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Keep It True XII - Königshofen

02.05.2009 | 23:40

24.04.2009, Tauber-Franken-Halle

Das Eldorado dessen, was im traditionell metallischen Untergrund wirklich glänzt liegt in Franken und zieht Jahr für Jahr unzählige legendäre Künstler und treue Fans zum Keep It True. Heuer schon zum zwölften Mal.

DEJA-VU

Den Samstags-Weckruf lassen heute die bajuwarischen Recken von DEJA VU erklingen, die immerhin auch schon über zwanzig Jahre am Start sind, aber erst vor ein paar Jahren ihr Debütalbum "Bullets To Spare" an den Start gebracht haben, mit dessen Titelstück sie auch in ihren Auftritt einsteigen. Es folgt eine etwa hälftige Mischung aus Songs vom Debüt und dem letztjährigen Nachfolger "Decibel Disease", die reiflich in metallischen Klischees und mitsingbaren Refrains badet. Die Mischung klingt dabei sehr klassisch teutonisch, wozu sich die Musiker mit Songs und Titeln wie dem melodischen 'Children Of The Eighties' oder dem ACCEPT-lastigen Stampfer 'Metalhead' aber auch unumwunden bekennen. Dass die Band natürlich nicht den Kultfaktor und Legendenstatus hat, der vom KIT-Publikum regelmäßig fast schon vorausgesetzt wird, ist klar, doch diesen unverschuldeten Nachteil macht die Band mit sichtlicher Spielfreude und guter Laune locker wieder wett, so dass die Bayern als Opener des zweiten Tages definitiv keine Fehlbesetzung sind. Das quittiert das Publikum auch sehr wohlwollend dadurch, dass der Platz vor der Bühne für die frühe Stunde schon ziemlich voll ist und gegen Ende des Sets sogar vereinzelte Zugabe-Rufe zu vernehmen sind. Schade, dass der straffe Zeitplan es nicht mehr zulässt, dass die geplante GRAVE-DIGGER-Coverversion 'Heavy Metal Breakdown' noch zum Zuge kommt.

Setlist: Bullets To Spare, Wings Of Steel, Catch Me If You Can, Decibel Disease, Metalhead, Under Fire, Children Of The Eighties, Evil, Nightmare
[Rüdiger Stehle]


PROCESSION

Der Preis für die an weitesten angereiste Band geht heuer zweifelsfrei an die Chilenen von PROCESSION, die vor einigen Monden über Iron Kodex Records ihre erste EP unters Volk gebracht haben. Darauf frönten sie sehr klassischem Doom zwischen frühen CANDLEMASS und REVEREND BIZARRE, der sich in Szenekreisen großer Beliebtheit erfreute. Doch darüber hinaus brachte er die Band quasi von Null auf den Rang eines der am heißesten gehandelten Newcomer der Doom-Szene. Mit den vor dem KIT stattfindenden Auftritten beim "Doom Shall Rise" und in Nürnberg konnte das Trio bereits viele Fans von seinen Livequalitäten überzeugen, und so steht einem überzeugenden Auftritt in Königshofen auch nichts entgegen. Mit ihrem sehr zurückhaltenden, ja, fast schüchtern wirkenden Auftreten fürchtet der Zuschauer zunächst, dass die noch recht jungen Musiker gegenüber der Armada von bühnenerprobten Rampensäuen, die beim KIT alljährlich so anrollt, eher blass aussehen würden. Auf eine Art stimmt das zwar, doch die Band kontert mit einer starken musikalischen Leistung, die ihren elegisch-ausladenden Doom Metal sehr eindringlich unter die Bangerschaft hämmert und dazu auch einen sehr passenden Sound kredenzt bekommt. Unter diesen Umständen brauche zumindest ich keine Effekthascherei und keine melodramatischen Ansagen. Sicher, der eine oder andere Besucher, der seinen Schwerpunkt im Speed/Thrash- oder im Party-Programm des Festivals hat, empfindet das Gebotene als ein wenig zäh und spannungsarm, doch das ist klar nur die Minderheit der Anwesenden. Für den frühen Rang im Billing werden die Chilenen nämlich sehr euphorisch aufgenommen. Das gespielte Programm beschränkt sich erwartungsgemäß auf die auf der EP enthaltenen drei neuen Stücke und die drei Stücke vom Demo; mehr würde die Zeit aber auch gar nicht hergeben. Ein gelungener Auftritt, der die Band sicher noch weiter aufbauen und zu zukünftigen Großtaten anspornen wird.

Setlist: Raven Of Disease, Like A Plague Upon The Earth, Incinerate, The Road To The Gravegarden, Down The River Of Corpses, Funeral Of An Age
[Rüdiger Stehle]


THE GATES OF SLUMBER

In der Schnittmenge zwischen Doom und Epic Metal gibt es derzeit kaum eine Band, welche die Szene derart aufrüttelt und dominiert wie die sympathischen Raubeine aus Indianapolis. Spätestens seit ihrem epochalen dritten Album "Conqueror" hat die Band völlig zu Recht eine enorme Stellung im internationalen Untergrund, und so dürften auch viele KIT-Besucher von vorne herein ganz besonders auf die nun folgende Dreiviertelstunde gewartet haben. Aufgrund eines anfangs etwas desorientierten Monitorsounds wird zwar der Schluss des grandiosen Openers 'Children Of Satan' ein kleines bisschen versemmelt, doch das fällt außer der Band kaum jemandem auf. Karl Simon indes ärgert sich kurzzeitig tierisch, was ihn in die richtige Stimmung zu versetzen scheint, es jetzt erst recht allen zu zeigen, wie heavy und unbarmherzig seine Band ist. Jedenfalls wuchtet das Doom-Trio hernach seinen knochentrockenen Dampframmen-Sound gnadenlos in die Menge und wird von Stück zu Stück mehr abgefeiert. Das führt letztlich dazu, dass eine konzentriert misanthropische Bühnenpräsenz, wie sie mehr Doom und mehr Metal nicht sein könnte, am Ende gar noch einem gerührten Lächeln weicht. Für die Schlummerpförtner ein Triumphzug und für die Fans 'ne Wucht!

