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GRASPOP METAL MEETING 2022: Schweiß und alte Männer - Dessel, Belgien

25.07.2022 | 20:56

16.06.2022, Festivalgelände

Endlich. Seit fast drei Jahren wieder einmal ein Festival. Und wenn man schon zurückkehrt, dann mit einem echten Kracher!

Gestern ist es spät geworden, ich finde ja, dass wichtige Bands nie nach 22 Uhr anfangen sollten. So sind wir heute etwas später auf dem Gelände. Das ist aber okay, denn so richtig reißen mich die ersten Bands nicht um, auch wenn MAJESTICA unter anderen Umständen von mir besucht worden wäre. So kommen wir erst zu Michael Schenker auf das Gelände, der heute nicht mit Temple oder Fest erscheint, sondern als er selbst. Das bedeutet, MSG-Sachen! Tatsächlich, nach dem instrumentalen Opener 'Into The Arena' folgt 'Cry For The Nations', nach dem UFO-Cover 'Doctor Doctor' folgt 'Looking For Love'. Moment, 'Looking For Love'? Eine ungewöhnliche Wahl und genauso anschließend 'Red Sky'. Michael scheint Spaß zu haben und wartet mit eher unerwarteten Liedern auf, die ich noch nie oder zumindest lange nicht mehr live gehört und gesehen habe. Auch lebt er nicht nur in der Vergangenheit, sondern spielt sowohl von "Universal" als auch von "Immortal" jeweils ein Stück. Dazu keine selbstbeweihräuchernden Ansagen, die er gar nichtg nötig hat, sondern einfach ein hardrockendes Fest mit dem starken Sänger Ronnie Romero aus Chile, der alle Lieder, egal ob sein selbst im Original eingesungenes 'Sail The Darkness' oder Lieder, die auf Konserve von Phil Mogg oder Gary Barden oder Michael Kiske geträllert wurden, mit Kraft und treffend darbietet und dem unvergleichlichen Sound des blonden Deutschen. Zwei alte Weggefährten stehen mit ihm auf der Bühne, Bodo Schopf und Steve Mann, die beide in der MCAULEY SCHENKER GROUP musizierten. Am Ende ist es ein wirklich mitreißender Auftritt von 50 Minuten. Michael hätte auch weiter oben im Billing eine gute Figur gemacht, da bin ich sicher.

Setliste: Into The Arena; Cry For The Nations; Doctor Doctor; Looking For Love; Red Sky; Sail The Darkness; Lights Out; Armed And Ready; A King Has Gone; Rock Bottom


Und nun? BLUES PILLS. Knappe weiße Hose, gelbes Oberteil, seltsame Sonnenbrille. Elin Larsson fällt auf jeden Fall auf, ist als Frontfrau ein echter Hingucker und verbreitet einfach gute Laune. Immer in Bewegung, irgendwann ohne Sonnenbrille, animiert sie das Publikum hervorragend zum Mitmachen, während ihre Mitstreiter gerne mal instrumental 50 Jahre in die Vergangenheit reisen. Ich bin mit dem Material nicht wirklich vertraut, die ganze Retrowelle war mir irgendwann zuviel. Aber dass ich überhaupt nichts erkenne, irritiert mich dann doch, immerhin habe ich eines der drei Alben der Schweden, "Lady In Gold", im Regal stehen und den Titelsong hatte ich als gesetzt angesehen. Ich glaube, von ihrem zweiten Album hat man tatsächlich keinen Ton gehört, dafür viel Neues. Das ist verständlich, wenn man davon ausgeht, dass man hier sowieso kein Heimpublikum vorfindet. Da das Ganze musikalisch sehr unterhaltsam ist, ist das eine nachvollziehbare Entscheidung. Das neue Album "Holy Moly" habe ich bislang nicht gehört, es scheint, als müsste ich das mal ändern. Klingt wirklich gut!

