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KEEP IT TRUE - Lauda-Königshofen

14.05.2016 | 09:07

29.04.1016, Tauber-Franken-Halle

Alle Jahre wieder ruft das KEEP IT TRUE, nun schon zum neunzehnten Mal.

Schönes Wetter trotz durchwachsener Vorhersage, so macht das KIT Spaß. Heute ist der große Tag, an dem alle Bands spielen, die unsere Redaktion in Vorfeld zu den Highlights gekürt hat. Da hatte man natürlich noch nicht mit dem großen Auftritt von THE RODS gerechnet und ROSS THE BOSS hatte auch niemand auf der Rechnung. Doch auch jetzt ist die Spannung groß. Also rein ins Getümmel.

[Frank Jaeger]

 

Es ist eine schöne Tradition, dass am KIT-Samstag völlig unbekannte Bands als Opener eine Chance bekommen. Also noch unbekannter als viele der anderen Bands, die so die vorderen Ränge des Billings bevölkern. In diesem Jahr wird diese Ehre METALIAN aus Kanada zuteil, ein gutes Omen, denn kanadischer Stahl ist selten nur mittelgut und warum sollte man nicht da weitermachen, wo RAZOR am Vorabend aufgehört hat? Nun, ganz so gradlinig und thrashig geht es heute morgen nicht zu, traditioneller Metal im Speedtempo steht stattdessen auf dem Speisezettel, mit hohem Gesang und permanenter Gitarrenaction.

Zu früher Stunde haben sich bereits einige Interessierte vor der Bühne versammelt und der METALIAN haut ihnen ohne viel Federlesen eine dicke Portion klassischen Stahl um die Ohren. Ansagen, die sich auf das Nötigste beschränken und stattdessen möglichst viele Songs, vorgetragen mit Elan, Spielfreude und instrumentaler Kompetenz, das ist das Rezept, mit dem man neue Fans gewinnt, und die Kanadier halten sich strikt daran. Die Sonne scheint durch die Dachfenster auf die Bühne, das erste kühle Bier schmeckt erstaunlich gut und man ertappt bereits den einen oder anderen Zuschauer beim Schütteln des Haupthaars oder Recken der Faust. Insofern kann von einer gelungenen Eröffnung des zweiten Festivaltages gesprochen werden und METALIAN dürfte den einen oder anderen neuen Fan gewonnen haben, mich eingeschlossen.

Setliste: Conquest, Metal Fire & Ice, Into the Unknown, The Traveller, Warrior, Evel Knievel, Bastards, Heat Ray

[Raphael Päbst]

 

Als zweite an diesem Tag dürfen die Griechen von DEXTER WARD die Bühne entern und ihren sehr amerikanischen Metal zelebrieren. Die Band, in der unter anderem die ehemaligen BATTLEROAR-Musiker Manolis Karazeris und Marco Concoreggi spielen, hat am Vortag ihr zweites Album "Rendezvous With Destiny" veröffentlicht und feiert diesen Anlass nun mit einer durchweg gelungenen Show. Gut eingespielt werden Songs vom Debüt "Neon Lights" und solche vom Zweitwerk munter durcheinandergewürfelt. Die Themen sind dabei klar: Metal, Amerika und Fantasy, in beliebiger Reihenfolge. Das Publikum ist bereits zahlreich anwesend und in den vorderen Reihen werden Songs wie 'Metal Rites' gebührend zelebriert. Sänger Marco hat keine Angst vor der großen Pose und auch der Rest der Band lebt auf der Bühne alle Metal-Tugenden voll aus. Es ist diese völlig unironische Begeisterung, die schnell überspringt und die auch Songs wie 'Stone Age Warrior' zu echten Hymnen über Freiheit macht. Auch wenn ich persönlich 'Return Of The Longships' vermisse, werde ich mit 'Ghost Rider' entschädigt und der neue Song 'These Metal Wings' entpuppt sich als echte Live-Granate. Zum Abschluss gibt es mit 'Back To Saigon' noch einen Song über die amerikanischen Soldaten, die im Vietnamkrieg als Kriegsgefangene zurückgelassen wurden, ein Thema, das Sänger Marco merklich am Herzen liegt. Da die Message jedoch in einen astreinen Metal-Hit verpackt ist, endet das Konzert wie es begonnen hat: Als Feier alles Metallischen, voller Pathos, Klischees und guter Laune. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Konzert von DEXTER WARD.

