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Hammer Of Doom 8 - Würzburg

29.12.2013 | 13:14

16.11.2013, Posthalle

Auch dieses Jahr wurde wieder zu einer Messe der Langsamkeit in der Würzburger Posthalle geladen. Angesichts der wunderbaren Bandauswahl konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen!

Der zweite Tag wird von der mir bis dato nur namentlich g

eläufigen WHEEL aus Dortmund eröffnet. Die Band, die bislang zwei in der Doomszene gut aufgenomme Longplayer im Gepäck hat, eröffnet ihren Gig mit dem langen vom aktuellen "Icarus"-Album stammenden 'Ethereal Sleep'. Sofort fällt der weinerlich klagende Gesang von Frontmann Arkadius positiv ins Ohr. Diese Stimme hätte ich dem Mann mit der Optik eines Hardcore-Fronters nicht zugetraut. Ich hatte auf bellende Lautgabe der Marke PRO PAIN getippt und hatte so zu Beginn des Auftrittes etwas Angst, dass mir das nicht gefallen würde. Mit den ersten Versen ist dieses Gefühl aber einer interessierten Aufmerksamkeit gewichen, denn das Quartett weiß zu gefallen. Im weiteren Verlauf des Gigs wechseln sich die Songs beider Alben ab. Hierbei zeigt die Band innerhalb des eng gesteckten Musikspektrums immer wieder neue Facetten, die mein Spannungsbarometer permanent hoch halten. Die immer wieder eingestreuten akustischen Passagen, in denen herrlich gelitten wird, gehen dabei genau so ans Herz wie die kraftvoll-epischen Riffkanonaden, die manchmal von arg harschem Gesang untermalt werden. Also doch. Stört mich im Gesamtkontext aber überhaupt nicht. 'Lilith' vom Debütalbum scheint ein mir bislang entgangener Szene-Hit zu sein, denn die ersten und fünften Reihen gehen bei dieser Nummer ziemlich steil. Die drei Reihen dazwischen übrigens auch. Das man offensichtlich mit okkulter Thematik hantiert, wird dann vom abschließenden ROKY ERICKSON-Cover 'Night Of The Vampire' unterstrichen. Insgesamt ein feiner Auftritt, der die Anwesenden gut in die richtige Stimmung für further doomy things to come bringen konnte. Daumen hoch. Oder ist das jetzt zu euphorisch für diese Musik?
Setliste: Ethereal Sleep, To My Love Departed, Icarus, Mills Of God, A Daughter's Song, Lilith, Frozen Sun, Night of the Vampire (Roky Erickson cover)
[Holger Andrae]

Mit den Schweden BELOW betritt die große Unbekannte des Festivals die bereits vorgewärmte Bühne. Obwohl die blutjunge Band der breiten Öffentlichkeit im Vorfeld einzig zwei Demosongs feilbot und dennoch auf Platz zwei des Billings rutschte, sind die Erwartungen von vornherein eher hoch. Doch die Bauchentscheidung der Veranstalter erweits sich auch hier wie immer als goldrichtig, denn im Gegensatz zu den eher trocken doomenden WHEEL bieten BELOW die volle Breitseite an epischem Doom und orientieren sich dabei bereitwillig an ihren Landsmännern von CANDLEMASS oder besonders SORCERER. Besonders Sänger Zeb gibt sich alle Mühe, das Publikum zu begeistern und post und saust wie wild auf und über die Bühne, während seine Mitstreiter sich mächtig walzende Riffs und wunderbare Gitarrenharmonien aus dem Ärmel schütteln und nebenbei ihren Frontturner auch noch mit mehrstimmigen Gesangsparts unterstützen. Der größte Teil des bereits zahlreich erschienenen Publikums ist Dank der sympathischen Darbietung auch sofort um den Finger gewickelt, so dass es für BELOW nicht nur bei Verlegenheitsapplaus bleibt. Dennoch gibt es durchaus auch einige kritische Stimmen, die der Band zu wenige Ecken, Kanten und noch weniger Eigenständigkeit attestieren. Spätestens beim abschließenden 'Headless Cross'-Cover jedenfalls ist die Kritik absolut nachvollziehbar, liegt der Gesang doch nicht nur einmal neben der Spur. Dennoch eine saubere Vorstellung eines hoffnungsvollen Newcomers, den man im Auge behalten sollte!
Setliste: Trapped Under Ground; Mare of the Night; Ghost of a Shepherd; Portal; The Whitechapel Murderer; Headless Cross
[Simon Volz]