Setlist: Children Of Satan, Conqueror, The Jury, Ice Worm, Broken On The Wheel, Angel Of Death, Trapped In The Web
[Rüdiger Stehle]


MILITIA

Danach ist es an Tirols visionärem Metal-Unikum Bruder Cle, eine Legende anzusagen, die eigentlich nur in einer Szene wie der unseren zur Legende werden kann: 1984 gegründet, 1985 'ne EP mit drei Songs, wovon eines ein Instrumental war, dann noch ein paar Liveauftritte und ein weiteres Demo und rumms: Schluss! Nun gibt es in unserer heiß und innig geliebten Szene jedoch diese Art von Freak in großer Zahl, die sich auch nach dreiundzwanzig Jahren noch an ein No-Hit-Wonder aus Austin, Texas erinnern und dafür sorgen, dass eine Band wie MILITIA, nach all der Zeit exhumiert wird und ihren ersten Auftritt in Europa spielen kann. Im Gegensatz zu manch anderer Band, die sich ein solches Unterfangen besser verkniffen hätte, war es aber im Falle der Texaner um Frontsirene Mike Soliz eine göttliche Fügung, dass es zu dieser Reunion gekommen ist. Die Band ist toll eingespielt und zockt den griffigen Speed/Thrash von ihrer EP und den Demos mit einer phänomenalen Hingabe. Am meisten gespannt sind wir doch, wie die lange Bühnenabstinenz sich auf Mike Soliz' Sangeskünste ausgewirkt haben. Auch hier kann ich Entwarnung geben: Die extrem schrillen Screams des Texaners sind zwar nach wie vor nicht jedermanns Sache, doch Soliz bringt sie fehlerfrei und so intensiv und eindringlich, dass einer der Kollegen meint: "Ich frag mich, warum dem nicht der Kopf platzt!". Ich muss sagen, dass dieser Auftritt für mich eine der positivsten Überraschungen der KIT-Geschichte darstellt, und dass MILITIA in Wahrheit noch viel besser sind als ihre Kult-EP das vermitteln kann. Entsprechend euphorisch sind die Reaktionen des Publikums auf den Auftritt und noch beeindruckender ist der Ansturm bei der Autogrammstunde. Die Herren müssen ziemlich verdutzt und sehr gerührt gewesen sein, als sie gemerkt haben, was sie in diesen heiligen Hallen für einen Status haben. Bleibt nur zu hoffen, dass aus der Reunion vielleicht doch noch etwas mehr wird.

Setlist: Objective: Termination, Regiments Of Death, Search For Steel, Onslaught, The Sybling, Salem Square, Metal Axe
[Rüdiger Stehle]


RIGOR MORTIS

Den eben von MILITIA eröffneten Texas-Metal-Doppelschlag dürfen die reformierten Weirdos von RIGOR MORTIS nun fortsetzen. Ich kenne die Band bisher nur von den Artworks und vom Hörensagen, da ich aber das Prädikat "Made In Texas" durchaus als metallisches Qualitätssiegel verstehe, bin ich tierisch gespannt auf das, was mich erwartet. Das ist dann auch schon nach wenigen Takten klar:

Die Jungs um Frontmann Bruce Corbitt packen mit 'Mummified' vom zweiten Album gleich den Knüppel aus dem Sack und hauen derbe auf die Meute ein. Die versteigt sich gar zum Bilden eines kleinen Moshpits und ich fürchte, im Graben einen Crowdsurfer ins Genick zu bekommen. Weiter geht es mit dem knackig kurzen 'Shroud Of Gloom' und dem etwas ausladenderen 'Cattle Mutilation' von der Zwischendurch-EP "Freaks". Was RIGOR MORTIS hier zu bieten haben ist punkiger, schnörkelloser Speed/Thrash-Metal mit ziemlich abgedrehten, aber auch augenzwinkernden Gore- und Splatter-Texten, die hervorragend zur Musik passen. Mit fünf weiteren Stücken vom Debüt und lediglich einem oder zwei weiteren neueren Songs, ist der Schwerpunkt der Setlist klar gesetzt, und das wohl sehr zur Freude des Publikums. Jedenfalls kocht die Stimmung vor der Bühne und die Band ist sichtlich beeindruckt davon, wie sehr sie ihre deutschen und sonstigen europäischen Fans abfeiern.

Sogar so sehr beeindruckt, dass Bruce Corbitt alias The Wizard Of Gore es sich nicht nehmen lässt, nach dem Festival zu verkünden, dass genau dieses Erlebnis die Band nun dazu gebracht hat, es nochmal wissen zu wollen. Wir fühlen uns geehrt und sind mal richtig gespannt, was da demnächst kommen wird.

Setlist: Mummified, Shroud Of Gloom, Cattle Mutilation, Die In Pain, Wizard Of Gore, Contagious, Contamination, Dead Fish, Demons, Vampire, Re-Animator
[Rüdiger Stehle]


LIVING DEATH

Im Anschluss ist dann gleich nochmal Speed und Thrash Metal angesagt, dieses Mal aber aus deutschen Landen. LIVING DEATH aus dem nordrhein-westfälischen Velbert entern die Bühne und zwar im klassischen Line-up mit den Gebrüdern Rainer und Dieter Kelch an den Saiten und Thorsten "Toto" Bergmann am Mikro. Verstärkt durch den von unzähligen kommerziell erfolgreichen Metal-Formationen bekannten Jörg Michael hinter den Kesseln und um einen recht jung aussehenden zweiten Gitarristen, der mir nicht bekannt ist.

