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POWERWOLF - The History Of Heresy Part II (2009 - 2012)

23.11.2014 | 10:16

POWERWOLF ist ein Phänomen, wie es heutzutage nur sehr selten vorkommt: Vor ca. zehn Jahren kamen die Gebrüder Greywolf und Frontprediger Attila Dorn wie aus dem Nichts und wirbelten den Untergrund ein Jahr darauf mit ihrem Debüt "Return In Bloodred" ordentlich auf. Dabei hatten die fünf Herrschaften etwas äußerst Markantes und Spezielles an sich, was die hiesige Power-Metal-Gemeinde von Beginn an in eine regelrechte Euphorie stürzte. Der typische POWERWOLF-Sound war geboren: Mystischer Orgel-Sound hier, das prächtige Stimmchen Dorns, dem überdies die klassische Gesangsausbildung sehr zu gute kam, dort, sowie die für diese Sparte so wichtige Mixtur aus Power, Geschwindigkeit und Hymnen sorgten für einen folgenschweren Urknall in der Szene.

Nun, eine Dekade, fünf prachtvolle Studioalben, zahlreiche Festival- und glorreiche Hallenauftritte später, lässt die fünfköpfige Meute auch die zweite Phase ihrer schillernden Karriere noch einmal Revue passieren und widmet sich den Jahren 2009 – 2012. Und womit lässt sich diese Spanne besser zusammenfassen, als mit dem Nachfolger des vor rund einem halben Jahr erschienenden Boxsets "The History of Heresy Part I 2004 – 2008".

Da steht er also nun seit dem 24. Oktober in den Läden, der üppige zweite Teil der "The History Of Heresy"-Saga, der sich ganz und gar nicht vor dem ersten verstecken muss. In einer matt laminierten, massiven Hardcover-Box, die erneut mit Prägung und partiellem Glanzlack versehen ist, macht diese besondere Veröffentlichung in der heimischen Vitrine eine wunderbare und edle Figur. Klappt man diese überdies auf, springt das POWERWOLF-Herz höher denn je: Das proppevolle Artbook, von der Band selbst zusammengestellt, enthält wie auch schon jenes vom ersten Teil unzähliges Bildmaterial, Linernotes, Kommentare und Schilderungen aus dem Studio und "on the road", diesmal aus  den Jahren 2009 – 2012. Hier sollte man sich definitiv die Zeit nehmen, um das Büchlein zu studieren und tief in der ereignisreiche Erlebniswelt der Wölfe einzutauchen.

Passenderweise sind es wieder drei Alben, die das Herzstück dieser Box bilden. In sehenswerten Digisleeves und mit massig Bonusmaterial versehen, das speziell für Sammler und Alles-Haber attraktiv vor sich hin schimmert, wirft sich zunächst "Bible Of The Beast" von 2009 ins Getümmel. Nachdem die fünf Herrschaften mit Größen wie GRAVE DIGGER, CANDLEMASS, BRAINSTORM und PAGAN'S MIND die Bühne teilten und ihre Predigten auf dem Summer Breeze und nicht zuletzt auch Wacken Open Air abhielten, war die Zeit also reif für das so wegweisende, dritte Album.

Hier agierte POWERWOLF noch symphonischer und hymnischer als auf den beiden Vorgängeralben, ohne jedoch die bisherigen Trademarks (fette Chöre, noch fettere Riffs, ein wenig Kitsch hier, ein Hauch von Bombast dort, jede Menge Power und nicht zuletzt auch Ohrwürmer in Hülle und Fülle) außer Acht zu lassen. POWERWOLF hat sich zum damaligen Zeitpunkt zu einer etablierten Band entwickelt und ihre Fanmenge durch entsprechende Live-Shows ausbauen können. Bis heute sind 'Raise Your Fist, Evangelist', 'Moscow After Dark', 'Werewolves Of Armenia' und 'Catholic In The Morning, Satanist At Night' absolute Gassenhauer und auch live das eine oder andere mal zu hören. Ergänzt wird die reguläre Version von "Bible Of The Beast" vom RUNNING WILD-Cover "Riding The Storm", bei dem POWERWOLF die Energie des Orginals bestens eingefangen hat, sowie dem auch durchaus hörenswerten 'Testament In Black'. POWERWOLF lieferte mit "Bible Of The Beast" also exakt das ab, was Fans hören wollten und sich auch in den kommenden Jahren als erfolgreich mausern sollte.

