HandOfBlood: Interview mit Maximilian "Hänno" Knabe

02.02.2026 | 17:59

"Irgendwie hat es die älterwerdende Szene verpasst, die jungen Generationen zu inkludieren."

Ende 2025 wurde in Berlin das Label Corrupted Blood Records gegründet. Eigentlich wäre das keine Newsmeldung wertgewesen, wenn hinter diesem Label nicht Maximilian Knabe, besser bekannt als der Streamer und Influencer HandOfBlood, stecken würde. Max startete im November 2010 auf YouTube, über die Jahre kamen weitere Kanäle, Plattformen (so streamt er u.a. regelmässig live auf Twitch), eine eigene Agentur und Beteiligungen an Wettbewerben (u.a. Baller League), Veranstaltungen (u.a. Influencer Darts WM) und eigenen Firmen (u.a. Knabe Drinks) dazu. Wir haben Max' Einstieg im Metal jetzt dazu genutzt, ihn mal zum Interview zu bitten.

Aufgrund seines vollen Terminplans musste dieses leider als schriftliches Interview stattfinden.

 

Guten Tag Hänno, vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst, du hast ja einen vollen Terminkalender. Ist eine Labelgründung ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit nicht eine Garantie für noch mehr Stress?

Tatsächlich ist es bei uns in der Branche üblich, dass in Q4 immer eine Menge abgeht. Wir Influencer sind sehr von Werbetreibenden abhängig und diese fokussieren sich besonders auf die Vorweihnachtszeit. Da ich auf diese Dynamik seit über einem Jahrzehnt konditioniert bin, war die Label-Gründung in diesem Kontext ehrlicherweise keine große Mehrbelastung. Außerdem habe ich inzwischen ein so breites und eingespieltes Team um mich versammeln dürfen, dass ich auch ohne Stress Teilschritte für solche Themen abgeben kann, ohne Kontrollverlust zu verspüren.

Wie ist die Idee entstanden, Corrupted Blood Records zu gründen? Und wie kann man sich den Prozess vorstellen?

Um ehrlich zu sein, weiß ich das gar nicht mehr so ganz genau. Über die Jahre hatten mein Team und ich immer mehr mit Menschen aus der Musikwelt zu tun – durch unsere Metal-Fashion-Marke "Corrupted Blood", durch verschiedenste Stream-Gäste und auch durch unsere Veranstaltungen, in denen Musik zunehmend eine tragende Rolle spielte. Hinzu kam, dass wir seit einigen Jahren nach wachsender Unabhängigkeit streben und so neben Lizenzprodukten auch Verlagsthemen spannend finden – zunächst im Bereich Videospiele mit unserem Publisher "Sidekick". Genauso, wie meine Community mich für meine Leidenschaft für Videospiele kennt, kennt sie mich auch dafür, was für ein Metalhead ich bin. Und insofern war dieser Ansatz, ein Metal-Label zu starten, gleich dreifach erfüllend: mit geschätzten Kontakten etwas aufbauen, mit eigenen Themen für mehr Unabhängigkeit sorgen und mit Leidenschaftsthemen den Tag verbringen – wenn man es so zusammenfasst, klingt es doch wie ein No-Brainer.

Welche Bedeutung hat Metal für dich persönlich? Und wie bist du zu der Musik gekommen?

Zur Musik bin ich damals in der vierten oder fünften Klasse gekommen. Da hatte ich einen Kumpel in der Klasse mit älteren Brüdern, die voll im Metal waren, auch E-Gitarren hatten, und wie so typische große Brüder damals richtig Eindruck auf mich machten. Mein Klassenkamerad hat mit dann irgendwann mal so eine CD mitgegeben, auf der vier Lieder waren – ich glaube, es waren IN EXTREMO mit 'Vollmond' und 'Spielmannsfluch', ENSIFERUM mit 'Iron' und CHILDREN OF BODOM mit 'If You Want Peace… Prepare For War'. Diese CD habe ich dann rauf und runter gehört. Generell hörte ich damals gerne Musik, hatte aber ansonsten nur Zugriff auf die Sammlung meiner Mutter – da sagte mir am ehesten eine Jubliäums-CD von den SCORPIONS zu, die ich auch rauf und runter hörte. Rock kannte ich also schon. Nun hatte ich da eine CD mit noch härterer Musik und das fand ich richtig geil. Dann fing ich an, mich damit mehr auseinanderzusetzen, mir einen MP3-Player und WinAmp zuzulegen – auf LAN-Partys konnte man sich dann ganz viele Songs ziehen. Das ist alles verjährt! Ich habe damals als Teenager, gerade in Zeiten, als es mir nicht so gut ging, Musik als Stütze erlebt. Dementsprechend verbinde ich mit Musik einen Safe Space, sowie auch sehr viele Highlights. Einige der schönsten Erinnerungen in meinem Leben fanden mit Metal statt – etwa das erste Konzert oder das erste Festival, da rede ich heute noch gerne drüber.

