteten sich so einige einstigen Black-Metal-Helden, auszuwimpen. Gothic-Einflüsse zu verbraten. Massenkompatibler zu werden. Hörerfreundlicher. Man nannte es damals "Century Media Disease" oder auch "Peaceville Disease". Die Beispiele sind zahllos Tiamat, Moonspell, Amorphis, Sentenced, Anathema, Katatonia, Therion, Samael, Morgoth... alle meinten sie, dass sie melodischer, gruftiger, rockiger, eingängiger, massenkompatibler werden müssten.

Was habe ich das damals gehasst und folgerichtig seinerzeit auch die Sammlungen der Figuren abreißen zu lassen. Ich war doof. Aber konsequent. Viel später dämmerte mir, dass auf diese Weise und wegen dieses Trends einige Alben entstanden sind, die ich heute für Meisterwerke halte, und für unheimlich wertvolle Zeitzeugen einer musikalischen Entwicklung. Sowie für einen wesentlichen Teil der Seele des Neunziger Metals. Einige davon habe ich nacherworben und inzwischen komplettiert. Der Rest wird irgendwann kommen. Keine Frage. Muss sein.

Zurück zu ROTTING CHRIST.

Ihr sprichwörtliches und symptomatisches Spätneunziger-Album war "A Dead Poem", und es ist ein völliger Killer. Die schwarzmetallischen Roots fließen so wunderbar schlüssig und mitreißend in einen dramatischen Mix aus Epic Metal und Gothic Metal, dass es eine echte Freude ist. Was hört man dem Werk an, dass die Griechen sowohl Manowar lieben (inzwischen hatte Bandleader Sakis Tolis ja die Ehre einen der Altgriechisch-Erzähler auf der letzten MANOWAR-EP zu geben), als auch Gothic Rock und die eigenen Black-Metal-Wurzeln. Herrlich! Zwingende Empfehlung!

Bild

Sorrowfull Farewell - https://www.youtube.com/watch?v=ZtnCbTGu610
A Dead Poem -https://www.youtube.com/watch?v=2OHyE22kCsk
Between Times - https://www.youtube.com/watch?v=Y_M3AX2tolk
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Re: Rotting Christ

Beitragvon Jhonny » Montag 21. Oktober 2024, 10:11

Ich gebe zu, dass mich bisher die Menge der Veröffentlichungen etwas abschreckt. Ich kenne die ersten beiden Alben oberflächlich, aber das wars dann auch schon. Das war schon interessant, aber wenn eine Diskographie so umfangreich ist will ich mich oft (leider) nicht reinbeißen.
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Re: Rotting Christ

Beitragvon frankjaeger » Montag 21. Oktober 2024, 12:17

Bei den neueren Sachen muss ich mal reinhören. Ich zitiere mich selbst (SBOA 24):

Das lasse ich mir jetzt nicht von einer Black-Metal-Band kaputtbrüllen, denke ich, im Kopf immer noch still 'The Forest Church' summend. Denn auf der T-Stage kommt jetzt ROTTING CHRIST. Nun hört man im VIP-Bereich ganz gut, was auf den Bühnen abgeht, und so werde ich dennoch mit griechischem BM beschallt. Und stelle fest, das ist gar nicht so schlimm, man erspart mir oft die ermüdenden Blastbeats und auch die Gitarren sind erträglich. Die größte Überraschung ist jedoch, dass die Lieder atmosphärisch und sogar melodisch sind. Das klingt tatsächlich nicht schlecht, eher episch. Nicht übel, nächstes Mal komme ich vor eure Bühne.

Aber das Frühwerk ist natürlich gar nichts für mich.
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Re: Rotting Christ

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 21. Oktober 2024, 17:46

Die Diskographie ist natürlich schon sehr ausladend. Das war auch für mich immer ein Grund, nicht nachzulegen, nachdem ich die ersten drei Alben und die EP hatte und wegen der "Kommerzialisierung" des Sounds danach einstweilen von Bord ging. Als sich dann wieder Interesse regte, gab es schon so viele Scheiben und es wurden rasch immer mehr.

Aber wie so oft hat jetzt ein intensives Liveerlebnis dann doch den Schalter umgelegt und zum Entschluss geführt, die Diskographie assimilieren zu wollen. 14 Studioalben ist schon ein Wort. Nicht ganz Darkthrone-Level, aber immerhin.
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Re: Rotting Christ

Beitragvon Loomis » Montag 21. Oktober 2024, 21:16

Bisher habe ich leider nur die ersten beiden Alben. Die Non Serviam hat mir dabei ein nicht näher genanntes Forenmitglied mal auf dem KIT mitgebracht. :grins:
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Re: Rotting Christ

Beitragvon Chavo89 » Mittwoch 23. Oktober 2024, 14:41

Ich fand die aktuelle von ROTTING CHRIST im Soundcheck ziemlich stark. Schön episch und eher wenig schwarzes Gebläse. Jetzt klickt ich hier auf 'Sorrowful Farewell' und bin erneut ziemlich angetan. Es fühlt sich ganz so an, als könnte das eine Band sein, bei der sich ein genauerer Blick lohnt. Ich versuch's wohl mal mit dem toten Gedicht.
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Re: Rotting Christ

Beitragvon Susanne Schaarschmidt » Mittwoch 23. Oktober 2024, 19:34

Bei mir läuft jetzt schon seit ein paar Monaten die "Rituals" immer mal wieder im Auto, die mir enorm zusagt. Hab aber noch keine Ahnung, ob ich meine Exploration in vorige oder nachfolgende Zeiten fortsetzen mag. Live mochte ich die griechische Truppe auch recht gerne, als ich sie beim Midgardsblot 2022 sah. Fand es dann auch richtig schade, es doch nicht zu ihrem Konzert in Leipzig vor kurzem geschafft zu haben.
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