Daran änderte auch Album Nummer vier nichts: "Blood Of The Saints" war anno 2011 das erste POWERWOLF-Album, was ich für dieses Magazin rezensieren durfte. Aber ob ich nun zur normalen Jewelcase-Version oder zu dem hier beigefügten Digisleeve greife, meine Meinung hat sich kein Stück verändert. Das Blut der Heiligen fährt den Weg seiner Vorgänger nahtlos fort und führt sich bestens in die Reihe gelungener Veröffentlichungen ein. Zwar erfinden sich die Gebrüder Greywolf zumindest musikalisch nicht neu, obwohl man in Sachen Härte und Kompaktheit der Songs sicherlich ein wenig zugelegt hatte, doch drehten die Jungs dennoch den Bombast des Vorgängers ein wenig zurück und lieferten dafür genau das ab, was man von ihnen erwartet:

Ein leicht okkulter Charme, Euro Power Metal mit Orgel statt Keyboard und mit 'Sanctified With Dynamite', 'We Drink Your Blood', zu dem ein auch typisches Musikvideo gedreht wurde, 'All We Need Is Blood' und 'Dead Boys Don't Cry' auch nicht gerade wenige Hits, die sich bis heute im Live-Repertoire POWERWOLFS gehalten haben. Schließlich sorgten noch größere Shows und Alben wie eben "Blood Of The Saints" dafür, dass die Wölfe zwei Jahre später mit "Preachers Of The Night" in Form der Pole-Position der Media Control Charts den Bock abschießen werden. “The History Of Heresy Part II 2009 – 2012“ erklärt auf eindrucksvolle Weise, wie es zu dieser für Metal-Kreise doch sensationellen Ereignis kommen konnte.

Als Kirsche auf dem POWERWOLF-Eisbecher gibt es mit "The Sacrilege Symphony" eine, wie der Titel schon vermuten lässt, Ansammlung einiger Stücke im orchestralen und noch symphonischeren Gewand. Obwohl man diesen Bonus bereits bei der limitierten Version des “Blood Of The Saints“-Albums finden konnte und man hier die identischen fünf Stücke ('Raise Your Fist, Evangelist', 'In Blood We Trust', 'Sanctified With Dynamite', 'Ira Sancti (When the Saints Are Going Wild)' und 'Moscow After Dark') serviert bekommt, ist dies dennoch die optimale Gelegenheit, die Sammlung zu komplettieren, falls einem die 2011er Veröffentlichung aus welchen Gründen auch immer durch die Lappen gegangen sein mag.

So kann der zweite Teil der "The History Of Heresy"-Reihe dem ersten definitiv das Wasser reichen und dessen Qualität locker halten. Auch wenn eventuell nicht jeder Fan etwas mit dem symphonischen Bonus anfangen kann, rechtfertigen doch allein die abermals tolle Aufmachung, das gelungene Büchlein mit all seinen charmanten Anekdoten, sowie natürlich auch die beiden enthaltenen Alben "Bible Of The Beast" und "Blood Of The Saints" abermals einen Kauf. Hier bekommt man von Metal Blade Records für kleines Geld die gesamte Vollbedienung in puncto POWERWOLF. Fraglich ist jedoch, ob Napalm Records, das POWERWOLF "nun an der Backe hat", die Geschichte fortsetzen wird und der hungrigen Fanschar auch einen dritten, vierten und fünften "The History Of Heresy"-Teil zum Fraß vorwerfen wird. Die Zeit wird es zeigen...

Redakteur:
Marcel Rapp

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