Toto hat ein sehr skurriles Auftreten, wenn er mit seinem Hemdchen spielt als wolle er einen Strip hinlegen und die fragend dreinblickende Meute mit Sprüchen anzuheizen versucht wie "Seid ihr geil? Ich immer!". Doch sei's drum: Die Band zockt beachtlich tight, doch das darf man bei dieser Rhythmusgruppe auch erwarten. Totos Gesang ist alles andere als schlecht, aber irgendwie fehlen mir und einigen anderen Anwesenden die völlig schrägen Screams, für die der drahtige Frontmann seinerzeit berühmt wurde. Andere werden froh sein, dass er heute gemäßigter singt. Aber fast alle sind sich einig, dass es ein Fehler ist, keinerlei Material vom legendären Debütalbum "Vengeance Of Hell" zu berücksichtigen.

Warum die Band gerade bei einem Event wie dem KIT darauf verzichtet, auch nur einen einzigen Song von dieser Scheibe zu spielen, und ihre Setlist statt dessen vorwiegend mit Stücken vom dritten und vierten Album bestückt, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben. So kommen "Protected From Reality" mit vier Stücken und "World Neuroses" mit drei Stücken besonders gut weg. Gut, vielleicht können sich die Herren Musiker mit dem rumpeligen und rohen Charme ihrer Frühphase heute nicht mehr so recht identifizieren, doch sie hätten ja eigentlich wissen müssen, dass ihnen das Geschrote vor diesem Publikum definitiv nicht peinlich sein muss. Im Gegenteil!

Auch wenn dieses Versäumnis für viele Zuschauer recht schwer wiegt, ist die Songauswahl im Übrigen recht passabel, denn die genannten Alben sind ja alles andere als schlecht. Ein wenig versöhnt werden die Old-Schooler mit dem Opener und dem vorletzten Stück, die vom Zweitling "Metal Revolution" stammen. Trotz der verbesserungswürdigen Setlist merkt man der Band das Engagement und den Spaß an der Sache an, der sich letztlich auch auf die forderen Reihen der Halle überträgt und zu einem durchaus kurzweiligen Gig führt. Aus dem hätte die Band jedoch mit einer Songzusammenstellung, die mehr Rücksicht auf das Publikum nimmt, noch viel mehr machen können.

Setlist:
Grippin' A Heart, Vengeance, On The 17th Floor, Natures Death, Last Birthday, The Galley, The Testament Of Mr. George, Screaming From A Chamber, Eisbein (mit Sauerkraut)
[Rüdiger Stehle]


ZOUILLE & HANTSON
Mein erster Gedanke ist: Hui, ziemlich weit oben im Billing. Die Zweifel an den Franzosen liegen aber nicht daran, dass ich ihnen die Fähigkeiten absprechen würde, sondern an der Tatsache, dass französischsprachiger Metal im Allgemeinen in Deutschland eher ein Randdasein fristet, auch schon in den Achzigern, als er noch jung, frisch und aktuell war. Wer sich an den Auftritt von DEMON EYES erinnert, weiß was ich meine. Doch die Franzmänner geben ein ganz anderes Bild ab, denn mit 'D’ailleurs' schießen sie sofort einen ihrer besten, wenn nicht gar den besten Song ihrer Karriere in die Halle. Sofort ist das Publikum überzeugt und feiert auch den nachfolgenden 'Gladiateur' gehörig. Das Stageacting der Musiker ist eher reduziert, und gerade Sänger Christian Augustin, "Zouille" genannt, wirkt in seinem T-Shirt wenig aufdringlich, sondern lässt seine Stimme überzeugen. Bereits als dritten Song gibt es dann einen unbekannten Track, der obendrein auf Englisch gesungen wird. Es war im Vorfeld bekannt gewesen, dass die Franzosen nicht ausschließlich in der Vergangenheit kramen, sondern auch etwas Aktuelleres mit im Gepäck haben würden, speziell auch deshalb, weil Zouille als einziges Originalmitglied von SORTILÈGE am Start ist. Die Backingband dagegen verdankt Augustin seinem Kollegen Renaud Hantson, Sänger von FURIOUS ZOO und SATAN JOKERS. Tatsächlich sind die im Verlauf des Gigs gespielten neuen Stücke nicht schlecht, aber viele im Saal hätten wohl 'Just Keep Holding On' lieber gegen ein 'Metamorphose' eingetauscht. Verständlich, denn SORTILÈGE sind nun wahrlich keine Stammgäste auf deutschen Bühnen. Trotzdem wird jeder Song gefeiert, mehr als ich erwartet habe. Im Verlauf des Sets wird noch zweimal FURIOUS ZOO bemüht, wobei 'A Dead Man Won’t Lie' wie auch das spätere 'Indien De Demain' von den SATAN JOKERS im Studio-Original ein Duett Zouille/Hantson sind, also bestens ins Konzept passen. Etwas störend dagegen wirken die Solo-Eskapaden, die von einem wenig originellen Gitarrensolo über Drums bis zu einem Basssolo reichen. Letzteres halte ich gerade mal bei Geddy Lee aus, ansonsten kann ich darauf gut verzichten. Da hätte ich tatsächlich lieber noch einen alten Gassenhauer gehört, aber als ZOUILLE & HANTSON mit der Bandhymne 'Sortilège' zum Schluss kommen, ist alles vergeben. Der Titelsong ihres ersten Albums wird zwar sehnlichst vermisst, aber auch so vergeht die musikalisch abwechslungsreiche Stunde wie im Flug. Die Publikumsreaktionen sind überschwenglich, was auch an dem natürlichen Auftreten der französischen Musiker liegt. So muss ich meine anfängliche Skepsis revidieren: ZOUILLE & HANTSON waren definitiv nicht zu weit oben im Billing, sondern gerade recht.

