Brutal Assault Festival 2015 - Jaromer, Tschechische Republik

07.09.2015 | 23:34

05.08.2015, Festung Josefov

Heiß, heißer, Brutal Assault XX!

Der Samstag beginnt so, wie ich ihn am liebsten mag: ein kühles Bad im Fluss und dann eine Dosis Gore-/Porngrind. RECTAL SMEGMA grunzt zu früher Stunde auf der Metalshop-Stage und es stehen bereits eine Menge Leute vor der Hauptbühne. Morgendlicher Grind und das Brutal Assault scheinen sich gut zu vertragen. Schon in den letzten beiden Jahren durften sich Brutalos wie GUTALAX und SPASM über einen großen Andrang vor der Mainstage freuen. RECTAL SMEGMA verzichtet jedoch auf Kostüme. Das Publikum schwingt dafür Schwimmnudeln, Fischernetze und die obligatorische Klobürste. Wer auf schönen Grunz-Grind mit Songs wie 'Become The Bitch' oder dem neuen 'As I Lay With My Dying Fetus Bride' steht, ist mit den Niederländern definitiv gut beraten.

Etwas ernsthafter, aber immer noch heftig, geht es etwas später bei DEFEATED SANITY zu. Die Deutschen holzen harten Brutal Death Metal mit technischer Schlagseite. Ihr letztes Album "Passages Into Deformity" mochte ich sehr. Hits wie 'Stoned Then Defiled' hauen richtig rein, allerdings frage ich mich nur, wie Sänger Konstantin Lühring bei diesen Temperaturen ein Longsleeve tragen kann. Die Band kann sich über ein wohlwollendes Publikum freuen, das mit 'Generosity Of The Deceased' auch neuere Songs vor den Latz geknallt bekommt. DEFEATED SANITY spielt auf einem sehr hohen Niveau unglaublich solide. Daher kann ich die schon seit 1994 agierende Knüppelbrigade jedem wärmstens empfehlen. (FB)

Setlist: Verblendung; Stoned Then Defiled; Engorged With Humiliation; Generosity Of The Deceased; Verses Of Deformity; Engulfed In Excrutiation; Salacious Affinity; Introitus; Consumed By Repugnance.


ROSETTA spielt seicht dahinplätschernden Post Rock. Die klaren Backing Vocals sind bis zum letzten Song kaum zu hören. Vielleicht ist das aber auch besser so. Ein paar hundert Hanseln haben sich um halb zwei Uhr mittags unter der knallenden Sonne versammelt. Wenigstens lädt die Musik mehr zu wiegenden als zu all zu hektischen Bewegungen ein. Zu viel mehr ist das Publikum in der Hitze auch nicht fähig. Leider mag so auch keine rechte Stimmung für die weitgereisten US-Jungs aufkommen. (SJ)


Nach einer kurzen Badepause inklusive Live-Kopulation (da soll noch einer sagen, Metal wäre nicht sexy) gebe ich mir die Isländer von SKÁLMÖLD. Von der Band weiß ich außer Herkunftsland und Stil (Viking Metal) bisher nichts, sie wurde mir aber schon vorher ans Herz gelegt. Die melodischen Gitarrenläufe passen zum Genre, allerdings fällt der Gesang sofort auf: Sänger Björgvin Sigurđsson rauhes Organ setzt einen interessanten Kontrapunkt zu den teilweise fast verspielt wirkenden Gitarren. Es klingt allerdings eher nach einem heiseren Bellen als nach typischen Growls. Wer des Isländischen mächtig ist, sollte die Texte gut verstehen. Die sechs Herren von SKÁLMÖLD verstehen es, ihre Instrumente gut einzusetzen, so dass auch drei Gitarren nicht zu wenig sind. Ein Gitarrist unterstützt dabei den Gesang mit Screams. Dieses Wechselspiel tut der Musik gut und passt ins Gesamtbild. Auch die Variation von melodischen und Schredder-Parts gefällt. Erstmals ist es vor der Bühne wieder so voll wie bei RECTAL SMEGMA. Die Band freut sich sichtlich über die Anteilnahme. Bei 'Hefnd' dürfen wir uns über einen Gastauftritt von SÓLSTAFIR-Sänger Ađalbjörn Tryggvason freuen. Schön, dass er seine Landsleute auch live unterstützt, vor allem, wenn man schon mal auf dem selben Festival spielt. SKÁLMÖLDs Musik entspricht vielen Erwartungen, die man an eine Viking-Metal-Band stellt, setzt aber deutlich eigene Akzente. Auf Klischees wie Fellkostüme oder zu starken Keyboard-Einsatz wird verzichtet, auch mehrstimmige klare Männergesänge, wie man sie von Bands wie ENSIFERUM kennt, hört man erst im letzten Song. Keine Band für Party-Wikinger und für mich definitiv eine der Entdeckungen dieses Festivals!

