Summer Breeze - Dinkelsbühl

03.09.2008 | 08:13

14.08.2008, Festivalgelände

Donnerstag, 14.08.2008

Als erste Band des Donnerstags dürfen die Gewinner des Newcomer-Stage-Contest ran. FUCK YOUR SHADOW FROM BEHIND konnten sich durchsetzen und dürfen für einige Minuten ihre Kunst auf der Hauptbühne präsentieren. Mit zwei Sängern ausgestattet gibt es hier ein fieses Brett aus Death Metal, Black Metal und Metalcore. Knüppel aus dem Sack und ab für den ersten Circle Pit des Tages. Sogar eine erste Wall Of Death gelingt. Respekt! 'Verse der Freiheit' und andere Brocken lassen die Beine zucken und die Kids wilde Kung-Fu-Tänze vollführen. Sehr zur Freude von Gitarrist Niki, der wie ein Grashüpfer über die Bühne springt. Schauen wir mal, was da noch kommt.
[Enrico Ahlig]

Nachdem ich dank der großartigen Einweisung auf die Zeltplätze am Mittwoch unerwartet sechs Stunden im Stau stehen musste und daher vier Bands verpasst habe, die ich gern gesehen hätte, sind ABORTED der erste große Höhepunkt für mich. Der aktuelle Output "Strychnine.213" kommt ja doch einen Zacken melodischer daher, als die älteren ABORTED Scheiben, daher war ich im Vorfeld gespannt, wie die Belgier ihre Setlist aufbauen werden. Negativ fällt mir dabei erstmal auf, dass circa zehn Minuten vor offiziellem Beginn die ersten Töne von der Pain-Stage über das Gelände hallen, und ich vom POWERMETAL.de Stand mit Carsten im Schlepptau fast rennen muss, um das für 14 Uhr doch recht volle Bühnenvorfeld zu erreichen. Da dies nicht das erste Mal sein wird, dass Bands zu früh anfangen, frage ich mich im Nachhinein ernsthaft, wieso es so etwas wie eine Running Order gibt, wenn man sich am Ende sowieso nur grob daran orientiert.

Aber zurück zu ABORTED. Eröffnet wird mit dem geilen Intro 'Carrion' von "Strychnine.213", das die Jungs auch selbst spielen und durch den treibenden, aggressionsaufbauenden Stil perfekt auf die folgenden dreißig Minuten einstimmt. Dem legen die Belgier "Ophiolatry On A Hemocite Platter" nach, bei dem direkt klar wird, dass das Publikum nicht zum Schunkeln gekommen ist. Die erste Strohschlacht (das Gelände war für den Fall, dass es regnen sollte mit reichlich Stroh ausgelegt) des Festivals beginnt und dabei entsteht ein beachtlicher Pit. ABORTED lassen sich auch nicht lumpen und schleudern einen Hassklumpen nach dem anderen in das ohnehin schon heiße Publikum. Ob 'Meticulous Invagination', 'Chondrin Enigma' oder 'Dead Wreckoning', die Zuschauer saugen alles gierig in sich auf um das Ganze direkt im Pit auszulassen. Dies gipfelt in einer Wall of Death, die von der Band noch nicht mal angezettelt werde muss, sondern die von selbst (!) entsteht. Als Rauswerfer wird 'Hecatomb' in den Pit geworfen, die Fans geben noch mal alles, um die Belgier für ihre Mühen zu belohnen. Soundtechnisch gehen ABORTED in Ordnung, auch wenn klar noch Luft nach oben vorhanden gewesen wäre.

Die letzten Töne verklingen, mir hat sich ein Grinsen bis auf den Hinterkopf ins Gesicht gefräst und ich habe das Gefühl "endlich" richtig angekommen zu sein. ABORTED haben mich – und bestimmt auch viele andere – auf die kommenden drei Tage Musik vom feinsten super eingestimmt, auch wenn ich ein wenig traurig bin, dass ich das göttliche 'The Inertia' nicht hören durfte. Sehr schade ist, dass die Jungs, obwohl sie so viele Menschen anziehen, nur einen Slot um halb drei kriegen und nur 35 Minuten Spielzeit gutgeschrieben bekommen. Wenn die Shows der Rumpelbubis aber weiter so spektakulär auf das Publikum wirken, bin ich mir sicher, dass das in den nächsten Jahren anders wird.
[Hagen Kempf]

Mit Krämpfen in der Magengegend kämpfe ich mich zur Hauptbühne. Die selbsternannten Spielleute von SALTATIO MORTIS machen sich auf, dem Volk ihre Weisheiten und Mitsinghymnen um die Ohren zu hauen. Einige Tage zuvor quälten sie Musikliebhaber bereits auf dem M'era Luna. Ob es heute besser wird? Hoffnung habe ich kaum. Mit 'Prometheus' schießen sie den gleichen Opener ins hüpfende Rund. Anders als bei den Schwarzkitteln ist hier die Stimmung von Beginn an am Kochen. Ob das allerdings an der wenig kreativen Mischung aus IN EXTREMO-Sound, SUBWAY TO SALLY-Texten und LETZTE INSTANZ-Attitüde liegt oder doch an der unbarmherzigen Sonne, kann nicht endgültig geklärt werden. Sänger Alea, der Bescheidene, ist es auch zu warm, so dass er sich unter dem Jubel seiner vorwiegend weiblichen Fans seines Oberteils entledigt.

