Gruppentherapie: BEYOND THE BLACK - "Break The Silence"

03.02.2026 | 15:34

"Heirate mich und zwar schnell" und was der Grimmwichtel damit meint.

Nach den beiden Giganten KREATOR (zur Gruppentheapie "Krushers Of The World") und MEGADETH (zum "Megadeth"-Gangbang) kommen wir nun zu einer Band, die zumindest beim traditionellen Metalhead weniger Respekt genießt. Dennoch ist sie ein steter Vertreter auf den Bühnen, die auch von den Granden des Metal bespielt werden. Und auch in unserer Redaktion tummeln sich ein paar Fans der Pop-Metaller rund um Jennifer Haben, meist jedoch außerhalb des Soundcheckteams. Dieses wählt "Break The Silence" immerhin auf Platz 16 des Soundchecks und unser Jäger-Frank findet das Album zumindest notentechnisch besser als die neue KREATOR und genauso gut wie MEGADETH. Wird jetzt sogar unser Grimmwichtel weich? Oder mögen wir die Band lieber in den Fernsehgarten schicken?

Der Beginn von BEYOND THE BLACKs "Break The Silence" erinnert mich Unwissenden an das, was ich als afrikanische Musik ansehen würde, wahrscheinlich erliege ich hier eigenen Klischees. Sehr melodische Songs mit Frauengesang und reichlich Opulenz werden uns auf etwas sterile Art dargeboten. Spannungsbögen finde ich Bösewicht wenige. Die ganz hellen Phrasierungen der Sängerin gefallen mir am besten, die wiederholt anzutreffenden 'Ooo-ooos' müssten dagegen nicht sein. Auch mit der dunklen Männerstimme kann ich wenig anfangen, auch das sicher mein Problem.

Die Band versucht ein wenig, nach NIGHTWISH, EPICA oder LACUNA COIL zu klingen, wirkt aber eher wie die Vorband der Genannten. Tatsache ist, dass die Songs für mich bis auf die allerdings auch unspektakulär-kitschigen Balladen 'Ravens' und 'Weltschmerz' kaum Wiedererkennungwert haben; zu flach ist der kompositorische Spannungsbogen. Etwas mehr Magie, eine böse Grimmstimme, akustische Breaks, etwas Gesäge, nicht nur Heirate-mich-und-zwar-schnell-Chorusse würden dem Unternehmen Bums geben.

Hab es versucht, das Ganze ist mir ähnlich wie APRIL ART zu anstrengend, zu sehr auf Konsensattitüde getrimmt. Wenn so überbordend poppig und eingängig vorgegangen wird, muss es irgendwo Hakelpunkte geben oder sensationelles Liedgut vorhanden sein. Das ist für mich Grimmwichtel nicht gegeben.

Note: 5,0/10
[Matthias "Stendahl" Ehlert]

 

Ich entnehme Matthias' Kritik, dass er vorher noch nicht viel Kontakt mit BEYOND THE BLACK hatte. Tatsächlich ist Jennifer Habens Stimme, wie bei vielen Bands in diesem Genre, das tragende Element, während sich auf der rein instrumentalen Seite in der Regel nur wenige echte Höhepunkte hervortun. Dies ist natürlich absolut fein, schließlich hat so gut wie jede musikalische Stilrichtung ihre prägenden Elemente. Ich kenne BEYOND THE BLACK nun schon seit ein paar Jahren und hatte auch live schon ein paar Mal das Vergnügen  und freue mich auch schon auf meinen Besuch bei der aktuellen Tour. Allerdings wird diese Vorfreude durch "Break The Silence" nicht sonderlich befeuert.

Die zehn Tracks sind zwar allesamt auf einem durchweg guten Niveau, mir fehlen jedoch die herausragenden Stücke, welche auf den vorherigen Alben immer zu finden waren. Am ehesten eignen sich hierfür noch die Kollaboration mit LORD OF THE LOST, 'The Art Of Being Alone' und 'Can You Hear Me', bei welchem LOVEBITES aushilft. Und wenn die Songs, die noch am ehesten im Ohr hängen bleiben, genau die sind, bei welchen man sich Hilfe von außerhalb geholt hat, dann sollte man das schon als Warnzeichen verstehen.

Außerdem muss ich feststellen, dass ich mit Jennifers Betonung des französischen Teils von '(La Vie Est Un) Cinéma' nicht warm werde. Neben der Betonung selbst, welche wahrscheinlich nur frankophonen Menschen auffällt, bleibt sie in diesen Teilen auch stimmlich vergleichsweise flach. Nun ist mir absolut bewusst, dass der Wechsel zwischen Französisch und Englisch alles andere als einfach ist, aber dies kann höchstens eine Erklärung und keine Entschuldigung sein. Schade finde ich es auch, dass sie bei 'Weltschmerz' nicht bei Deutsch bleibt, sondern auch dort wieder aufs Englische zurückfällt. Hier hätte es mich sehr gefreut, wenn man sich getraut hätte, bei einer Sprache zu bleiben. In meinem Kopf muss ich da leider automatisch den Vergleich zu ARCH ENEMYs letztjähriger Coverversion von 'Vivre Libre' ziehen  und da fällt BEYOND THE BLACK dann doch stark ab.