Danach geht es zu den Brasilianern von RATOS DE PORĂO. Wikipedia gibt ihren Stil als eine Mischung aus "Thrash Metal, Hardcore Punk, D-Beat, Crossover" an. Ich hatte sie jedoch eher als Grind auf dem Zettel, was zeigt wie ungenau eine Genre-Einordnung sein kann. Die Band gibt es bereits seit 1981 und sie zeigt Elemente aus all diesen Spielarten. Die harten Passagen erinnern durchaus an NAPALM DEATH oder SQUASH BOWELS gestern, an anderer Stelle wird es dann aber auch sehr punkig (was mir gut gefällt). Die alten Herren scheren sich wahrscheinlich wenig um Genres. Sie haben nicht einmal ein Backdrop dabei, sondern schreddern sich einfach fröhlich durch das Set. Sänger Joăo Gordo ("der dicke Joăo") wackelt dazu fröhlich von links nach rechts und schwingt schon mal das Tanzbein. Im Vergleich zu SKÁLMÖLD sind jetzt deutlich weniger Leute vor der Bühne, die Anwesenden zeigen allerdings vollen Körpereinsatz. Ich werde mich auf jeden Fall eingehender mit der Band beschäftigen und alle, die auf dreckigen Punk-Sound mit Wumms stehen, sollten es mir gleich tun. (FB)

Die  Lokalmatadoren MODERN DAY BABYLON können sich auch um vier Uhr nachmittags auf ihr Stammpublikum verlassen und rocken die große Stage entsprechend. Die drei Herren haben mit "The Ocean Atlas" ein neues Album im Gepäck, spielen aber großteilig bekannte Nummern aus "Travelers". Die versammelten Djent-Fans kommen voll auf ihre Kosten, Petr Hatas an den Drums gibt alles, bis die Stöcke splittern. Einziger Wehmutstropfen ist die mangelnde Fähigkeit zur Improvisation, als mitten im Song die Technik streikt und die Soundkulisse vom Band im Hintergrund abbricht: Das junge Trio stoppt abrupt (und zeitgleich!), man überprüft kurz das MacBook und geht zum nächsten Song über. Schade. (SJ)

 