Setlist: D'ailleurs, Gladiateur, Just Keep Holding On (FURIOUS ZOO), Civilisation Perdue, Quand Un Aveugle Rêve, Get Out (FURIOUS ZOO), Chasse le Dragon, Cyclope De l'Etang, Indien De Demain (SATAN JOKERS), A Dead Man Won’t Lie (FURIOUS ZOO), Marchand d'Hommes, Sortilège
[Frank Jaeger]


PICTURE

Von Frankreich nach Holland, und von Power Metal zu traditionellerem Hard Rock. PICTURE waren noch nie außerhalb ihres Heimatlandes eine große Nummer, was vor allem an vielen unglücklichen Umständen in der frühen und erfolgreichen Phase der Bandgeschichte begründet ist, aber sie rühmen sich die erste holländische Heavy-Metal-Band mit Plattenvertrag gewesen zu sein. Zumindest die ersten vier Scheiben sind es auch wert, gehört zu werden, bevor der Stern der Niederländer zu sinken begann, da sie es nicht schafften, aus der immer größer werdenden Masse von Hard Rock- und Metalbands herauszuragen und gleichzeitig dem Business Tribut zollen mussten. Doch heute ist das alles vergessen, die Fünf haben sechzig Minuten Zeit zu beweisen, dass ihre Musik immer noch funktioniert. Doch der erste Aha-Moment des Auftrittes ist nicht musikalischer Natur, obwohl der Einstieg mit 'You're All Alone' vom 1982er "Diamond Dreamer"-Album sehr gelungen ist. Nein, der Kopf des Sängers Pete Lovell zieht alle Blicke auf sich. Entweder ist ein Langhaar-Pudel auf dessen Kopf gestorben, oder Muttis Flokati hat dran glauben müssen. Die Frisurkatastrophe aus den 70ern ist allerdings echt, oder mit Teppichklebeband befestigt, jedenfalls hält das Ding unbeirrbar auf Petes Kopf den ganzen Gig aus, der mit 'Heavy Metal Ears' schmissig weitergeht und mit 'Diamond Dreamer' den nächsten Höhepunkt enthält. Die reformierten PICTURE leben aber nicht nur in der Vergangenheit, was sie heute nur allzu deutlich machen. Allein sechs neue Stücke deuten darauf hin, dass die in die Jahre gekommenen Rocker es noch einmal wissen wollen. Ein neues Album mit dem Titel "Old Dogs, New Tricks" ist ebenfalls in der Mache. Um dies zu unterstreichen wird der Titelsong sodann vorgestellt. Obwohl er einen netten Chor hat, ist das Stück dann doch zu simplistisch, um vollends überzeugen zu können. Das schnellere, aber ebenso neue 'Blood Out Of A Stone' ist da schon von anderem Kaliber und leitet über zum Kernstück des Sets, einem Block aus vier Liedern vom unangefochten besten Album der PICTURE Diskographie: "Eternal Dark". In den folgenden zwanzig Minuten erleben wir eine denkwürdige Vorstellung unsterblicher Hymnen, für die PICTURE zu Recht so spät auf die Bühne dürfen. Der Titelsong und 'Griffons Guard The Gold' kochen die Menge gut ab, die frenetisch mitsingt und die Musiker feiert. Der Block mündet in 'Lady Lightning', bevor der Ausflug in die Bandhistorie eben jenes ist. Eine Salve neuer Stücke vom kommenden Album, die allesamt ordentlich, aber leider nicht allzu originell daherkommen, wird vom Publikum dennoch gut aufgenommen. Es scheint, als ob die Holländer mit ihrem relativ einfachen Sound gerade den Nerv der Anwesenden treffen, so dass das abschließende 'Bombers' vom Debütalbum einen unterhaltsamen Gig beendet, der perfekt überleitet zum Co-Headliner des Abends.

Setlist: You're All Alone, Heavy Metal Ears, Diamond Dreamer, Old Dogs New Tricks, Blood Out Of A Stone, Eternal Dark, Griffons Guard The Gold, The Blade, Battle For The Universe, Lady Lightning, Fill Your Head With Rock, Celtic Cross, Chosing Your Sign, Live By The Sword, Bombers

[Frank Jaeger]


NWOBHM ANNIVERSARY

Die NWoBHM war eine der wichtigsten Initialzündungen der Metalszene, wie wir sie heute kennen, und sie ist definitiv in die Jahre gekommen. Dreißig an der Zahl, und solch ein Jubiläum will natürlich gebührlich gefeiert werden. Das dachten sich auch die KIT-Veranstalter und so wurde kurzerhand ROXXCALIBUR, die NWoBHM-Coverband der Musiker von VIRON verpflichtet, um den Vätern dieser Welle Tribut zu zollen. Doch natürlich wäre das KIT nicht das KIT, wenn es sich damit begnügen würde, eine - wenn auch noch so gute - Coverband einfach nur grandiose Songs zocken zu lassen. Nein, da muss Verstärkung her, und zwar in Gestalt einer ganzen Armee von Gastmusikern, welche diesen Co-Headliner-Auftritt am Samstag Abend zu einem wahrlich denkwürdigen Anlass werden lassen.

Erstmal zocken die Musiker von ROXXCALIBUR mit ihrem Stammsänger Alexx Stahl ein sehr cooles Medley, das schon mal einen Vorgeschmack auf das gibt, was kommen soll, und dann geht er los, der große Reigen der legendären Recken der New Wave of British Heavy Metal. (R.S.) Und da hier bereits das Unbekannteste vom Unbekannten aus der Wundertüte gezogen wird, ist die Vorfreude auf das, was da noch kommen wird, umso größer. Wer kennt denn heute schon JJ POWERHOUSE, RADIUM oder die fantastischen ARC, deren 'War Of The Rings' zu ersten Freundentränen führt. (H.A.) Und ich dachte immer, ich würde mich damit ein wenig auskennen, aber ROXXCALIBUR belehren mich gründlich eines Besseren. Drei echte Perlen ganz unten aus der Trickkiste - ich muss unbedingt die Originale anchecken, dann das klang wirklich klasse! (F.J.)

