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In der Gruppentherapie: KEEP OF KALESSIN - "Reptilian"

16.05.2010 | 09:25

KEEP OF KALESSIN kassieren von Julian die Höchstnote und können auch den Rest der Redaktion zumeist überzeugen. Platz 3 im Soundcheck ist da die logische Konsequenz. Warum Traditionalisten und Black Metaller gleichermaßen zugreifen können, lest ihr hier.


Erwartet habe ich nichts, wie auch bei einer Black-Metal-Scheibe, wo ich doch zu diesem Stil bislang keinen Zugang gefunden habe. Aber KEEP OF KALESSIN rollen mir den roten Teppich aus, denn anstatt Geknüppel empfängt mich eine intelligente Mischung aus Black Metal, Thrash, Melodie und traditionellen Metal-Riffing. Die Band schwankt gerne zwischen ihrer Herkunft und dem Blick über die Genregrenzen hinweg, so dass das Album mit 'The Dragontower' für mich sogar einen echten Hit enthält. Wenn sie jetzt noch das häufige Gehacke (besser bekannt als Blastbeats) weglassen würden, wie zum Beispiel in 'Judgement', einem Song der Besseres verdient hätte als durch eine solche völlig überflüssige Passage verwässert zu werden, oder solche weitgehend emotional ausgedörrten Geräuschkulissen wie 'Leaving The Mortal Flesh', würde das noch eine echte Liebesbeziehung werden zwischen uns. Ach ja, und der Gesang... aber ihr kennt das ja schon von mir. Das heißt aber auch, dass sie vom traditionellen Black Metal häufig einige Schritte weg sind und sich eine neue Zielgruppe erspielen. Wie mich, denn "Reptilian" ist eine Scheibe, von der ich tatsächlich ausgewählte Stücke gerne höre. Natürlich nur die Tracks, die die alten Fans verabscheuen dürften.

Note: 7,0/10
[Frank Jaeger]

Was für eine Überraschung! KEEP OF KALESSIN war für mich immer eine gute Band mit relativ gutem Material und einer interessanten Ausstrahlung. Nicht mehr, nicht weniger. "Reptilian" rückt dieses Bild ein wenig zurecht. Mit 'Dragon Iconography' startet man spektakulär mit einem brachial geilen Breitwandriff auf einem Blastteppich in die Scheiblette. Da werden erst mal die Lauschlappen auf links gedreht. Trotz allem Getrümmer bleibt die Nummer absolut eingängig, teilweise sogar catchy, in den Hemisphären pappen. 'The Awakening' dürfte der zukünftige Überhit der Düsterheimer sein. Mann, was für eine geile Mammuteruption! Eigentlich klassisch fundierter Death/Thrash mit blitzsauberen Metal-Anleihen, in den Refrains gebrandmarkt mit einem höllisch siedendem Black-Feuer, dem die fast irrsinnig rasante Rhythmusfraktion auf Temperatur hilft. Und der Mittelteil wird live alles und jeden zerlegen. Versprochen. Dieses Hammerlevel wird nicht mehr ganz gehalten. Aber auch Songs wie 'Judgement', 'Dark As Moonless Night' oder das IMMORTAL-lastige 'The Divine Land' begeistern umfassend. KEEP OF KALESSIN werde ich zukünftig auf dem Zettel haben. In ihrer Sparte ist "Reptilian" eine der stärksten Veröffentlichungen des bisherigen Jahres. Nicht nur weil es heftig zugeht, sondern weil die Scheibe verflucht abwechslungsreich ist und man sich nur schwer satt hören kann. Das konnte ich noch nicht einmal bei der letzten IMMORTAL sagen.