Setliste: Antarctic Dream, Rendezvous With Destiny, Ghost Rider, Stone Age Warrior, These Metal Wings, Metal Rites, Back To Saigon

[Raphael Päbst]

 

Es gibt ein Zitat von Terry Pratchett, das besagt, der Unterschied zwischen erotisch und pervers bestünde in der Verwendung einer Feder oder eines ganzen Huhns. Von der optischen Präsentation ist SAVAGE MASTER deutlich näher am Huhn als an der Feder. Frontfrau Stacey Savage betritt knapp bekleidet und flankiert von ihren teils bebrillten Untergebenen die Bühne und schon wird munter losgerumpelt. Viel wurde bereits über die Sangesqualitäten und das wenig ausgefeilte Zusammenspiel der Musiker gelästert und so bin ich durchaus gespannt, ob sich SAVAGE MASTER live vielleicht deutlich besser präsentieren kann als auf Platte. Doch die ersten Töne sorgen für Ernüchterung. Zwar sind die ganz extremen Aussetzer vom Debüt live ebenso verschwunden wie auf dem jüngst erschienenen zweiten Album, allein, das macht die Truppe noch lange nicht zu einer mitreißenden Band. Staceys Gesang ist eher bieder, die Posen mit Umhang und Peitsche passen da voll ins Bild und die Instrumentalfraktion rumpelt sich mehr schlecht als recht durch die Songs. Wäre dies ein Arbeitszeugnis, würde ich wohl das böse Wort "bemüht" in den Raum werfen, da wir es jedoch mit Unterhaltung zu tun haben, ist "langweilig" wohl die passendere Bezeichnung. Kein akustischer und optischer Unfall, aber eben auch keine Offenbarung.

Da es aufgrund des neuen Händlerzelts nicht mehr möglich ist, parallel zu einzukaufen und Bands zu hören, verlassen zahlreiche Besucher bereits nach wenigen Liedern die Halle, um bei sonnigem Wetter im Freien zu diskutieren, zu feiern oder eben einmal gemütlich über den Metalmarkt zu schlendern. Vielleicht funktioniert das Ganze ja im kleinen Club besser als auf der sonnigen KIT-Bühne, aber hier und heute ist SAVAGE MASTER klar zu hoch im Billing angesiedelt und wirkt nach zwei starken Openern etwas verloren.

[Raphael Päbst]