Mit 'Tod und Teufel' folgt die nächste Mitsingarie. Kann mal jemand Alea sagen, dass man seine Füße nicht auf die Monitorboxen stellt. Oder zumindest nur dann, wenn man fähig ist, das gute Stück stehen zu lassen. Sieht einfach mächtig blöde aus, wenn man sich fast beide Beine bricht. Den Fans ist es Wurst, und so feiern alle Beteiligten bei Songs wie 'Worte', 'Salz der Erde' und 'Wirf den ersten Stein' (inkl. Hannes von KISSIN’ DYNAMITE) eine schweißtreibende Sommersause. Wein, Weib und Gesang eben. Mein persönlicher Höhepunkt ist allerdings die Ansage, dass man vor zwei Wochen in Wacken war, aber die Fans auf dem Summer Breeze tausendmal geiler sind. Schon klar. Nach den handelsüblichen und vor Klischees triefenden Nummern 'Uns gehört die Welt', 'Falsche Freunde' und dem 'Spielmannsschwur' ist Gott sei Dank Feierabend.
[Enrico Ahlig]

Allmählich wird es voller vor der Pain Stage. Das mag auch daran liegen, dass die nun auftretenden GRAVEWORM für ihre gut Laune zwischen melodischem Black und Gothic Metal bekannt sind. Heuballen fliegen durch die Luft, und Sänger Stefan Fiori sammelt mit seinem südtiroler Akzent Punkte. "Wir fühlen uns sauwohl hier!" ruft der Red-Bull-Jägermeister-Liebhaber und setzt noch einen drauf: "Wir ham' was für euch, habt ihr Bock?" Gemeint ist eine Wall Of Death. Eine Wall Of Death? Zu 'The Day I Die'? Etwas ungewöhnlich, und nach einem zarten Versuch muss Stefan doch grinsend anmerken: "Da bewegt sich ja gar nichts!" Mit den Teufelshörnchen klappt es beim eher Düster- den Metalcore-lastigen Publikum schon eher, und das gleich bis hinten zum Tonturm. "Habt ihr noch Strom für einen Song?" will der Frontmann wissen und lässt die Fans den Refrain von 'Suicide Code' mitsingen. GRAVEWORM machen Spaß wie immer, auch wenn das Publikum insgesamt doch einen etwas müden Eindruck hinterlässt – dafür scheint mir mein Kollege Hagen ein Auge auf Keyboarderin Sabine geworfen zu haben ... ;-)[Die war in der Tat auch ganz süß. Allerdings war die Dame, die du meinst ungünstigerweise die Frau vom Sänger, wenn ich Caro richtig verstanden habe. Ganz schlechte Idee also. - Anm. v. Hagen]
[Carsten Praeg]

Um 17 Uhr betreten dann SOILWORK die Main Stage, vor der sich schon eine Menge Leute eingefunden haben, um sich an den Klängen der sechs Schweden zu erfreuen. Die Kenner der Band werden jetzt sicher fragen: Sechs? Normalerweise sind es doch nur fünf? Richtig, aber bei Auftritten werden sie durch einen Live-Keyboarder verstärkt. Wozu der allerdings gut ist, frage ich mich immer noch, denn die meiste Zeit ist so gut wie gar nichts von ihm zu vernehmen. Dazumal lief gleichzeitig noch ein Sampler, auf dem mehrstimmige Gesangsspuren und sicher auch einige Samples und Keys gespeichert sind. Das was vom Keyboarder zu vernehmen ist, klingt nämlich weitestgehend nach Füllmaterial, sprich unterstützenden Akkorden. Die Liedauswahl ist recht breit gefächert, von "A Predator's Portrait" bis zu "Sworn To A Great Divide" ist von allen Alben dieser Ära etwas vorhanden. Ein paar Liedbeispiele: 'Nerve', 'The Pittsburgh Syndrome', 'Sworn To A Great Divide', 'As We Speak' und 'Bastard Chain'. Das Hauptaugenmerk liegt dabei merklich auf den letzten beiden Alben "Sworn To A Great Divide" und "Stabbing The Drama", was aber der Live-Qualität kaum einen Abbruch tut - egal wie umstritten diese Alben unter Fans auch sein mögen, live knallen sie richtig gut.
Bis ungefähr zur Hälfte des Sets erscheint es, als wären bis auf den Bassisten die Bandmitglieder nicht so sehr bei der Sache oder gar desinteressiert. Basser Ola ist der Einzige, der sichtlich Spaß hat und des Öfteren sogar einen auf Angus Young (Gitarrist von AC/DC; Anm. d. Red.) macht. Manches Mal hat man dazu noch den Eindruck, dass Björn "Speed" Strid unter starkem Alkoholeinfluss steht - wenn man bei den Ansagen die Zunge schon nicht mehr so rund bekommt, liegt die Vermutung doch nahe. Dementsprechend zwiespältig ist leider auch der Sound. Ist die erste Hälfte noch etwas vermatscht und verweht, wird es dann ab der Mitte des Gigs besser und die zweite Hälfte ist dann auch spielerisch annehmbar bis gut, wohingegen die erste Hälfte für mich als SOILWORK-Liebhaber eher enttäuschend ist. Insgesamt also ein eher mittelmäßiger Auftritt. Sehr schade, da hatte ich wirklich mehr erwartet. Mal abwarten, wie es im Vergleich dazu bei der nächsten Tour ausschauen wird.
[Markus Möwis]