Im Anschluss an BELOW werden die Gehörgänge von AGE OF TAURUS erstmal wieder ordentlich von Kitsch, Bombast und übertriebenem Gehampel freigepustet, denn die vier Kerle von den Britischen Inseln wuchten ihre Musik ebenso kolossal auf die Bühne wie ihre Körper. Oder um es mit den Worten meines Nebenmannes zu sagen: "AGE OF TAURUS sind bierbäuchig, bärtig und bullenstark." Die schneidenden Riffs werden brachial und mit unbarmherziger Vehemenz ins Publikum geschleudert, als gelte es, nicht nur die beiden vorherigen Absagen der Band auf dem Festival an dieser Gelegenheit gut zu machen, sondern auch ein Manifest an echtem, handgemachten faustreckenden Doom zu hinterlassen, wie man es seit dem Auftritt der musikalisch nicht unähnlichen GATES OF SLUMBER nicht mehr gesehen hat. Die Band zeigt sich dabei in den Pausen durchaus zu Späßchen aufgelegt und Frontmann Tobi plaudert auch gerne noch etwas mit dem Publikum, was an diesem Wochenende echten Seltenheitswert hat. Dass sich neben flotteren Live-Granaten wie 'A Rush Of Power' oder 'Always In The Eye' mit 'Unborn Destroyer' zumindest ein Song des formidablem Demos in die Setliste schleicht wird ebenso frenetisch von der kopfschüttelnden Menge begrüßt wie das ergreifend epische 'Walk With Me My Queen' und treibt schon zu Beginn die Fäuste und Schweißpegel gut in die Höhe. Dass man ausnahmslos alle Songs in der Euphorie auch noch zu schnell anstimmt, läßt die Angelegenheit spätestens da zur Tour de Force werden und so kann als einziger Schwachpunkt angemerkt werden, dass AGE OF TAURUS beim Abgang noch Zeit für einen weiteren Song geblieben wäre - aber auch so eines der klaren Highlights Festivals!
Setliste: A Rush Of Power; Unborn Destroyer; Always In The Eye; Walk With Me My Queen; Desperate Souls Of Tortured Times; Sinking City; The Bull And The Bear; Barren
[Simon Volz]

An einem Tag, der nicht gerade von hyperaktiven Sängern geprägt ist, sticht ALTAR OF OBLIVION Frontmann Mik Mentor durch seine, förmlich überbordende Energie heraus. Doch der gute Mann hat sich leider epischen Doom Metal als Genre erwählt und steht nun vor der schwierigen Aufgabe, seinen Drang, sich auf der Bühne auszutoben, mit der eher getragenen Musik in Einklang zu bringen. Die Lösung ist der altbekannte Doom-Dance, wie ihn auch Großmeister Messiah Marcolin zelebrierte. Abgesehen davon ist der junge Mann aber trefflich bei Stimme und nach einigen Abstimmungsproblemen im ersten Stück folgen ihm auch seine Bandkollegen auf eine muntere Reise durch den skandinavischen Epic Doom, dessen Highlight 'Graveyard Of Broken Dreams' direkt als zweites Stück präsentiert wird. Wie fast alle Bands am Samstag sind auch die Dänen mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, was dem Bewegungsdrang von Mentor zugute kommt und das Publikum in den vorderen Reihen zum forschen Faust- und Kopfschütteln animiert. Kristallklarer Gesang, zweistimmige Gitarren, klassischer Metal im Songwriting, so kennt und mag man den schwedischen und jetzt auch dänischen Doom. Hier sind ALTAR OF OBLIVION momentan eine feste Größe, die den Erwartungen, die die bisherigen Veröffentlichungen geschürt haben, auch live voll und ganz gerecht wird. Daher kann das Fazit nach viel zu kurzen 40 Minuten auch nur positiv ausfallen und einer baldigen Rückkehr der Band auf deutsche Bühnen blicke ich mit ähnlich großer Vorfreude entgegen wie einer angekündigten neuen Single.
Setliste: My Pinnacle Of Power; Graveyard Of Broken Dreams; Salvation; Wrapped In Ruins; Narrow Gates Of Emptiness; The Final Pledge
[Raphael Päbst]