Nach der für meine Begriffe kurzweiligen und überraschend tighten Darbietung von Stacey Savage und ihrer Band wird es nun noch eine Spur obskurer. Bereits vor 13 Jahren sollte die aus Florida stammenden IRON CROSS auf dem ersten KEEP IT TRUE-Festival spielen, mussten jedoch kurzfristig absagen. Ein weiterer Anlauf wurde für das 17. KIT im Jahr 2014 unternommen. Auch daraus wurde leider nichts, da Gitarrist und Sänger Mike Skelton schwer erkrankt war und im Mai 2014 den Kampf gegen seine Krebserkrankung verlor. Doch Beharrlichkeit zahlt sich aus. Und so kann man heuer die Band aus dem tiefsten US-Metal-Underground endlich auf dem KIT erleben. Bleibt nur noch die Frage, was man von einer Band erwarten kann, die nur knapp zwei Dutzend Songs seit 1979 (!) aufgenommen und zudem offenbar nur wenige Liveauftritte in der letzten Dekade bestritten hat. Die optische Präsenz der vier älteren Herren jedenfalls könnte kaum heterogener sein. Während der in der Mitte stehende Bassist nur knapp seinen Mikrofonständer in puncto Körpergröße überragt, muss der schwergewichtige Gitarrist zu seiner Linken den Auftritt größtenteils auf einem Hocker sitzend bestreiten. Der zweite, rechts auf der Bühne stehende Gitarrist hingegen ist sehr groß und vor allem gertenschlank. Das eröffnende Stück 'Dark Dreams Of Evil' überrascht bereits dank der spielerisch guten Performance der Band. Spätestens mit dem schmissigen 'Mistress Of The Dark', das von den vorderen Reihen mit Leidenschaft mitgeshoutet wird, bricht das Eis. Auch wenn sich Drummer Tony Blair gelegentlich verfranst und die eine oder andere Extraschleife am Schlagzeug dreht, ehe er an die korrekte Passage anschließt, so agiert der Rest der Band durchaus punktgenau und mit Herzblut an den Saiten beziehungsweise an den Mikros. Auch wenn es den drei sich abwechselnden Hauptsängern an Gitarre, Bass und Schlagzeug nicht gelingt, den kehlig-rauen Gesang des verstorbenen Mike Skelton nachzuahmen, so klingt jeder der drei Protagonisten gesanglich überraschend stark und sogar ab und an charismatisch. Mit 'Killed By Death' covert IRON CROSS in Erinnerung an den verstorbenen Lemmy einen MOTÖRHEAD-Evergreen, der zwar mehr als passabel, aber im Endeffekt mit Blick auf die kurze Spielzeit durch einen Song der Band hätte ersetzt werden sollen. Im weiteren Verlauf des erwartungsgemäß sehr statischen Auftritts (keinerlei Bewegung auf der Bühne) sind es Stücke wie das langsam, aber massiv in Fahrt kommende 'Demons' oder das dreckige, sehr treibende 'Bloodlust', die die Stimmung in der Tauberfrankenhalle in die Höhe schnellen lassen. Überall weht das Haupthaar und es fliegen die Fäuste in die Höhe. Die Intensität, mit der IRON CROSS diese Bandklassiker umsetzt, ist nach meiner Wahrnehmung jedenfalls beachtlich. Mit 'Brotherhood Of The Cross' zockt die Band außerdem einen geradezu epischen Track neueren Datums mit sehr starken Gitarrenleads, der prima im Gedächtnis haften bleibt. Am Schluss dieses insgesamt sehr coolen Auftritts muss natürlich der immer wieder vom Publikum frenetisch eingeforderte Gassenhauer 'Die Like That' folgen, der lauthals vom Publikum begleitet wird und bei mir dafür sorgte, dass meine Stimme für den Rest des Tages einigermaßen ramponiert klingen sollte. Dieser intensive Kracher am Ende der Show war schlicht und ergreifend mächtig! Das Publikum sieht dies ähnlich und so werden die US-Metal Veteranen mit viel Applaus verabschiedet. Für mich persönlich war IRON CROSS ein kleineres Highlight des zweiten Festivaltages. Schön, dass wir diese Band erleben durften.

Setliste: Dark Dreams Of Evil, Mistress of the Dark, True Barbarians, Killed by Death (Motörhead cover), Demons, Bloodlust, Queen of Deception, IC Brotherhood, Die Like That

[Martin Loga]

 

Die Metal-Sirene Norman Kiersznowski – besser bekannt unter dem Namen SKI – freut sich wie Bolle, nach Auftritten mit seiner früheren Band DEADLY BLESSING im Jahr 2004 und den aufgelösten FAITH FACTOR im Jahr 2008 in der Posthalle Würzburg bereits zum dritten Mal auf dem KIT spielen zu dürfen. Und seine Freude und Dankbarkeit kommt von Herzen. Da die früheren Bandmitglieder von DEADLY BLESSING nach seiner Aussage offenbar keine Lust dazu hatten, nach Europa zu reisen, hat der Sänger kurzerhand neue Musiker um sich geschart, um unter dem Banner SKI ein weiteres Mal das Publikum des KIT in seinen Bann zu ziehen. Als Ski die Bühne betritt, zeigt sich, dass er eine geradezu musterhafte Personifizierung des Metal ist. Abgesehen von einer glänzenden PVC/Lack-Hose strotzt seiner Outfit nur so vor Nieten und Leder. Nach einem vergleichsweise langen, sehr theatralischen Intro mit weiblichem Gesang erreicht Ski bei 'Search And Destroy' mit Leichtigkeit die höchsten Töne mit einer Power, die ihresgleichen sucht. Die Gitarrenfront flankiert mit messerscharfem Riffing, während die Klamottentechnisch dick eingepackte Metal-Sirene derart ausdrucksstark screamt, dass sich mir vor Wohlgefallen eine Gänsehaut zeigt. Der dicke Applaus des Publikums nach diesem fulminanten Einstand ist jedenfalls hochverdient.