Ab auf die Insel oder besser gesagt: ab zur Pain Stage. Dort haben sich die Briten von THE WILDHEARTS angemeldet. Leider haben diesen Ruf nur wenige vernommen, denn der Platz vor der Bühne erweist sich als sehr übersichtlich. Problemlos kommt man in die zweite Reihe, um sich bei wildem und anspruchsvollem Rock 'n' Roll das Hirn wegzublasen. Bereits seit den späten Achtzigern erweist sich die oftmals als Mischung aus BEATLES und METALLICA beschriebene Combo als herausragende Live-Band. Sänger Ginger faucht und singt sich die Seele aus dem Leib und bedankt sich gefühlte tausendmal beim Publikum. Diese bedanken sich auf ihre Weise, und so fabrizieren die paar Leutchen vor der Bühne mächtig Stimmung. Ginger scheint ein netter Mann zu sein, so überlässt er seinen Mitstreitern oft und gern das Mikro, was sich Gitarrist C. J. und Basser Scott Sorry nicht zweimal sagen lassen. Songs wie die großartigen 'Revolution Will Be Televised', 'Rooting For The Bad Guy' oder 'My Baby Is A Headfuck' strotzen nur so vor guter Laune, drei Akkorden und jeder Menge Rotz-'n'-Roll-Attitüde. Während einige Fans im Stroh spielen, sagen THE WILDHEARTS mit 'I Wanna Go Where The People Go' auf Wiedersehen.
[Enrico Ahlig]

Punkt Viertel vor Sieben stürmen ARCH ENEMY in schwarzen Uniformen samt roten Armbinden die Bühne. Abgesehen von Sängerin Angela Gossow, die hautenge Hosen und ein Shirt mit riesigem Totenschädel trägt, provokativ ihr Oberweite in die Luft reckt ("na, das wolltet ihr doch sehen?!!") und ansonsten natürlich wieder grunzt und röhrt wie ein Kerl. Schade nur, dass ihr Mikro anfangs deutlich leiser eingestellt ist als das ihres rothaarigen Saitenkollegen. "Lauter!" tönt es prompt aus der Menge, und die blonde Frontfrau mit den schwarzen Rambo-Strichen unter den Augen demonstriert kurzer Hand, dass ihr ein falsch eingepegeltes Mikro gerade mal am süßen Allerwertesten vorbei geht: "Habt ihr genau so viel Spaß?" brüllt Angela und schiebt noch ein "Rock'n'Roll!!!" hinterher. Wasserflaschen fliegen durch die Luft, Crowdsurfer machen sich wohl zwecks näherer Begutachtung auf den Weg Richtung Bühne. 'Dead Eyes See No Future' vom legendären "Anthems Of Rebellion"-Album bollert aus den Boxen, und der Evergreen 'We Will Rise' folgt sicher auch noch - aber zu diesem Zeitpunkt sind Hagen und meine Wenigkeit leider schon unterwegs Richtung ABORTED-Interview.
[Carsten Praeg]

Das diesjährige Programmheft bleibt der Linie vieler Artgenossen treu: Wie schaff ich es, Texte über die auftretenden Bands so groß wie möglich aufzublähen und zugleich so wenig Informationsgehalt wie möglich beizusteuern. Bestenfalls sogar Desinformation: Da wird die polnische Prügeltruppe BEHEMOTH doch glattweg als "Extrem-Prog-Metal" bezeichnet. Gut, extrem ist's schon, was das Trio da so rausholzt, schön eingebettet zwischen Black und Death Metal. Aber Prog? Gefrickel, von mir aus, aber Prog? Hüpfen DREAM THEATER demnächst auch mit Panda-Optik über die Bühne? Speit der OPETH-Drumer demnächst auch so schön Feuer? Und wird es demnächst für Prog-Bands Pflicht, dann noch eine Hammerzugabe wie 'As Above So Below' hinterher zu schieben? Ähm, und hüpfen bei Prog-Konzerten demnächst auch so lecker Düster-Schnittchen rum, wie sie die drei Polen offensichtlich anziehen? So, und mit so wenig Info-Gehalt wie möglich bewerb ich mich kommendes Jahr für die Texte im Programmheft, hehe. Aber ein Gerücht hab ich noch: Jemand soll BEHEMOTH auf's Zelt gepinkelt haben. Böse Zungen reden von MARDUK ...
[Carsten Praeg]