Bringt es THE HAUNTED auch ohne Gesangswunder und Sympathieträger Peter Dolving? Marco Aro war ja schon mal mit an Bord und hat mit "The Haunted Made Me Do It" eines der Highlights der Bandkarriere eingebrüllt. Die Rückkehr Dolvings auf "rEVOLVEr" war ein deutlicher Zugewinn für die Schweden, denn der Bursche kann verdammt geil singen und im Shouten können ihm Wenige das Wasser reichen. "Unseen", das Abschiedsalbum des Ursängers, zählt für mich zum Besten, was THE HAUNTED je veröffentlicht hat. Sehr experimentierfreudig, aber trotzdem geradlinig. Umso enttäuschter war ich vom aktuellen, sehr thrashigen Output "Exit Wounds", welches beileibe keine wirklich schlechten Songs beinhaltet. Aber das Quintett hat jegliche Experimentierfreude über Bord geworfen. Aber genug der Ansprache. Wie haben sich die Schweden also geschlagen? Sie haben sich jedenfalls geschickt aus der Affäre gezogen und die schwierigen Dolving-Songs ("Unseen" wurde im Set mit keinem einzigen Song gewürdigt) komplett außen vor gelassen. Und die Shouts beherrscht Aro genauso, auch wenn sein Gesang etwas limitierter ist als der seines Vorgängers. Das Publikum isst der Band aus den Händen. Evergreens wie 'Bury Your Dead' oder der abschließende, obligatorische 'Hate Song' vom Debüt sind einfach zeitlos. Was mir persönlich weniger mundet, ist die Tatsache, dass es THE HAUNTED heute anscheinend sehr eilig hat. Jeder Song wird deutlich schneller gespielt als auf Konserve. Das mag imponieren. Allerdings geht deswegen hier und da der Groove - selbst in den schnelleren Parts - gänzlich flöten. Dezent, aber auch nicht mehr. (HD)

ROME spielt abends im gut besuchten Zelt. Jérôme Reuter betritt die Bühne mit seiner randlosen Brille auf der Nase, die Gitarre umgeschnallt und beginnt zu singen. Ruhig, nachdenklich, mit dieser tiefen, klaren Stimme entführt er das Publikum. Zur Unterstützung hat er noch Keyboarder, Schlagzeuger und Bassist dabei. In dem mit 45 Minuten viel zu kurzen Set spielt er hauptsächlich englischsprachige Stücke. Das finde ich ein bisschen schade, weil gerade das Spiel mit dem Sprachenmix von Deutsch, Englisch und Französisch für mich neben Reuters wunderschöner Stimme den Charme der Band ausmacht. (SJ)


Manchmal muss man auch über den Tellerrand hinausschauen und für mich als eingefleischten Death Metaller hieß das in diesem Fall SUICIDE SILENCE eine Chance geben. Um etwaigen Moshpits und den obligatorischen Walls Of Death zu entgehen, begebe ich mich auf den sicheren Natural Stand. Aus sicherer Entfernung sehe ich, wie eine junge Band frenetisch von ihren Anhängern gefeiert wird. Mit 'Unanswered' geht es rasant los und ein gigantischer Circle Pit entfacht sich. Damit dem Publikum nicht langweilig wird, wird direkt 'No Pity For A Coward' hinterhergeschickt und der Pit konstant am Leben gehalten. Mit 'Fuck Everything' folgt der erste Bandhit, der lauthals abgefeiert wird. Die Amis haben das große Glück, eine unermüdliche Meute vor sich zu haben, die bei jedem Song mosht was das Zeug hält. Getreu dem Motto 'You Only Live Once' wird beim letzten Song des Abends noch einmal alles gegeben und SUICIDE SILENCE hinterlässt ein verschwitztes Publikum. (BD)

 

Islands Exportschlager Nummer eins, SÓLSTAFIR, hat leichtes Spiel auf dem Brutal Assault. Was tatsächlich überrascht. Denn der Vierer (mit neuem Drummer an Bord) zockt alles andere als Party-Mucke. Zudem ist die frühe Spielzeit (bei Tageslicht) nicht unbedingt hilfreich für die Songs, ihre Atmosphäre vollends zu entfalten. Die Meute vor der Bühne scheint damit weniger Probleme zu haben. Mein Interesse an den Isländern schwindet allerdings allmählich. "Ótta" ist zwar nach wie vor ein schönes Album, das allerdings langweilige Songstrukturen mit viel Gespür für Soundästhetik übermalt. Live funktioniert es eben nicht, unzählige Effekte über die Gitarren zu legen, die auf CD einiges retten. Auf der Bühne offenbaren sich eben die Schwachpunkte der neuen Songs. 'Ótta' und 'Náttmál' vom neuen Album langweilen mich tatsächlich. Genauso langweilig ist auch die Songauswahl. 'Fjara' und 'Goddess Of The Ages' gehören endlich einmal ausgetauscht, so gut sie auch sein mögen. Bei so einem reichhaltigen Repertoire könnte SÓLSTAFIR mit Überraschungen wie 'Necrologue', 'Love Is The Devil (And I Am In Love)' oder 'Bloodsoaked Velvet' bei den Die-Hards punkten. Aber die scheinen den Isländern immer mehr egal zu sein.

