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POWERWOLF - The History Of Heresy Part I (2004 - 2008)

18.06.2014 | 12:39

Entweder man liebt sie oder nicht. Doch eines muss man ihr objektiv attestieren: Wenn es eine Band gibt, die in den letzten paar Jahren einen kometenhaften Aufstieg zu vermelden hatte, dann POWERWOLF.

Kaum eine andere Band, außer SABATON höchstwahrscheinlich, hat mit ihrer kongenialen Mischung aus Eigenständigkeit und kraftvollen Power-Metal-Klängen die Massen derart in ihren Bann gezogen, als jene um die Gebrüder Greywolf und Frontprediger Attila Dorn. Ihre Hymnen werden lautstark umjubelt, ihre Konzerte gleichen einem Gottesdienst im Gewand des Heavy Metals und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Dieser Erfolg gipfelte sicherlich in der Nachricht vom 30. Juli des vergangenen Jahres, in der es hieß, dass POWERWOLF mit "Preachers Of The Night" die Pole-Position der deutschen Albumcharts erstürmte. Die Sensation war perfekt, die Fans aus dem Häuschen und die im Anschluss folgende Tour einmal mehr ein wahrhafter Triumphzug.

Nun, ein knappes Jahr nach der Veröffentlichung des noch aktuellen, fünften Albums des Fünfgestirns, dringt mit "The History Of Heresy" ein Box-Set der besonderen Art an die Öffentlichkeit. Zur Feier ihres 10. Geburtstages bietet uns die Band in Zusammenarbeit mit Metal Blade Records die POWERWOLF-Jahre 2004 - 2008 in einer liebevoll ausgeklügelten Erscheinungsform.

Diese Vollbedienung kommt in einer matt laminierten, massiven Hardcover-Box daher, die mit Prägung und partiellem Glanzlack optisch schon einiges her macht. Im Inneren springt einem zuerst das 112-seitige, gebundene Buch entgegen, das nicht nur mit bis dato unveröffentlichtem Bildmaterial ausgestattet ist. In (den ersten) fünf Jahren Bandgeschichte haben sich viele Anekdoten und Tourberichte angesammelt, die hier mit viel Liebe zum Detail zum Besten gegeben werden.

Mit zusätzlichen Liner-Notes, Rückblicken und weiteren Fotos macht das gemeine Fanherz hier einen großen Sprung. Säuberlich sortiert zeigen uns die Wölfe ihre menschliche Seite und lassen peu à peu die ersten fünf Sprossen auf ihrer Erfolgleiter Revue passieren. Des Weiteren versammeln sich fünf Photokarten mit zahlreichen Informationen zu den einzelnen Musikern in dieser Box, die sich mit dem Buch im ordentlichen Hardcover bestens ergänzen.

Doch auch musikalisch zeigt sich "The History Of Heresy - Part I (2004 - 2008)" von seiner großzügigen Seite. Zum einen gibt es hier das POWERWOLF-Debüt "Return In Bloodred" von 2005 in schönem Digipack, auf das ich nun etwas ausführlicher eingehen möchte. Gemeinsam mit dem stimmgewaltigen Attila Dorn haben die Greywolf-Brüder hier wohl eines der aussagekräftigsten Debüts der Power-Metal-Neuzeit veröffentlicht. Und bereits früh etabliert sich jene Erfolgsformel, mit denen die fünf Musiker bis heute auf der Erfolgsschiene fahren: Saftige Gitarrenriffs und das kräftige Organ Attilas vereinen sich mit ungemein eingängigen Refrains, herausstechenden Hammondorgeltönen und jenem mystischen Spirit, der in den Folgejahren noch weiter ausgetüftelt wurde.

Neben dem Opener 'Mr. Sinister' verleihen weitere Highlights der Marke 'The Evil Made Me Do It', 'Kiss Of The Cobra King' oder auch 'We Came To Take Your Souls' dem Album die nötige Würze und der Band die Gewissheit, dass sie gleich zu Beginn vieles richtig gemacht hat. Für die "The History Of Heresy"-Box wurden dem Debüt drei zusätzliche Live-Bonustracks hinzugefügt, die bereits damals erahnen ließen, welche Taten nach 2005 noch kommen sollten.

Ebenfalls im Digipack und mit einigen Live-Versionen ausgemotzt, nämlich sechs an der Zahl, findet zum anderen auch das Nachfolgealbum seinen berechtigten Weg in diese Box. Nach ausgedehnten Tourneen mit GAMMA RAY und NOCTURNAL RITES, sowie einigen Festivalauftritten, bei denen man bereits die eine oder andere Meute in den Bann ziehen konnte, heulte 2007 schließlich "Lupus Dei", auf dem sich die Band zwar reifer und entschlossener zeigt, jedoch nicht von dem etablierten Rezept abweicht. So kommen Stücke wie 'In Blood We Trust', 'Saturday Satan', 'Prayer In The Dark' sowie das Titelstück mit einem tollen Ohrwurmcharakter, diesen zahlreichen Besonderheiten (Attlias Stimme, die Orgelklänge oder auch die textliche Ausrichtung) und einer kaltschnäuzigen "Wir wissen, was zu tun ist"-Mentalität daher.