Wann hat euch ein PARADISE LOST Gig richtig weggeblasen? Noch nie? Wenn man sich auf die letzten Jahre beschränkt, könnte man den Dauernörglern fast Recht geben. Auf dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen wurde ich jedoch eines Besseren belehrt und konnte eine mitreißende Show erleben. Nein, Nick Holmes hatte keinen Clown zum Frühstück gegessen. Dafür wurde eine geniale Setlist geboten. Leider ebbte die neu gewonnene Euphorie schon auf dem M'era Luna wieder ab. Lustlos und wenig kreativ rumpelte man sich durch das Set aus alten und neuen Songs. Leider auch heute. Standesgemäß eröffnet 'The Enemy' das Set. Starker Song, der live richtig Spaß macht. "Are you drunk?" Obwohl die Meute kollektiv "Ja!" schreit, sackt die Stimmung in der nächsten Stunde auf Ausnüchterungszellen-Niveau ab. 'Erased' oder 'As I Die' können die anfänglich gute Stimmung leider nicht halten, und so vertreiben sich viele der Anwesenden die Zeit mit dem guten alten Heu. Bleibt nur zu hoffen, dass einiges ins Ohr ging, denn das großartige 'One Second' wird förmlich begraben. Holmes verpasst jeden Einsatz (offensichtlich konnte er selber nichts hören) und singt dermaßen schief, dass mein frisch gezapftes Bier binnen Sekunden ganz schal wird. Nebenbei sind die Keyboards kaum wahrnehmbar – gruselig! Nach 'Say Just Words' endet ein abermals enttäuschender Auftritt.
[Enrico Ahlig]

Ihren überirdisch genialen Auftritt auf dem Hellfest in Frankreich können die Iren PRIMORDIAL eigentlich nur schwer toppen und die Tatsache, dass Drummer Simon krank ist, ist auch kein gutes Anzeichen. Der Arme ist leichenblass und wird vor dem Auftritt von Sänger Alan fast auf die Bühne getragen... Aber trotzdem schaffen es PRIMORDIAL wieder die Menge zu begeistern und auch wenn heute der letzte Kick fehlt, so geben die Jungs wieder ihr Bestes und verzaubern die zahlreich erschienene Menge mit Gänsehaut-Songs wie 'Empire Falls' oder dem neuen Publikums-Liebling 'As Rome Burns'. Irgendwie ist mir ein bisschen mulmig, denn am Bühnenrand stehen die Notärzte - "nur für alle Fälle" versichert mir der nette Stage-Manager mit besorgter Miene - und so hätte es mich auch nicht gewundert, wenn hier schon viel früher Schluss gewesen wäre. Doch PRIMORDIAL ziehen das Ding beinahrt durch und Alan Nemtheanga ist charismatisch wie eh und je (nur die Hälfte von seinem Charisma würde dem vorher auf der Main Stage gelangweilten Nick Holmes bestimmt gut tun...). Mit epischen Gesten dirigiert der routinierte Frontman das Publikum, animiert zum Mitmachen und fordert mit seiner traditionellen "are you with us" Ansage zum Mitmachen auf, mit Erfolg! Dabei sieht Alan immer wieder kurz zu Simon um sich zu vergewissern, dass dieser noch weitermachen kann und bedankt sich am Ende noch beim medizinischen Team vor Ort, die diesen Auftritt gerettet haben. Eine sympathische Geste und der Beweis dafür, dass PRIMORDIAL nicht nur musikalisch an großen Emotionen hängen, sondern sich auch für diejenigen einsetzen, die ihre Musik unterstützen. Am Ende gibt es noch den grandiosen Song 'Coffin Ships', bevor PRIMORDIAL unter begeistertem Applaus die Bühne verlassen.
[Caroline Traitler]

Was habe ich mich doch auf den ersten Headliner des Festivals gefreut: HELLOWEEN. Nicht nur an sich schon großartig, sondern auch im allgemeinen Breeze-Billing eine gelungene Abwechslung. Deswegen rüsten wir uns erst noch mit einem Bierchen, 'nem alten Tour-Shirt und einer dicken Portion Vorfreude für den Gig der Urgesteine des deutschen Speed/Power Metals. Nachdem wir uns keinen Moment zu früh einen Platz in der Core-Jugend vor der Mainstage freigeboxt haben, beginnt ein denkwürdiger Auftritt der Kürbisköpfe. Schon beim Intro stellen sich nicht nur meine Härchen in Gänsehaut-Position, und mit den ersten Tönen von 'Helloween' kennt das innere Teufelchen kein Halten mehr.

Die beiden HELLOWEEN-Gründer Michael Weikath (Git.) und Markus Grosskopf (Bass) lassen überhaupt nichts anbrennen und fahren eine Super-Show, so dass es gerade eine Freude ist. Das göttliche 'March Of Time' und die Stadion-Rock-Nummer mit schönem Kürbis-Einschlag, 'As Long As I Fall', strotzen dabei nur so vor Spielfreude. Das obligatorische Drum-Solo von Dani Löble ist wohl nur bei mir mit ein paar Wermutstropfen versehen, war dessen Verpflichtung bei HELLOWEEN doch einer der Gründe, warum seine Vorgängerband RAWHEAD REXX deutlich zurückgeworfen wurde und lange nach einem würdigen Nachfolger suchen musste. Ob Löble deshalb meine bös-diabolischen Blicke bemerkt, sei einmal dahingestellt, den Leuten gefällt anscheinend sowohl seine Finesse als auch die erfrischende Kürze seiner Einlage.

