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Amphi Festival - Köln

28.07.2009 | 13:23

18.07.2009, Tanzbrunnen

Rocken, bis der Putz abfällt!

Pünktlich zur Mittagszeit eröffnet WELLE ERDBALL-Sänger Honey das Programm auf der Hauptbühne. Er gibt an beiden Tagen den Moderator. Manche Kommentare von ihm sollen zwar witzig gemeint sein, sind sie aber nicht. Er kündigt COPPELIUS als erste Band des heutigen Tages an und macht sich gleich viele Freunde, indem er gesteht, dass er die Truppe bis vor fünf Minuten noch gar nicht kannte.

Das geht uns ähnlich, und bevor das Gelände erkundet wird, verweilen wir ein wenig, um das Geschehen zu beobachten. Zum Intro betritt ein Butler die Bühne, der erst einmal die Instrumente mit einem Staubwedel säubert. Erst danach erscheint das Quintett mit Gehrock und Zylinder vor dem Publikum. Ihre Musik ist eine Mischung aus Kammermusik und Metal, die ziemlich experimentell anmutet, dennoch ihre Freunde findet. Der Geschichte nach ist die Band dem 19. Jahrhundert entsprungen, und mit Klarinette, Cello, Kontrabass und Schlagzeug findet eine kleine Zeitreise statt. Uns ist das zu diesem frühen Zeitpunkt zu anstrengend, und so heißt es erst einmal auf Entdeckungstour gehen.

Nach einem kurzen Abstecher in die Halle geht es draußen mit MANTUS weiter. Sie feiern heute Bühnenpremiere, obwohl es die Band um das Geschwisterpaar Tina und Martin mit Unterbrechung seit 1997 gibt und sie eine feste Größe in der Szene ist. Ihre Feuertaufe meistern sie recht ordentlich, und nur hier und da spürt man, dass ihnen die Bühnenerfahrung fehlt. Dennoch sind die Besucher begeistert und freuen sich über Songs, wie 'Kleiner Engel flügellos' oder 'Stummes Gebet'.

Wesentlich fröhlicher wird es später beim Auftritt von THE BIRTHDAY MASSACRE. Bisher noch nie live gesehen, sind wir gespannt auf die Show. Die Band rockt zünftig los und Sängerin Chibi ist ein kleiner Wirbelwind. Sie spielt ein wenig mit dem Publikum und wird begeistert von der Menge gefeiert. Während Gitarrist Rainbow seinen Spaß hat und immer wieder hämisch vor sich hin grinst, bearbeitet Keyboarder Owen sein Instrument arg heftig. Was dabei in den Köpfen beider vorgeht, wollen wir lieber nicht wissen. Bei der guten Unterhaltung vergeht die Zeit wie im Fluge, und rasch ist die Spielzeit vorbei.

Einen Zacken härter wird es im Anschluss bei EISBRECHER, die bereits vor einem Jahr hier spielten. Genau zum Beginn fängt es an zu regnen, doch das stört kaum jemanden in den Zuschauerreihen, denn es gibt ja die großen Überdachungen.

Sänger Alexx Wesselsky sucht heute einmal nicht exotische Autos für andere Leute und lässt es mit seinen Jungs ordentlich krachen. Los geht es mit 'Kann denn Liebe Sünde sein?'. Schon bald gießt er sich Wasser über den Kopf. Vielleicht eine Sympathiebekundung zum Publikum, das im Regen steht, oder einfach nur, weil er so ein heißer Typ ist? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Wie die Antwort beim Großteil der weiblichen Fans ausfällt, weiß ich jedenfalls. Souverän und mit starker Coolness liefert die Band eine gute Show ab. Die Besucher sind begeistert und danken es nach Songs wie 'Schwarze Witwe' oder 'Miststück' mit viel Applaus.

Musik ganz anderer Art steht jetzt auf dem Programm. Mit LEAETHER STRIP ist es an der Zeit, einer wahrhaft großen Industrial- und Elecro-Legende die Aufwartung zu machen. Schon seit vielen Jahren wurde Claus Larsen nicht mehr auf der Bühne gesehen, und heute ist es endlich so weit. Die Erwartungen bei den Gästen sind dementsprechend hoch.