Welche Bands zählen zu deinen Favoriten?

Ich habe nicht die eine Lieblingsband, aber ich habe eine Handvoll Bands, die ich je nach Sub-Genre am liebsten mag. Im Power Metal sind das für mich HAMMERFALL und BLIND GUARDIAN. Im Viking Metal sind es ENSIFERUM, WINTERSUN und vielleicht TYR. Im Death Metal sind es KATAKLYSM und CHILDREN OF BODOM. Im Metalcore sind es ELECTRIC CALLBOY, HEAVEN SHALL BURN, ASKING ALEXANDRIA und BULLET FOR MY VALENTINE. Im Thrash Metal ist es KREATOR. Ich liebe Metal genau deshalb, weil es so viele Sub-Genres und Varianten gibt – und je nachdem, wo ich unterwegs bin und worauf ich gerade Bock habe, habe ich unterschiedliche Lieblingsbands.

Mit SAVIOURSELF habt ihr eine aufstrebende deutsche Metalcore-Band als erste unter Vertrag genommen. Warum fiel eure Entscheidung ausgerechnet auf die Jungs aus Kiel?

Tatsächlich hatten wir mit SAVIOURSELF bereits Berührungspunkte dadurch, dass wir mit ihnen an Corrupted Blood Fashion zusammenarbeiteten. Dort schauen wir zu jedem Drop, dass wir eine Band auswählen, deren Sound zu unserem kreativen Ansatz für die Kollektion passt. Und sofern diese einverstanden ist, unterfüttert ihr Sound dann unseren Fashion Drop. Oftmals nehmen wir da kleine Bands, die wir scouten. Insofern hatten wir da schon mal den Kontakt, erlebten bereits die reibungslose Zusammenarbeit und schickten ihnen bereits einige Klamotten. Die Jungs sind super sympathisch, sehr bodenständig und mit unserer Philosophie sehr vereinbar – es hat direkt Klick gemacht. Sie sind auch alle grob in meinem Alter und ich konnte mich sehr mit ihnen und ihrem Stil identifizieren – ihre Musik, ihre Inszenierung, ihre Musikvideos, das fand ich alles sehr cool. Darum fühlte sich das für eine erste Band wie eine sichere Wette an.

Welche Kriterien legt ihr bei der Band-Auswahl zugrunde?

In allererster Instanz ist es natürlich die Musik selbst. Das ist auch ehrlicherweise für das gesamte Team das Hauptkriterium: "Gefällt die Max?" Denn hätten wir eine Band, die an sich gute Mukke macht, aber ich würde es nicht fühlen, dann können wir meine Reichweite als Stärke natürlich nicht voll ausschöpfen, denn Influencer-Marketing funktioniert nicht, wenn es nicht authentisch ist. Fühle ich etwas nicht, dann werden es meine Zuschauenden tendenziell auch nicht fühlen. Dieser erste Aspekt ist also nicht optional und muss immer erfüllt sein. Nebst der Musik gibt es aber auch andere Faktoren, denn der Musikmarkt ist ein Verdrängungsmarkt und es gibt viel gute Musik. Es ist auch wichtig, dass jede Band einen USP [Unique Selling Point - Anmerk. der Red.] hat, beispielsweise besondere Charaktere, Techniken oder Inszenierungen. Das erarbeiten wir auch mit den Bands, denn viele von ihnen stehen ja auch noch relativ weit am Anfang. Und ein weiterer Faktor ist für uns auch, dass wir uns bemühen wollen, Bands zu finden, wo mindestens ein Bandmitglied auch mal weiblich ist. Das ist leider gar nicht so einfach, denn Mädels sind in der Szene unterrepräsentiert. Wir hoffen, dass wir unter unseren ersten drei Bands jedoch eine solche Konstellation hinbekommen. Denn gerade angesichts dieser Unterrepräsentation kann es der Szene ja nur gut tun, wenn wir bewusst solchen Projekten die Bühne bieten und zu mehr Diversität beitragen. Dann fühlen sich perspektivisch vielleicht auch noch mehr Frauen willkommen und ermutigt, an der Szene teilzuhaben.

Du bist im Streamingbereich ja auch dafür bekannt, mal kleineren Streamer*innen eine Plattform zu bieten. Werden wir bei Corrupted Blood Records auch absolute Newcomer erwarten können oder werdet ihr eher in die oberen Regale greifen?