Die 2000er Single 'If I Could Fly' bringt endlich Andi Deris in den Fokus der kritisch-metallischen Betrachtung: Wahnsinn, der Mann! Was, das reicht euch noch nicht? Okay: Ich habe Rob Halford dieses Jahr gesehen: langweilig. Ich habe Barlow gesehen: schlecht bei Stimme. Joe Satriani: hat überhaupt nicht gesungen. Und Andi Deris? Der stellt sich auf die Bühne und hat innerhalb von wenigen Minuten ein x-tausend-köpfiges Publikum so weit, dass ihm vom Metalcore-Kid bis zum "Ich habe SABBATH noch live gesehen"-Rock-Opa ein jeder aus der Hand fressen würde. Dabei ist sein Organ nahezu genauso frisch wie anno dazumal, als die "Keeper"-Scheiben noch in der Pubertät waren und die "Master" gerade geboren wurde. Un-glaub-lich. [Ach komm... Und der Barlow war auf dem Rock Hard Festival spitze, sag sogar ich, obwohl mir Power Metal die Zehennägel hochrollt. - Anm. v. Hagen]

Ihr könnt es euch denken – in punkto Entertainment haben die Herren nix verlernt. So werden im Laufe des Auftritts zwei meterhohe Kürbisköpfe aufgeblasen, die Löbles riesiges Drumkit flankieren, während Andi Deris nach kurzer Pause mit Glitzer-Sakko und dazu passendem Zylinder auftritt. Um was zu tun? Ein "Master Of The Rings"-und-mehr-Medley anzustimmen, was sonst? 'Perfect Gentleman' darf dabei natürlich nicht fehlen und rockt das Summer Breeze. Nach einer kurzen Pause und einem kollektivem Aufschrei im Publikum nach mehr ehren die HELLOWEENer noch einmal die Bretter der Mainstage mit ihrer Anwesenheit und trumpfen mit 'Future World' und 'I Want Out' zum letzten Mal so richtig auf an diesem Abend. Durchgepflügt und auf links gedreht können viele noch nicht so recht glauben, was da gerade stattfindet.

Obschon es nach zwölf ist und rund eineinviertel Stunden gespielt wurden, könnte der Abend und der Gig der Hamburger noch ewig so weitergehen. Es bleibt festzuhalten, dass die Jungs viele ältere Metalheads mit diesem Auftritt sehr, sehr glücklich gemacht haben[Anm der Red.: wenn der Herr Deris mal die Keepers-Alben richtig singen würde, vielleicht schon, so wandten sich die älteren Fans ohrenzuhaltend ab], einige Jüngere, die mit dem Sound vielleicht noch Berührungsängste hatten, für sich gewinnen konnten und wieder einmal gezeigt haben, dass sie zu Recht als eine der besten deutschen Heavy-Metal-Bands bezeichnet werden dürfen. [Selbst wenn die Stimme bei den Keeper-Scheiben eher einem Grillklöten-Falsett entsprach - Anm. v. Sebastian]
[Julian Rohrer]

Nach HELLOWEEN also ein U-Turn. Wir tauchen in wesentlich ernstere, weil black-metallische Gefilde ab: Auf der Painstage kündigt sich mit Corpsepaint und martialischem Äußeren der schwedische Kampfpanzer MARDUK an. Nach dem Austritt von Legion (Gesang) im Jahre 2003 gingen die Veröffentlichungen Jungs ziemlich an mir vorbei; umso gespannter war ich auf unsere "Reunion" auf dem Breeze '08, wie man so schön sagt. Losgeprügelt wird mit 'Baptism By Fire', und während das Blut um uns herum nur so spritzt, werden auch auf der Bühne keine Gefangenen gemacht. Wie sich bald herausstellt, haben MARDUK wohl zu einer nicht angekündigten Special-Old-School-Show geladen, denn die Songauswahl hat doch recht viele Klassiker im Programm. Den Leuten gefällt's, es müsste aber andererseits schon mit dem Teufel zugehen, wenn Songs wie 'With Satan And Victoriuos Weapon' oder 'Beyond The Grace Of God' live nicht zündeten.

Als zu 'Accuser/Opposer' noch Alan Averill, seines Zeichens Sänger von PRIMORDIAL, auf die Bühne kommt, wird mir immer klarer, wie farblos Mortuus am Gesang der Schweden ist. Nicht schlecht, das auf keinen Fall, aber seelenlos und bei weitem nicht so präsent und charismatisch, wie es Legion anno 2003 war. Die Erkenntnis wiegt schwer, aber die Band MARDUK aus der Gegenwart zehrt nur noch von den Erfolgen der Vergangenheit. Oder ist es anders zu erklären, dass die Herren nur Songs älterer Veröffentlichungen spielen? Dieses Kapitel ist also abgehakt, und wir trollen uns noch vor Ende des Gigs.
[Julian Rohrer]


PARTY TENT

Es ist Donnerstag um 16:00 Uhr, als ich das erste Mal im Partyzelt stehe. Da BLOOD RED THRONE leider ihren Gig abgesagt haben, was auch einige meiner Kollegen sehr bedauern, rutschen APOPHIS in die Running Order der Zeltveranstaltung. Wer die Jungs aus dem Schwabenland allerdings nur als Lückenfüller sieht, wird bald eines Besseren belehrt. Trotz des Fehlens eines der beiden Klampfer (ja, ja die Urlaubszeit) legt das geschrumpfte Quartett mächtig los und bietet technisch gutes Todesmetall. Das Zelt ist mittlerweile sehr gut besucht, und gute Stimmung mit dem typischen Kopfschütteln setzt ein. Frontmann Bernd Kombrink überzeugt durch gute Bühnenpräsenz und druckvolle Growls. Die fehlende zweite Gitarre kann von den restlichen Saitenhexern durch abwechslungsreiche Soli und fetten Bassound gut kompensiert werden. Nach einer halben Stunde Spielzeit ist der Auftritt auch schon beendet. Die fünf gespielten Stücke machen aber Appetit auf mehr. Fazit: APOPHIS machen einen guten Job.

