top banner 158
side banner 159

Up From The Ground - Gemünden

06.10.2006 | 09:59

25.08.2006, Festivalgelände

UFTG Festivalbericht

Freitag, 25. August 2006

TOURETTES SYNDROME
Eröffnen darf das diesjährige UFTG die Band mit dem sicher längsten Anreiseweg: TOURETTES SYNDROME aus Australien. Da die Formation gerade zu Promotionzwecken in Deutschland weilt, lässt sie es nicht nehmen, in Gemünden eine Stippvisite ihres Könnens abzugeben. Doch, wie es scheint, ist das den meisten Festivalgängern ziemlich egal, denn die Mannen um Frontfrau und Rastazopf Michele spielen vor einem noch so gut wie leeren Gelände. Die dem Geschehen fern gebliebenen verpassen dabei allerdings nicht viel. Schnöder, schon zigfach gehörter und mittlerweile gänzlich toter Crossover zwischen Nu Metal und Metalcore lockt 2006 wirklich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Einziger Hingucker bzw. -hörer: die unglaublich maskuline Stimme Micheles.
[Metalgreg - metal.de]

OBSCURE
Wesentlich besser lässt sich da schon die Darbietung der Münchner Undergroundler OBSCURA an. Ein verfrickeltes, technisches Todesbleimassaker zwischen DEATH und ATHEIST lässt die ersten Matten kreisen. So machen sich die auch mir bis dato völlig unbekannten Bayern während ihrer halbstündigen Spielzeit einige neue Freunde. Der deutsche Underground geizt zwar nicht mit guten Kapellen, aber diese Jungs gehören, zumindest am heutigen Tage, zu seiner absoluten Speerspitze. Schade, dass es auf dem Gelände immer noch nicht richtig voll ist.
[Metalgreg - metal.de]

DYROT
Die auf dem UFTG quasi ein fränkisches Heimspiel genießenden DRYROT sind immer ein Garant für fetteste Grooves auf die Fresse und eine schön asige Prollperformance. So auch an diesem Tage. Die massiven Riffs zwischen PRO-PAIN, HATEBREED und MACHINE HEAD finden bei bestem Sound sofort den Weg in ihr angestammtes Ziel: die Magengrube. Und auch vom Stageacting her passen die Jungs perfekt zu ihrem stumpfen (nicht abwertend gemeint!) Thrashcore. Bassist Make möchte ich zumindest nachts nicht alleine begegnen, wenn er seine wuchtigen Moves vollführt. Garantiert nichts für filigrane Feingeister, sondern mehr für die Bollo-Fraktion geeignet, die dementsprechend auch vollkommen zufrieden gestellt wird.
[Metalgreg - metal.de]

HIDDEN IN THE FOG
Als letzte Band sind die Progressiv-Blackies von HIDDEN IN THE FOG ins diesjährige Billing gerutscht. Vor allem deren letzter Output "Damokles" hinterließ positive Spuren bei mir, dementsprechend bin ich gespannt. Aber live entfachen die vom Aufbau teilweise an EMPEROR erinnernden Songs nicht ihre volle Wirkung. Zu verschachtelt sind die Songstrukturen, um vor Publikum bestehen zu können. Nicht-Kenner der Materie wenden sich reihenweise ab, und selbst wenn man die Songs kennt: leicht wird es einem nicht gemacht. Das liegt zum einen daran, dass der Sound nicht klar genug ist, um die Einzelheiten herauszufiltern und zum anderen, dass die Songs live nicht wirklich zünden wollen. Perlen schwarzer Tonkunst wie 'The Ignoramus' Elegy' oder 'And Harvest Has Come' vermögen im stillen Kämmerlein oder bei kleinen Clubgigs zu begeistern. Auf einem Festival hingegen, Freitag nachmittags, in bierseliger Laune wirkt die Mucke leider fehl am Platz. Schade, denn hier sind vier brillante Musiker mit genialen Songs zu Werke.
[Raphi - metal.de]