BEELZEFUZZ aus Maryland zeigt dem Publikum als nächstes, was der Ausdruck "Multi-Instrumentalist" bedeutet. Frontmann Dana Ortt spielt nämlich nicht nur Gitarre und singt, sondern übernimmt mit einem zweiten Verstärker und Synthesizer mit seiner Gitarre auch noch die Orgelparts im Bandsound. Dass er auch noch mehr zu bieten hat, werden die staunenden Fans am Ende des Sets erleben. Doch bis dahin stellt die Band mit ihrem eigenständigen Sound zwischen Doom und Classic Rock mit komplexen Songstrukturen einen nicht ganz geringen Teil des Publikums vor gewisse Probleme. Dass man sich im Bereich Zuschauer-Interaktion vornehm zurückhält, passt zwar wunderbar ins Gesamtbild des Samstags, bringt die Leute vor der Bühne aber auch nicht zum Ausrasten. Und so steht einer kleinen Gruppe Begeisterter eine große Zahl ungläubig bis konsterniert Dreinblickender gegenüber. Letztere dürften in ihrer Verstörung noch durch die progressive Mimik von Mr. Ortt bestätigt worden sein, bekommen aber auf musikalischer Seite keinerlei Gründe zur Beschwerde. Das Trio spielt sich nämlich äußerst taktsicher durch den größten Teil des fantastischen Debüts, der Sound ist klar und warm und der Gesang genauso exaltiert und faszinierend wie auf Konserve. Ob beim treibenden 'Reborn', dem ausladenden 'Lonely Creatures' oder dem verspielten 'Lotus Jam', BEELZEFUZZ brillieren in jeder Lage und ich schwebe in musikalischer Hinsicht in erhabenen Sphären. Und dann kommen wir zum Finale, das bereits eine gute Viertelstunde zu früh eingeläutet wird. Da bereits alle vorhergehenden Kapellen völlig undoomig zu schnell unterwegs waren, durfte BEELZEFUZZ schon zehn Minuten zu früh auf die Bühne und sammelte ebenfalls Zeit dank hoher Geschwindigkeit. Und diese Zeit nutzte man zunächst für ein Cover des göttlichen 'Ride The Sky' der deutschen Kultband LUCIFER'S FRIEND, bei der der talentierte Mr. Ortt seinem Repertoire die gesungene Trompetenfanfare hinzufügt, die Kennern des Originals Lach- und Freudentränen in die Augen treibt. Nach einem umjubelten Abgang und Rückkehr in Folge der vielen übrigen Zeit wird dann noch ein weiteres Cover nachgeschoben. PENTAGRAMs 'The Ghoul' wird höchst eigenwillig geBEELZEFUZZt und sorgt ein letztes Mal für offene Münder. Und mit diesem Höhepunkt geht einer der besten Auftritte des Samstags zu Ende.
Setliste: Reborn; Lotus Jam; Hypnotize; All The Feeling Returns; Lonely Creatures; Ride The Sky (Lucifer's Friend-Cover); The Ghoul (Pentagram Cover)
[Raphael Päbst]

Einer der Gründe für mein Erscheinen beim HoD-Festival ist YEAR OF THE GOAT. "Angel's Necropolis" stellt für mich gleichzeitig eines der besten Alben und einen der besten Songs des letzten Jahres. Schon vor dem Konzert ist die Bühne ziemlich voll und als es mit den ersten Takten von 'Angel's Necropolis' los geht, zählen wir sechs Musiker plus zwei in dunkle Roben gekleidete Gestalten auf der Bühne. Im Zentrum steht Sänger und Gitarrist Thomas Sabbathi, den einige meiner Kollegen auch von der Doomband GRIFTAGÅRD her kennen. Dieser korpulente Mann hat eine sehr charismatische Stimme, die YEAR OF THE GOAT zu etwas Besonderem macht, und diese Stimme will live erstmal gefunden werden. Denn es entpuppt sich für den Mischer anfangs als nicht so einfach, drei Gitarren, eine Mellotron und mehrere Singstimmen (ob die beiden Mönche an der rechten Bühnenende nur albern rumstehen oder auch mitgesingen, erschließt sich mir nicht) in harmonischen Einklang zu bringen und Herr Sabbathi (Künstlername oder schon als Doomer geboren?) kämpft hin und wieder mit dem berühmten Halbton unter Freunden, kann aber durch seine kräftige Stimme dennoch beeindrucken. Mir sind Soundprobleme erstmal recht egal, ich gehe an die vorderste Front, um zu Supersongs wie 'Voice Of A Dragon' heftigst abzurocken oder nerve meine Kollgen mit zappeligem Rumgehupse, Luftgitarrengespiele und Angesinge (Danke, Holger und Raphael, für den tollen Chor bei 'Circle Of Serpents'!). Die große Stärke von YEAR OF THE GOAT auf Konserve ist es, pfiffiges Songwriting mit eingängigen Hooks zu versehen, und vor allem bei den Longtracks auch für bewegende Gänsehautmomente zu sorgen. Das gelingt auch live sehr gut! Die mehrstimmigen Passagen sitzen und einige Breaks lassen sogar das Proggerherz beim Doomfestival höher schlagen. Beim Abschlußtrack 'Thin Lines Of Broken Hopes' kommt dann endlich auch die volle Klanggewalt einer achtköpfigen Musikercombo zum Tragen. Mächtig!
[Thomas Becker]

