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Break The Ground - Ahnsbeck

16.07.2010 | 16:13

17.06.2010, Festivalgelände

Drei Tage lang wird ganz Ahnsbeck umgepflügt!

So richtig startet das Break The Ground am Freitag um 16.00 Uhr mit ECHOES OF DEVASTATION. Vorher sahen sich die Festivalbesucher gemeinsam das Fußballspiel Deutschland gegen Serbien an, das bekanntlich 0:1 gegen die deutsche Elf endete. Jetzt heißt es also Frustbewältigung, und das funktioniert am besten mit Bier und Headbangen.

Die Niedersachsen legen mit dem Opener und Titeltrack ihres aktuellen Albums "My Cold Rain" los und locken schon die ersten Gäste vor die Bühne. Die Mischung aus neuen und alten Liedern, damals noch unter dem Namen KOBOLD, geht auf, und am Ende legen ECHOES OF DEVASTATION einen neuen Song drauf; weil dieser allerdings noch keinen Namen hat, wird er einfach als 'Kupplung' bezeichnet. Nach so einem Opener ist das Publikum aufgewärmt und gerüstet für die kommenden Bands.

Setlist:
My Cold Reign
The Free Fall
Letters Of Sorrow
Living Eyes
Lost
Breakdown
Mental Aberration
Kupplung
Castle Of Insanity

Jetzt stürmen die Maskierten die Bühne; allerdings nicht SLIPKNOT, sondern HÄMATOM. Ein politisches und gesellschaftskritisches Intro leitet den Auftritt ein, und dann lassen die vier Musiker mit den Namen Nord, Sued, Ost und West linkspolitische Parolen eingepackt in Musik mit deutschen Texten auf die Menge los. Zwischen den Liedern, die sich abwechselnd mit der Kirche, dem eigenen Ich und dem Umfeld befassen, schießt Sänger Nord gegen den Kapitalismus und die Politiker, ohne aber einen Ansatz vorzubringen, wie man es besser machen kann. Während 'Ihr kotzt mich an' wird ein Plakat mit den Gesichtern der führenden Politiker auf die Bühne getragen, darunter ist eine deutsche Flagge zu sehen. Der Fokus des Plakats liegt auf Guido Westerwelle - als FDP-Politiker der natürliche Feind der politisch Linken. Und die Menge feiert ab. Vor allem auf dem Land sieht man so etwas häufig. Aus irgendeinem Grund ist die Jugend linkspolitisch eingestellt, und die meisten der Jugendlichen wissen wahrscheinlich nicht einmal, warum. Ich finde es bedauerlich, dass sich so wenige wirklich Gedanken über das machen, was sie da propagieren, und einfach nur mitlaufen. Vermutlich merken höchstens zwanzig Prozent überhaupt, worum es HÄMATOM geht, der Rest singt einfach gedankenlos mit und spielt ein bisschen Punk.

Zurück zur Band: Was HÄMATOM musikalisch bieten, ist nicht gerade überragend. Sie schrammeln auf ein paar Akkorden rum, dazu wird gesungen. Dass sie aber Entertainerqualitäten haben, muss man ihnen lassen. Sie schießen viel gegen Nazis, aber ihr Lieblingsopfer ist Heidi Klum, was sie mit einer Heidi getauften Gummipuppe und ihrem Lied 'Spieglein' untermalen. Das junge Publikum feiert und bejubelt die Band - an der Musik selbst kann das aber nicht liegen.

Setlist:
Friss oder stirb
Kiste
Fremd
Schau, sie spielen Krieg
Butzemann
El Mariachi
Spieglein
Schwarzes Schaf
Eva
Ihr kotzt mich an
Leck mich
Auge um Auge
Bow

Nach diesem musikalischen Hänger kann es kaum einen besseren Kontrast geben als CRIPPER. Das Niveau hebt sich enorm, und gefeiert wird trotzdem. Inzwischen sind die Hannoveraner weit mehr als ein Geheimtipp, und vor der Bühne hat sich eine ordentliche Menschenmenge versammelt. So richtig bekannt sind CRIPPER aber nur bei ein paar Fans, die die Band von Beginn an abfeiern, die übrigen Zuschauer lassen sich jedoch schnell überzeugen. Frontfrau Britta Görtz flitzt über die Bühne und hüpft ab und zu auch mal in den Fotograben.

