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In der Gruppentherapie: 3 INCHES OF BLOOD - "Here Waits Thy Doom"

24.08.2009 | 16:01

Metal regiert die Welt. Zumindest die von den 3 INCHES OF BLOOD, deren neues Album "Here Waits Thy Doom" einen guten dritten Platz in unserem August-Soundcheck erreicht hat. Dennoch sind die Meinungen so kontrovers wie die Stimme von Cam Pipes polarisierend.

'Battles And Brotherhood' – ja, da weiß man doch gleich, wo es langgeht! Die vier Kanadier machen keine Gefangenen und legen brachial ganze Wälder flach, wie es noch kein Sturm geschafft hat. Dabei singen sie true und klischeebeladen einmal quer durch die ganze Metalhistorie, denn natürlich gibt es 'Rock In Hell', man hört den 'Call Of The Hammer', und die Gäste 'Silent Killer', 'Fierce Defender', 'Snake Fighter' und 'Preachers Daughter' mischen kräftig mit. Das Album geht dermaßen nach vorne, dass man allein vom Zuhören ins Schwitzen kommt. Die Produktion ist rau und ungehobelt, der markante Gesang von Röhre Cam klingt wie ein Uhu auf Speed, die Songs halten sich nicht lange mit Feinheiten auf. Hier kommt das Riff, da poltern die Drums, und auf geht es in den Vers, bevor wir alle zusammen schon beim zweiten Durchlauf den Refrain mitsummen, während gelegentliche schöne Leads auflockern, aber nicht den Drive nehmen. Alle Befürchtungen nach dem doch sehr auf hart getrimmten Vorgänger sind ausgeräumt. Im Gegenteil, auf "Here Waits Thy Doom" geht es auch mal eher klassisch zu Werke ('Rock In Hell', 'Preachers Daughter', 'Snake Fighter'), so dass am Ende ein Power-Metal-Album mit meist nicht zu dominanten Thrash-Einflüssen bleibt, das auf jeden Fall ein sehr eigenes Profil beweist. "Will you be there, will you be there to rock in hell?"

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]

Old School ist wieder en vogue, möchte man meinen. Denn was 3 INCHES OF BLOOD hier machen, ist ein konsequenter Rückgriff in die seit zwanzig Jahren vergangene Heavy-Metal-Geschichte. Und das machen sie gut. Feines Riffing kollaboriert mit coolen Leads, Leder und Nieten sprießen nur so aus den Boxen. Dennoch gefällt mir der aktuelle WOLF-Output besser. Die machen das Ganze noch eigenständiger, fetziger und lassen die Melodien noch tiefer in die Gehörgänge einbrennen. Andererseits ziehen 3 INCHES OF BLOOD mit dem großen Vorteil einer recht eigenständigen, kauzigen Stimme ins Feld. Wo viele Sänger aufgrund recht unorigineller Stimmen in der Ursuppe des Metals untergehen, rotzt, raunzt und runtzt Cam Pipes mit einem sehr eigenwilligen Organ. Das macht "Here Waits Thy Doom" dann doch wiederum zu einer interessanten Platte. Kleiner Tipp zum Schluss: Diese sollte am besten in Begleitung besagter WOLF-Scheibe besorgt werden.

Note: 7,0/10
[Julian Rohrer]


Das folkige Intro trügt. Die Drei-Zoll-Bluter machen keinen auf Johnny Cash und lassen es auf ihrem vierten Studioalbum nicht ruhiger und schon gar nicht nachdenklich angehen. Es regiert einmal mehr die Axt, und zwar auf traditionelle Art und Weise. Flotter Heavy Metal klassischer Prägung, der sich durchaus auch mal stark von der NWoBHM beeinflusst zeigt wie bei 'All Of Them Witches', ist bei den Kanadiern Trumpf. Die Songs sind eingängig und auf den Punkt, Justin und Shane schütteln sich lockere Leads aus den Ärmeln und Cam Pipes' schräge Sirene polarisiert wie eh und je. Die einen halten ihn für einen der coolsten Frontleute aller Zeiten, die anderen für eine missratene Kreuzung aus Halford und einem Quietsche-Erpel. Ich für meinen Teil stehe auf schrägen Gesang ebenso wie auf klischeetriefende Metal-Texte, insofern kann mich das nicht schrecken. Das Einzige, was der neuen 3 INCHES OF BLOOD abgeht, ist ein wenig mehr Abwechslungsreichtum. Aber das, was sie machen, machen sie sehr gut, nämlich starken und eingängigen Metal zwischen PRIEST, der NWoBHM und der kanadischen Schule der Achtziger!