PROCESSION, das Quartett aus Chile, entert für mich genau zum richtigen Zeitpunkt die Bühne, denn ihr kraftvoller Epik-Doom versprüht exakt die mitreißende Energie, die ich jetzt benötige, um die letzten Kraftreserven in meinen müden Knochen zu aktivieren. Wobei die geographische Verortung heuer gar nicht so wirklich stimmt, denn neben Fronter Felipe, der für seinen verhinderten Kumpel Claudio dieses Mal den Bass übernimmt, stehen mit dem Griechen Anastasis Valtsanis und dem Dänen Jonas Pedersen zwei Europäer auf den Brettern, die den Doom bedeuten. Auch wenn Jonas bereits auf den letzten Studiowerken der Band zu hören ist, könnte man so langsam eher den Eindruck eines Projektes denn einer Band bekommen. Wenn jedes Projekt so agil und energisch zu Werke gehen würde, wie es das Quartett vormacht, wäre gar kein Grund für irgendwelche Beschwerden gegeben. Wo andere Musikanten dieses Wochenendes eher gemächlich in sich gekehrt mit dem Fuß wippen, schwingen die Herrschaften von PROCESSION ihre Matten, rennen auf der Bühne herum wie hungrige Wölfe und interagieren durch großartige Posen und coole Ansagen mit dem Publikum. Ich schwinge auf jeden Fall die Luftgitarre und recke mehrfach meine Faust gen Hallendecke, während ich das Gefühl bekomme, gerade einen Liter guten schwarzen Kaffee zu trinken. Musik kann so anregend sein. Die gelungene Reise durch den kompletten Backkatalog wird von der Menge jubelnd aufgenommen, wie man unschwer sehen und hören kann. Nicht wenige Kehlen singen den Titelsong des aktuellen Albums 'To Reap Heavens Apart' mit, während bei dem Jetzt-Schon-Klassiker 'Chants Of The Nameless' um mich herum sogar vermeintlich Statuen zum Leben erwachen und ekstatisch mit dem Kopf wackeln. Alles in allem eine sehr gelungene Tanzvorstellung, die gern wiederholt werden darf.
[Holger Andrae]