Zwei abschließende Feststellungen: 1) Bei all der Klasse der Band - aber SÓLSTAFIR ist nicht SIGUR RÓS. Daher meine Bitte: Rockt endlich mal wieder etwas mehr und verliert euch nicht in kompositorischen Belanglosigkeiten. Und 2) Ex-Drummer Guðmundur Óli Pálmason wurde unter anderem wegen seiner technischen Einschränkungen aus der Band geworfen. Im direkten Vergleich zum Stümpfer an der zweiten Gitarre, Sæþór Maríus Sæþórsson, ist Guði aber ein Genie vor dem Herrn. (HD)


Auf dem Weg von HEAVEN SHALL BURN zu DEAD CONGREGATION im Zelt, komme ich kurz bei PHURPA vorbei. Die Russen tuten zwischen zwei heftigen Knüppelbands beruhigend auf mich ein.
DEAD CONGREGATION zockt eine fette Mischung aus Death und Doom. Wütender Doom quasi mit tief gestimmten Gitarren. Gesprochen wird auch zwischen den Songs wenig, dafür viel gegrowlt und zwischen schwermütigen, langsamen Passagen immer schön auf die Fresse geknüppelt. Sauber! Es ist nur leider auch um neun Uhr abends noch sauheiß im Zelt. (SJ)

 

Nun stehen die Thüringer Jungs HEAVEN SHALL BURN auf dem Zettel und vor der Bühne ist es brechend voll geworden. Die Euphorie ist groß, als das sympathische Quintett mit 'Counterweight' seine Show beginnt. Überall entbrennen kleinere und größere Moshpits und irgendwie scheint keiner mehr auf seinem Platz zu stehen. Die Jungs auf der Bühne wissen zudem, die Meute auf Trab zu halten und feuern direkt 'Profane Believers' und 'Land Of The Upright Ones' hinterher. Verschnaufpause? Fehlanzeige! Songs wie 'Combat' und 'Forlorn Skies' verlangen Bewegung und die Band bekommt diese auch. Gitarrist Maik erntet zudem Sympathiepunkte, als er sich zwischen zwei Songs das Mikro schnappt und das Tragen von rechten Metalshirts verurteilt. Genug geredet, findet die Band und spielt mit ihrer Variante von EDGE OF SANITYs 'Black Tears' ordentlich auf. Der Bandhit 'Endzeit' darf natürlich nicht fehlen und so endet nach knapp 50 Minuten eine energiegeladene Show, die keine Gefangenen gemacht hat. (BD)

Ich verbringe meine Pause bis CULT OF FIRE beginnen unter der Vermeidung von CRADLE OF FILTH im Pressebereich, wo ich wieder PHURPAs Tuten im Ohr habe. Ja, die Russen tuten nicht, sie singen. Zweieinhalb Stunden geht ihr Set und nach einer halben Stunde bekomme ich von der Frequenz Kopfschmerzen. Im Hof vor der Bühne liegen die Leute auf dem Boden, es riecht noch intensiver nach Gras als sonst auf dem Festival. (SJ)

 