HARMONY DIES
Die fünf Berliner machen nach dem Vorspiel der metal.de-Kollegen für uns geschrumpften Haufen den Anfang. Mit 20 Minuten Verspätung frickeln und posen die beiden Gitarristen ordentlich los, während der Sänger sein tiefes Organ erschallen lässt. Von dessen Kutte erkennt man kaum noch Jeansstoff, so sehr hat er sie mit Aufnähern zugekleistert - schön ordentlich nebeneinander. Die Stimmung vor der Bühne ist schon ganz gut, Metal-Sikh Sing hüpft wild in der ersten Reihe und lässt seinen Turban kreisen. "Es geht gleich weiter", ruft der Sänger, "wir wollen ja keine Zeit verlieren". Der nächste Song kracht aus den Boxen, ehe der Frontman 'Execution' ankündigt, als "Dankeschön, dass wir hier spielen dürfen. Geile Sau, das!" Äh, ja, genau ...
[Carsten Praeg]

CRIMINAL
Die Auftragskiller machen dort weiter, wo HARMONY DIES zuvor aufgehört haben. Der Sänger und Gitarrist wuschelt mit seinen blonden Locken, während in der ersten Reihe ein Fan mit Beinschiene und schwarzem Gehstock abgeht - das ist wahrer Metal! Ansonsten füllt sich das Publikum vor der Bühne nur recht langsam. Trotzdem sagt der Frontman "Danke, dass ihr alle das seid. Wir saufen! Und wir Kiffen! Und wir ficken! 'Self Destruction'!" Jubel bei den Fans. Aber dafür, dass die Band aus Chile kommen soll, klingen die Ansagen doch recht deutsch. Höchstens einer aus der Saitenfraktion sieht ansatzweise südamerikanisch aus. Die beiden anderen Saitenkollegen bangen voreinander und bieten netten Thrash für diese Uhrzeit. Nur nach SEPULTURA, wie im Programmheftchen angekündigt, erinnert das ganze nicht besonders.
[Carsten Praeg]

HEARSE
Es regnet, und schon ist's leer vor der Bühne. Nur ein paar Reihen interessieren sich für die neue Band des Ex-ARCH-ENEMY-Sänger Johan Liiva, der nun eher dem Thrash 'n' Roll frönt. Johan schlendert mit seinem Patronengürtel über die Bühne, die erstmals von Nebel gefüllt wird, schüttelt die halblangen schwarzen Haare und schwingt das Micro im Takt. "Supergeil", ruft der Sänger mit leichtem Akzent den wenigen Fans zu und zeigt Humor: "What a fucking sunny day. I can't hear you!" Kein Wunder, die meisten Zuschauer haben sich ja auch beim Bierstand untergestellt, der dieses Jahr deutlich größer ausgefallen ist. Oder sie sind mit feuchtfröhlichen Luftmatratzen-Schlachten beschäftigt. HEARSE lassen sich davon nicht entmutigen, und nach einer etwas langsameren Nummer wird zum Ende doch noch mal ganz gut geholzt.
[Carsten Praeg]

GOD DETHRONED
Regen, Regen und noch mal Regen ... als ob der Wettergott ganz und gar nicht mit den Klängen der holländischen Knüppelwalze GOD DETHRONED einverstanden wäre. Macht nix, die technisch versierten Herren machen auch bei strömendem Regen eine gute Figur und schmeißen mit 'Nihilism' gleich mal einen ihrer besten Songs in die Menge, die von Anfang an begeistert abgeht. Man wird ja wieder trocken, und auch Sänger Henri erlaubt sich, bei einer ersten Ansage den hiesigen Sommer zu kritisieren. "So this is what they call summer in Germany?" fragt er die Fans, die zu weiteren Hits wie 'The Warcult' oder dem Über-Ohrwurm 'Villa Vampiria' feiern. Da wird sogar der Regen verschreckt und die ersten Mutigen wagen sich ans Crowdsurfen, was GOD DETHRONED nur noch mehr animiert, Gas zu geben und sogar einen neuen Song mit dem klingenden Namen 'Hating Life' zu spielen. Dabei wird auch die Ausrichtung des neuen Albums deutlich: Man setzt wieder auf Blastbeats meets Melodie, auf technische Feinheiten und endlose Grooves, und wer sich schon mit dem letzten GOD DETHRONED-Werk anfreunden konnte, hat mit dem neuen Song bestimmt seine Freude. Beeindruckend wie sich Henri und Isaac feinste Gitarrenduelle liefern und Arien mit seinem tighten Drumming eine Rifforgie nach der anderen herausfordert. Ja, GOD DETHRONED sind wieder mal perfekt aufeinander eingespielt und präsentieren einen beeindruckenden Gig, bei dem (bis auf das gute Wetter) nichts fehlt ... mehr davon!
[Caroline Traitler]

