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Gruppentherapie: TIMES OF GRACE - "The Hymn Of A Broken Man"

26.01.2011 | 08:01

Das Debütalbum von TIMES OF GRACE, der Band des früheren KILLSWITCH ENGAGE-Sängers Jesse Leach und seinem Ex-Bandkollegen Adam Dutkiewicz  stieß vom Fleck weg auf offene Ohren in unserer Redaktion. Nicht ohne Grund teilt sich das brandneue Werk die Pole Position mit den Hardrockern von MAGNUM. Lest selbst, was diese Scheibe so hörenswert macht.



Und ich dachte, das wäre mal wieder eine der üblichen, gesichtslosen Hacka-Hacka-Modern-Metal-Bretter, besonders als ich las, dass das eigentlich so eine Art KILLSWITCH ENGAGE-Wiedergänger ist: Alter Sänger und aktueller Gitarrist, der auch die Musik geschrieben hat. Also ein rifforientiertes, mit Brüllwürfel versehenes Gewitter? Nein, Überraschung! Zwar brettern die Gitarren häufig modern und heftig, aber die dazu kontrastierenden Melodien, die fast schon Alternativ sind, oder wie in 'Live For Love' oder dem Titelsong auch der Emocore-Szene entsprungen sein könnten, geben den Liedern Profil. So viel Profil, dass ein bisschen Erosion aus der Sechssaitigen tatsächlich etwas Positives hinzufügt. Dazu kommen ruhigere Passagen oder sogar ganze Songs wie 'The Forgotten One', und fertig ist der Modern Metal/Alternativ-Bastard. Dass so etwas funktioniert, hat mich überrascht. Tut es aber. Und wie.

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]


TIMES OF GRACE sind eine der Formationen, die mir im Vorfeld zumindest vom Namen her gar nichts sagte - was einer Band sicherlich nicht zum Nachteil gereichen muss. Mit dem sehr eingängigen Chorus des Openers 'Strength In Numbers' und 'Fight For Life' lassen die ehemals beide bei KILLSWITCH ENGAGE spielenden Musiker erstmals aufhorchen. Bemerkenswert an diesem Debütalbum ist vor allem der Facettenreichtum der Kompositionen. Hinzu gesellt sich eine Vielzahl durchdachter Melodiebögen. Dennoch gibt es bei einer herausragenden Nummer wie 'Hope Remains' neben packenden Melodien auch Doublebass und leckere Gitarrensoli zu hören. Die Metalcore-Wurzeln von Jesse Leach und Adam Dutkiewicz werden mitnichten beiseite gelassen. Gerade im Gesangsbereich (Shouts, Screams) sind sie immer erkennbar. Dank erfrischend arrangierter Stücke wie 'Willing' oder der schönen Akustiknummer 'The Forgotten One' zeigt hier mein Daumen eindeutig nach oben. Jesse Leach und Adam Dutkiewicz haben mit "The Hymn Of A Broken Man" Genregrenzen weiträumig durchbrochen und andersartige Einflüsse hineinströmen lassen. Aber gute Musik hat eben noch nie vor sogenannten Genregrenzen Halt gemacht. Weg mit den Scheuklappen, denn "The Hymn Of A Broken Man" hat vor allem eines verdient: Beifall!

Note: 8,0/10
[Martin Loga]




Wenn Jesse Leach und Adam Dutkiewicz nach ihrer gemeinsamen Zeit bei KILLSWITCH ENGAGE jetzt mit TIMES OF GRACE wieder zusammenarbeiten, muss ja eigentlich ein Metalcore-Album dabei raus kommen, oder? Davon ist "The Hymn Of A Broken Man" allerdings doch deutlich entfernt. Jesse singt genauso variabel wie es die ebenso abwechslungsreichen Songs benötigen. Und da ist schließlich vom metallischen Opener 'Strength In Numbers', über den coolen Midtempostampfer 'Fight For Life', der gar mit Lagerfeuerflair ausgestatteten Akustiknummer 'The Forgotten One' bis hin zum eindringlichen 'Live In Love' eine extreme Vielfalt geboten. Das Einzige, was die Songs nicht unterscheidet, ist die Qualität, die beinahe permanent am oberen Limit gehalten wird. Und genau dieses "beinahe" ist schließlich ausschlaggebend, warum es nicht ganz zum Sprung über die Neun-Punkte-Hürde gereicht hat. Dennoch sollte jeder Fan von abwechslungsreichem Metal mit latenten Core-Einflüssen hier unbedingt reinhören. Ein Klassealbum!