 

Nochmal Schweden folgen nun auf der anderen Hauptbühne, aber von Newcomern kann man da nun wirklich nicht sprechen, hier ist EUROPE. Eine Stunde ist wahrlich nicht viel für so eine Rocklegende, die nach elf Alben aus dem Vollen schöpfen kann. Kleiner Fakt am Rande: Davon stammen fünf aus der ersten Phase, der mit den Smash-Hits, aber bereits sechs aus der Zeit nach der Reunion 2004! Na, mal sehen, wer gewinnen wird, denn Katharina will die alten Hits hören und ich lieber Songs von den neuen Alben. Wobei ich befürchte, dass ich auf einem Festival möglicherweise den Kürzeren ziehen werde, aber mal abwarten, denn ich gehe schon gleich in Führung. 'Walk The Earth', der Titelsong des aktuellen Albums, das auch schon wieder fünf Jahre auf dem Buckel hat, leitet den Gig ein. Toller Song, live eine absolute Wucht. Das Eins zu Eins folgt sofort in Form von 'Rock The Night'. Ja, ich ahne, das wird eine Hitparade. Die Musiker agieren wie immer, insgesamt zurückhaltend, unspektakulär, Sänger Joey macht Spirenzchen mit dem Mikroständer, aber eigentlich verlassen sich die Schweden auf ihre Musik. Einfach, wenn man so einen voll gefüllten Köcher hat, aus dem man mal eben einen rasanten Kracher wie 'Scream Of Anger' ziehen kann! Das ist zwar aus der alten Phase, aber trotzdem arschcool und kein Singlehit. Jetzt noch hinterher 'The Beast' und die Meute... nein, es folgt wieder ein Hit. Die meisten freuen sich, aber ob ich nachmittags unbedingt die Ballade 'Carrie' in meine Setliste gepackt hätte, wenn ich zur Band gehören würde, kann ich deutlich verneinen. Ist aber egal, um mich herum wird geschwoft und gesungen. Dafür laufe ich wieder bei dem großartigen 'Last Look At Eden' zur Hochform auf. EUROPE macht das ganz geschickt und wechselt immer zwischen den Smash-Hits und neueren oder weniger bekannten Liedern ab. Es folgt 'Sign Of The Times' und danach 'Hole In My Pocket' vom 2015er 'War Of Kings'. Aber danach werde ich deklassierend geschlagen, nun folgen nur noch Lieder aus den 80ern, wobei ein nicht immer so ausgeprägtes besonderes Augenmerk auf "Out Of This World" gelegt wird. So gesehen dann doch wieder Abwechslung und ein Beweis für den oben erwähnten, randvollen Köcher. Dazu John Norums lächelnd und lässig vorgetragene Riffs und Joey Tempests Frontmanntalent und die Stunde vergeht wie im Flug, und jede Altersklasse ist begeistert, zumal eben gerockt wird, was man nicht unbedingt weiß, wenn man nur die Smashhits kennt.

Setliste: Walk The Earth; Rock The Night; Scream Of Anger; Carrie; Last Look At Eden; Sign Of The Times; Hole In My Pocket; Open Your Heart; Ready Or Not; Superstitious; Cherokee; The Final Countdown

 

Ich lasse den Core von COUNTERPARTS links und die flämische Komik-Rock-Truppe FLEDDY MELCULY rechts liegen und bleibe bei den Hauptbühnen, denn da kommt jetzt EISBRECHER. Interessant, Bands mit deutschen Texten sind ja im Ausland oftmals nicht so angesehen. Vor der Bühne ist es auch nicht gerade dicht gedrängt, dafür reichen die interessiert zur Bühne Schauenden recht weit nach hinten. Soll heißen: Wenige eigene Fans, aber eine Horde Sympathisanten. Das ist ja eigentlich ideal und EISBRECHER schießt auch gleich mal ein paar melodische Granaten ab, denn 'Verrückt' und 'Sturmfahrt' gehören zum Besten der Kapelle. Alexander Wesselsky zeigt den kahlen Kopf und eine Sonnenbrille, dominiert die Bühne und bildet den Mittelpunkt, um den herum Jürgen Plangge und Noel Pix mit Gitarre und Keys heftige Riffs und 50 Minuten einen fetten Groove in die Meute feuern. Geschwindigkeit und Härte werden gut abgewechselt, selbst wenn man die Texte nicht verstehen sollte, ist das sehr unterhaltsam. Wobei aber durchaus eine beachtliche deutsche Fraktion anwesend ist, die bei 'Himmel, Arsch und Zwirn' alles gibt und dann die Band bei dem Song 'This is deutsch' aus den frühen Zeiten mit seinen Anklängen an TRIO, KRAFTWERK, Joachim Witt und einem großen Schuss NDH ordentlich unterstützt. Als die Band mit einer eindeutigen Ansage über "Peace, Love, Music" ins große Finale 'Miststück' startet, ist die Meute nicht nur durch die Sonne von außen angewärmt.