Dani Filth kann man gegenüber stehen, wie man will. Allerdings muss auch der größte Nörgler anerkennen, dass der Frontzwerg von CRADLE OF FILTH seit jeher seinen eigenen Stiefel durchzieht und dabei seit gut über 20 Jahren erfolgreich ist. Der Sänger scheint heute gut gelaunt, stachtelt das Publikum regelmäßig an, mitzugehen. Mit Erfolg. CRADLE OF FILTH ist anno 2015 so wenig Black Metal wie die CSU in der Mitte. Aber was ist denn im erstgenannten Fall so schlimm daran? Filth und die Band unterhalten, haben eine Hand voll richtig starke Songs in der Hinterhand wie 'Nymphetamine (Fix)' oder den Überhit 'From The Cradle To Enslave', die auch heute zum Besten gegeben werden. Und der Opener 'Cthulhu Dawn' vom 2000er Klassiker "Midian" kann einfach alles. Mit 'A Dream Of Wolves In The Snow' zockt CRADLE OF FILTH sogar einen Song vom Debüt "The Principle Of Evil Made Flesh", das im Original von Ex-ANATHEMA-Shouter Darren White eingesungen wurde, gefolgt von 'Summer Dying Fast', ebenfalls vom Erstling der Briten. Lediglich die vielen hoch gepitchten Gesangspassagen, quasi ein Alleinstellungsmerkmal von Dani Filth, gehen auf Dauer auf den Zeiger. Denn mir kommt es so vor, als ob sie eher dem Selbstzweck dienen und das Publikum polarisieren sollen.

Aber egal, die Show hinterlässt bei mir und vielen anderen (meine Spezln vom Münchner Camp einmal ausgenommen) einen positiven Eindruck. Das ist vertonte Schauerromantik in ihrer besten Form, liebe Herren GHOST und Co. (HD)

 

AT THE GATES sehe ich nun schon zum dritten Mal seit der Reunion. Und hier verhält es sich bei mir ähnlich wie bei SÓLSTAFIR: Seit sage und schreibe 2008 spielt das Melodic-Death-Metal-Flagschiff immer und immer wieder dieselben Songs. Klar, 'Blinded By Fear' darf genauso wenig fehlen wie 'Terminal Spirit Disease' oder 'Kingdom Gone'. Aber daneben gibt es so viele Genialitäten auf den ersten vier Alben, die live stets außen vor bleiben. Man kann es nicht jedem Recht machen, dessen bin ich mir schon bewusst. Aber die acht der 14 Songs, die von den Alben eins bis vier stammen, sind halt sowas von vorhersehbar. Warum nicht mal (wieder) 'The Swarm', 'The Fevered Circle' oder 'The Architects' ins Set nehmen? Und überhaupt wirken die Ansagen von Tompa Lindberg heute etwas zu routiniert, sogar etwas anbiedernd ("No, we don't like Death Metal - we looooooove it! Do you love Death Metal as well? Let me hear you!!!" - Gäääääähn!).

Trotz aller Kritik fällt heute wie auch schon auf der letzten Europa-Tour mit TRIPTYKON und MORBUS CHRON auf, dass sich die neuen Tracks vom Comeback-Album "At War With Reality" hervorragend zu den anderen Songs gesellen. Und diejenigen, die AT THE GATES heute zum ersten Mal sehen (wie Kollege Diez), scheinen restlos glücklich (wie Kollege Diez). Nachvollziehbar. Aber für diejenigen, die die Band schon öfter sehen durften (vor allem noch vor dem Split), ist das heute eher mittelprächtig. Da ist noch viel Luft frei nach oben, die Herren! (HD)


Abends geht es frisch geduscht zu EINHERJER. Auch hier fällt sofort auf, dass es sich vor der Bühne im Vergleich zu AT THE GATES zuvor deutlich geleert hat. Die Norweger zählen zu den Urgesteinen des Viking Metal, haben heute aber nicht ihren besten Tag erwischt. Das stimmungsvolle Intro wirkt noch, der Sound der linken Stage treibt mich aber direkt von der Natural Stage, von wo ich die Band sehen wollte. Unten vor der Bühne ist der Sound besser und erzeugt etwas mehr Druck, aber Sänger Frode Glesnes wirkt mit seinem Gesang immer noch etwas alleine. Aber auch seine eigene Leistung steht zur Diskussion: Statt kräftigen Screams klingen die Vocals eher etwas röchelnd. Auch der Klargesang kann nicht überzeugen. 'Far Far North' kann zum Ende des Sets etwas Stimmung entfalten. Dass ich bei einem Quasi-Headliner allerdings ohne Probleme so weit nach vorne spazieren kann, zeigt, wie leer es für diese Uhrzeit ist. Schade, aber sowohl Band als auch Abmischung waren heute nicht überzeugend. (FB)