Note: 8,5/10
[Peter Kubaschk]


Wenn wie im Falle von TIMES OF GRACE aktuelle und ehemalige Mitglieder von KILLSWITCH ENGAGE am Start sind, kann eigentlich nicht allzu viel schief gehen. Schließlich gehörten Letztere lange zur kreativen Speerspitze einer von ihnen selbst mit ausgelösten Welle. TIMES OF GRACE zeigen nun, wohin sich KILLSWITCH ENGAGE, die zuletzt deutlich introvertierter und zerstreuter zu Werke gingen, auch hätten entwickeln können. Das Debüt-Album "The Hymn Of A Broken Man" bietet hellwachen, knackig-harten und kreativen Metal(core) mit intensiven, sehr variablen Vocals und grandioser, weil äußerst differenzierter, melodisch versierter und ausdrucksstarker Gitarrenarbeit. Besonders gut nachzuhören sind die Qualitäten im exzellenten 'Strength In Numbers' (Killer-Chorus!), im griffig-eingängigen 'Worlds Apart' und im energischen Thrash-Brett 'Hope Remains'. Zwischendurch plätschert es dann auch mal ein wenig vor sich hin, da nicht alle Songideen gleich heftig im Ohr detonieren ('Where The Spirit Leads Me'). Und wenn die Melodie nicht zündet, fängt das Shouting halt doch an zu nerven. Nennt man auch Metalcore-Syndrom. Perfekt funktioniert der TIMES OF GRACE-Sound dann, wenn Aggression und Melodie wirklich vollends miteinander verschmelzen, man höre nur den wunderbaren Titelsong. Allein in 'The End Of Eternity' laufen Laut und Leise lediglich nebeneinander her und das Gebrülle wird mir eine Spur zu hysterisch. Unterm Strich enthält "The Hymn Of A Broken Man" aber weit überwiegend Hammer-Songs, die um brillante Refrains herum gestrickt sind. So macht moderner Metal richtig Spaß.

Note: 8,0/10
[Martin van der Laan]




Dass ich als polemischer Verfechter des reinen Stahles und der alten Klangwelten einer Band wie TIMES OF GRACE so eine hohe Bewertung angedeihen lasse, wird den aufmerksamen Leser dieser Seiten eventuell verwundern. Da spielen doch Mitglieder von KILLSWITCH ENGAGE erneut zusammen und die sind das genaue Gegenteil von dem, was ich im Normalfall anpreise. Aber was ist schon normal? Ich bin es nicht. Und dieses Album ist es erst recht nicht. Achtet man nämlich nicht auf die Namen hinter der Musik, so kann man sich an zeitgemäß produziertem Heavy Metal erfreuen, der eine gehörige Schlagseite in Richtung Thrash aufweist. Sehr saftige Gitarren, abwechslungsreiches Sogwriting und eine Gesangsleistung, die mir im Gesamtpaket sehr gut einlaufen. Klar, es wird ab und an gebrüllt, aber an Metalcore denke ich dabei nie. Oder denkt irgendwer hier bei DARK ANGEL oder TESTAMENT an diese Musikrichtung? Da tönen aktuelle EXODUS-Alben weitaus mehr nach Core als TIMES OF GRACE. Immer wieder gibt es ruhige Momente, die für Spannung sorgen und wer vom überragenden Opener 'Strength By Numbers' oder dem rasanten 'Willig' nicht mitgerissen wird, hat sich das Schmalzbrot heute Morgen noch nicht mit Ohreninhalt belegt. Und wer glaubt, dass die harten Burschen keine Gefühle hätten, hält sein frisch geputztes Löffelwerk bitte einmal in 'The End Of Eternity'. Eine emotionale Achterbahnfahrt mit Schleudersitz. Ich bin sehr angetan.

Note: 8,5/10
[Holger Andrae]



Tipp:
Lest auch die Einzelrezension zu "The Hymn Of A Broken Man" von Sebastian Berning.

Redakteur:
Martin Loga

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