 

Es ist nochmal Zeit für eine Pause. Aufgrund technischer Probleme im Marquee verschiebt sich dort der Zeitplan, wir gehen mal hinüber zum Metal Dome, da gibt es auch etwas zu essen und zu trinken, und vor allem spielt da die Band UGLY KID JOE, die mich vor einigen Jahren in Wacken begeistert hat. Aber, ach, es gibt kein Reinkommen, der Laden ist absolut picke-packe voll. Ein paar Töne von außen, aber ohne die Buben zu sehen, ist das nur der halbe Spaß. Auf der Hauptbühne folgt FOREIGNER. Eigentlich super, nur ist mittlerweile leider kein Mitglied mehr auf der Bühne, das vor 2004 in der Band war. Mick Jones ist das letzte verbliebene Originalmitglied, aber Jones ist erkrankt. Die übrigen Musiker sind alle großartig, aber ist das jetzt mehr als eine Coverband? Auch wenn die immerhin zur Hälfte identisch ist mit dem Line-Up des 2009er Albums "Can't Slow Down"? Die Antwort gibt die Band selbst, indem sie von besagtem Album keinen Song spielt. Obendrein gibt es ein ausgedehntes Drum- und Keyboardsolo, was nun wirklich von FOREIGNER kein Mensch braucht. Da hätte man locker 'White Lie', 'Say You Will', 'That Was Yesterday', 'Night Life', 'Break It Up' oder 'Hot Blooded' spielen können. Über die Performance kann ich nichts sagen, wir machen Essenspause, ich höre nur die Musik rüberdriften. Nein, ich glaube, es ist besser aus der Entfernung. Ohne Mick Jones ist es einfach null Prozent FOREIGNER.


Dafür freue ich mich jetzt, gestärkt, auf SHINEDOWN. Die US-Amerikaner sind in ihrer Heimat eine ganz große Nummer, bei uns dagegen kennt man sie eher weniger. Dabei sprechen 17 Nummer-Eins-Hits in den Mainstream Rock Charts der Vereinigten Staaten doch eine deutliche Sprache. Die Band hat gerade ein neues Album veröffentlicht, "Planet Zero", und beginnt auch damit. Ja, sehr cool, aber zwischen den beiden neuen Liedern kommt gleich mal 'Devil' und 'Cut The Cord' mit Kinderchören, natürlich als Sample, um auch die beiden vorherigen Alben vorzustellen. Hits? Ja, allesamt. Die Band beackert die letzten fünf der sieben Studioalben und lässt auch den Song 'Diamond Eyes (Boom-Lay Boom-Lay Boom)' vom Soundtrack zu dem Actionfilm "Expendables" nicht aus. Die Melodien der Burschen aus Jacksonville, Florida, verfehlen ihre Wirkung nicht und schon bald ist die Stimmung bestens. Sänger Brent Smith wirkt zwar viel härter, als die Musik wirklich ist, aber dass die Band Hymnen mit durchaus erheblichem Popeinfluss komponieren kann, ist unbestreitbar. Die Band spielt nicht einmal ein Dutzend Lieder. Von 17 Nummer-Eins-Hits. Die knappe Stunde reicht also ganz offensichtlich nicht. Hier wäre noch mehr gegangen!

Setliste: The Saints Of Violence And Innuendo; Devil; Cut The Cord; Planet Zero; Get Up; Enemies; Unity; Monsters; Second Chance; Diamond Eyes (Boom-Lay Boom-Lay Boom); Sound Of Madness

 

Von der Moderne geht es jetzt zurück zu den Klassikern. Denn SAXON hat davon genug und spielt schon seit Jahren, ach was, Jahrzehnten gefeierte Best-Of-Gigs. So auch heute. Nur 'Thunderbolt' und 'Dogs Of War' sind neuer als 1990, der Rest sind die Kracher, die jeder echte Rocker mitsingen kann. Das geht immer und verfehlt seine Wirkung nie. Klar, eigentlich könnte SAXON auch mal ein paar davon weglassen und stattdessen mehr der Alben der letzten 30 Jahre spielen, aber man weiß nicht, wie das bei dem SAXON-Gelegenheitspublikum auf so einem Festival ankäme. Ich persönlich fände es gut. Aber heute passiert das nicht, Biff sagt sogar früh, dass nichts vom aktuellen Album "Carpe Diem" gespielt werden würde, wer davon etwas hören möchte, müsse auf die nächste Tournee kommen. Okay, ist notiert. Und so fliegen die Hände zu den alten Hits. Biff selbst wirkt heute etwas unnahbar, ja, distanziert, aber ich stehe auch zu weit weg, um seinen Gesichtsausdruck wirklich sehen und deuten zu können. Was mich aber wirklich stört ist der häufige, zu häufige Gebrauch des Wortes "fucking". Das hat weder Biff noch SAXON nötig, ich hätte gerne etwas mehr britisches Understatement als US-Jargon. Aber sonst ist die Band mal wieder Chorleiter für Tausende vor der South Stage und eine verlässliche Metal-Bank.