Note: 8,5/10
[Alex Straka]

Black Metal ist nicht meine Baustelle und so wird es niemanden verwundern, wenn ich schreibe, dass dies meine erste intensive Auseinandersetzung mit KEEP OF KALESSIN ist. Vergleiche zu vorherigen Alben entfallen also. Während der Opener 'Dragon Iconography' mit seinen melodischen Läufen noch angenehm einläuft, zeigt das nachfolgende 'The Awakening' deutlich auf, warum es solche Alben bei mir immer schwer haben werden. Während die hymnischen Chöre und auch die getragenen, ja beinahe epischen Passagen meinen Geschmacksnerv treffen, bin ich mit der einleitenden Rhythmik völlig überfordert. Das ist für mich einfach nur schnell, ohne irgendwelche Dynamik zu entfalten. Obendrein ist die Nummer viel zu lang. Und bei 'Judgement' wird dieses Problem sogar noch größer. Blastbeats zerstören für mich halt beinahe jeden Song. Habe ich mich eben schon über die Überlänge eines Songes mokiert, so treibt die Band es beim abschließenden 'Reptilian Majesty' endgültig auf die Spitze. Fröhliche vierzehn Minuten lang versuchen die Norweger Spannung zu erzeugen, was ihnen allerdings aufgrund viel zu lang geratener Instrumentalpassagen nicht gelingt. Ich bin jedes Mal kurz davor die Skip-Taste zu betätigen.
Es wird es nun niemanden verwundern, dass mir ausgerechnet das als kitschig angesehene 'The Dragontower' mit Abstand am meisten zusagt. Der echte Black-Metal-Fan wird hier eventuell Härte vermissen, aber mein Fuß wippt permanent und den Text kann ich auch mitsingen. Hymne!

Note: 6,5/10
[Holger Andrae]



Die Norweger KEEP OF KALESSIN stehen bekanntermaßen für starke Extrem-Mucke, doch mit ihrem neuesten Streich "Reptilian" übertrifft sich die Band selbst. Brutal, aber auch hymnisch agieren die Norweger. Und das in Vollendung. Das stilistische Spektrum fußt zwar ganz klar im Black Metal, doch gerade das thrashige Riffing und die Zutaten aus dem Bereich des klassischen Metal (deutlich bei ‚The Dragontower‘ herauszuhören) formen in ihrer Ganzheit eine extrem facettenreiche Veröffentlichung. Auch die starke Performance im Gesangsbereich von Shouter Thebon, die tollen Backings und die hymnenhaften Refrains ('Dark As Moonless Night', 'The Dragontower') sollen hier nicht unverwähnt bleiben. Mit den extrem tight gezockten Stücken 'Leaving The Mortal Flesh' (fantastische Nummer!), 'The Awakening' sowie 'Judgement' kratzen KEEP OF KALESSIN stark an der Höchstnote. Einzig und allein den Schlusstitel 'Reptilian Majesty' hätte ein wenig gestrafft werden können. Ansonsten ist diese Scheibe ein Musterbeispiel für mächtige Extrem-Musik mit Herz und Köpfchen, die für die Langzeitrotation geradezu prädestiniert ist. Das soll die potenzielle Konkurrenz dieser Ausnahmeband erst einmal nachmachen!

Note: 9,0/10
[Martin Loga]

Kollege Frank hat meine Meinung eigentlich schon fast perfekt in Worte gefasst. Auch ich hatte keinerlei Erwartungen an "Reptilian" und hatte mich bislang noch nicht mit der Band näher auseinandergesetzt. Und dass Julian euphorisiert jubilierte, ließ mich ebenfalls kalt. Das stellt sich zumindest als kleiner Fehler heraus. Vor allem das hymische, äußerst abwechslungsreiche 'The Awakening', der Tanzflächenfeger 'The Dragontower' und das episch-balladeske 'Dark As Moonless Night' sind hervorragende Songs, die im wohligen Kontrast zu den Blastbeat-Attacken in 'Judgement', 'Leaving The Mortal Flesh' und 'The Divine Land' stehen. Zumindest 'The Divine Land' punktet aber noch mit coolen, leicht spacigen Vocals. Dennoch könnte an der Stelle auch einfach mal jemand dem Duracell-Häschen am Schlagzeug die Batterien klauen. Das abschließende Opus 'Reptilian Majesty' ist mir dann tatsächlich etwas zu lang geraten und kann meines Erachtens nicht über die gesamten 14 Minuten die Spannung halten. Dennoch ist "Reptilian" ein mit Abstrichen empfehlenswertes Album geworden, das Extremisten sicher noch viel besser finden als ich Weichei.