Mit dem schnellen 'Salem's Lot' folgt sogleich der nächsten DEADLY BLESSING-Klassiker, der einem Abriss gleichkommt. Ski kündigt in der Songpause an, dass er heute eine Art Strip hinlegen sollte und entledigt sich nach und nach in bester Zwiebel-Look Manier seiner Klamotten und Accessoires. Egal ob Sonnenbrille, Bandana, seine schwer nietenbepackte Lederjacke, seine Jeanskutte oder sogar seine Stiefel. Für seine Fans gibt die sehr sympathisch rüberkommende Frontsirene sprichwörtlich ihr letztes Hemd! Im Verlauf des sehr intensiven Auftritts ist es besonders das perfekt intonierte 'Deliver Us From Evil', das für magische Momente sorgt. Der Sänger genießt sichtlich die begeisterten Reaktionen des Publikums, während er bei Perlen wie 'Deadly Blessing' wiederum alles aus seinen bemerkenswerten Stimmbändern herausholt. Zwischendrin erfreut er die Anhängerschar mit eigens angefertigten T-Shirts sowie einigen CDs, die er ins Publikum pfeffert. Am Ende des furiosen Sets gibt es mit 'Unknown Soldier' der Band WITHOUT WARNING eine weitere Coverversion, bevor Ski beim LIZZY BORDEN-Cover 'American Metal' mit einem Stars & Stripes-Zylinder und entsprechendem Muskelshirt nochmals mit seiner Band aufdreht. Am Ende wirft er noch seine schweren Boots ins Publikum, sodass fast jeder in den vorderen Reihen das eine oder andere Souvenir des Sängers abgreifen konnte. In Gesamtschau bot SKI Metal-Entertainment der Extraklasse mit gutem, höchst intensiven Gesang. Muss man gesehen und gehört haben!

Setliste: Intro, Search and Destroy, Salem's Lot, Escape the Wrath, Silent Madness, Deliver Us From Evil, Deadly Blessing, Cry of Medusa, Holy Soldier, American Metal

[Martin Loga]

 

Auf die Norweger von ARTCH habe ich mich im Vorfeld des Festivals sehr gefreut. Die beiden Alben "Another Return" und "For The Sake Of Mankind" liefen wieder vermehrt und bieten starken Heavy Metal, der trotz der stimmlichen Nähe von Eric Hawk an Bruce Dickinson kaum Parallelen zu IRON MAIDEN aufweist. Doch wird schnell klar, dass es hier und heute wohl keinen Triumphzug geben wird. Die Stimmung ist zwar wohlwollend-freundlich, aber zu kaum einer Sekunde mal euphorisch. Das liegt sicher auch an der Setlist, die in meinen Ohren etwas ungeschickt gewählt ist. Los geht es mit Debüt-Nummer 'The Promised Land', die so verhalten aufgenommen wird, dass es scheint, als würde ein Großteil der Anwesenden den Song nicht kennen. Im weiteren Verlauf kommt mit 'Jezebel' noch ein "brandneuer" Song aus dem Jahr 2001. Hier schmunzeln zumindest die Bandkenner, die die Nummer auf dem Re-Release des Debüts aus dem selben Jahr kennen. Das sorgt aber auch immer wieder für merkliche Stimmungstiefs, die es mit ganz subjektiv besseren Songs wie 'Titanic' oder 'Power To The Man' so wohl nicht gegeben hätte. Doch auch die Performance selbst reißt die wenigsten Zuschauer wirklich vom Hocker. Ja, Eric Hawk singt toll, der Rest spielt einwandfrei, ist aber sonst doch sehr statisch, sodass hier nicht wirklich Energie freigesetzt wird. Merklich besser wird die Stimmung erst bei den beiden abschließenden Hits 'When Angels Cry' und 'Another Return To Church Hill', wo dann auch erstmals lautstark mitgesungen wird. Insgesamt ein solider bis guter Auftritt, dem aber ein wenig das Feuer fehlt. Ein Feuer, dass mit etwas mehr Enthusiasmus und einer smarteren Setlist aber durchaus hätte entzündet werden können.

