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With Full Force 2015 - Roitzschjora

10.08.2015 | 14:34

03.07.2015, Flugplatz

Das bereits 22. With Full Force und kein bisschen leiser: Der selbsternannte härteste Acker Deutschlands bei Roitzschjora bietet mal wieder sämtliche Extreme.


DR. LIVING DEAD
Es scheint so langsam auf die Mittagszeit zu zu gehen. Das kann man erahnen, ohne einen Blick auf die Uhr zu werfen, denn der glühende Feuerball steht nun genau senkrecht über einem und lässt keinerlei körperliche Aktivitäten zu. Bis auf den Marsch zur Hauptbühne natürlich, um sich dort mit feinstem Old-School-Thrash-Hardcore-Punk von DR LIVING DEAD beschallen zu lassen. Auf dem Weg dorthin hört man bereits die ersten Klänge des Intros und es wird ein ordentlicher Sprint hingelegt um, ja nichts von diesem Highlight zu verpassen. Angekommen sieht es aber ganz anders aus: Vor der Bühne ist kein Mensch zu sehen. Das war nur der Soundcheck und wir sind fast eine Stunde zu früh. Die wenigen Irren, die sich um diese Zeit schon auf dem Festivalgelände rumtreiben, suchen die schattigen Plätze vor den Bierständen auf. Und da es hierzu wirklich keine Alternative gibt, tut man es ihnen gleich. Dann, nach dem ein oder anderen Kaltgetränk, ist es aber soweit und die Schweden mit dem Totenkopfmasken erklimmen die Bühne, um mit dem Opener 'Crush The Sublime Gods' ihres aktuellen, gleichnamigen Albums loszulegen. Langsam kommen nun auch die ersten Leute zur Bühne geeilt, um weitere Mosh-Granaten wie 'Gremlins Night', 'Dead End Life' oder 'Civilized To Death' abzufeiern. Natürlich kann man bei diesen klimatischen Umständen keine headbangende Heerscharen erwarten. Aber diejenigen, die anwesend sind, geben alles, so dass die Jungs auf der Bühne ebenfalls jede Menge Spaß haben. Selbst der eingegipste Fuß des Frontmanns kann das nicht ändern, und mit 'Team Dead' und 'Dr Living Dead' wird eine Show beendet, die jeden Old-School-Kuttenträger sowie die Suicidal-Skateboard-Fraktion noch lange schwärmen lassen wird.
[Tobi Schneider]

KREATOR

KREATOR ist immer noch eine Band, die live nicht enttäuschen kann. Was habe ich für geile Auftritte von Mille und Co. erleben dürfen. Über 30 Jahre auf der Bühne und kein bisschen langweilig. Da man sich heute entschlossen hat, als Opener mit 'Enemy Of God' und 'Terrible Certainty' gleich zwei meiner absoluten Lieblingsnummern zu präsentieren, gibt’s nach ein paar Minuten kein Halten mehr. 'Phobia' im Anschluss und die Stimmung koch über. Die wirklich gelungene LED-Präsentation und eine Pyroshow, mit der man wohl RAMMSTEIN Konkurrenz machen will, lassen Songs wie 'Extreme aggression' und 'Pleasure to kill' noch eine Spur brutaler wirken. Nach dem neuen Material, das mir live auch immer besser gefällt als auf Platte, läuten KREATOR mit 'Violent Revolution' den Untergang der Sonne ein. Dass ein Pyroeffekt aufgrund der Funktion "Dauerbetrieb" Mille teilweise am Singen hindert, stört eigentlich nur ihn, denn die Nummer wird textsicher vom Publikum übernommen. Die etwas übertrieben wirkenden Showeinlagen (Maskierte Typen mit Bengalos) hätte man eigentlich nicht nötig [gab's doch schon auf dem vergangenen Party.San – Anm. v. Carsten]. Songs und Bühnenpräsenz würden bei KREATOR völlig ausreichen, um das Feuer der Hölle zu entfesseln. Wieder mal ein Gig, der lange im Gedächtnis bleiben wird. Die Show ist vorbei und KREATOR sind längst von der Bühne verschwunden. In der Umbaupause gibt's dann doch noch einen Thrash-Kracher: Ein Pyroeffekt,der für den Headliner gedacht war, wird einfach mal vorzeitig gezündet. Viele glauben an einen Praktikantenfehler, dabei ist doch völlig klar, dass dieser Knaller immer noch auf die Urgewalt von KREATOR zurückzuführen ist.
[Chris Gaum]