Ihr Lieblingsopfer ist heute Bassist BassT, der das CRIPPER-Banner vergessen hat. Zur Strafe muss er nun bei jeder Gelegenheit den Bandnamen ins Mikro sagen. Die Thrash-Metaller jagen einen Kracher nach dem anderen ins Publikum: 'Fire Walk With Me', 'FAQU' (sprich: Fuck You), 'Hysteria', 'I Am The Pit'. Letzterer ist Britta offensichtlich auf den Leib geschneidert. Sie weiß einfach, wie man für Stimmung sorgt.

Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn es ist bereits Zeit für DIE APOKALYPTISCHEN REITER. Nach so einem Auftritt von CRIPPER liegt die Messlatte für die Weimarer hoch, doch sie sind weitaus bekannter und ziehen wohl einen Großteil des Publikums nach Ahnsbeck. Die Party ist entsprechend groß, kaum jemand bleibt am Bierstand stehen, und der Pogo macht endlich mal wieder Spaß: keine Violent-Dancer, kein Moshpit, einfach nur ein bisschen Rumgeschubse, und im Falle eines Falles ist sofort eine helfende Hand da.

Die REITER fahren so viel Show, wie es auf der kleinen Bühne möglich ist. Natürlich sitzt der Doktor in seinem Käfig, und auch das Gummibootrennen bleibt nicht aus. Aber anscheinend hat Fuchs seine Seefahrerkarriere aufgegeben, denn er sucht gar keine Seemannsbraut.

Die APOs spielen sich quer durch die neuere Historie, lassen den 'Adler' fliegen, versprechen 'We Will Never Die' und besingen sogar 'Der Elende'. Und es liegt auf der Hand: 'Es wird schlimmer'. Die Partykracher 'Du kleiner Wicht', 'Reitermania' und das überragende 'Adrenalin' werden unterbrochen von 'Wir sind das Licht', 'Der Weg' und 'Barmherzigkeit'.

Fuchs heizt der Menge ordentlich ein, obwohl das eigentlich nicht nötig ist. Zwar ist den REITERN anzumerken, dass sie gern aufwändige Shows auf großen Bühnen auffahren, aber sie sind nicht abgehoben und holen aus der Technik raus, was geht. Band und Fans feiern zusammen eine große Party, und obwohl die Reiter fast jedes Festival bespielen, macht die familiäre Atmosphäre des Festivals das Konzert zu einem besonderen Erlebnis.

Setlist:
Intro
Wir sind das Licht
Revolution
Riders On The Storm
Elfriede
Es wird schlimmer
Barmherzigkeit
Adrenalin
Nach der Ebbe
Der Elende
Wahnsinn
Der Seemann
Der Adler
Der Weg
Roll My Heart
Reitermania
We Will Never Die
Vier Reiter stehen bereit
Du kleiner Wicht
Die Sonne scheint
Metal Will Never Die

Wer jetzt glaubt, die Party sei vorbei, der irrt, denn die Feiergarantie DRONE entert die Bühne, um endgültig den Acker in Ahnsbeck umzupflügen. Mit ihrem Voll-auf-die-Fresse-Thrash-Metal heizen die Celler den Pogo noch einmal gut an und bringen müde Haarrotoren wieder zum Laufen. Spätestens nach ihrem Sieg bei der Wackener Metal Battle 2006 sind DRONE ein Begriff, beim Break The Ground haben sie noch dazu Heimvorteil.

Die Truppe um Sänger und Gitarrist Mutz kredenzt eine gute Mischung ihrer beiden Alben. 'Chainsaw Symphony', 'Stampmark' und der Live-Kracher 'Welcome To The Pit' von "Head On Collision" sowie 'Boneless', 'Motör-Heavy Piss-Take' und der Titeltrack von "Juggernaut" – DRONE lassen nichts aus und holen den letzten Rest aus dem Publikum raus. Die Party erreicht ihren Höhepunkt, als plötzlich Britta (CRIPPER) und Patrick Serafin (COLLATERAL DAMAGE) auf die Bühne kommen und mitsingen.

Patrick steht gleich noch einmal mit COLLATERAL DAMAGE auf der Bühne. Wie schon beim Newcomer Contest beginnen sie mit ihrer selbstbetitelten Hymne und beenden ihren Set mit ihr. Dazwischen gibt's die nächste Ladung Thrash Metal. Auch zu später Stunde machen die Jungs ihre Sache gut und mobilisieren noch mal ein paar Fans.

LOWER HELL mussten ihren Auftritt wegen einer Verletzung ihres Schlagzeugers kurzfristig absagen. An ihre Stelle tritt DRONE-Sänger Mutz mit seinen Saufkumpanen DYNAMITE ROADKILL und besingt zum Abschluss kräftig den Alkohol und das Partyleben. Ein gelungener Schlusspunkt unter einem gelungenen Festivaltag.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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