Setlist:
Nihilism
Boiling Blood
The Warcult
Soul Sweeper
The Art Of Immolation
Villa Vampiria
Hating Life (neuer Song)
Sigma Enigma
The Serpent King

LEGION OF THE DAMNED
Zum Intro hüpft erstmal der kleine schwarze Tourmanager Joey bewaffnet mit einer kleinen Videokamera von der Bühne in den Fotograben, dann beschreiten die Holländer die mit Nebel überfluteten Bretter. Ein tiefes Grunzen, und los geht's. Die Haare in der ersten Reihe fliegen im Knüppeltakt, auf der Bühne stellt der Sänger mit den langen blonden Locken ein Bein auf den Monitor. "We appreciate that you stand in the rain", meint er und entschädigt seine Fans mit 'Death's Head March'. Das kommt an. "Raise your fucking fist: 'Demonist'!" brüllt der Sänger, der am nächsten Tag am Bierstand noch von einem hysterischen Teeniegirl angehimmelt werden wird. Auch so was gibt's im harten Metal-Sektor.
[Carsten Praeg]

KORPIKLAANI
Während der Regen nachlässt, erschallen "Korpiklaani! Korpiklaani"-Fanchöre. Zum lustigen Geigen-Intro erscheint dann der Gitarrist mit einer Finnalnd-Flagge, während die Sänger mit der Hand fuchtelnd das Publikum anfeuert. Die Stimmung steigt sofort, der Geiger und der Schifferorgelspieler hüpfen neben dem Frontman auf und ab. Nur mit den Songansagen tut man sich als Finnisch-Unkundiger etwas schwer. Dafür kommt die Bühnenbeleuchtung immer besser in Schwung, und auf welchem Festival kann man schon halbrechts auf dem Gelände stehend rechts die Bühne beobachten, während links ein Zug vorbeirauscht. Derweil recken sich vor der Bühne trotz des wohlmöglich kurz bevorstehenden Finnen-Metal-Overflows zahlreiche klatschende Hände empor. Dennoch sollen die ruhig ohne mich weiterfeiern, das Gedudel wird mir zu eintönig und ich hol mir jetzt erstmal ein Wikingerblut. Unterdessen erinnert der angestiegene Matsch schwer an die hiesigen Regengüsse von 2004, und die Sanis transportieren die erste eingesaute Alkoholleiche von dannen.
[Carsten Praeg]

SUFFOCATION
Als die Ami-Deather die Bühne stürmen, drückt der Sound prompt ein paar Dezibel lauter aus den Boxen. Eine Urgewalt bricht über Gemünden herein. Der kahlköpfige Sänger Frank Mullen bangt mal wieder wie ein Berserker, springt wie Barney von NAPALM DEATH über die Bühne, nur noch verrückter. "Holy shit!" ruft er ins Publikum und erzählt von seinem Bassisten, der sich das Bein gebrochen hat, aber trotzdem auf einem Hocker sitzend spielt, dafür aber der zweite Gitarrist fehlt, da ihm am Flughafen die Papiere gestohlen wurden. Trotzdem bollert die geschrumpfte Band ziemlich drauf los, liefert aber auch gleichzeitig ein ziemliches Gefrickel. Frank entpuppt sich von Songansage zu Songansage mehr als Laberbacke, grüßt alle Ladies, "because every serial killer has a mum". Zu 'Subconsciously Enslaved' fordert er das Publikum auf, "to scream at me, like I killed your whole family!" Und für seine alten Freunde von OBITUARY sollen die Fans schonmal einen großen Moshpit bilden, dem ein paar Anhänger auch gern nachkommen.
[Carsten Praeg]

OBITUARY
Die Death Metal-Granate aus Florida hat sich seit ihren Anfangstagen 1988 nicht wirklich erheblich verändert - und das ist auch gut so. John Tardy klingt live immer noch sehr räudig und brutal und der Rest der Truppe hat lediglich in Sachen Präzision zugelegt, ansonsten hat man den ureigenen Stil beibehalten. Natürlich bekommen wir neben Stücken des aktuellen Albums "Frozen In Time" etliche alte Perlen um die Ohren geballert und man kann sich größtenteils eines erträglichen Sounds erfreuen, auch wenn er streckenweise etwas zu matschig ist. Die Band hat sichtlich Lust auf den Gig und bringt die Menge mit Songs wie 'Insane', 'Turned Inside Out', 'Slowly We Rot' oder 'Threatening Skies' zum Kochen. Trotz einiger Jahre auf dem Buckel immer noch eine Macht!
[Shub - metal.de]