Als erstes tritt ein blasser schwarzhaariger Mann in schwarzer Kluft auf die Bühne, mit eindringlicher Mimik und lasziver Gestik. Die Handschellen hat er heute ebenso gelassen, wie seinen Python. Ihr wisst, um wen es geht? Klar, Brian Ross ist dem KIT-Gänger längst kein Unbekannter mehr, und so nimmt es keinen Wunder, dass mit den ersten Klängen der Bandhymne von BLITZKRIEG enormer Beifall aufbrandet. (R.S.) Schön zu sehen, dass dieses Publikum nicht glaubt einen METALLICA-Song zu hören, sondern sehr wohl zu schätzen weiß, was hier geboten wird. (H.A.) Dennoch hat eben diese Coverversion, die im übrigen tatsächlich klasse ist, ihren Zweck erfüllt, denn ich habe BLITZKRIEG auch erst dadurch kennengelernt. (F.J.)

Dass der gute Brian natürlich nicht nur bei seiner eigenen Band BLITZKRIEG am Mikro stand, sondern unter anderem auch noch das absolut legendäre SATAN-Debütalbum einsang, das ist den meisten ebenfalls bekannt. Hier kommt jedoch nicht das stürmisch geforderte 'Blades Of Steel' oder das von den blinden Gardinen gecoverte 'Trial By Fire' zum Zuge, sondern das durchaus spannendere, weil viel seltener gespielte 'Break Free'. (R.S.) Eine phantastische Wahl, die obendrein belegt, wie gut ROXXCALIBUR eingespielt sind. Denn einfach zu spielen ist dieser Track nicht gerade. Wenn jetzt noch Ian Swift oder mein SATAN-Lieblingssänger Trevor Robinson aus der Mottenkiste steigen würden, könnte ich selig einschlummern. Okay, ich drehe in der allgemeinen Euphorie gerade etwas ab. (H.A.) Übrigens hat Brian auch noch für AVENGER eine Single eingesungen, aber das nur am Rande. Ich habe nämlich eine gaaaanz leise Hoffung auf 'Too Wild To Tame' gehegt. Aber man kann nicht alles haben ... (F.J.)

Vor Brian die Bühne verlässt kündigt er noch seinen "Neat Metal"-Labelboss Jess Cox an, der den KIT-Besuchern als Inhaber des Standes links der Bühne wohl bekannt ist, und früher einmal ein grandioses Debütalbum einsang, bevor die zugehörige Band und deren Management entschieden, dass Jess' Stimme nicht kommerziell genug sei, um den großen Durchbruch zu schaffen. Das Label behielt Recht, dass mit seinem Nachfolger John Deverill kommerziell noch mehr zu reißen war, doch viele alte Fans der TYGERS OF PAN-TANG lieben noch heute das Debütalbum "Wild Cat" am meisten. (R.S.) Dieses Album war damals der Grund für mich, endlich einen Plattenspieler zu kaufen, da ich bis dahin nur mit Musikkassetten herum hantiert hatte. Also: Augen zu und in Erinnerungen schwelgen. Erinnerungen an Haare auf dem Kopf. (H.A.)

Da ist es fast schon schade, dass dem guten Jess nur ein Song vergönnt ist. (R.S.) Leider, da ich wiederum Hoffnungen hege auf ein 'Suzie Smiled' oder sogar 'Slave To Freedom'. Egal, Jess Cox einmal zu sehen ist ein Traum, der in Erfüllung geht. (F.J.) Doch es warten ja noch andere Legenden ... und Underground-Heroen mit Perlen, die keiner kennt, die aber doch viel zu gut sind, um einfach vergessen zu werden. Eine davon ist das großartige 'Rainbow Warrior' von BLEAK HOUSE, das ROXXCALIBUR mit deren Originalsänger Graham Shaw unter die Menge bringen. Sicher werden danach nicht wenige gierig nach Tonträgern der Band suchen und ernüchtert feststellen, dass es nur zwei megarare Singles aus den Jahren 1981 und 1982 gibt. (R.S.) Hätte auch gern noch 'Insanity' vernommen, aber dieser obskure Titel schmeckt natürlich auch lecker. Die Menge, dei größtenteils das Original sicher nicht kennen wird, sieht da offensichtlich ähnlich und beginnt langsam ziemlich abzudrehen. Man merkt, es bahnt sich Großes an. (H.A.)

Der Obskuritäten nicht genug, kommt im Anschluss das nicht minder geniale und gleichfalls rare '7 Days Of Splendour' von JAMESON RAID zum Zug, und zwar mit dem sehr charismatischen und durchaus in die Jahre gekommenen Originalsänger Terry Dark dargeboten. (R.S.) Diese Nummer zählt für mich zu den zehn besten Songs aus dieser Phase. Und auch, wenn Terry Dark rein optisch etwas schräg daher kommt, ist er stimmlich voll auf der Höhe und verzaubert die Halle mit einer einzigartigen Darbietung. Wer hätte sich träumen lassen, diese Nummer noch einmal live genießen zu dürfen? Wenn man so etwas heute hört und sieht, fragt man sich ernsthaft, warum diese Bands oder zumindest dieser Sänger nicht ganz groß rausgekommen sind. Die Welt ist schlecht, aber nicht am heutigen Abend. (H.A.) Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, oder in diesem Fall, den richtigen Sound zu haben, ist das Geheimnis zwischen Erfolg und Untergang. Dieser Song ist wirklich ein Meisterwerk, das man kennen muss. (F.J.)