So stehen dann am Ende gute Songs, bei denen man sich an neue Elemente herangetraut hat, denen aber letztendlich das Herausragende fehlt. Während Matthias das Poppige kritisiert, vermisse ich gerade die poppigen Refrains, die zum Mitsingen anregen und BEYOND THE BLACK in der Vergangenheit so ausgezeichnet haben. Kann man alles gut hören, aber hängenbleiben tut leider wenig.

Note: 7,0/10
[Chris Schantzen]

 

Bleibt nix hängen sagt er, unser Chris. Und ich verliebe mich schon beim ersten Hören in den Song 'The Art Of Being Alone'. Doch wie so oft bei BEYOND THE BLACK bleibt der Track auf meiner Herzensliste nicht allein. Ich höre das Album in zwei Tagen jetzt über zwölf Mal, auch möglich, weil es ziemlich kurz ist. Kurz und knackig.

BEYOND THE BLACK. Meine Band. Ich war damals schon vom Debüt vollständig mitgerissen, besuchte diverse Livekonzerte  damals noch in kleinen Clubs (siehe Foto rechts aus 2018 vom Münchner Backstage und durfte Jenny und ihre Jungs sogar ein paarmal interviewen. Nach "Heart Of The Hurricane" habe ich sie aber ein wenig verloren, wie so viele Bands, die viel veröffentlichen.

"Break The Silence" ist für mich persönlich ein krachendes "Hallo uns gibt's auch noch, Du treulose Tomate". Ehrfürchtig verneige ich mich mal wieder vor der erhabenen Stimme, mit Entzücken vernehme ich ein paar dezente Neuerungen und würzige Ideen wie etwa bei 'Let There Be Rain'. Aber das hat alles Frank in seinem Review schon beschrieben.

Anders als meine Vorredner finde ich eigentlich bei jedem Song sowohl Spannungen als auch Bögen, das Songwriting ist quasi perfekt. Und endlich singt Jenny auch mal einen Song auf deutsch, was ich mir schon immer gewünscht habe. Meine BEYOND THE BLACK-Welt ist also in bester Ordnung. Ich weiß, ich surfe auf einer Euphoriewelle, die "besser geht's nicht" schreit, deshalb zügele ich meine Notenvergabe.

Note: 9,0/10
[Thomas Becker]

 

Ich bin hier auch eher bei Chris und Thomas. "Break The Silence" macht seinem Namen alle Ehre: Mit einem kraftvollen Rumms wird hier von Anfang bis Ende jedwede Stille durchbrochen. Gerade der Titelsong gefällt mir hervorragend, aber auch die Kooperation mit LOVEBITES 'Can You Hear Me' funktioniert für mich.

Beim hier viel gelobten 'The Art Of Being Alone' gehe ich nicht ganz mit. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass LORD OF THE LOST aktuell alles featurt, was nicht bei drei auf'm Baum ist, und ich davon dezent ermüdet bin. Auch nicht gut gefällt mit der Rausschmeißer 'Weltschmerz'. Der Track gehört vermutlich musiktheoretisch zu den anspruchsvolleren, das macht ihn aber auch zu experimentell und kunstvoll für mein einfach gestricktes Hirn. Aber die Schuld nehme ich auf mich. Am Ende knüpft "Break The Silence" nämlich für mich in Sachen Qualität nahtlos an das vorherige Album "Beyond The Black" an: Hier stimmt erneut ziemlich viel.

Note: 8,0/10
[Nils Pfennig]

 

Wie Thomas schon schreibt, ist die Kompaktheit von "Break The Silence" wohl die größte Stärke der Platte. Warum? Nun, so döse ich schlussendlich nicht gänzlich weg, während ich dem handwerklich zwar sehr gut umgesetzten, aber zumeist auch schrecklich vorhersehbaren Songmaterial lausche. Nun muss ich aber klar offenlegen, dass mich der Sound von BEYOND THE BLACK, der zwischen WITHIN TEMPTATION und AMARANTHE irgendwie immer den größten Mainstream-Konsens zu suchen scheint, noch nie wirklich abgeholt hat. Erschwerend kommt aber heuer hinzu, dass neben dem ziemlich schematischen Songwriting nun eben auch noch die poppigen Refrains fehlen, die auch mein Kollege Chris vermisst.