HEAVEN SHALL BURN
Bei der Bekanntgabe des zweiten Headliners waren wohl die Wenigsten besonders erstaunt. Das mag mit der Tatsache zusammen hängen, das die Core-Metaler HEAVEN SHALL BURN zu der Auswahl Bands zählen, welche hier regelmäßig zu Gast sind. Und gerade bei den Thüringern ist es jedes Mal eine Art Heimspiel. Aber warum sollte man sich rar machen, wenn doch die vergangenen Auftritte auf dem With Full Force jedes Mal richtige Highlights waren und den Zuschauern mit Rekord-Circlepits oder einer Lichtshow direkt auf dem dunklen Nachthimmel in Erinnerung geblieben sind? Also bleibt man auch diesmal bei seinen Leisten und das altbekannte Rad muss mit Hits wie 'Voice Of The Voiceless', 'Behind A Wall Of Silence' und 'Black Tears' auch nicht neu erfunden werden. Und kommt ganz von alleine ordentlich ins Rollen. Mit dem Kracher 'Endzeit' nähert man sich allmählich dem Ende des zweiten Festivaltags und schickt die immer noch feierwütige Meute zum Saturday Night Fever ins Hardbowl-Zelt.
[Tobi Schneider]

KNORKATOR
Samstagnacht machen wir den größten Fehler des diesjährigen "With Full Force"-Festivals: Wir verpassen den Anfang vom sensationellen KNORKATOR-Auftritt. Die wahnwitzige Bühnenshow ist ja bestens bekannt, doch auch heute überraschen uns KNORKATOR wieder mit einigen verrückten Einlagen. Zu 'Böse' rollt sich Stumpen in einem Zorb-Ball (diese großen Plastikbälle, in denen man eingeschlossen ist) über die Menge [Laaangweilig, gab's vor zwei Jahren schon mehrfach – Augenzwinkernd v. Carsten]. Die Nummer wird heute übrigens von Alf Ators Sohn gesungen, wobei dieser seine gut geölte Death-Metal-Stimme präsentieren kann. [TimTom kann grunzen? Also, DAS hätte ich ja zu gern gesehen! :) Anm. v. Carsten]. Es gibt wahrscheinlich auch keine absurdere Situation, als wenn ein Song mit dem Text 'Alter Mann' gesungen wird und dieser quirlige, halbnackte Stumpen seine unerreichte Artistik-Show aufführt. Die Stimmung im Zelt ist das komplette Set durch wirklich großartig. Das liegt nicht nur an den inzwischen aushaltbaren Temperaturen, einem gewissen Alkoholpegel und dem exzellenten Sound, sondern vor allen Dingen an einem verdammt guten Auftritt. So stimmen wir ein in das wundervolle Gute-Nacht-Lied 'Wir werden alle Sterben'. Allerdings haben wir hoffentlich noch einen Song Zeit, bevor es zu Ende geht, denn die Zugabe 'Ma Baker' will doch niemand verpassen. Einfach großartig und das Beste ist... Saturday Night Fever hat eben erst angefangen!  

DIABLO BLVD
Etwas plötzlich ist es leer geworden vor der Tentstage. Keine leichte Aufgabe für die Belgier, die aber mit einer saftigen Hard-Rock-Show nichts verkehrt machen. Wenn man nachts um 1:30 Uhr mit Sonnenbrille und Gel in den Haaren auf die Bühne geht, ist eigentlich alles klar. So klingt die Mischung aus ALICE IN CHAINS und DANZIG dann auch nach 'ner ordentlichen Ladung Rock'n'Roll. Nummern wie 'Fear Is For The Enemy' oder 'Follow The Deadlights' grooven ab und sind eingängig genug, um echtes Hitpotenzial zu entfalten. Ja, wirklich schade ist nur, dass einfach nicht mehr viel los ist. Das beschauliche Grüppchen vor der Bühne geht zwar mit, aber die Höllentemperaturen des Tages haben wohl zu einem vorzeitigen Kräfteverschleiß beim sonst so toughen Full-Force-Publikum geführt.
[Chris Gaum]

RED CITY RADIO
Nun betreten die Melodic-Punkrocker von RED CITY RADIO die Zeltbühne. Aber selbst zu dieser fast schon morgendlichen Stunde ist immer noch gut was los, da eben an diesem Wochenende die Temperaturen in der Nacht die besten zum lange Aufbleiben sind und die Zapfhähne an den Getränkebuden immer noch fleißig am Ausgießen sind (wenn sich das in ein paar Stunden mal nicht rächen soll...). Es werden wahnsinnig eingängige Songs geboten und egal, ob man diese im Vorfeld schon kennt oder nicht: Man wird regelrecht zum Mitsingen hingerissen. Ob direkt vor der Bühne oder in der hinteren Reihe, stillhalten ist unmöglich!
[Tobi Schneider]

Redakteur:
Carsten Praeg

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