Setlist:
Sick At A Heart
Welcome To My World
Metamorphosis
Excess
The End Of The Path

DRONE aus Celle ist um 17:00 Uhr im Partyzelt angesagt. Zu den Klängen des "Fluch der Karibik"-Soundtracks besteigen die vier Niedersachsen die Bühne, spielen die letzten Töne mit, um dann nahtlos in den Thrash Metal überzugehen. Der Funke fliegt sofort auf die Besucher über, die ihre Begeisterung mit Headbanging und Pogoeinlagen zum Ausdruck bringen. Die Norddeutschen geben richtig Gas, und Sänger Moritz Hempel sorgt mit seinen Anekdoten zwischen den Songs für weitere Unterhaltung. So macht er z. B. eine Umfrage, wer denn alles eine Kettensäge besitzt. Natürlich wird im Publikum fleißig gestreckt. Das Ende des Sets wird mit einer kleinen Covereinlage begonnen. Der Evergreen 'Eye Of The Tiger' von der Band SURVIVOR wird kurz angespielt, bevor mit dem letzten Song der Auftritt abgeschlossen wird.

Mit KISSIN' DYNAMITE steht die wohl mit Abstand jüngste Combo des Festivals um 19:00 Uhr auf der Bühne des Partyzelts. Die fünf Jungs aus dem Raum Reutlingen sind gerade zwischen sechzehn und knapp achtzehn Jahre alt, legen aber einen Auftritt hin, als wären sie schon alte Hasen. Geboten wird Hardrock im traditionellen Achtziger-Jahre-Stil. Es ist wie ein kleine Zeitreise, die typischen hohen Screams und die dazugehörenden Posen werden gekonnt umgesetzt. Das Einzige, was noch fehlt, sind der Eyeliner und die Spandexhosen.

Nun zum Musikalischen: Los geht es mit dem Song 'My Religion'. Ein Stück, das sehr groovig ist und sprichwörtlich in die Beine geht, denn die Füße wippen automatisch mit. Da im Publikum auffallend viele Leute den Text mitgrölen, war schnell klar, das wohl eine kleine Fangruppe anwesend ist. Also an Unterstützung mangelt es dem schwäbischen Quintett in dem gut besuchten Zelt auf keinen Fall. Mit 'Steel Of Swabia' gibt die Band den Song zum Besten, nach dem sie ihr am 18.07. veröffentlichtes Album benannt haben. Ein Stück, das waren Hymnencharakter besitzt und auch bestimmt einige Nichtschwaben begeistert. Zu dem Lied 'Zombie' haben sich die Hardrocker eine nette Performance einfallen lassen: Eine Person im Kleid und einer doppelseitigen Maske auf dem Kopf betritt die Bühne. Zu den Textzeilen wird eine Frau mit "ansexenden" Bewegungen dargestellt, das wirklich sehr komisch rüberkommt. Während des Refrains wird die Maske gedreht, und eine Zombiefratze stiert ins Publikum. Alles in allem ist der Auftritt von KISSIN' DYNAMITE wirklich überzeugend. Man darf gespannt sein, wie es mit der Band weitergeht.

Setlist:
My Religion
Hip Hop
Steel Of Swabia
Zombie
Freaky
Ready Steady
Welcome
[Kjell Kaup]

Zum ersten Mal seit dem Erstkontakt mit den rumänischen Naturburschen von NEGURA BUNGET im Jahre 2003 sollte ich es also endlich schaffen, die Herren live zu sehen. Nicht gerade gering waren meine Erwartungen an die Atmosphäre im Partyzelt, nicht gerade gering die Angst davor, enttäuscht zu werden. Doch zunächst traue ich meinen Augen kaum und erkenne einen wohl bekannten Münchner am Bass der Black-Metaller: Michael "Id" Zech macht sich bereit, uns seine musikalischen Tief-Ton-Schläge um die Ohren zu hauen. Namhaft durch REIGN OF DECAY, freut es mich doch ungemein, ein bekanntes Gesicht auf der Bühne zu sehen. Was mit den ersten Tönen von 'Hora Soarelui' (Dank an Simon!) auffällt, ist der extreme Soundbrei, der uns aus den Boxen entgegenschallt. Dass gerade die Musik von NEGURA BUNGET ein gewisses Maß an transparentem Sound benötigt, sollte nicht erst seit heute klar sein. Umso problematischer, dass zum Beispiel die extra mitgebrachte Live-Flöte schlicht nicht zu hören ist. Doch die Rumänen lassen sich davon nicht abschrecken und füllen den Raum mit ihren majestätischen Klängen: tief verwurzelt in der Geschichte und Natur ihres Landes, transportiert durch erhabenen Black Metal, teils melancholisch, teils entrückt. Gleichwohl lädt das Klanggebilde zum Mitgehen, Mitträumen, Moshen ein. Zu 'Norilor' gibt sich Jörg Heemann von SECRETS OF THE MOON (Drums) die Ehre und unterstützt die Band bei ihrem wohl bekannten und dabei immer wieder schockierend schönen Instrumental. Die Instrumentierung des Stücks besteht aus Xylophon, Trommeln, Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem an einem kunstvoll geschnitzten Rahmen aufgehängten Holzbrett. Während die Trommeln einen treibenden Rhythmus fahren, welcher durch das Holzbrett akzentuiert wird, bleiben die restlichen Instrumente im Hintergrund. Wer sich dieser Stimmung entziehen kann, ist wohl selbst schuld. Mit einem schönen Gitarren-Intro wird 'Tesarul De Lumini' eingeleitet. Dessen Blast-Passage lädt auch die Feierwütigen im Zelt zum ausgiebigen Schädeln ein.