Hinzu gesellt sich abermals das tolle, okkulte Düster-Image, dem es die Band zu verdanken hat, dass sie sich von zahlreicher 08/15-Stangenware abhebt. So verwundert es auch nicht, dass viele Fans "Lupus Dei" als Highlight in der Diskographie POWERWOLFs ansehen und die Puppen tanzen lassen, wenn Attila und Co. das eine oder andere Stück aus dieser Ära heute noch zum Besten geben.

Als dritter und letzter Rundling schmuggelt sich mit "The Wacken Worship" eine Bonus-DVD in diese eh schon üppige Box. Wie der Titel vermuten lässt, behandelt dieser audiovisuelle Teil den POWERWOLF-Auftritt auf dem Wacken Open Air von 2008, auf dem die Band, mit bis dato "erst" zwei Studioalben, die kleine Bühne zum Kochen bringt. Bereits früh zeigt sich, dass die fünf Musiker ihre Klasse von "Return In Bloodred" und "Lupus Dei" mühelos auf die Live-Gigs übertragen können. Frontmann Attila ist ein ausgezeichneter Sänger und Entertainer, der das Wacken-Zelt zu jeder Zeit im Griff hat. Der Sound ist druckvoll und klar, die Bildqualität in jedem Fall erhaben und selbst vor den heimischen Bildschirmen schafft es die Band, den spirituellen und okkulten Schleier beizubehalten. Die Keyboard-und Orgeltöne setzen nicht nur diesem Auftritt die Krone auf und im Vergleich zu heutigen, weitaus größeren und längeren Headlinerauftritten kann sich der eine oder andere Fan das nostalgische Grinsen bei dieser DVD sicherlich nicht verkneifen. Darbietungen wie 'We Take It From The Living', 'Mother Mary Is A Bird Of Prey' oder auch 'Kiss Of The Cobra King', die einige Jahre später eher selten zum Zuge kommen, erhalten hier ihre Würdigung. Und speziell jene Anhänger, die 2008 in Wacken vor Ort waren, werden mir zustimmen, wie gut die Stimmung bei allen Anwesenden war. "The Wacken Worship" hält dies in charmanter Art und Weise fest und rundet das gesamte Package namens "The History Of Heresy" gebührend ab.

Für diejenigen, die also erst zu "Preachers Of The Night"-Zeiten vom POWERWOLF-Zauber ergriffen wurden, bietet sich mit dieser üppigen und für diese Ausstattung doch recht günstigen Box die optimale Gelegenheit, sich selbst von den ersten Gehversuchen der Band zu überzeugen. Doch wartet bitte, bis ihr mit "Bible Of The Beast" und "Blood Of The Saints" den Backkatalog vervollständigt, da Metal Blade Records im Laufe dieses Jahres noch den zweiten Teil der "The History Of Heresy"-Reihe preisgibt. So darf man sich neben den angesprochenen Alben erneut auf zahlreiche Extras und Besonderheiten der Kraftwölfe freuen.

Trackliste "Return In Bloodred": Mr. Sinister – Kiss Of The Cobra King – Black Mass Hysteria - We Came To Take Your Souls - Demons & Diamonds – Montecore – The Evil Made Me Do It – Lucifer In Starlight - Son Of The Morning Star – Mr. Sinister (Live) - We Came To Take Your Souls (Live) – Kiss Of The Cobra King (Live)

Trackliste "Lupus Dei": Lupus Demonae (Intro) – We Take It From The Living – Prayer In The Dark - Saturday Satan – In Blood We Trust - Behind The Leathermask – Vampires Don't Die - When The Moon Shines Red – Mother Mary Is A Bird Of Prey - Tiger of Sabrod – Lupus Dei - We Take It From The Living (Live) – Prayer In The Dark (Live) – Saturday Satan (Live) – In Blood We Trust (Live) - Mother Mary Is A Bird Of Prey (Live) – Lupus Dei (Live)

Trackliste "The Wacken Worship": We Take It From the Living – Prayer In The Dark - We Came To Take Your Souls – Saturday Satan – In Blood We Trust – Mr. Sinister - Mother Mary Is A Bird Of Prey – Kiss Of The Cobra King - Lupus Dei - Tour Impressions Europe in Bloodred 2005 (Bonus)

Redakteur:
Marcel Rapp

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