CULT OF FIRE sollte meine letzte Band sein am letzten Festivaltag - der fulminante Abschluss sozusagen. Doch es war gar nicht so einfach, zu ihnen vorzudringen. Die Bühne im Hof der Burg war dem Besucherandrang, der von den zwei Hauptbühnen aus heranströmte, bei Weitem nicht gewachsen. Die Zugänge wurden durch Securities abgesichert: Einlassstopp, nix geht mehr. Auch Betteln hilft nichts. Aber man kennt ja seine Schleichwege und so stehe ich beim dritten Song drei Meter vor der Bühne und lobe mir die Entscheidung, die tschechische Black-Metal-Band im Hof spielen zu lassen, doch noch. Das Setting ist perfekt mit den in Schwarz gewandeten Gestalten in Pestmasken auf den Mauern rechts und links der Bühne, tausenden Kerzen, Feuerstößen und den maskierten und aufwändig gewandeten vier Bandmitgliedern auf der Bühne. Es entsteht eine sehr intime Atmosphäre, die zur offenkundigen Absicht der Band passt, hier mehr eine Messe als ein Konzert abhalten zu wollen. Der Sänger keift und ergeht sich in großen Gesten - das Publikum liegt ihm zu Füßen. Ansonsten liefern die Herren aber auch einen ziemlich geilen Sound ab - teils orientalisch angehaucht, aber immer noch Black Metal. Und dieser Auftritt wird wirklich zum Erlebnis. Ein sehr gelungener Abschluss eines sehr gelungenen Festivals! (SJ)

 

Mein Festivalabschluss wird auch lärmig. Ich bin sehr gespannt, wie sich ANAAL NATHRAKH schlagen wird, kennt man die Briten doch als gnadenlosen Bastard aus Black Metal und Grind. Ich scheine da nicht der Einzige zu sein: Die Metalgate Stage platzt aus allen Nähten. Mit 'Acheronta Movebimus' wurde ein langsamer, getragener Anfang gewählt, nur um dann so druckvoll loszulegen, wie ich es erwartet habe. Die Band hat sich definitiv einen guten Gig ausgesucht, um ihre Show aufzunehmen - ich freue mich jetzt schon auf das Ergebnis. Die Menge weiß die seltene Gelegenheit zu schätzen und lässt nichts anbrennen. ANAAL NATHRAKHs Mix von Stilmitteln und Genres, zu denen sie sich allesamt nicht zugehörig fühlen, ist klug und akzentuiert. Trotz des Vollgas-Charakters ihrer Musik hat sich da jemand wirklich Gedanken gemacht. Die philosophisch angehauchten Ansagen von Sänger V.I.T.R.I.O.L (Mick Kenney von BENEDICTION) passen hervorragend zur dystopischen Klangwelt der Band: "People are not supposed to be friends, they are supposed to be in conflict with each other" oder "The next song is about a biological truth" aus 'Between Shit And Piss We Are Born'. Ein exzellenter Abschluss für eines der besten Festivals, das ich kenne. Egal, ob es andernorts regnet oder die Sonne scheint, mich findet man nächstes Jahr sicher wieder auf dem Brutal Assault! (FB)

Setlist: Acheronta Movebimus; Unleash; Monstrum In Animo; Forging Towards The Sunset; Bellum Omnium Contra Omnes; Between Shit And Piss We Are Born; In The Constellation Of The Black Widow; Of Fire, And Fucking Pigs; Idol; The Joystream; Do Not Speak.

Festival-Fazit

Redakteur:
Haris Durakovic

Login

Neu registrieren