Nach einem viel zu kurzen Auftritt bleibt schlussendlich festzuhalten, dass NEGURA BUNGET einen hinreißenden Kontrastpunkt zur sonstigen "Hab Spaß und feier!"-Laune des Summer Breeze setzen können. Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Konzert der Rumänen.
[Julian Rohrer]

Doom und noch mehr Doom erwartet die Besucher der Party Stage jetzt beim Auftritt von AHAB. Fast hätte ich aufgrund von diversen Terminkollisionen die düstere Einlage verpasst. Doch zum Glück erreiche ich das Zelt noch rechtzeitig, um den großen Teil der Show zu sehen. Ein wahres Düster-Inferno breitet sich über die Anwesenden aus, die bedächtig zu den schönen Kompositionen der selbsternannten "Nautik Funeral Doomster" nicken und sich schnell von der Gänsehaut-Atmosphäre anstecken lassen. AHAB sind die Portion Doom, die man beim Summer Breeze einfach braucht und beweisen mit einer dunklen Lichtshow und einem grandiosen Auftritt, dass sie zu Recht zu den Senkrechstartern des Genres gehören.
[Caroline Traitler]

Nach der etwas ernsteren Veranstaltung von NEGURA BUNGET am Nachmittag lockt uns nun der mittlerweile doch recht bekannte Name DIABLO SWING ORCHESTRA ins Partyzelt – zum Feiern (Wer die Band noch nicht kennt: Special zum DSO. Und nicht weniger erwartet uns dort: Eine feierwütige Meute – sowohl vor als auch auf der Bühne. Mit groovig-verswingten Rhythmen, Riffing, das sich am ehesten als operettenhaft-metallisch bezeichnen lässt und einem im Folgenden genauer zu betrachtenden kraftvollen, vibrierenden Sopran. Denn während Annlouice Lögdlund ihre Stimme auf Platte sehr differenziert einzusetzen weiß, sind gerade die Passagen in den höheren Lagen arg schrill und teils schwer auszuhalten. Ob das jetzt mit einem Übermaß an Einsatz bei der Grande Dame zusammenhängt oder schlicht an der nicht dafür ausgelegten und an Metalcore gewöhnten Anlage liegt, sei einmal dahingestellt.

Insgesamt macht die Band aber einen Super-Job. Seien es die beiden Gitarristen, auch gesanglich aktiv, die uns ihre gute Laune in den roten Jacketts ein ums andere Mal beweisen, der kahlköpfige Herr am E-Cello, der kaum stillzusitzen vermag oder der quirlige Bassist – es ist eine Freude, gemeinsam mit der Band alles zu geben und ordentlich zu feiern. Gerade Songs wie 'Balrog Boogie' oder 'Heroines' entfalten im Partyzelt eine unheimlich zwingende Stimmung und machen Lust auf mehr. Bei 'Velvet Embracer' zeigt der Cellist der Band, Johannes Bergion, sein ganzes Können. Bevor wir allerdings in die Kühle der Nacht entlassen werden, lädt das diabolische Orchester zum letzten Tanz, Amüsement und Mitsingen ein. Ein super Auftritt der Avantgardisten, der Lust auf mehr macht.
Juliane Schönleber/[Julian Rohrer]

Mit dem DIABLO SWING ORCHESTRA auch kurz DSO genannt, erwartet mich eine ziemlich außergewöhnliche, aber dennoch interessante Band. Die Schweden mixen gekonnt verschieden Musikstile wie Mainstream-Jazz (??? - PK), Folk, Klassik und Metal zusammen.
E-Gitarre, Bass und Schlagzeug werden von Violine, Cello, Flöte und Piano unterstützt. Natürlich haben die Skandinavier mit Annlouice Loegdlund noch eine ausgebildete Opernsängerin in ihrem Sextett. Um eine Unbekannte kann es sich bei DSO mit Sicherheit nicht handeln, denn das Zelt ist randvoll mit Zuschauern gefüllt. Für gute Stimmung ist also reichlich gesorgt. Auffallend sind die lustigen Outfits, die teilweise sehr stark an die Barockzeit erinnern. Der Bandname ist also volles Programm und die Menge im Zelt tobt. Man möge mir verzeihen, dass ich nicht näher an eine Beschreibung der gespielten Songs eingehe. Denn hier gilt: man kann es nicht beschreiben, man muß es gehört haben.
Fazit: Geiler Auftritt

Setlist:

Poetic Pitbull Revevolution
Infralove
Wedding March For A Bullet
Heroines
Velvet Embracer
Balrog Boogie
The Vodka Inferno
[Kjell Kaup]

Ich bin ja nicht so der Thrasher. Von daher sagen mir Bands wie ONSLAUGHT relativ wenig. Und genau jene werde ich mir aufgrund massiver Empfehlungen jetzt reinziehen. Soweit ich mitbekommen habe, sind die Jungs schon alte Hasen im Geschäft. Ha! Sollen sie mich mal überzeugen. Ich bin ganz Ohr.