Note: 8,0/10
[Rüdiger Stehle]

Kein weiterer "Here Waits Thy Doom"-Song hat die Qualität von 'Call Of The Hammer'. Einige Male versuchen 3 INCHES OF BLOOD auf ihrem vierten Album, mit der Faust rumzufuchteln, die Spikes zu zeigen, große Gesten zu machen. Aber abgesehen von ein paar Viertelhits wie 'Battles And Brotherhood' oder 'Rock In Hell' bringen sie zu wenig hervor. Den Riffs mangelt es an Raffinesse und Individualität, um ihnen 2009 mehr als ein anständiges Format bescheinigen zu können – wobei Justin Hagberg und Shane Clark schon bemühter an ihren Instrumenten sind als viele andere, die ausschließlich Achtzigerrührseligkeit antreibt –, und Cam Pipes ist keine Wunderwaffe, die alle Zweifel vernichtet. Dass sein angestrengtes C-Horrorfilm-Creature-Gekrähe bizarr tönt, darf weiterhin als Banderkennungsmerkmal gelten. Das ist allerdings noch lange keine Problemlösung. Für große Melodien, die vorhanden sein müssten, um die von den Freunden gereichte Zitatsammlung zu einer einnehmenden Abfolge zusammenzulöten, ist seine Stimme einfach nicht gemacht. Yeah, snake fighter! Yeah, battles and brotherhood! Yeah, silent killer! Und dennoch: Wenn die Gesangslinie zukünftig nicht öfter über den Stimmbänderriss siegt, werden 3 INCHES OF BLOOD nicht entscheidend mehr Zuhörer um sich versammeln können.

Note: 6,5/10
[Oliver Schneider]


Den Rummel um 3 INCHES OF BLOOD konnte ich bislang nicht wirklich nachvollziehen. Okay, die Truppe kombiniert traditionellen Metal mit extremen Gesängen, aber was hilft das, wenn das Songmaterial nicht zündet? Gar nichts. Entsprechend skeptisch bin ich an dieses Album herangegangen. Selbst überrascht vom guten Ersteindruck, lief das Album bei mir in letzter Zeit recht häufig, nur um noch weiter in meiner Gunst zu steigen. Ob es daran liegt, dass der traditionelle Anteil deutlich angestiegen ist und die grunzende Zweitstimme verhältnismäßig selten zum Einsatz kommt, oder daran, dass sogar die gradlinigen Mitsingnummern dieses Mal nicht langweilen, vermag ich nicht zu sagen. Fakt ist, dass die Band hier diverse Handgranaten zünden konnte, die in meinem Bewusstsein explodiert sind. So kracht mit dem Opener 'Battles And Brotherhood' sofort der erste Killersong aus den Boxen, dem im späteren Verlauf mit 'Call Of The Hammer' sogar noch eine Steigerung folgt. Sicherlich ist der krächzende, teils schrille Gesang Geschmacksache. Mir gefällt diese markante Stimme aber, da sie originell ist und obendrein astrein zu der kurzweiligen Mucke hervorragend passt. Die Band deckt auf dem vorliegenden Album das komplette Spektrum des Subgenres ab und variiert schön mit dem Tempo. Dabei gefallen mir die flotten Nummern eine Spur besser, da Mitschunkel-Titel der Marke 'Rock In Hell' oder 'Preachers Daughter' noch nie meine Baustelle waren. Hier stören sie zumindest nicht. Und den Glanz von 'All Of Them Witches' können sie auch nicht dimmen.

Note: 8,0/10
[Holger Andrae]

"Here Waits Thy Doom" von 3 INCHES OF BLOOD ist an und für sich ein musikalisch einigermaßen ansprechendes Album voll von traditionellem Stahl, das vor allem durch seine poltrig-gradlinige Gangart recht gut reinlaufen könnte, wenn da nur der Gesang nicht wäre. Diese offenbar sehr polarisierenden Vocals sind überhaupt nicht mein Fall. Für mich ist das heiseres Gekrächze, welches den Hörgenuss deutlich schmälert. Zudem gehen die Songs zwar allesamt ordentlich ab, sind mir in Gänze aber ein bisschen zu eindimensional ausgefallen. Die Gitarrenleads (MAIDEN lassen hin und wieder grüßen) sind als sehr gelungen zu bezeichnen, z.B. bei 'Rock In Hell', insgesamt poltern die Kanadier aber recht gleichförmig durch die Botanik. Natürlich wird auf "Here Waits Thy Doom" härtetechnisch ein amtliches Brett aufgefahren, das in der Livedarbietung sicherlich zu gefallen weiß, aber auf Platte ist das ein bisschen zu wenig. Insgesamt also ein Album mit einigen guten Ansätzen und auch ein paar Mängeln im Gesamteindruck. Plus: kracht amtlich, die gute Gitarrenarbeit. Minus: fehlende Abwechslung und der (für meine Ohren) schreckliche Gesang. Somit muss die Notenfindung in diesem Fall mit der Beschreibung "Ein in vielen Bereichen ordentliches Album, das nicht mitreißt" einhergehen, denn damit ist diese Scheibe exakt charakterisiert.

Note: 6,5/10
[Stephan Voigtländer]

Redakteur:
Peter Kubaschk
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