RVBANG 2025 - Balingen

29.08.2025 | 15:31

10.07.2025, Messegelände

Das von Powermetal.de präsentierte RVBANG-Festival war in jeder Hinsicht einfach nur grandios. Mit diesem Festivalbericht lassen wird dieses unvergessliche Wochenende für euch noch einmal Revue passieren!

Donnerstag:

Als ich kurz nach 16 Uhr meine Füße zum ersten Mal seit dem letzten BYH auf den Holy Ground in Balingen setze, ist die etwas stressige Anreise mit der Deutschen Bahn vergessen. Ich bin endlich wieder in meinem zweiten Zuhause.

Zu sehr hatte ich die letzten sechs Jahre das traditionelle Familientreffen vermisst. Aber dank des Rockvereins Balingen e.V. wird jetzt hier mit dem RVBANG ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Bevor es ab Freitag auf der Open Air Bühne auf dem Messegelände Balingen losgeht, steht am heutigen Donnerstag erst einmal die Warmup Show in der dazu gehörigen Halle an.

Bis zum eigentlichen Beginn sorgen die "Scream For Metal" Djs mit Hardrock und Metalklassikern aus der Konserve für Stimmung. Mit einer richtig guten Songauswahl schmeckt dann auch der erste Festivalbierchen richtig gut.

Ich nutze die Zeit auch für eine erste Begrüßungsrunde und treffe dabei sowohl in der Halle als auch im großen Biergarten vor der Halle auf einige alte Bekannte, die ich größtenteils tatsächlich seit dem letzten BANG YOUR HEAD 2019 nicht mehr gesehen habe.

Alle freuen sich auf ein geiles Wochenende im Zeichen der harten Gitarrenmusik auf dem Holy Ground und sind glücklich, dass es mit dem RVBANG endlich wieder ein Festival in Balingen gibt. So auch POWERMETAL.de Kollege Chris Staubauch, der mit mir zusammen von der Warmup Show berichten wird. Bilder gibt es aber leider keine, da unser Fotograf Michael Vogt erst am Freitag zu uns stößt.

Mit den Schweizern D'OR steht dann pünktlich um 18 Uhr die erste Band des Abends auf der Bühne. Es ist eine von vielen Livepremieren auf dem diesjährigen RVBANG für mich. Aber gerade dafür liebe ich Festivals, um neben bekannten Bands auch Neues für mich zu entdecken.

Im Vorfeld habe ich selbstverständlich mal das eine oder andere Video angecheckt und was ich sah und hörte gefiel mir richtig gut, auch live ist dann alles im grünen Bereich. Die Mischung aus Glam Metal und knackigem Hard Rock mit Ecken und Kanten ist wie geschaffen für die Bühne und wird von dem Quartett auch mit einer energetischen Live Show auf die Bühne gebracht.

Die Darbietung sorgt unter den Anwesenden in der Messehalle für dementsprechend gute Stimmung. Man merkt regelrecht, dass alle richtig Bock auf Livemusik haben. Als das Quartett dann zum Schluss noch die Hymne schlechthin 'We're Not Gonna Take It' spielt, ein Stück, das wie kein anderes zu Balingen gehört, erreicht der Stimmungspegel einen frühen Höhepunkt. Ein starker Auftakt.

Die Landsmänner von BLACK DIAMONDS finden im Anschluss daher ein perfekt aufgewärmtes Publikum vor. Ich habe die Truppe zuletzt 2018 auf dem Bang Your Head live gesehen, als sie relative kurzfristig für die ausgefallenen KICKIN VALENTINA eingesprungen ist und einen richtig starken Auftritt hinlegten, der mir noch länger in Erinnerung blieb. Auch diesmal werde ich nicht enttäuscht. Aus der Schweiz kommen viele geile Bands und BLACK DIAMONDS ist eine davon. Eines kann ich schon mal vorweg nehmen, es wird nicht die letzte sein, die ich dieses Wochenende auf dem RVBANG erleben werde. Die Schweiz steht einfach für Qualität und das nicht nur bei Uhren, sondern auch bei harter Gitarrenmusik.

[Tommy Schmelz]

Ich finde es immer wieder spannend, mir völlig unbekannte Bands auf Festivals anzusehen. Die Norweger von INVASION sind so ein Fall. Im Vorfeld hatte ich noch nicht mal eine Note der Formation gehört. Tommy Schmelz gibt mir noch schnell ein "das wird fett" mit auf den Weg, schnell noch ein Wasser gegen die Dehydrierung organisiert und meinen gemütlichen Alt-Herren-Platz mit viel Beinfreiheit und guter Sicht eingenommen. Es darf also losgehen. 

Die Halle ist zur Prime Time sehr ordentlich gefüllt. Das Quintett präsentiert einen Querschnitt ihrer beiden bisherigen Alben, wirkt dabei sehr professionell und kann mit ihrem kernigen, leicht sleazigen Hard Rock durchaus punkten. Der Funke möchte zwar nicht sofort überspringen, was vielleicht am Bekanntheitsgrad, aber auch am allgemein etwas trägen Publikum am heutigen Tag liegen mag. Es ist halt auch verdammt warm und stickig in der Halle. 

Im weiteren Verlauf der einstündigen Show taut Balingen jedoch auf und die Band aus Oslo bekommt die Anerkennung, die sie auch verdient. Immerhin sind Songs wie 'Turning The Tide', 'All For All' oder 'Wings Of Steel' und 'On The Edge' großartige Rocker, die verdammt gute Laune verbreiten. Gerade wenn INVASION ein wenig Fahrt aufnimmt, kann auch ich nicht mehr stillstehen und vor der Bühne kommt richtig Bewegung rein.