Setliste: Motorcycle Man; Thunderbolt; Wheels Of Steel; Heavy Metal Thunder; Strong Arm Of the Law; Dogs Of War; Solid Ball Of Rock; Denim And Leather; And The Bands Played On; Crusader; 747 (Strangers In The Night); Princess Of The Night

 

Noch eine Band, die ich bislang noch nicht live gesehen habe, ist FIVE FINGER DEATH PUNCH. Da die Jungs immer so gehyped werden, muss ich das natürlich ändern. Eine fette, sich selbst in den Schwanz beißende Schlange als Hintergrund, ein Intro und los geht es. Und dabei gleich in die Vollen, ein großartiges Riff, Power, ein starker Refrain. Okay, Sänger Ivan Moody sieht in seinen roten Shorts und weißem Oberteil ziemlich gewöhnungsbedürftig aus, der Rest dagegen ordnet sich irgendwo zwischen Kerry King und austauschbarer Alternative Rock-Robe ein. Abgesehen von der "ich bin ja so gefährlich"-Attitüde des Sängers ist das ein sehr ordentlicher Metal. Diese "Harter Hund"-Nummer finde ich ja auch eher deplatziert, ich meine, ist das wirklich cool, einen Schlagring am Mikro zu haben? Zumal das Ganze jetzt nicht so besonders hart ist, da würden mir schon ein paar andere Granaten einfallen, die den Burschen da noch zeigen könnten, wo der Härtner-Hammer hängt. Haben hier schon gespielt, vielleicht sollte er sich mal die Core-Kapellen hier ansehen, OUR HOLLOW OUR HOME oder WHILE SHE SLEEPS sind auch nicht so viel anders, aber verlassen sich auf ihr Können statt auf dicke Hose. Von den Death-Metallern und Blackies ganz abgesehen. Einen Refrain wie bei 'Wash It All Away' komponieren können ist sowieso eine größere Errungenschaft, als dauernd auf "ganz doll hart" zu machen, was man offensichtlich gar nicht nötig hätte.

Egal, die Musik zählt. Aber da liegt nun leider das Problem. Was jetzt folgt, ist ein gewöhnlicher, unorigineller Groove Metal mit ein bisschen Hip und ein bisschen Hop, mit Ansagen mit gesteigerter "Fuck"-Frequenz und Geschwafel mit hohem Fremdschämfaktor, weil Ivan das Wort "Dick" gesagt hat und daraus eine große Sache macht. Junge, komm wieder runter, niemand ist beeindruckt. Du bist in Europa, nicht im Mittleren Westen. Dazwischen doch nochmal ein ordentliches Lied, 'Bad Company'. Nur eben eine Coverversion. Dann noch der dümmste Songtitel des Tages namens 'Burn Motherfucker'. Ich nehme jedenfalls an, dass er so heißt, auf jeden Fall wird es dauernd gesungen. Aber immerhin sind die Pyros gut. Ansonsten gibt es ein Drumsolo, mal wieder völlig überflüssig, und die Band geht nach einer Dreiviertelstunde von der Bühne, um sich bei einer Gesamtspielzeit von einer Stunde für eine Zugabe auf die Bühne zurückholen zu lassen. Echt jetzt? Fand ich gestern bei MEGADETH schon doof, ist heute nicht intelligenter geworden. Immerhin werden die Chöre wieder besser, auch wenn die anfängliche Riffqualität nicht mehr erreicht wird. Der letzte Song, 'The Bleeding', den ich nennen kann, weil Ivan ihn lobenswerterweise ansagt, ist aber wieder ganz cool. Insgesamt ist der Auftritt ganz okay, anfangs sehr gut, am Ende gut, dazwischen eine erhebliche Leerlaufphase und mehr von Attitüde geprägt denn Musik. Vielleicht war das einfach keiner ihrer guten Auftritte, ansonsten kann ich den Hype in keiner Weise nachvollziehen. Muss ich vielleicht auch nicht, die begeisterte Crowd ist beachtlich groß, also machen die Buben etwas richtig, nur eben nicht bei mir. Jetzt habe ich sie jedenfalls mal gesehen. Ob ich das nochmal brauche, glaube ich aber nicht. Hätte ich gerne spielzeittechnisch mit SHINEDOWN oder Michael Schenker getauscht.