Würde eine große Band anklopfen, bei der wir uns das vorstellen könnten, dann verschließen wir uns der Option nicht. Aber wir sind da auch ehrlich zu uns und müssten dieser größeren Band gerecht werden – das wäre zunächst zu prüfen. Unser Fokus liegt erstmal eindeutig auf kleinen Bands. Bei diesen können wir aber auch am besten zeigen, was wir draufhaben. Und es ist ein guter Weg, erstmal Erfahrungen zu sammeln. Am Ende ist das, was wir machen, auch ein Experiment, das noch niemand vorher wagte, und im Indie-Bereich finden sich die Bands, die dafür offen sind.

Was bietet Corrupted Blood Records Bands, was etabliertere Labels nicht können?

Wir erobern neue Zielgruppen. Egal, mit wem wir aus der Szene sprechen – alle nehmen wahr, dass die Metal-Szene älter wird. Dabei gibt es junge Hörer*innen und es gibt auch junge Bandprojekte. Doch irgendwie hat es die älterwerdende Szene verpasst, die jungen Generationen zu inkludieren. Da, wo in anderen Musikgenres neue Event-Formate und neue Promo-Formate nachwuchsen, wirkt der Metal teils etwas verstaubt. Wir trauen uns zu, die Köpfe zu versammeln, die das anpacken und neu denken können. Wir beschäftigen uns damit, wie wir auch die Gen Z und die Gen Alpha mit Metal online sowie offline abholen – denn die Affinität zu der Musik sehen wir bei ihnen. Abseits der Jüngeren gilt es auch solche Leute für die Musik zu begeistern, welche sich noch nicht in die Szene hinein trauten – vielleicht aufgrund von Vorurteilen, vielleicht wegen Unsicherheiten oder vielleicht auch einfach, weil man noch nicht darauf aufmerksam wurde.

Im September 2026 veranstaltet ihr auch die erste eigene Show, die "Corrupted Blood Club Show" im "Huxleys Neue Welt" in Berlin – fehlende Ambition kann man euch also keinesfalls vorwerfen. Was kannst du uns schon zur Show verraten?

Wir werden einen Abend haben, der sich ganz dem Thema Metal widmet und auch auf Twitch live übertragen wird. Drei Bands aus unserem Label und zwei fette Bands, die jeder kennt, werden spielen. Dass so große Bands am Start sind, die uns bereits verfolgen und unsere Arbeit feiern, ehrt mich sehr. Es wird ein Abend voller Überraschungen. Da die Show nach einem Tag ausverkauft war, werden wir tatsächlich gänzlich darauf verzichten können, mehr Details anzukündigen. Umso mehr erhoffe ich mir einen Fiebertraum aus Cross-Overn und neuen Ansätzen. Neue Ansätze sollen sich daran orientieren, Einstiegshürden abzubauen. Das betrifft einerseits die Themenfelder Inklusion und Awareness, andererseits aber auch Didaktik – also wie wir Dinge auf unterhaltsame Art einleiten und erklären. Der Abend soll vor Ort, im Twitch-Stream und auf Social-Media der ideale Einstieg sein für Menschen, die bislang noch nicht mit Metal in Kontakt kamen.

Corrupted Blood Records ist ja nicht deine erste Unternehmung. Knabe Drinks, die Influencer Darts WM, Beteiligung an der Baller League – um nur ein paar zu nennen. Wird es da Synergien und Verbindungen geben?

Ja, die Idee ist immer, dass wir unser Ökosystem ausbauen und Synergien schaffen. Unser Getränk "Knabe Malz" soll sich zunehmend im Metal positionieren. Unsere Band SAVIOURSELF fanden wir quasi durch Corrupted Blood Fashion. Corrupted Blood als Markenwelt wird durch die Themen Fashion, Records und Events zunehmend Projekte umsetzen, bei denen sich die Bereiche gegenseitig beflügeln. Und insbesondere soll sich natürlich mein Content als Creator durch die Projekte prägen lassen. Dafür mache ich das: Damit ich Themen aufgreifen kann, die meine eigenen sind, anstatt Fremdprodukte zu bewerben.

Hänno, wir danken dir vielmals für dieses Interview! Ich bin sehr gespannt, was man in den nächsten Jahren von Corrupted Blood Records erwarten kann und welchen Impact ihr auf die deutsche und internationale Musikszene nehmen könnt!

 

Bildernachweis:

Die Pressebilder und Grafiken von CBR wurden uns von Instinct3 zur Verfügung gestellt.

Die Livebilder von SAVIOURSELF stammen vom "Local Core Fest" 2024.

Redakteur:
Chris Schantzen

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