JEX THOTH ist für mich DIE Entdeckung des Jahres. Mit dem beeindruckenden Album "Blood Moon Rise" im Gepäck, das uralten Doom-Rock mit Psychedelic- und Art-Rock paart, war das dazugehörige Konzert ein sehr eindrückliches Erlebnis. Ja, ich habe mich dort vielleicht ein wenig in die geheimnisvolle Frontfrau Jex verliebt, die mit ihrer phänomenalen Stimme so ziemlich alles an Glückshormonen freizusetzen vermag, die man mit Musik stimulieren kann. Wer jetzt Anstößiges denkt: Dem ist nicht so! Dennoch bin ich so gespannt wie ein Regenschirm im Orkanwind auf das Konzert und das Wiedersehen mit Fräulein Toth. Ich bin jedoch zu Beginn des Konzertes ein wenig verwundert: Die Menschen da auf der Bühne waren bei den Konzerten Ende Mai noch ganz andere. Und in der Tat wurde bis auf den Drummer die komplette Mannschaft ausgetauscht. Die wichtige Postition an der Gitarre ist an einen Herren Namens Jason Hartmann vergeben, der im Siebzigerjahre-Vintage-Look schonmal ganz anders wirkt als die beiden Klampfer vor einem halben Jahr in ihren schwarzen Metal-Shirts (VOIVOD, yeah!). Und hat sich Jex den Darius Keeler von ARCHIVE als Organisten geangelt? Nö, isser nicht, aber er erinnert in seiner wippenenden, in die Musik versunkenen Art ein wenig an den britischen Künstler. Die ersten Töne von 'To Bury' und 'The Places You Walk' wirken dann auch erstmal sehr komisch, etwas unkoordiniert gar, und die zweite Gitarre fehlt. Es ist jetzt nicht so, dass im Sound eine Lücke wäre, doch wer die CD so oft gehört hat, vermisst eben jedes kleine Detail. Doch das alles sind Kleinigkeiten, die nicht mehr jucken, wenn man sich auf die Königin auf der Bühne konzentriert! Ganz langsam schleicht sie über die Bühne und wirkt wie eine Göttin, die gerade den Höllenschlünden Satans entstiegen ist (Das ist jetzt das erste Mal, dass ich den Begriff Hölle mit Langeweile, gesundem Schlaf und Räucherstäbchen verbinde. Ich finde die Else nur nervig mit diesem Stinkestück und mitreißend ist da so richtig gar nichts. Wie auch das aktuelle Album. Aber Tommy ist tatsächlich nicht der einzige, der das toll findet, obwohl es bei weitem nicht so viele mitgehende Reihen sind, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Oder: wie es möglicherweise vor dem aktuellen Album noch gewesen wären? FJ). Sie blickt selten ins Publikum und scheint komplett in ihre Musik versunken zu sein. Und auch mich reisst es immer mehr in den Sound hinein. Die Band spielt ganz anders als im Mai, alles wirkt noch langsamer und intensiver. Jex feiert eine dunkle Messe, aber sie will nicht angebetet werden. Sie betet. Es scheint so, als stünde sie mit irgendetwas ganz Befremdlichen aus der anderen Dimension in Verbindung, möglicherweise ist sie auch auf einem Drogentrip, ich vermute jedoch, sie ist "nur" eine ganz hervorragende Schauspielerin. Niemand, der im Rausch von verbotenen Substanzen wäre, könnte ein solch hinreissende wie perfekte Gesangsperformance hinlegen. Ich finde kaum Worte dafür, wie diese Stimme wirkt und welche schaurig-prickelenden Momente den Körper heimsuchen, wenn sie voll aus sich herausgeht. Es ist Musik wie eine Sucht. JEX TOTH scheint auch auf der Bühne zu improvisieren. Das an sich schon sehr langsame 'The Divide' wird zu einem Ritual ausgeweitet, Hartmann holt aus seinen Orange-Amps die abartigesten Klangorgien heraus und der gesamte Song scheint in einer avantgardistischen Lärmorgie im Stile von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR zu kollabieren, bis Jex die Band wie auf einen stummen Befehl wieder in die Spur bringt. Das schiere Gegenteil ist das zerbrechliche 'Into A Sleep', bei die Stimme der bildhübschen Jex an Petronella Nettermalm von PAATOS erinnert. Ihr seht schon, Bandvergleiche fallen hier, die den Fan des klassischen Doom Metal wohl erschauern lassen, jedoch auf andere Art als mich, he he. Die ganz wenigen schnelleren Passagen wirken dann oft wie eine Befreiung auf die Fans, bei der sie ihre angestaute Energie rauslassen können. Hier überlässt Jex die Bühne gerne ihrer Band, die dann oft lange improvisiert, doch wenn die Dämonin zurückkommt, sind wir alle wieder komplett in ihrem Bann. Ich komme zu dem Fazit, dass ich also schon wieder einen genialen Auftritt der Band gesehen habe. Hätte Jex eine Kopie der Mai-Konzerte gegeben, wäre ich vielleicht sogar enttäuscht gewesen, doch obwohl die Setlist nicht so viel anders war, verbreitet die neue, deutlich freiere Interpretation der Songs das gewisse Etwas, das ein gutes Konzert zu einem Besonderen werden lässt. Allerdings könnte eine Band, die den Song 'Raven Nor The Spirit' im Gepäck und Jessica Toth auf der Bühne hat, niemals etwas nicht Besonderes sein. Im Mai war ich euphorisierter Neu-Anhänger, nach diesem Auftritt restlos überzeugter Fan. Ich habe mir seit Jahren mal wieder ein Bandshirt gekauft. Das sollte alles darüber sagen, wie ich den Gig fand.
Setliste: To Bury; The Places You Walk; The Banishment; Keep Your Weeds; Into A Sleep; Raven Nor The Spirit; The Divide; Separated At Birth; Ehjä; The Four Of Us Are Dying; Zugabe: Son Of Yule
[Thomas Becker]