 

Blöd, dass parallel zu 5FDP Devin Townsend gespielt hat und außerdem Myles Kennedy. Wir hätten uns lieber Myles ansehen sollen, aber nachher ist man bekanntlich immer schlauer. Und noch eine Überschneidung gibt es jetzt, weswegen ich mir OPETH nicht ansehen kann. Wobei ich von den letzten Alben nicht ganz so begeistert bin. Aber auch sonst, OPETH wird wiederkommen, bei JUDAS PRIEST kann man sich dessen nicht so sicher sein, deswegen geht es bei uns mit selbigen Priestern weiter. Den Anfang macht ein Intro, bei dem das bekannte Kreuz-Logo hochgezogen wird und leuchtet. Ein bisschen irritierend ist, dass parallel noch die Werbung auf den Leinwänden zu sehen ist, statt des Geschehens auf der Bühne. Das ist dann aber nach ein paar Minuten behoben und es geht los mit 'One Shot At Glory', einem Stampfer, und gespannt warte ich auf den Metal God. In den tiefen Lagen ist er unverkennbar und großartig, das zeigt er im nachfolgenden 'Lightning Strike' ebenfalls, während die Gitarrenfraktion Faulkner und Sneap lässig ihre Riffs raushaut. Mit 'You've Got Another Thing Comin'' wird es dann schon höher, aber spätestens bei 'Freewheel Burning' sind alle Bedenken verflogen. Ja, er klingt nicht mehr ganz so perfekt wie früher, aber das kann man nicht erwarten, und mit den Effekten ist es auch etwas übertrieben, aber er ist und bleibt der Metal God. Was kann der Mann schreien! Optisch allerdings ist ihm irgendetwas widerfahren. An seinem Kinn und Hals hängt eine Grauhaarratte. Oder... ach nee, das ist ein Bart!

Danach folgt 'Turbo Lover'- ich werde nie verstehen, warum die Band dieses unsägliche Machwerk nicht einfach ignoriert und etwas Ordentliches spielt. Man hat ja Hunderte besserer Lieder. Aber man kriegt schnell wieder die Kurve und bei 'The Sentinel' bin ich entschädigt. Der Rest ist eine Klassikerparade, die niemals vollständig sein kann. Wo sind 'Exciter', 'Beyond The Realms Of Death', 'Ripper', 'Defenders Of The Faith', und, und, und? Mittlerweile im vierten Frühling angekommen, oder zumindest ungefähr, ist es natürlich klar, dass die Band eine solche Best-Of-Tour unternimmt. Auch dass Rob Halford nicht mehr allzuviel Show macht, ist absolut nachvollziebar, dass er aber die alten, hohen Töne noch so gut trifft, ist umso erwähnenswerter, zumal ich den Eindruck habe, dass er mit zunehmender Spieldauer immer besser wird. Bei 'Victim Of Changes' ist es schon stark und zu 'Painkiller' ist es auf jeden Fall ganz großes Kino. Tatsächlich gibt es an diesem Wochenende nur eine andere Band der ganz alten Riege, die den Priestern das Wasser reichen kann, die kommt aber erst morgen. Ich hätte gerne noch mehr vom aktuellen Album 'Fire Power' gehört, aber es ist leider keine Zeit mehr und mit den erwartungsgemäßen 'Breaking the Law' und 'Living After Midnight' endet dieser Ausflug in die Metalgeschichte.

Setliste: One Shot At Glory; Lightning Strike; You've Got Another Thing Comin'; Freewheel Burning; Turbo Lover; Hell Patrol; The Sentinel; Victim Of Changes; The Green Manalishi (With The Two Prong Crown); Diamonds & Rust; Painkiller; Zugabe: Electric Eye; Hell Bent For Leather; Breaking The Law; Living After Midnight

 

Danach kommt KORN. Aber nicht für uns. Die parallel spielende Band OPETH ist auch vorbei, und nach den beiden Bands empfinde ich KORN als Aufforderung, das Gelände zu verlassen. Eine Aufforderung, der wir nachkommen, es ist Mitternacht, wir müssen noch etwas fahren und morgen möchte ich pünktlich wieder hier sein!


Hier geht es zum Sonntag...

Redakteur:
Frank Jaeger

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