Ein gutes Stück mehr Mainstream und eine heftige Dosis Rock'n'Roll verpasst uns dann das mit Enid Williams dargebotene GIRLSCHOOL-Doppel aus 'Race With The Devil' und 'Emergency', das die Meute ordentlich zum Brodeln bringt. (R.S.) Erstaunlich, wie steil die Meute bei GIRLSCHOOL geht. Noch erstaunlicher, dass man die THE GUN-Coverversion 'Race With The Devil' einer weiteren Eigenkomposition vorzieht. Ist ja nicht so, dass GIRLSCHOOL nur zwei Hits gehabt hätten. Ich wollte doch nicht nörgeln. (H.A.) Ich muss zugeben, GIRLSCHOOL ist jetzt eher ein weniger
aufregender Teil des Abends, da sie regelmäßig spielen. Gut zwar, aber im Schein der Legenden, die vorher und nachher die Bühne betraten, dann doch irgendwie zu normal. (F.J.)

Danach kommt die Ansage, dass die meisten doch sicher gestern einen Song vermisst hätten, als CLOVEN HOOF gespielt haben, woraufhin deren Sänger Russ North und Basser Lee Payne die Bühne entern um vor allem den guten Russ in bester Sirenenmanier mit 'Gates Of Gehenna' glänzen zu lassen. (R.S.) Noch so ein Sänger, der nichts von seinen gesanglichen Qualitäten eingebüßt hat. Auch wenn die Band wahrscheinlich so okkult ist, wie ein Glas Milch, raubt diese Nummer mir noch immer den Verstand. (H.A.) Na endlich! Gestern hatte ich mich noch geärgert. Jetzt fehlt mir nur noch 'Cloven Hoof' zum Glück, aber so sehr verwöhnt werde ich heute dann doch nicht. (F.J.)

Doch das größte Highlight des Abends, und vielleicht des ganzen Festivals, steht genau jetzt an: Obersympathikus Dave Hill betritt die Bühne und hat sofort die ganze Halle im Griff und aus tausend Kehlen schallen die Refrains und auch große Teile der Strophen von 'Night Of The Demon' und 'Don't Break The Circle'. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie beliebt DEMON beim KIT-Publikum ist, und dass es wahrlich mehr als nur an der Zeit ist, dass diese Legende des britischen Melodic Rocks endlich nicht nur den Warm-up, sondern das richtige KIT spielen darf. Nächstes Jahr wird es soweit sein, und ich freu mich drauf, wie ein kleiner Schneekönig. (R.S.) Da werden mehrere Schneekönige anwesend sein. Es ist schier unglaublich, wie plötzlich selbst auf den Rängen alle aufstehen und mitsingen. Dieses Szenario dürfte selbst für KIT-Verhältnisse außergewöhnlich sein. Da wird im nächsten Jahr sicherlich ein ganz besonderes Event auf uns zukommen. Und das sage ich als WATCH TOWER, HADES und ANACRUSIS-Anbeter. (H.A.) DEMON durfte ich schon mehrfach live erleben, und es war jedesmal fantastisch. Daves Stimme ist eine der besten im ganzen Metal-Zirkus, und das beweist er heute wieder eindrucksvoll. Davor gab es nichts auszusetzen, und doch ist das hier ein Quantensprung von sehr gut zu herausragend. DEMON: Prädikat wertvoll! (F.J.)

Danach hat es selbst der von allen geliebte Harry 'The Tyrant' Conklin schwer, das Stimmungslevel am Brodeln zu halten. Das mag daran liegen, dass der hinzu gezogene Drummer Barry Thunderstick eine kleine Umbaupause für sein eigenwilliges Drum-Setup braucht, und auch daran, dass die durchaus tollen SAMSON-Highlights 'Bright Lights' und 'Too Close To Rock' eben nicht ganz so berühmt sind wie das DEMON-Schaffen. (R.S.) Eigentlich unberechtigt, wenn man sich die kompositorische Klasse der Bruce-Bruce-Nummern vor Ohren hält. Ich hätte mir zwar 'Earth Mother' gewünscht, aber das hier ist äußerst unterhaltsam und belegt, das Harry der besserer Maiden-Sänger ist. (H.A.) Da muss ich mal vehement widersprechen. Nicht bei dem Thema der sehr obskuren Songs, ich hätte mir eigentlich 'Tomorrow Or Yesterday' und 'Vice Versa' gewünscht, aber bei der Beurteilung des Tyrant. Ich bin begeisterter Fan, aber dennoch finde ich es heute etwas zu gleichförmig, da ist Briten-Bruce doch eine andere Baustelle. Das Drumming des Maskenträger dagegen war gut, allerdings hätte unter dem Glitzerding echt jeder stecken können, und das "ich übergieße einen Fan mit Wasser und die Crew wischt dann die Sauerei auf"-Spielerei hat mich auch nicht so mitgenommen. (F.J.) Gut, aber Thunderstick ohne Maske, wäre ja auch 'ne Farce, oder? (R.S.)

Einen großzügigen Line-up-Wechsel erleben wir im Anschluss, als mit Tom Angelripper und Bobby Schottkowski zwei alte Teutonen-Thrash-Recken die Bühne entern, um ihren Vorbildern TANK zu huldigen, die ihre Gitarrenfraktion aus Cliff Evans und Mike Tucker entsandt haben, um die Halle nochmal auf die rock'n'rollige Weise zum Brodeln zu bringen. Dass das mit 'This Means War' und dem bereits von SODOM gecoverten 'Don't Walk Away' kein Problem ist, liegt auf der Hand. (R.S.) TANK ohne Algy geht eigentlich mal gar nicht. Und was ich von Dougie White als Nachfolger halten soll, ist mir auch noch nicht ganz klar. Dass Onkel Tom hier allerdings einen sehr authentischen Auftritt hingelegt hat, der mich als ehemaliges Mitglied des Filth-Hounds-Of-Hades-Fan-Clubs mitreißen kann, dürfte für sich sprechen. (H.A.) Die Songauswahl ist hier aber auch großartig. Wenn man schon nur zwei Songs darbieten darf, dann kann man es wohl kaum besser machen als es TANK an diesem Abend tun. (F.J.)