Setliste: The Promised Land, Metal Life, Shoot to Kill, Loaded, Burn Down the Bridges, Where I Go, Jezebel, When Angels Cry, Another Return to Church Hill

[Peter Kubaschk]

 

KENN NARDIs superber Gig in Feldkirch war das musikalische Zünglein an der Waage bei meiner Entscheidung, spontan das Powermetal.de-Team beim KIT zu verstärken. Denn ich weiß nun, dass unser bärtige Redaktions-Liebling eine bärenstarke Band in der Hinterhand hat, die allen die Welt liebenden schreiend-flüsternden manischen Impressionisten eine wohlige Stunde des Leidens beschweren würde.

So konnte auch der notorisch schlechte Sound der Tauberfrankenhalle den ANACRUSIS-Maniacs die Freude nicht vermiesen. 'Release', 'Grateful' oder 'Something Real' sind Glanzlichter der Prog-Metal, die nicht zuletzt durch Kenns Gesang zu etwas Unverkennbarem werden. Klar, der Sänger benutzt jede Menge Technik, um seine Stimme so klingen zu lassen wie sie klingt, doch die Wechsel zwischen cleanem Gesang und atemberaubenden Screams begeistert mich einmal mehr völlig.

Bekanntlich hat Meister NARDI auch ein Solo-Album im Gepäck und gekonnt werden auserwählte Nummern dieses Mammut-Werks zwischen die ANACRUSIS-Hämmer gemischt. Die echten Drums und der organischere Live-Sound tut den Songs spürbar gut, ich merke aber auch hier, dass mich die alten Stücke im direkten Vergleich einfach mehr packen. Und spätestens mit dem ersten Refrain des NEW MODEL ARMY-Covers 'I Love The World' dreht sich die Welt um mich herum im Spiralflug gen Himmel. Und dieser entpuppt sich als ein Platz der besonderen Freundschaften. Denn für 'Sound The Alarm' wird tatsächlich MAYFAIR-Mario auf die Bühne gebeten, ein Experiment, das schon in Feldkirch glänzend funktioniert hat. Marios dem Wahnsinn nahe Stimme harmoniert perfekt mit Kenns Alarm-Sirene, und wenn ich nicht die ganze Zeit gebannt auf die Bühne schauen würde, wäre dies die perfekte Möglichkeit, sich in in Rage zu bangen. Da ist er also, der viel zitierte magische Moment, dem viele im Zusammenhang mit dem KIT immer beschwören. Allein dafür hat sich das Kommen also gelohnt.

Setliste: Straining The Frayed, Release, Dancing With The Past, Something Real, Fragile, Grateful, I Love the World, Sound the Alarm, Butcher's Block, Fighting Evil

[Thomas Becker]

 

Vor einigen Wochen war es mir ja schon vergönnt, Meister Nardi und seine sympathische Truppe in Feldkirch bei ihrem Triumphzug zu begleiten, so dass deren heutiger Auftritt für mich zwar ein tolles, aber nicht das spannendste Erlebnis des Tages war. Das steht vielmehr als nächstes an, wenn mit PRAYING MANTIS die Band erstmals die KIT-Bretter betritt, die seit jeher mein absoluter Liebling in Sachen Melodic Rock ist. Was ist daran so spannend? Nun, ganz einfach: Als ich die Band zuletzt vor drei Jahren beim "Headbangers" sah, war das noch heute aktuelle Line-up erst ein paar Tage alt und daher nicht ganz so eingespielt, wie das für diese Band an sich selbstverständlich ist; und außerdem repräsentiert die Band doch ganz klar das melodischste und sanfteste Ende des üblichen KIT-Spektrums, sodass ich wirklich neugierig darauf war, wie die Band angenommen werden würde.

