SMOULDER, DREAD SOVEREIGN und FLAME, DEAR FLAME - Hamburg

28.01.2026 | 22:43

13.12.2025, Bambi Galore

Kunterbunter Advents-Abriss.

Wir schreiben Samstag, den 13. Dezember 2025. Meine bessere Hälfte und ich haben eine gute Handvoll lieb gewonnener Freunde zum Adventstee eingeladen, was ich als ganz hervorragende Vorbereitung für das Abendprogramm betrachte, welches heute wieder einmal im Bambi Galore stattfindet, wo sich drei illustre und vor allem stilistisch sehr unterschiedliche Bands die Ehre geben: SMOULDER, DREAD SOVEREIGN und FLAME, DEAR FLAME. Da wir den ganzen schönen Bums on top auch noch präsentieren dürfen und sonst niemand aus dem Team Anstalten gemacht hat, bei einem der Gigs Präsenz zu zeigen, biete ich mich spontan doch gerne als entsprechender Zeitzeuge an.

Wer zwischenzeitlich im Hause Lenze auf die Idee gekommen ist, Tee- und Kaffeetassen durch eiskalte Bierflaschen und Gin&Tonic-Drinks zu ersetzen, lässt sich im Nachhinein leider nicht mehr vollständig ermitteln. Ich vermute aber mal, dass ich hierbei nicht gänzlich schuldlos geblieben bin, und so entwickelt sich aus dem netten Kaffeekränzchen relativ schnell ein stattliches Vorglühen alter Schule. Da auch die Hintergrundmusik nun sukzessive immer lauter, schneller und härter wird, unterbreite ich der versammelten Gästeschar noch ein weiteres Angebot, welches man eigentlich nicht ausschlagen kann. In der nur einen Steinwurf von mir entfernten "Plattenkiste" spielen heute, ebenfalls zur Nachmittagszeit, nämlich auch noch die Bremer Death- und Crust-Stadtmusikanten PHANTOM CORPORATION auf, um ihr famoses neues Album "Time And Tide" zu präsentieren. Könnte man doch gleich auch noch mitnehmen. Leider schaue ich daraufhin aber in doch eher unmotivierte Visagen. Gut, es lebe die Demokratie, kredenze ich mir halt noch einen weiteren Wacholderbeerensaft mit Kohlensäure und Doppelwumms oben drauf.

Irgendwann ist es dann aber doch an der Zeit, die mittlerweile gut angeheiterten Hintern Richtung Hamburg-Billstedt zu bewegen. Gesagt, getan. Pünktlich angekommen in unser aller geliebtes Hamburger "Wohnzimmer", erspähen wir (meine Wenigkeit plus zwei weitere Konzertfrontkämpfer) sogleich das eine oder andere bekannte Gesicht. It's Bambi time, Ladies and Gentlemen.

Die erste Band FLAME, DEAR FLAME habe ich bereits einmal im Vorprogramm von MESSA bestaunen dürfen. Damals, wie heute auch, will sich aber partout keine Begeisterung bei mir einstellen. Das liegt aber vermutlich weniger an der Band selbst, als vielmehr an meinen komischen Ohren, denn die Kombo kann, wenn auch (noch) knietief im Underground verwurzelt, bereits auf eine stattliche und treue Anhängerschaft blicken. Auch in den einschlägigen Foren spricht man überwiegend in den allerhöchsten Tönen über die Stuttgarter Truppe, was mich wiederrum sehr freut. Wäre ja schließlich auch ziemlich blöd, wenn es sich andersherum verhalten würde.

Aber mir ist die ganze Chose auf Dauer doch irgendwie etwas zu überladen. Mal englische, mal deutsche Lyrics. Hier ein wenig Folk, da ein bisschen Mittelalter-Vibes und für meinen Geschmack einfach zu wenig Doom Metal. Nicht Fisch, noch Fleisch, würde der simple Volksmund hier wohl achselzuckend konstatieren. Es ist, wie es ist, die Mucke holt mich einfach nicht ab. Aber zum Glück sind hier bei weitem nicht alle so seltsam wie ich gestrickt, denn die Gruppe wird am Ende doch recht euphorisch verabschiedet. Und das, objektiv gesehen, vermutlich völlig zu Recht.

Als zweite Band des Abends schickt sich die irische Truppe DREAD SOVERIGN an, die heiligen Bambi-Bühnenbretter unsicher zu machen. Nicht nur ich hätte mir die Band um den charismatischen Frontmann Alan Averill aka "A.A. Nemtheanga" hier aber wohl insgeheim als Headliner gewünscht und wundere mich auch, ob Bekanntheitsgrad und Status, ein wenig über die Ansetzung. Nicht, dass ich SMOULDER den Headliner-Slot nicht gönnen würde, aber ein wenig seltsam mutet die Entscheidung schon an. Mir soll's aber recht sein, hatte ich meine Reserven bei der Vorband ja bereits geschont.