Danach ist dann nochmal Tyrant-Time und Harry Conklin darf im Duett zusammen mit Alexx Stahl zeigen, dass auch der grimme Schnitter in der NWoBHM die Sense schwingen durfte. GRIM REAPERs 'See You In Hell' ist trotz des wenig einfallsreichen Textes aber auch ein echter Hit vor dem dunklen Herrn, wobei ich hier anmerken muss, dass des Herrn Stahls Stimme zu dem Song noch besser passt als die des Tyrannen. (R.S.) Eine Nummer, die ich immer schon eher mittelmäßig fand, wird vom Harry nochmal deutlich aufgewertet. Zu diesem Zeitpunkt scheint es aber eh' völlig egal zu sein, welche Schmachtfetzen die Jungs in die Menge feuern, denn die Halle steht völlig Kopf. Mister Steve Grimmett wird sich sicherlich eine zweite Öffnung in seinSitzteil perforieren, wenn er sieht, was er verpasst hat. (H.A.) Mag sein, aber ob mit einer oder zwei Öffnungen, Steve wäre mir lieber gewesen. Harry herrscht, aber hier noch weniger als bei den SAMSON-Klassikern. (F.J.)

Die große Stunde des Herren aus Colorado schlägt jedoch beim abschließenden IRON MAIDEN-Doppel aus '22 Acacia Avenue' und der endlos abgefeierten Bandhymne 'Iron Maiden', die eindrucksvoll beweisen, dass mein guter Kamerad Andreas nicht wirklich auf dem Holzweg war, als er mir gesagt hat, dass der Tyrant damals ein deutlich besserer Dickinson-Ersatz gewesen wäre als Blaze Bailey. Ich für meinen Teil war und bin jedoch noch immer froh, dass das nicht eingetreten ist. Denn dann wäre die essentielle JAG PANZER-Reunion wohl nie zu Stande gekommen. (R.S.) Auch wenn ich 'Running Free' aus voller Kehler mitgesungen habe, wirst du, werter Kollege wohl Recht haben. Immerhin hattest du ja nur einen (im) Tee. (H.A.) Nein, einen im Tee hatte ich nicht, nur einen selbigen zum Frühstück. Aber ich bin wohl ein wenig zerstreut, dieser Tage. Peinlich, peinlich. Aber jetzt wo du's sagst, meine ich auch, 'Running Free' mitgesungen zu haben. Dabei sollte wohl erwähnt werden, dass nicht nur wir im Publikum mit Harry Conklin mitgesungen haben, sondern auch noch alle anderen singenden Gastmusiker dieses denkwürdigen Specials. War schon ein toller Anblick, so viel NWoBHM-Geschichte vereint auf einer Bühne. (R.S.) Von mir aus hätten die noch stundenlang weitermachen können. Ich hätte noch Dutzende Gassenhauer spontan aufsagen können, die ich gerne gehört hätte. Meine Skepsis gegenüber einer "Cover"-Show hat sich früh gelegt, und jetzt bin ich sehr traurig, dass es bereits vorbei ist. Da bin ich nicht der Einzige, wie sich zeigt, denn die Halle wird tatsächlich vor dem Headliner leerer! (F.J.)

Setlist:
- Roxxcalibur Medley (feat. ROXXCALIBUR mit Alexx Stahl)
- BLITZKRIEG 'Blitzkrieg' (feat. Brian Ross)
- SATAN 'Break Free' (feat. Brian Ross)
- TYGERS OF PAN-TANG 'Wild Catz' (feat. Jess Cox)
- BLEAK HOUSE 'Rainbow Warrior' (feat. Graham Shaw)
- JAMESON RAID '7 Days Of Splendour' (feat. Terry Dark)
- GIRLSCHOOL 'Race With The devil' (feat. Enid Williams)
- GIRLSCHOOL 'Emergency' (feat. Enid Williams)
- CLOVEN HOOF 'Gates Of Gehenna' (feat. Russ North & Lee Payne)
- DEMON 'Night Of The Demon' (feat. Dave Hill)
- DEMON 'Don't Break The Circle' (feat. Dave Hill)
- SAMSON 'Bright Lights' (feat. Harry Conklin & ThunderStick)
- SAMSON 'Too Close To Rock' (feat. Harry Conklin & ThunderStick)
- TANK 'This Means War' (feat. Cliff Evans, Mike Tucker, Tom Angelripper & Bobby Schottkowski)
- TANK 'Don't Walk Away' (feat. Cliff Evans, Mike Tucker, Tom Angelripper & Bobby Schottkowski)
- GRIM REAPER 'See You In Hell' (feat. ROXXCALIBUR mit Alexx Stahl & Harry Conklin)
- IRON MAIDEN '22 Acacia Avenue' (feat. ROXXCALIBUR mit Harry Conklin)
- IRON MAIDEN 'Running Free' (feat. ROXXCALIBUR mit allen Sängern)

[Frank Jaeger / Holger Andrae / Rüdiger Stehle]