Als das Doomgeschwader von WHILE HEAVEN WEPT die Bühne der Posthalle betritt, um sein 25jähriges Bandjubiläum zu feiern, sind die hinteren Reihen leider schon relativ gelichtet. Offenbar haben sowohl die momentan arg hippen ORCHID, wie auch das Aufspielen von ASHBURY am gestrigen Tag, dafür gesorgt, dass die Halle beim Headliner am Vortag deutlich gefüllter war. Davon lässt man sich aber natürlich nicht die gute Stimmung vermiesen, denn zwei satte Stunden prall angefüllt mit Doomklassikern stehen auf dem Programm. Nach dem lediglich von Tom und Michelle gespielten 'Epilogue' steigt die komplette Band mit 'Sorrow Of The Angels' amtlich in ihren Set ein. Rain Irving ist bestens bei Stimme und so wird in den ersten Reihen sofort fröhlich mitgefeiert. 'In Aeternum' schließt sich nahtlos an. "Das scheint ein feines, episches Doomfeuerwerk zu geben", denke ich noch und wippe enthusiastisch mit dem rechten Fuß. Erfreut über eine Zeitreise hin zum grandiosen Singlekracher 'Into The Wells Of Sorrow' beginnt nun auch der Kopf zu wackeln. Aber was ist das? Irgendwie habe ich die Nummer etwas anders in Erinnerung. Düsterer, dynamischer und druckvoller. Irgendwie spielen die Herrschaften ein wenig um den Doompunkt herum und erhöhen obendrein den Keyboardanteil. Dieser Eindruck verankert sich leider in meinem kleinen Nörgelhirn und so kann ich die nachfolgenden Nummern nicht komplett genießen. Trotz der erfreulichen Tatsache, dass man das unendlich lange 'The Furthest Shore' aus der Schatztruhe hervor holt. Erst bei 'The Drowning Years' gelingt es der Band, mich wieder komplett abzuholen. Das ist der ergreifende Balsamsound, den ich hören möchte. Erstaunlicherweise scheinen nicht Wenige in meinem Umfeld das ähnlich zu sehen, denn die Anzahl der geschüttelten Köpfe und der singenden Kehlen steigt bei dieser Nummer gewaltig an. Irgendwie scheint die Band irgendeinen Hebel umgelegt zu haben, denn von nun an gibt es nur noch erstklassiges Material in exzellenter Qualität zu hören. Das wundervolle JANE-Cover 'Voices In Wind', welches selbst in den hinteren Reihen lautstark mitgesungen wird und das daran anschließende 'Soulsadness' wiegen alle in doomseliger Beschwingtheit und dienen als exquisite Einleitung zum übermächtigen 'Thus With A Kiss I Die', welches die Band laut Ansage heute zum allerletzten Mal spielt. Diese Nummer markiert das Ende des Auftrittes, aber man muss kein Prophet im Walde sein, um zu ahnen, dass man nicht ohne 'Vessel' nach Hause fahren wird. Dieser Song dient als krönender Abschluss eines fantastischen Wochenendes und wird natürlich zum Gänsehautmoment. Beinahe die gesamte Halle singt den Song mit, was die Damen und Herren auf der Bühne sehr zu freuen scheint. Breit grinsende Bärte an allen Ecken. Happy Doomsday.
Setliste: Epilogue; Sorrow Of The Angels; In Aeturnum; Into The Wells Of Sorrow; Vast Oceans Lachrymose; The Furthest Shore; Unplentitude; To Grieve Forever; Saturn And Sacrifice; The Drowning Years; Of Empires Forlorn; Voice In The Wind; Soulsadness; Thus With A Kiss I Die; Zugabe: Vessel
[Holger Andrae]

Redakteur:
Simon Volz

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