Nun, um es vorweg zu nehmen: PRAYING MANTIS rockt die Hütte, und zwar vom Feinsten. Das Mitsingpotential ist nur bei wenigen Bands des Wochenendes höher, die Band ist perfekt eingespielt und die fünf Musiker können sich als Ausnahmekönner und tightes Melodiengeschwader präsentieren, wie man es eben erwarten darf. Sänger Jaycee und Drummer Hans - die niederländische Fraktion - ist vollends in der Band angekommen, die Gebrüder Troy und ihr langjähriger Mitstreiter Andy Burgess zaubern auf den Saiten einschmeichelnde Melodien im groben Dutzend, und die besondere Magie eines jeden MANTIS-Gigs lebt und atmet natürlich stets durch die wunderbaren Harmonien und Hooklines der mehrstimmigen Gesangsarrangements. Hier passt einfach alles, und wenn die Band sich zudem anschickt, speziell für das KEEP IT TRUE einen Old-School-Set mit Schwerpunkt auf dem 1981er-Album "Time Tells No Lies" zu spielen, dann steht einem Freudenfest der sanften Töne selbst auf einem hart gesottenen Event wie dem KIT nichts im Wege. Das glorreiche Debüt ist dementsprechend auch mit sechs Volltreffern in der Setlist vertreten, eingerahmt von den beiden Überhymnen der Band, namentlich dem Opener 'Captured City' vom legendären "Metal For Muthas"-Sampler und der Bandhymne von der Debüt-Single als 'Nausschmeißer. Dazwischen finden sich als Überraschung 'Time Slipping Away' vom 1991er-Comeback "Predator In Disguise" und der aktuelle Song 'Fight For Your Honour', und als verdiente Zugabe gibt es noch die Mitsinghymne 'Children Of The Earth', die nochmal von fast allen mitgesungen wird. Heute passt einfach alles, die Band wird gefeiert, das Festival wird kurzzeitig zum "Keep It Troy" und wir dürfen uns sicher sein, dass auch in Zukunft die melodische Seite in Königshofen nicht zu kurz kommt, denn mit Hitschmieden wie einst DEMON oder SARACEN und nun eben PRAYING MANTIS können die Veranstalter einfach gar nichts falsch machen.

Setliste: Captured City, Panic in the Streets, Cheated, Time Slipping Away, Lovers to the Grave, Fight For Your Honour, Running for Tomorrow, Flirting with Suicide, Turn the Tables, Praying Mantis, Children of the Earth

[Rüdiger Stehle]

 

Durch die voran gesehenen Auftritte von KENN NARDI und PRAYING MANTIS in allerbeste Laune versetzt, harre ich etwas nervös den Dingen, die da nun folgen sollen. HEIR APPARENT, deren "Graceful Inheritance" zu meinen Inselplatten zählt, wird mit neuem Sänger zum Tanz aufspielen. Mit leicht flauem Gefühl erinnere ich mich an den Auftritt auf dem Metal Assault Festival 2012, wo der Gig zum Desaster wurde. Die im Netz gefundenen Liveaufnahmen mit Neuzugang Will Shaw lassen allerdings auf eine deutliche Steigerung hoffen und da die restliche Besetzung mit Ausnahme von Keyboarder Op Sakiya auch schon vor 30 Jahren zum Line-Up gehörte, bin ich ziemlich optimistisch, einen guten Auftritt genießen zu dürfen.

Wie sehr ich mich täuschen sollte, macht bereits das eröffnende 'Dragon's Lair' klar: Dieser kleine Sänger mit der lustigen Gesichtsbehaarung hat die Stimme eines Riesen! Den zur Vorsicht mitgebrachte Entenparka stülpe ich schnurstracks über und ziehe ihn auch während der kompletten Show nicht wieder aus. Heureka! Das ist so verdammt großartig, da bewegen sich meine müden alten Knochen ganz automatisch. Das rattenscharfe 'The Servant' manifestiert den Ersteindruck und wenn ich in die Reihen um mich herum schaue, scheinen sehr Viele meine Begeisterung zu teilen. Von nun an springt die Band geschickt durch beide Alben und beim schnell folgenden 'Tear Down The Walls' steht die Halle gesangstechnisch komplett hinter dem Quintett aus Seattle. Andere Truppen würden so einen offensichtlichen Megahit ans Ende setzen, aber Gitarrist Terry Gorle und seine Mannen sind selbstbewusst genug, dies eben anders zu gestalten.