Mit viel Jubel wird der Däne in Köln empfangen, und beim ersten Stück 'Strap Me Down' ist die Hoffnung groß, dass heute einige Klassiker gespielt werden. Das Publikum wird nicht enttäuscht, und nach und nach erklingen die Hits 'Japanese Bodies', 'Adrenalin Rush', 'Don´t Tame Your Soul' und 'Evil Speaks'. Besonders die ältere Generation feiert begeistert ab, und so manch einer schwelgt bei diesem Sound in Erinnerungen an vergangene Zeiten. Als der Auftritt zu Ende geht sind sich alle einig: Das war absolute Spitzenklasse! Claus Larsen hat mit seiner Ein-Mann-Show und der spartanischen Bühnenausstattung eindrucksvoll bewiesen, dass es nicht immer viel bedarf, um einen klasse Auftritt abzuliefern und eine Zuschauermenge in Ekstase zu versetzen.

Mit elektronischen Klängen geht es bei COVENANT gleich weiter. Sänger Eskil Simonsson, wie immer im schnieken, weißen Anzug, zeigt sich souverän vor seinen Fans. Auch die anderen beiden Herren stehen ihm in punkto Bekleidung in nichts nach.

Relativ routiniert präsentieren sie 'Call The Ships To Port', 'Ritual Noise' und 'Bullet', die selbstverständlich mit viel Beifall belohnt werden. Daneben stellen sie Songs von ihrem neuen Album "Modern Ruin" vor, bei denen logischerweise verhaltener applaudiert wird.

Mittlerweile geht es in der Halle wesentlich härter zu. FEINDFLUG heizen der Masse mit ihrem donnernden Sound mächtig ein. Es ist ganz schön eng geworden, und die Luft im vorderen Bereich kann man schneiden.

Die Instrumente sind wie gewohnt mit Tarnnetzen abgedeckt und im Hintergrund laufen Kriegsbilder ab. Mit ihren Trommeln machen sie ordentlich Dampf, und das Publikum feiert ausgelassen zu 'Stukas im Visier' oder 'Roter Schnee'. Gegen Ende des Auftrittes gibt es einen unschönen Zwischenfall: Von der Decke fällt ein ca. zwei Quadratmeter großes Stück Putz. Damit ist der Auftritt frühzeitig beendet, denn die reguläre Spielzeit ist noch nicht ganz vorbei. Die Halle wird gesperrt, und das Konzert von LAIBACH findet hier nicht mehr statt.

Von dieser Aufregung bekommen die Zuschauer vor der Hauptbühne gar nichts mit. Erneut steht eine Legende auf der Bühne, dieses Mal für die Freunde von rockigen Tönen. Die Herrschaften von FIELDS OF THE NEPHILIM haben ihre staubigen Mäntel wieder hervorgekramt und liefern eine grandiose Show ab. Okay, es passiert nicht viel da vorn, vom vielen Nebel einmal abgesehen, aber der Sound ist wie immer genial, und die Fans sind begeistert. Die hat Carl McCoy mit seiner eindringlichen Stimme fest im Griff. Bereits die ersten Töne von 'Moonchild' werden mit viel Beifall bedacht, ehe der Song überhaupt richtig erklingt. Das ruhigere und kraftvolle 'From The Fire' wird hervorragend dargeboten, und zu den Gitarrenklängen legt sich ein Nebelband über den Tanzbrunnen - einfach nur genial.

'Love Under Will' kann heute ebenfalls punkten, bevor mit 'Last Exit For The Lost' der obligatorische Rausschmeißer erklingt. Dem muss man nichts mehr hinzufügen, außer dass es wie immer ein Genuss ist, diesen Song live zu erleben. Das sehen die Anwesenden genauso und belohnen die Band mit viel Applaus und "Zugabe!"-Rufen. Doch es war definitiv das letzte Stück für heute.

Nach dem Gig wird von der Bühne aus mitgeteilt, dass die Halle geschlossen wird und LAIBACH im Theater auftreten. Das trifft auch für die Konzerte am Sonntag zu, denn die Halle darf aus Sicherheitsgründen nicht mehr genutzt werden. Gegen 23.00 Uhr soll es losgehen, und schon weit davor ist am Theater alles hoffnungslos überfüllt. Eine halbe Stunde später hat sich immer noch nichts getan, und da der Tag anstrengend war, wird für heute das Ende beschlossen. Am nächsten Tag erfahren wir, dass das Konzert gegen 24.00 Uhr begann und über zwei Stunden dauerte. Schade, dass wir es verpasst haben, aber die Umstände waren einfach ungünstig.

Redakteur:
Swen Reuter

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