Auf den ICE namens SUFFOCATION folgt nun der sehnlichst erwartete Headliner des ersten Tages: eine mächtige Dampflok mit dem klangvollen Namen OBITUARY. Groovig, brutal, aber im Vergleich zu den Vorgängern fast schon lahm, setzen die Amis zum finalen Todesstoß des Freitags an. Während den folgenden anderthalb Stunden grooven und bangen sich alle Anwesenden ins Nirwana und dann in den Schlaf (bei manchen andersrum?). Ich werde Zeuge einer überzeugenden, aber manchmal seltsam routiniert wirkenden Show. Mit dem mittlerweile obligatorischen 'Redneck Stomp' rollt die Lok los, es folgen Klassiker wie 'Dying' oder 'Threatening Skies'. Selbst wenn sich bei diesen Songs Routine einschleicht - sie killen live vorzüglich! 'Stand Alone' oder ''Til Death' sind Florida-Death-Metal-Klassiker in Reinkultur, bei denen man eigentlich nicht viel falsch machen kann. Dazu kommt mit John Tardy ein Fronter mit einer unvergleichbaren Stimme und einer unverkennbaren Haarpracht. Die Instrumentenfraktion sorgt für das Groovegerüst und ballert ein Killerriff nach dem anderen gen Mainufer. Über den Sinn und Zweck von Drumsolos lässt sich ja streiten, über das von Donald Tardy allerdings nicht: Es ist schlicht und ergreifend überflüssig! Völlig in die Länge gezogenes, unmotiviertes Gekloppe, das seinen Höhepunkt hat, als der Bruder auch mal auf die Toms hauen darf (wow!). Und das bei so einem Songportfolio! Nee, aber was soll's. Bier holen, Rohr durchpusten, zurücklehnen und das finale 'Slowly We Rot' genießen. Der Refrain hallt durch hunderte Kehlen in die kalte, aber trockene Augustnacht und beschert OBITUARY einen würdigen Abgang. Guter Gig, dem ein bisschen Überraschendes gut getan hätte, denn wer die Amis in den letzten zwei Jahren gesehen hat, hat diesen Gig praktisch auch gesehen. Trotzdem: Ein würdiger Headliner des ersten Tages!
[Raphi - metal.de]

Zur vorgerückten Stunde fallen GOD DETHRONED im VIP-Zelt ein und hauen gleich ein paar Bierdosen auf den Tisch. Nach einer Diskussion über Gott, die Welt und das belgische Parlament lasse ich mich von Gitarristen Isaac und Drummer Arien über die belgische bzw. holländische Biervielfalt aufklären - unwissend, dass es dort mehr als Heineken gibt. Hoffentlich kann ich die Krakelschrift der beiden noch entziffern. Unten also die besten holländischen (presented by Arien) plus die besten belgischen Gerstensäfte (powered by Isaac) samt einiger Randnotizen von beiden. Die Kreuze findet ihr bei den Bieren, die auch Sänger Henri empfehlen kann. Wer also eine Kneipentour durch Amsterdam oder Brüssel plant, hier die ultimativen Insidertipps:

Dutch Beer:
- Heineken
- Hertaog Jan ! X
- Grolsch !! X
- Bavaria
- Dommelsch (macht wohl keine Kopfschmerzen)
- Amstel ? (wohl so naja) X
- Orangeboom (shit!)
- Brand
- Hoegaarden (white beer)

BBB (Best Belgian Beers)
- Jupiter X
- Bochor X
- Stella (Artois) X
- Durel (8 Prozent Alkohol)
- Lette (blond / brown, 7 %) X
- Wetmalle (8, 10 oder 12 %)
- Hommelbeer (7,5 %)
- Hoegaarden X (scheint wohl eine holländisch-belgische Co-Produktion zu sein)
- Palm
- Rodenbach / De Koninck (red)
- Krick (cherry)
- Maes
[Carsten Praeg]

Redakteur:
Carsten Praeg

Login

Neu registrieren