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With Full Force 2015 - Roitzschjora

10.08.2015 | 14:34

03.07.2015, Flugplatz

Das bereits 22. With Full Force und kein bisschen leiser: Der selbsternannte härteste Acker Deutschlands bei Roitzschjora bietet mal wieder sämtliche Extreme.

BORN FROM PAIN
Ich glaube, über das ertragene Leid durch die unglaubliche Hitze wurde nun schon genug geklagt. Also spare ich mir das an dieser Stelle. Nur eins ist klar: Dieses Leid teilen alle, die sich bis vor die Mainstage gekämpft haben, um den Hardcore-Klängen von BORN FROM PAIN zu lauschen. Der Band ist bewusst, dass sie unter diesen Umständen keine übertrieben abgehende Menge zu erwarten hat, zumal man da oben wahrscheinlich ähnliches durchmacht. Trotzdem haben die Jungs Bock und hauen einige fetten Hardcore-Punk-Granaten wie 'Sons Of A Dying World' aus der Anlage. Zudem gibt es noch das ein oder andere politische Statement in Richtung Griechenland und EU, so dass auch hier wieder notiert werden kann, dass die Niederländer wissen, wie der Hase da draußen läuft. Sehr gut!
[Tobi Schneider]

OBITUARY
Geht's noch? John Tardy hat bei 40° C ein Longsleeve an? Okay, das ist Florida Death Metal, aber ich finde man kann es auch übertreiben. Immerhin Gitarrist Trevor bemerkt "It's hotter than hell". Nicht zum ersten Mal auf dem Force, aber immer wieder gut, spielen OBITUARY einen durchweg geilen Gig. Dass die große Begeisterung im Publikum ausbleibt, liegt einfach an den Temperaturen. Ich merke, dass nach zwei Nächten Schlafentzug gar nichts mehr geht und stehe zum ersten Mal in meinem Leben direkt am Wellenbrecher, weil ich mich festhalten muss. 'Infected',  'Intoxicated' oder 'Till death'… irgendwie passt die Songauswahl heute perfekt zu meinem Zustand. Leider fehlt der 'Redneck Stomp' im ordentlichen Set, denn dann wäre vielleicht doch mal so ein Ansatz von Kopfnicken möglich gewesen.

ARCH ENEMY
Wenn man aus Florida kommt (OBITUARY), ist es ja scheinbar normal, bei 40° C ein Longsleeve anzuziehen. Aber ARCH ENEMY kommen aus Schweden. Stehen die Musiker da ernsthaft in Jacken auf der Bühne? Okay, das Outfit (vor allem von Frontfrau Alissa White-Gluz) sieht cool aus, aber etwas weniger hätte es auch getan. Also lieber gleich die Konzentration auf die musikalische Seite der Band gelegt, denn das wird ein Hammergig. Nach 'Yesterday Is Dead And Gone' gibt's relativ früh den Überhit 'Ravenous' vom immer noch unerreichten ''Wages Of Sin''-Albumklassiker. Das reicht spätestens aus, um entsprechend begeisterte Reaktionen beim jetzt zahlreich versammelten Publikum auszulösen. Vor der Mainstage ist wirklich gut was los, als ob man schon ahnen könnte, dass das Festival heute Nacht ein jähes Ende finden wird. Es ist der erste Auftritt von ARCH ENEMY, den ich ohne Angela Gossow sehe, und ich kann mich in die euphorischen Reviews der Kollegen nur einreihen: Alissa hat eine unglaubliche Power und demonstriert das bei 'You Will Know My Name'. Auch die Klassiker wie 'My Apocalypse' und 'Nemesis' knallen heute dermaßen heavy aus den Boxen, dass die Band keine Probleme hat, das geschlauchte Publikum nochmals anzuheizen.

Nach drei Bands am Stück müssen LAMB OF GOD leider dran glauben. Ich bekomme vom anscheinend starken Auftritt der Amis nur wenige Ausschnitte mit, da wir uns eine Pause gönnen. Dabei wird mal kurz der Wetterbericht gecheckt und es erfolgt im Anschluss die verdammt kluge Entscheidung, vorzeitig abzureisen. Alles richtig gemacht, denn das höllische Gewitter, das den IN FLAMES-Auftritt verhindert, müssen wir jetzt nicht unbedingt live erleben.[Muss an dieser Stelle sonst noch jemand an das Unwetter samt Blitzeinschlag vor drei Jahren denken? - Anm. v. Carsten].

Fazit: Es war wieder einmal ein verdammt geiles Wochenende! Obwohl die Bandauswahl inzwischen schlecht ist (wahrscheinlich sind wir einfach zu alt), das Wetter jedes Jahr neue Extremsituationen provoziert und einem die Party-Exzesse immer mehr zusetzen, bleibt das "With Full Force"-Festival eine Oase der Glücksgefühle. Ein insgesamt sehr cooles Festivalpublikum, eine herrlich relaxte Festivalorganisation, das Fehlen der Jägermeisterhütte (jetzt muss nur noch Impericon weg) und der diesjährige Luxus von funktionierenden Duschen auf dem Presse-Campground lassen eigentlich keine Wünsche offen... Nur einen vielleicht: Wie wär's denn nochmal mit der Headliner Auswahl von 2005? SLAYER, MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN? [Zumindest erstere beiden wechseln sich doch sonst eh alle zwei Jahre ab – Augenzwinkernd, Carsten].
[Chris Gaum]

Redakteur:
Carsten Praeg

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