Note: 7,0/10
[Peter Kubaschk]


Im Gegensatz zu den Kollegen Holger, Frank und Peter ist Black Metal genau meine Baustelle, und ganz besonders dann, wenn er - wie KEEP OF KALESSIN - aus Norwegen kommt. Dennoch ist "Reptilian" meine erste intensivere Auseinandersetzung mit dieser Band, weil sie wohl etwas zu spät gekommen ist, um im Zuge meiner ganz großen Euphorie für den norwegischen Sound Gehör zu finden. Nun, ich denke es wurde Zeit, denn was die Herren hier auf ihrem fünften Studioalbum vom Stapel lassen, ist schon aller Ehren wert. Wuchtig produziert, mit eine mächtigen Wand aus Riffs ausgestattet, grimmig und hackend, aber doch mit melodischen Leads ausgestattet und auch hier und da mit einem guten Schuss Rock gesegnet. Das führt natürlich auch dazu, dass wir das Trondheimer Quartett fraglos der neueren Schule des Genres zuordnen müssen. Das Maschinengewehr-Schlagzeug, der klare und druckvolle Sound und die atmosphärischen Keyboards lassen eine gewisse Kälte und Distanz erwachsen, die dazu führt, dass hier das Archaische und Reduzierte verloren geht, das einst den Black Metal aus Norwegen auszeichnete und mir so viel bedeutet. Dennoch ist "Reptilian" nicht zuletzt wegen Thebons tollen und vielseitigen Gesangs, der klar gesungenen Chöre und der epischen Dramatik, die vielen Stücken innewohnt, ein sehr starkes Album, das für mich verdient auf Rang 3 des aktuellen Soundchecks gelandet ist. Auch wenn es letztlich nicht mehr reines schwarzes Metall ist, und sich besonders bei Stücken wie 'The Dragontower' und vor allem bei der Fast-Ballade 'Dark As Moonless Night' sehr stark dem Metal traditioneller Prägung annähert. Das macht ein Stück weit gerade den Reiz der Scheibe aus!

Note: 8,5/10

[Rüdiger Stehle]

Wie einige meiner Kollegen habe ich mich bisher mit KEEP OF KALESSIN nur wenig auseinander gesetzt, primär, weil ich die Norweger 2008 auf dem Summer-Breeze zwar ganz nett fand, der Auftritt mich insgesamt jetzt aber nicht gerade völlig umgehauen hat. Dass die Jungs um Sänger Thebon doch einiges mehr an Unterhaltsungspotential haben, wissen KEEP OF KALESSIN auf "Reptilian" dennoch eindrucksvoll zu beweisen. Die recht interessante Mischung aus Black Metal, IN BATTLE-typischem Geblaste und Gekeife, traditionellem Metal und hymnischen Stellen funktioniert im Großen und Ganzen hervorragend. Dabei ist besonders diese Abwechslung die große Stärke der Norweger, die Songs haben einiges an Wiedererkennungswert und sind nie langweilig. Auch technisch lassen KEEP OF KALESSIN nichts anbrennen. Besonders das Drumming, das zwischen pfeilschnell und stampfend schwankt, kann getrost als technische Meisterleistung betitelt werden.

Warum dann nicht die Höchstwertung? Der Kitschfaktor in Nummern wie 'The Dragontower' (mit dem die Jungs tatsächlich beim norwegischen Eurovision Vorausscheid angetreten sind) und 'Dark As The Moonless Night' ist leider doch ziemlich hoch. Lyrics wie "Grant me, the power of the dragontower" hätten dabei von RHAPSODY stammen können und auch musikalisch ist der Song für mich ganz klar der Schwachpunkt der Platte. Dafür entschädigt das epische vierzehn Minuten Stück am Schluss, dass zwar lange braucht, um zum Punkt zu kommen, aber im Gesamtkonzept - zumindest bei mir - sehr gut ankommt. Zusammenfassend weiß "Reptilian" durchaus zu überzeugen und ist insgesamt eine gute Platte, die bestimmt immer wieder mal den Weg in den heimischen CD-Player finden wird.

Note: 7,5/10
[Hagen Kempf]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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