Ja, auch diese waren nie wirklich weltbewegend auf den Vorgängern, aber immerhin haben sie das Material vor der kompletten Mittelklassigkeit bewahrt. Heute gelingt das in meinen Ohren nicht und auch die wenigen Ausbrüche aus dem bekannten Schema F gehen eher daneben. So wirkt der Weltmusik-Ausflug in 'Rising High' reichlich aufgesetzt und das von Thomas so gemochte 'Weltschmerz' gehört für mich eher in die Schlagerausgabe des Fernsehgartens als auf ein Metalalbum. Trotzdem geht Kollege Ehlert mit seiner Note zu weit, denn der handwerklich blitzsauberen Umsetzung und ein paar guten Momenten muss in der Endabrechnung Rechnung getragen werden, sodass ich auf gutgemeinte sechs Zähler komme. Nochmal hören muss ich "Break The Silence" trotzdem so schnell nicht wieder.

Note: 6,0/10
[Tobias Dahs]

Die einen mögen es, die anderen nicht. Ich hingegen kann mich mit dem Großteil des BEYOND THE BLACK-Spektrums gut anfreunden. Vor allem auf "Break The Silence", da Jennifer Haben und Co. tief in ihr Inneres blicken, den Hörer daran teilhaben lassen, und sich die Songs einfach konsequenter, tiefsinniger und einfach voluminöser präsentieren. BEYOND THE BLACK zeigt einmal mehr, dass man aus dem Symphonic-Melodic-Metal-Einheitsbrei auch hinaussteigen und eine ganz eigene Note präsentieren kann. Die Band zeigt sich sich vielfältig  mal exotisch ('Rising High'), mal bombastisch ('Let There Be Rain'), mal gediegen und sinnierend ('Ravens'), nur um dann wie im Titeltrack wieder zu den großen Stärken zurückzukehren.

Auch wenn das Album nach hinten raus einige Längen aufweist und die Refrains nicht ganz so knackig geraten sind, lohnt sich aber definitiv ein Reinhören in die ersten zwei Drittel des neuen Rundlings. Nein, Motzköppe bekommt die Band auch diesmal nicht umgestimmt, doch dafür erhalten Fans ein Album mit absolutem Mehrwert, schönen Songs und im symphonisch-melodischen Sektor eines mit dem gewissen Extra.

Note: 7,5/10
[Marcel Rapp]

Meine Kollegen haben bereits viele wichtige Punkte angesprochen, weshalb ich etwas länger überlegen musste, ob ich überhaupt noch meinen Senf dazugeben kann. BEYOND THE BLACK habe ich zu Beginn stets als eine eher wenig durchschlagskräftige Symphonic-Metal-Band wahrgenommen. Umso zufriedener bin ich mit der Entwicklung hin zu einer nationalen Pop-Metal-Größe. Genau dort liegen nämlich die Stärken der Band, dort fühlt sich die Truppe hörbar wohler und das spiegelt sich auch im Songmaterial wider.

Zumindest aus meiner Sicht umgeht man damit nicht nur geschickt die übermächtige internationale Konkurrenz auf konzeptioneller Ebene (NIGHTWISH, WITHIN TEMTATION, EPICA), sondern etabliert sich zugleich als deutlich härtere Alternative zu SILBERMOND und JULI. Zwar ist BEYOND THE BLACK überwiegend auf Englisch unterwegs, doch mit dem erwähnten 'Weltschmerz' nähert man sich diesem Terrain zunehmend an. Gerne mehr davon.

Vergleicht man die Sängerinnen Stefanie Kloß und Eva Briegel mit Jennifer Haben, lassen sich durchaus stimmliche Überschneidungen feststellen. Technisch bewegen sie sich auf einem ähnlichen Niveau. Das bedeutet zwar, dass auch hier noch Luft nach oben besteht, doch für diese Art von Musik ist das völlig angemessen. Eine weitere Steigerung würde eher die Gefahr bergen, dass der Gesang zu überkandidelt wirkt.

Wenn man sich im weitesten Sinne im Popbereich bewegt, spielt neben dem Gesang jedoch ein weiterer entscheidender Faktor eine zentrale Rolle: die Produktion. Und ja, bei diesem Songmaterial möchte man fast ernüchternd ausschließen, dass ein Max Martin oder Jack Antonoff ihre Finger im Spiel hatten. Alles klingt zwar stimmig und funktioniert im Moment des Hörens gut, doch die ganz großen Ohrwürmer verfolgen zumindest mich nicht noch Tage später.

So funktioniert "Break The Silence" hervorragend beim Autofahren oder beim Sport, offenbart bei näherer Betrachtung jedoch auch einige Baustellen. So eine intensive Analyse ist allerdings auch gar nicht (mehr) das erklärte Ziel von BEYOND THE BLACK. Wie sagte TIC TAC TOE so schön? "Nur für den Kick, für den Augenblick?" In diesem Kontext handelt es sich somit um einen gelungenen Start ins Musikjahr 2026, wenn man den die Ohren einfach mal auf Radio-Entertainment justieren mag.

Note: 7,5/10
[Stefan Rosenthal]

Fotocredits: Heilemania (Promofoto), Katharina Jäger (vom Konzert in Augsburg, 2025) und Thomas Becker vom Konzert im Münchner Backstage anno 2018

Redakteur:
Thomas Becker

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