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Letzte Instanz - Rostock

30.12.2002 | 10:29

28.12.2002, M.A.U.

Eine Band, die eigentlich relativ weit abseits meiner sonstigen musikalischen Vorlieben liegt, mich aber ob der bisherigen Livererlebnisse sogar bis nach Rostock zieht, hört auf den Namen LETZTE INSTANZ. Hatten sie mich doch bereits im letzten Jahr mit ihrer unbändigen Energie völlig begeistern können. Aufgrund einer dreifachen Umbesetzung lag die Band seit ihrer letzten Scheibe „Kalter Glanz“ etwas auf Eis. Da diese Problematik aber nun gelöst zu sein scheint, haben sich die sieben Dresdner überlegt, ihren Fans ein nettes Weihnachtsgeschenk in Form einer kleinen Tour zu machen.
Gespannt machten wir uns also auf in Richtung Osten, um dort erst einmal einen extrem netten Club mit Namen M.A.U. vorzufinden, der mit ca. 300 Leutchen auch ganz nett angefüllt war.
Als Support hatten DIE HERREN K. die Ehre, das schwarzbekittelte Volk mit vielschichtigem Alternativrock zu beschallen. Dachte ich anfangs, der deutschsprachige Grunge würde mich trotz unbestreitbarer musikalischer Fähigkeiten etwas langweilen, so belehrten mich die vier Herren Musiker recht zügig eines Besseren. Nicht nur ihre Bühnenpräsenz sondern auch die Songstrukturen an sich verstanden es gut zu unterhalten. Sehr gelungen der zweistimmige Gesang, den sich ein dreadlockiger Klampfer mit seinem Trommler teilte. Höhepunkte für mich waren das herrlich einprägsame "Gift" sowie das brachial-schräge "Maske". Für eine Newcomer-Band fand ich vor allem das Stageacting aller Beteiligten sehr professionell. Das sah wohl auch ein Großteil des Publikums ähnlich, sodass die Jungs gut mit Applaus versehen wurden.

Als dann nach kurzer Umbaupause das vernebelte Intro "Am Anfang" aus den Boxen schallte, merkte man aber schon, auf wen die Menge hier wartete. Und als man den Übergang zu "Ganz oder gar nicht" mit einer doppelten Feuerspuck-Einlage untermalte, hatten sie Rostock auch schon auf ihre Seite gezogen. Das ist es, was ein LETZTE INSTANZ-Konzert immer zu einem echten Erlebnis macht: Die Showeinlagen! Etwas irritiert fragte ich mich dann, wer denn der Blondschopf am Mikro sein sollte, bis ich merkte, dass Robins Glatze einer Struwelfrisur gewichen war. Anyway, dies tat weder seiner Stimme noch seiner Stimmung Abbruch. Wie gewohnt war er Dreh- und Hüpf- ... äh .. Angelpunkt der Show.
Klar, wenn Holly D böse mit den Fäusten wedelt, MUSS man einfach hingucken. Dieser Typ ist mit seinem Outfit einfach eine Augenweide. Schnell stellte sich heraus, dass die drei Neuen in der Band ganz hervorragend ins Gesamtbild passen: Specki T.D. am Schlagzeug hämmerte uns permanent groovige Beats in die Knochen, die den Club ganz schön in Wallung versetzten, während DAS O. (gt) und FX (bs) eher die beiden Ruhepole der Band sind. Beim Aktionsradius der anderen sicherlich auch gut, denn würden alle so viel herum hüpfen, wie Robin, Holly D und Muttis Stolz (violine) würde einem schon beim Zuschauen schwindelig werden.
Im weiteren Verlauf spielten sich die Jungs in einen wahren Rausch und boten teils sehr ungewöhnliche Versionen ihrer mitreißenden Songs. So mutierte das eher ruhige "In meiner Erinnerung" livehaftig schon fast zum Metalsong. Und bei Holly Ds Gesangspart von "Medusa" hätte ich mit geschlossenen Augen auf eine Black Metal-Kapelle getippt.
Während des Konzertes kamen wir in den Genuss der Weltpremiere eines brandneuen Songs, der Appetit auf ganz viel mehr machte. Klang, zumindest in der Livefassung, ganz schön heftig. Ich würde mich freuen, wenn die Jungs diese Energie auch mal auf die Konserve retten könnten.
Völlig aus dem Häuschen war ich dann natürlich wieder beim instrumentalen "Opus No.1". Hier drehen der immer sitzende Benni Cellini (Cello) sowie Muttis Stolz an ihren rockuntypischen Saitenstrumenten völlig ab. Vor allem der Violinist vorausgibt sich bei dieser Nummer derart, dass ich mich hinterher immer frage, wie er sich überhaupt noch bewegen kann. Dieses Spektakel wurde dann auch noch mit einem Feuerwerk AUS den beiden Instrumenten unterlegt, sodass der Ohrenschmaus auch noch zum Augenschmaus wurde.
Ich könnte jetzt noch einige Seiten lang über die anderen Hits wie "Mein Todestag", "Auf Der Suche" oder "Rapunzel" ablassen, entlasse euch aber damit, dass die finale musikalische, wie auch optische Umsetzung von LORIOTs Weihnachtsgedicht "Advent" einfach der krönende Abschluss zu einem fantastischen Konzert war, das Lust auf ganz, ganz, ganz viel mehr gemacht hat. Und wenn ich das Leuchten in den Augen meines Schatzes richtig gedeutet habe, stehe ich mit dieser Meinung wohl nicht ganz allein da.

Redakteur:
Holger Andrae

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