Beim hymnischen Refrain von 'We, The People' sind erneut ein paar hundert Kehlen als Background zu vernehmen und das instrumentale 'RIP' zeigt im Besonderen die wundervollen Fähigkeiten von Bass Masseur Derek Peace. Der gute Mann zählt nicht umsonst zu meinen Lieblingstieftonakrobaten. Er spielt mit so viel Spaß in Backen und Fingern, dass es eine wahre Wonne ist, ihm zu zusehen. Das harte 'Cacophony Of Anger' ist eine klug gewählte Überleitung zum besinnlichen Titelsong des zweiten Albums. Hier verzaubert Sänger Will mich wieder komplett mit balsamartigen Gesangseinlagen. So geht Gefühl! Mit der melodischen Zauberstunde 'Decorated' und dem fast rabiaten 'The Fifth Season' wird die grandiose Abschlussfahrt eingeläutet. Beim Jahrhundertsong 'Keeper Of The Reign' scheint jeder Anwesende textfest zu sein und der Rausschmeißer 'Another Candle' wird zu einem Höhepunkt des gesamten Festivals! Kaum ist die Band von der Bühne verschwunden, beginnen überall die begeisterten Diskussionen über DIESEN Sänger. Die Messlatte für ein weiteres Album ist nun sehr hoch gesetzt, Mister Gorle. One beard to rule them all!

Setliste: Dragon's Lair, The Servant, Crossing the Border, Hands of Destiny, Tear Down the Walls, Running From the Thunder, A.N.D.... Dogro Lived On, We the People, The Cloak, Masters of Invasion, R.I.P., One Small Voice, Decorated, The Fifth Season, Keeper of the Reign, Another Candle

[Holger Andrae]

 

Spannung liegt in der Luft. Bereits das ganze Wochenende über wird sich auf die Rückkehr von John Arch und Jim Matheos gefreut, die dieses Mal - anders als vor vier Jahren - nicht nur unter dem Namen FATES WARNING firmieren, sondern auch gleich das restliche Line-up des Klassikers "Awaken The Guardian" mitgebracht haben und ihn in voller Schönheit präsentieren wollen, garniert mit ein paar Klassikern von "Night On Bröcken" und "The Spectre Within". Ein Abend voller Magie wird also erwartet. Die Umbaupause macht dabei bereits deutlich, dass John Arch sich mittlerweile deutlich wohler auf der Bühne zu fühlen scheint. Wo beim letzten Auftritt die Bühne noch abgehangen wurde und weder Fotos noch Videos gemacht werden durften, sind heuer jegliche zusätzlichen "Wohlfühlfaktoren" überflüssig.

Als um 23.00 Uhr dann endlich die Hallenlichter ausgehen, brandet Jubel auf, die ersten Klänge von 'The Sorceress' erklingen und der ein oder andere Hörer verlässt seinen Körper, um zu schweben. Allerdings ist hier der Sound noch etwas dürftig. Johns Gesang ist etwas weit in den Hintergrund gemischt und wirkt auch noch nicht absolut souverän. Das legt sich aber bei 'Valley Of The Dolls' und 'Fata Morgana', die die Stimmung dann doch schon in Richtung Siedepunkt schieben. Dieser wird erstmals mit 'Guardian' erreicht, auch wenn die Mitsinglautstärke im Vergleich zu ROSS THE MANOWAR BOSS keine Chance hat. Dennoch, hier ist sie: die Magie, die Gänsehaut. Dass John Arch immer noch etwas ungelenk auf der Bühne wirkt, geschenkt! Zudem man ja auch den Herren Matheos und Aresti bei der Saitenbearbeitung zuschauen kann. Ein Traum. Wie auch auf dem Album sind 'Prelude To Ruin' und 'Giant's Lore' zwar herausragende Songs, können aber nicht ganz die Spannung oben halten. Das gelingt erst 'Exodus' wieder, dann aber spielend. Wenn die 'mystic journey to Arcana' angetreten wird, ist die komplette Halle mit dabei. Wenn hier von kompletter Halle geschrieben wird, muss vielleicht noch erwähnt werden, dass sämtliche im Vorfeld geäußerten Bedenken, dass diese bei FATES WARNING aus allen Nähten platzen könnte, völlig unbegründend waren. Im Gegenteil, es ist zwar sehr voll, aber doch kommt noch ohne großes Drängeln in die vorderen Reihen und hinten hat man auch ausreichend Platz. Dennoch erweist sich hier die Entscheidung, die Metalbörse aus der Halle zu verlegen, als kluger Schachzug.