ARMORED SAINT

Für mich persönlich sind ARMORED SAINT der einzige wirkliche Grund gewesen, um nach Lauda-Königshofen zu fahren. Bei vielen Bands habe ich mich gefreut, sie mal live zu sehen, aber die gepanzerten Heiligen hatten schon immer eine besondere Stellung bei mir. Nicht zuletzt, weil sie anno 2000 in Wacken das wohl beste Konzert spielten, das ich je gesehen habe. Entsprechend aufgedreht bin ich, als Jeff Duncan, Phil Sandoval, Gonzo, Joey Vera und John Bush endlich die Bretter betreten, um mit 'Reign Of Fire' einen fulminanten Auftakt abzufeuern. Das mobilisiert auch bei den vielen müden Körpern um mich herum noch einmal letzte Kraftreserven. Die Zeichen für ein grandioses Finale stehen gut. Wirklich konsquent nutzt das Quintett diese Chance aber nicht. Klar, ganz subjektiv sind die folgenden 80 Minuten der beste Gig einer Band seit dem Auftritt der Jungs beim 2005er "Bang Your Head". John Bush singt wie ein junger Gott, die Band ist auf den Punkt eingespielt und die Tracklist ist fabelhaft. Und auch wenn ich über die komplette Dauer des Sets in totaler Ekstase bin, bange, hüpfe und singe, muss ich doch erstmals auch ein paar kritische Töne bei der besten Liveband des Planeten los werden:

13 Songs und ein unnötiges Drumsolo sind schlicht und ergreifend zu wenig als Headliner eines Festivals. Da das Ende offen war und es kein Curfew gab, dient der verlängerte NWoBHM-Gig hier auch nicht als Ausrede. Mit 'Tribal Dance', 'Long Before I Die', 'Raising Fear' oder 'Spineless' bleiben auch definitiv noch einige Hits im Köcher. Dass die Stimmung nicht den Siedepunkt erreicht, liegt allerdings viel mehr am Erschöpfungszustand des Publikums nach zwei harten Tagen in der Tauber-Franken-Halle und der unglaublichen Intensität des NWoBHM-Geburtstages, der die komplette Halle zum Toben brachte. Die meisten Fans sind so ausgepowert, dass sie nicht mal den wirklich - hüstel - lustigen Riesenschwanz-Auftritt einiger Musiker auf der Bühne mitbekommen. Bleibt festzuhalten, dass ARMORED SAINT für mich natürlich der Höhepunkt des Festivals sind, ihren Status als Headliner aber nur bedingt untermauern können. Schade. Da wäre noch mehr drin gewesen.

Setlist: Reign Of Fire, March Of The Saint, Pay Dirt, Creepy Feelings, Last Train Home, Book Of Blood, False Alarm, Aftermath, Drum Solo, Symbol Of Salvation, Nervous Man, Chemical Euphoria, Can U Deliver, Mad House
[Peter Kubaschk]


Wenn wir nun zum Fazit des zwölften KITs schreiten, dann muss ich sagen, dass mir noch heute, eine Woche nach dem Verklingen des letzten Tons der gepanzerten Heiligen das Staunen ins Gesicht geschrieben ist. Es ist dem KIT-Team mit einem rein nominell doch deutlich schwächer als etwa bei KIT X besetzten Billing gelungen, ein Festival der Extraklasse aufzuziehen, das kaum jemanden enttäuscht und dabei sogar noch die allermeisten Erwartungen übertroffen haben dürfte. Die unglaublich starken Auftritte von MILITIA, ZOUILLE & HANTSON, CLOVEN HOOF, PICTURE, RUTHLESS, RIGOR MORTIS oder ASKA haben sichtlich auch Leute begeistert, die vorher die Bands allenfalls vom Namen her gekannt haben, und das obwohl viele der Akteure seit Äonen nicht mehr zusammen aufgetreten sind. Genau das ist es, was das KIT so wertvoll macht: Völlig unabhängig von den großen Namen und den Headlinern bürgt in der Regel fast jede der antretenden Bands für Qualität und so ist es halt auch schon fast Standard, dass beim jeweiligen Headliner in der Halle weniger los ist als bei den beiden Bands zuvor. Nicht weil der Headliner schlecht wäre, sondern weil die Mehrzahl der Leute einfach redlich platt ist vom Erlebten. Dass es sowohl LIZZY BORDEN als auch ARMORED SAINT mit jeweils glänzenden Auftritten gelungen ist, die Meute nochmals wach zu rütteln und zum Mitmachen zu animieren, ist da keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern eine enorme Leistung, die beim KIT einen verdienten Headliner adelt!

In Sachen Rahmenbedingungen lag auch alles im grünen Bereich. Frühaufsteher erhielten kostenlose Shirts und CDs beim Kauf der Tickets fürs kommende KIT, die Essenspreise waren fair und auch das Problem der elend langen Schlangen an den Essens- und Getränkestände war heuer sehr ansprechend gelöst. Dass ein paar Unbelehrbare natürlich immer noch meinen, dass für sie ein Rauchverbot nicht gelte, soll nicht dem Veranstalter angelastet werden, denn der hat die Security mehrfach ausgesandt, fahrlässige oder vorsätzliche Übeltäter freundlich aber bestimmt auf das Verbot hinzuweisen. So war die Luft in der Halle zwar immer noch zum Schneiden, aber doch ein Stückchen besser als früher.

So bleibt uns Sechsen zu guter Letzt nur ein herzlicher Dank an Oliver Weinsheimer, Tarek Maghary und ihr Team, sowie das Versprechen (oder die Drohung?), dass wir im kommenden Jahr gerne wieder dabei sind, wenn das KIT XIII seine Pforten öffnet und uns Bands wie CANDLEMASS, FIFTH ANGEL, ANACRUSIS, HADES, WATCHTOWER, DEMON, SAVAGE GRACE, THOR, TYGERS OF PAN-TANG und viele mehr einheizen werden. Da das Billing fast zu schön ist, um wahr zu sein, haben wir uns auch allesamt schon wieder die Tickets gekauft, und genau das solltet ihr schleunigst auch tun, denn es wird nicht lange dauern, bis das 2010er-KIT ausverkauft ist.
[Rüdiger Stehle]


Fotos: Rüdiger Stehle

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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