Der überschaubare "Innenraum" ist verdammt gut gefüllt und die Bude ohnehin so gut wie ausverkauft. Beste Voraussetzungen also mal wieder für einen denkwürdigen Bambi-Abend. Zufälligerweise präsentieren sich auch die drei Herren dort oben auf der Bühne in absolut bestechender TOP-Form, und das durchgehend vom ersten bis zum letzten verhallenden Ton, wenn auch die Spielzeit mit nur einer sehr sehr knappen Stunde doch relativ knapp ausfallen soll. Spielt aber alles keine Rolle, wenn der prächtig aufgelegte Averill uns Anwesenden hier fast durchgehend seine grenzenlose Liebe zuteilwerden lässt ("Are you with us, you bloody Motherfuckers"..."you fuckin' cunts"..."fuck you"...). Aber wir wissen ja alle, wie's gemeint ist. Ein weiterer Augenschmaus: Gitarrist Bones, denn auch dieser steckt wie ein frisch aufgeladenes Duracel-Häschen voller Bewegungsdrang und spielt nicht nur optisch gesehen eine verdammt gute und straighte Gitarre.

Überhaupt: Der Dreier versprüht hier eine Energie und Spiellust, dass es mich nach ein paar Songs von meinem bequemen Seitenplatz direkt mitten in den Pit nach vorne zieht, um meinen beiden Kumpels hier ein wenig zur Seite zu stehen. Apropos Songs: Obwohl ich alle drei Tonträger zuhause stehen habe, weiß ich gar nicht so genau, welche Songs hier gerade zum Besten gegeben werden. Ich kenne zwar jeden intuitiv, komme aber partout weder auf den Titel der Stücke, noch auf die entsprechenden Albumnamen.

Ist vielleicht aber auch schlicht und ergreifend nur dem guten Pegel geschuldet, denn auch hier schmecken die Astra-Knollen und Gin-Tonics nach wie vor erstaunlich gut. Ändert aber alles nichts an der überbordenden Laune sowohl auf als auch überall unterhalb der Bühne. Es gelingt mir doch tatsächlich, ein kleines Video zum Ende des Gigs hin aufzunehmen, welches den hier vorhandenen Aggregatzustand und Spirit der Performance perfekt einfängt. 

Viel mehr muss dann zu der grandiosen Vorstellung auch gar nicht gesagt werden, denn mit dem immer wieder gern gecoverten SABBATH-Song 'War Pigs' - viel politisch aktueller hätte die Auswahl hier wohl auch nicht ausfallen können - wird hier dann der ultimative Schlusspunkt gesetzt.

Verdammt amtlicher Abriss, den wir nun alle erst einmal kurz an der frischen bzw. saukalten Luft draußen sacken lassen müssen. Es dürfte nicht gerade einfach sein für die nun aufspielenden Epic Metaller SMOULDER aus Kanada, hier noch eine entsprechende Abrissbirne draufpacken zu können. Deren Erstlingswerk "Times Of Obscene Evil And Wild Daring" wusste mich 2019 enorm zu begeistern, während mich der Nachfolger "Violent Creed Of Vengeance" vier Jahre später dann leider nur sehr bedingt abholen konnte. 

Bereits bei der 2022er-Version des Headbangers Open Air, im brennenden Garten zu Brande-Hörnerkirchen, konnte ich mich allerdings von den Livequalitäten der Band überzeugen. Auch heute im kleinen Club macht die Band eigentlich nicht viel verkehrt und zeigt sich wieder einmal von ihrer spielfreudigsten Seite. Ich habe es mir derweil wieder am Bühnenrand gleich an der Bar bequem gemacht. Dort finde ich mich in bester Gesellschaft wieder, unter anderem genießt dort auch Mr. Averill himself sein Feierabendbierchen, in Anwesenheit einiger Dudes beim gemeinsamen Fachsimpeln, obwohl er mir kurz zuvor doch noch höchstpersönlich ein Shirt am Merchstand verkauft hat. Tausendsassa bleibt eben Tausendsassa!

Die Kanadier selbst liefern derweil wieder gewohnt vital und wuchtig ab, immer in Kontaktnähe zur Crowd, und berücksichtigen bei ihrer Songauswahl alle Tonträger. Mir laufen natürlich die drei Songs des Debüts am besten rein, während die beiden brandneu vorgestellten Songs 'Smouldering Remains' und 'Crush The Neophytes' einen eher zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Möglicherweise geben die Nummern auf Tonträger aber eine bessere Figur ab, wenn es denn soweit ist, wer weiß? Ansonsten ist Sängerin Sarah Ann Vincent hier wie eh und je wieder äußerst bewegungsaktiv unterwegs. Manchmal möchte man ihr dezent und verstohlen allerdings zurufen, dass weniger manchmal doch bekanntlich mehr ist. Bei allem Herzblut, manchmal wirken die zur Schau getragenen "Verrenkungen" zumindest meinem Empfinden nach irgendwie doch ein wenig unsicher und unorganisch.

Das kann den guten Gesamteindruck der Darbietung allerdings nicht wirklich schmälern, und nach nicht ganz einer Stunde Spielzeit verschwindet dann auch die mittlerweile in Europa ansässige Band, leider ohne Zugabe, endgültig im Backstagebereich. Alles in allem. TippiToppi-Konzertabend! Bambi halt!

Setliste: Violent Creed Of Vengeance; Warrior Witch Of Hel; Smouldering Remains; The Sword Woman; The Talisman And The Blade; Crush The Neophytes; Bastard Steel; Ilian Of Garathorm; Victims Of Fate

Text: Stephan Lenze

Photo Credit: Taina (Petrunella) Keck


Redakteur:
Stephan Lenze

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