Ein bisschen SKID ROW hier, ein bisschen MÖTLEY CRÜE da geht halt immer. Der Sound stimmt, Sänger Jorgen Bergersen, der zu Beginn mit seiner roten Jacke, Schottenrock und Statur an Michael Rhein von IN EXTREMO erinnert, macht einen tollen Job und hat die Anwesenden zum Schluss fest im Griff. Diesen ersten Auftritt auf deutschem Boden kann die Band definitiv auf der Habenseite verbuchen. Ein fantastisches Konzert. INVASION habe ich mal fett auf meine Liste der anzucheckenden Gruppen gesetzt.

[Chris Staubach]

Auf MÄDHOUSE bin ich dann sehr gespannt, schwärmte doch Frank Laux von Scream For Metal im Vorfeld dermaßen von den Österreichern und empfahl, diese auf keinen Fall zu verpassen. Selbstverständlich vertraue ich dem grundlegend hervorragenden Musikgeschmack von Frank, und er hat tatsächlich nicht zuviel versprochen. Das, was die Österreicher heute auf der Bühne abziehen, ist eine Glam Rock Party vom Feinsten. Sowohl musikalisch als auch showtechnisch entführt uns MÄDHOUSE in die glorreichen 80er Jahre, als Genregrößen wie MÖTLEY CRÜE oder POISON ihre Hochphase hatten. 

Wo beispielsweise aktuelle Bands wie STEEL PANTHER das Ganze vielleicht etwas übertrieben präsentieren, wirkt die Show von MÄDHOUSE zu jedem Zeitpunkt authentisch aber auch nie altbacken. Der Spirit dieser Zeit wird von den Wienern perfekt eingefangen und ins Hier und Jetzt transportiert. Gleichzeitig wird am heutigen Tag der Release des neuen Album "Plead The Filth" vorgefeiert, das am Freitag veröffentlicht wird. Die Menge in der inzwischen gut gefüllten Halle ist auf jeden Fall begeistert von der Darbietung von MÄDHOUSE.

[Tommy Schmelz]

Ungewöhnlich ist es natürlich schon, dass eine Band die Warm-Up-Show als Headliner spielt und dann auch noch planmäßig am nächsten Tag auf der Open-Air-Bühne ran darf. Doch wundert es eigentlich niemanden, dass ausgerechnet VICIOUS RUMORS, die schon immer eine besondere Beziehung zu Balingen gepflegt hat, mit zwei (fast) unterschiedlichen Sets diese Ehre zuteil wird. Als die US-Power-Metaller mit 'Ride (Into The Sun)' in ihr Set einsteigen, ist die Halle gut gefüllt und die Zeichen stehen auf Sturm. 

Doch schon zu Beginn machen sich ein paar Soundschwierigkeiten bemerkbar. In vorderster Front ist der Sound brachial, nahezu perfekt. Umso weiter ich mich nach hinten (oder seitlich) bewege, desto schwammiger wird er.  Sehr schade, denn Geoff und seine Mannen hauen einen Gassenhauer nach dem nächsten heraus und sind nach dem kurzen Europa-Abstecher im Mai bestens aufeinander eingespielt. 'World Church', 'You Only Live Twice', das frenetisch gefeierte 'Lady Took A Chance' oder auch 'Down To The Temple', 'Hellraiser' und 'Digital Dictator' gehören zur obersten Liga im US-Power-Metal-Bereich. Da wird lauthals mitgesungen, die Fäuste in die Luft gereckt und die verschwitzten Haare den Umstehenden ins Genick geschüttelt. 

Und was macht das "Personal"? Immer eine spannende Frage bei dieser Band, ich weiß. Doch Geoff hat seine aktuelle Formation weiterhin am Start, die auch das Ende August erscheinende neue Album "The Devil's Asylum" eingespielt hat. Neben dem unverwüstlichen Larry Howe am Schlagzeug und dem schwedischen Bassisten Robin Utbult (ex-AIR RAID) stehen nun Flitzefinger Denver Cooper und Sänger Chalice mit auf der Bühne. Es fehlt vielleicht noch etwas an Routine und auch der Bewegungsradius könnte größer sein, aber rein musikalisch ist alles im grünen Bereich. 

Natürlich kommt Chalice nicht an den legendären Carl Albert heran, aber er meistert die schwierige Aufgabe sehr souverän. Dazwischen haben die Herrschaften mit 'Bloodbath', 'Crack The Sky In Half' und 'Dogs Of War' gleich drei neue Nummern mit am Start, die schon einmal einen starken Vorgeschmack auf das Kommende bieten. Leider läuft die Uhr gnadenlos gegen die Bay-Area-Legende und die ersten Ermüdungserscheinungen werden auch bei mir spürbar, sodass sich beim finalen 'Don't Wait For Me' schon etliche Gäste an die frische Luft oder gar in ihr Zelt verkrochen haben. Das ändert nichts an einem großartigen Konzert, das einen tollen ersten Festivaltag gebührend abschließt. Das sehen dann auch die zahlreichen Hartgesottenen ebenfalls so, die das Quintett frenetisch abfeiern und nach gut 75 Minuten gar nicht mehr von der Bühne lassen möchten. Beruhigt euch, die kommen doch morgen wieder!

Setliste: Ride (Into The Sun); World Church; You Only Live Twice; Lady Took A Chance; Crack The Sky In Half; Down To The Temple; Hellraiser; The Crest; March Or Die; Digital Dictator; Let The Garden Burn; Bloodbath; Dogs Of War; Don't Wait For Me

[Chris Staubach]

Photo Credit: Michael Vogt

Hier geht es zum Freitag.

Redakteur:
Tommy Schmelz

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