Nach 'Exodus' verschwindet das Quintett erst einmal von der Bühne, um nach kurzer Pause mit 'The Apparition' zurückzukehren. Nochmal Siedepunkt, klar. Und es reift auch die Erkenntnis, dass es für den Spannungsbogen der Show vielleicht klüger gewesen wäre, "Awaken The Guardian" nicht zu Beginn und am Stück zu spielen, sondern zwischendrin ein paar Abwechslungen einzubauen, um so die Spannung noch etwas höher zu halten. Anyway, weiter geht's mit 'Damnation', wo sich John Arch zu Beginn von seiner Sahneseite zeigt. Der akustisch-zarte Teil zu Beginn ist einfach fantastisch. Das folgende 'Night On Bröcken' hatte ich jetzt nicht zwingend auf dem Zettel, funktioniert aber erstklassig. Der Schlusspunkt ist aber dem epischen 'Epitaph' vorbehalten und während der Song läuft, wünsche ich mir, FATES WARNING eines Tages auch mal mit "The Spectre Within" in voller Pracht sehen zu dürfen. Denn als nach diesem epochalen Finale die Lichter wieder angehen, fehlen eben doch noch 'Without A Trace', 'Orphan Gypsy' oder 'Pirates Of The Underground' und andere Schmuckstücke. Dennoch ist FATES WARNING natürlich ein mehr als würdiger Headliner, auch wenn die müden Knochen irgendwann fast gestreikt hätten.

Setliste: The Sorceress, Valley of the Dolls, Fata Morgana, Guardian, Prelude to Ruin, Giant's Lore (Heart of Winter), Time Long Past, Exodus, The Apparition, Damnation, Night on Bröcken, Epitaph

[Peter Kubaschk]

 

Zu Ende. Mal wieder. Leider. Leute, die zwei Tage Lauda-Königshofen schlauchen auch immer ganz schön. Aber der Samstag war ein absoluter Volltreffer, spätestens ab KENN NARDI gab es kein Halten mehr. Sonst war eigentlich alles wie immer, und das heißt toll. Gute Musik, viel Palaver, das Wetter hat mitgespielt, das Essen war gut, nur mit dem ausgeschenkten Bier kann ich mich nicht so anfreunden, aber ich muss ja eh noch fahren, also gibt es ein Radler. Passt. Für nächstes Jahr ist ein "Big Epic Headliner" angekündigt, und natürlich erwarten wir alle eine ganz bestimmte Band. Nein, es ist nicht MANOWAR gemeint.

Auch ansonsten wird es uns alle wieder Ende April nach Königshofen verschlagen zur 20. Auflage des KEEP IT TRUE. Tickets gibt es nach dem Festival über eine Verlosaktion bei Nuclear Blast, die mittlerweile auch bereits vorrüber ist. Das sorgt natürlich für ein wenig Murren, aber selbst nach einigem Nachdenken fällt mir kein System ein, mit dem der Veranstalter die Karten besser rationieren könnte. Auf dem Festival selbst konnte jeder maximal zwei Karten kaufen, aber die waren natürlich am Freitag Nachmittag ausverkauft. Doch die Erfahrung aus diesem Jahr zeigt, dass es kurz vor dem Festival immer noch Angebote gibt, daher sollte, wer jetzt leer ausgeht, im nächsten März und April die Augen aufhalten.

Man sieht sich beim KIT 2017!

[Frank Jaeger]

Redakteur:
Frank Jaeger

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