Los geht's. Das Erste, was mir in dem Moment einfällt ist: Verdammt, hauen die rein. Die Empfehlung scheint nicht von ungefähr zu kommen. Eingängige Riffs, Hammer-Sound, eine stark vergewaltigte Snaredrum und ein kochendes Publikum zeichnen das Partyzelt. Die Haudegen machen gut Party! Zu Off-Beats und fetzenden Saiten toben die Moshpits, und der Takt findet auch seinen Weg in meinen Nacken. Der Anfang vom Ende der Unverfilztheit meiner Haarpracht. Nach viel Gebolze, umfallenden Fans und einem Pommesgabel-Meer kann nur noch das Fazit "absolut überzeugt" fallen und mein Gang zur Massage-Erbettelung folgen.

Nach ONSLAUGHT leicht angeschwipst mit 'ner dicken Maß in der Hand finde ich mich wieder im Partyzelt ein, um endlich mal die technischen Grind-Genies von CEPHALIC CARNAGE zu belauschen. Wer die Jungs kennt, weiß, dass man hier ABSOLUT keine gradlinigen Songs oder leicht verdauliche Tonkunst zu erwarten hat. Was mich jedes mal auf Platte umhaut, kommt auch hier nicht zu kurz. Die Kaputten prügeln das Zelt in Schutt und Asche und tanzen dabei noch. Die ganzen gesampelten Zwischenspiele kommen zwar nicht so krank wie auf Platte rüber, aber die Gehörgänge haben hier trotzdem im positiven Sinne zu kämpfen. Nebeneffekt beim Zuhören und Zuschauen ist der pure Neid, der einen durchfährt, wenn man mal genauer hinschaut, wie Saiten und Schlagzeug bearbeitet werden. Gelbfärbung des Gesichts garantiert. Dem Publikum gefällt's ebenso gut, und die Schuppen fliegen in alle Richtungen. So muss Krach sein!
[Sebastian Schneider]


Im Zelt geht es dann um 0 Uhr 15 mit den vier Mannen von den Färöer Inseln weiter, von denen ich im Vorfeld schon einiges über ihre angeblich faszinierenden und äußerst guten Live-Qualitäten berichtet bekam. Die Rede ist natürlich von TYR. Da mir alle vier Alben bisher sehr zugesagt haben, bin ich umso gespannter auf das, was auf der Bühne geboten werden sollte. Umso enttäuschter bin ich dann von dem, was wirklich folgt. Los geht es mit dem ersten Stück "Gandksvaedi Tróndar" vom neuen Album "Land". Was ich bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass die Musiker allesamt ein Mikro für den mehrstimmigen Gesang haben. Allerdings bin ich von den Gesangsqualitäten weniger angetan, des öfteren trifft beim mehrstimmigen Gesang nur Sänger Heri den richtigen Ton. Wer eine besondere Atmosphäre erwartet, wird leider eines Besseren belehrt - zumindest mir geht es so, dass sich über die ganze Spielzeit keine besondere Atmosphäre aufbauen will. Die Musiker scheinen allesamt unkonzentriert, es gibt hier und da kleine Verspieler und das Set zieht sich wider Erwarten hin wie Kaugummi. Dafür werden von allen vier Alben Lieder aus dem Hut gezaubert, die dann aber leider nicht ihren Zauber weiter tragen können. Die Rede ist hier von Songs wie 'Hail To The Hammer', 'Regin Smidur' und 'Ormurin Langi'. Alles in allem ein sehr enttäuschender Auftritt, zu dem sich noch ein recht bescheidener und matschiger Sound hinzugesellt und der bis auf die Die-Hard-Fans nach und nach so einige Leute aus dem Zelt treibt. Da habe anscheinend nicht nur ich mehr erwartet, sehr schade.
[Markus Möwis]

Irgendwie bin ich noch nicht ganz da, denn nachdem ich schon fast AHAB verpasst hätte, entfällt mir jetzt auch noch glatt der Termin von CULT OF LUNA, die für mich immerhin zu den Fixterminen des Festivals gehören! Zum Glück sind es nur 10 Minuten die mir von der grandiosen Show fehlen, denn was CULT OF LUNA wieder abliefern, gehört eindeutig in die Kategorie "absolut überirdisch"! Die talentierten Schweden sind zwar gut in der Tent Stage aufgehoben, eine late night show auf der Pain Stage wäre aber auch passend gewesen, denn das Talent und die Emotionen, die CULT OF LUNA hier zu Tage legen ist fast unübertrefflich und macht die Band für mich zu einem der absoluten Highlights des Summer Breeze! Da wird mal die Trompete kreativ in die wabernden Songs eingebaut, mal steigern sich die Bandmitglieder in ein episches Klanggewitter, welches zu wahren Begeisterungsstürmen beim Publikum führt und mal werden melancholische und fragile Töne angeschlagen, die sich nur mehr mit dem Wort "genial" beschreiben lassen. CULT OF LUNA sind eine Klasse für sich!
[Caroline Traitler]

Und dann blieben da eigentlich noch BLOOD RED THRONE, die leider abgesagt haben. Schade eigentlich.
[Hagen Kempf]

Redakteur:
Hagen Kempf

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