Gruppentherapie: METAL CHURCH - "Congregation Of Annihilation"

18.06.2023 | 21:54

So klingt die Wiedergeburt einer Metal-Legende!

Kollege Thunderlaan bezeichnet "Congregation Of Annihilation" als den ultimativen Nachfolger von "The Dark". Greift er hier zu hoch oder hat er recht? Lest hierzu die Meinungen der Therapeuten.

 

Ich bin schon ein wenig überrascht, welch verhaltenen Reaktionen ich bislang im Netz über "Congregation Of Annihilation" vernommen habe. Denn bei den meisten Fans scheint dieses Werk nicht sonderlich gut anzukommen. Vielen passt die Stimme von Marc Lopes nicht zu METAL CHURCH, anderen gefällt der thrashige Einschlag im Zusammenhang mit METAL CHURCH nicht. Vielleicht ist es für mich daher ganz gut, dass ich mich mit METAL CHURCH bislang nicht sonderlich auskenne und daher nicht mit dem bisherigen Schaffen der Truppe vergleichen kann. Mir gefällt insbesondere der Schuss Thrash Metal in den Songs extrem gut. Die ersten vier Songs sind richtig stark und sorgen mit ihren fetten Riffs insbesondere im Titeltrack und bei 'Pick A God And Prey' für geile Ohrwürmer. Letztgenannter Song könnte auch gut auf einem früheren METALLICA-Album stehen. In jedem Fall schaffen es die ersten vier Tracks mich extrem in Begeisterung zu versetzen und schon mit der Hand in Richtung Zehner-Kelle zu greifen. 'Me The Nothing' kommt anschließend schleppender, aber nicht weniger mächtig daher und sorgt für eine neue Komponente auf "Congregation Of Annihilation". Die Hand geht also immer mehr zur 10. Aber dann fängt es langsam an, nicht mehr ganz so stark und überzeugend zu werden. 'Making Monsters' lässt sich ganz gut hören, kann einen aber bei weitem nicht so mitreißen, wie alles vorher Gehörte. Selbes gilt leider auch für das vielversprechend beginnende 'Say A Prayer With 7 Bullets'. Jedoch kann dann 'These Violent Thrills' wieder mehr begeistern und leitet so das coole Song-Trio zum Ende der Scheibe ein, ohne dabei das Niveau vom Albumbeginn wieder zu erreichen. Letztlich bleibt für mich ein sehr starkes Album mit wenig Schatten. Zwar verhindern diese wenigen Schatten die Höchstnote, für eine 9,0 reicht es aber trotzdem. Starkes Teil!

Note: 9,0/10
[Mario Dahl]

Schicksalsschläge. Jeder hat mit ihnen zu kämpfen. Und während viele Bands daran zerbrechen, gibt es noch Kurdt Vanderhoof und METAL CHURCH, die ihren Tränen ob des tragischen Ablebens ihres Mikes freien Lauf ließen, doch wieder aufstanden und mit "Congregation Of Annihilation" solch ein Bollwerk an Album veröffentlichen, was ich den US-Amerikanern so sicherlich nicht zugetraut hätte. Insbesondere als ich las, dass ROSS THE BOSS-Stimme Marc Lopes fortan die Vocals übernehmen sollte. Doch anscheinend hat der Gute seine Passion im aggressiveren, rauen und stark am Thrash Metal älterer Tage orientierten METAL CHURCH-Klangbild gefunden. Denn das Feuer, der Elan und der Biss, den Lopes diesen neuen Songs verleiht, ist schon erstaunlich und macht neben dem wahnsinnigen 'Making Monsters', dem unverwüstlichen 'Pick A God And Prey' und dem 'All That We Destroy'-Ohrwurm den Hauptanreiz der neuen Scheibe aus. Nein, "Congregation Of Annihilation" zündet nicht vom Fleck weg, doch Schritt für Schritt, Ton für Ton, baut diese bärenstarke Platte eine "Jetzt erst recht"-Mentalität par excellence auf, eine frische Brise, die durch das verwüstete Wohnzimmer weht und viele lichterloh brennende Highlights bereithält, die sich lohnen, erkundet zu werden.

Note: 9,0/10
[Marcel Rapp]

Zum regelmäßigen Kirchgänger macht mich auch "Congregation Of Annihilation" nicht, aber ich muss eingestehen, dass METAL CHURCH anno 2023 auch für meine Ohren angenehm die Bude rockt. Die Mischung aus traditionellerem US-Metal und Thrash-Metal sitzt wie maßgeschneidert und Marc Lopes klingt für mich wie ein passender Sänger für diese Art von Stahl. Das wirklich Überraschende an diesem Album ist allerdings die Tatsache, dass man von den Schicksalsschlägen der Band ohne Vorkenntnisse überhaupt nix mitbekommen würde. Das hätte ich anders erwartet und finde persönlich eine Herangehensweise, wie bei den FOO FIGHTERS (um ein zeitgleiches Beispiel zu bringen) für mich emotional ansprechender. Aber jeder soll Verluste so verarbeiten, wie man es benötigt. Ansonsten regieren die typischen Metal-Hymnen, die mich im Kern wenig mitreißen können und eher durch starke Einleitungen und eingeschobene Mittelteile Punkte sammeln. Aber damit habe ich am Ende immer noch mehr Spaß als mit vielen anderen kirchlichen Begegnungen.

Note: 7,5/10
[Stefan Rosenthal]

Eigentlich gehe ich an eine neue METAL CHURCH heutzutage ohne großartige Erwartungshaltung heran, da mich sogar die letzten Werke mit Mike Howe (R.I.P.) nur noch mäßig begeistern konnten. Das ist bei mir halt eine Band, die mich bis zur schaukelnden Schweineplatte komplett begeistern konnte und deren Debütwerk auf ewig für mich die Blaupause für US Metal darstellt. Wie man das als Freund unserer Musik anders empfinden kann, werden die Ohren der betreffenden Kollegen beantworten können. Da sind Kreuzverhöre angedacht. Dass die Band aber in jüngerer Vergangenheit live immer wieder grandios abliefern konnte, steht hier auf einem komplett anderen Blatt, hat mein grundsätzliches Interesse an METAL CHURCH aber immer aufrecht gehalten. Man will ja beim Konzert auch die neuen Nummern kennen. Nachdem Mike Howe nun leider von uns gegangen ist, hatte ich gedacht, Kurdt würde seinem inneren Verlangen nach anderer Musik nachkommen und vielleicht eine weitere VANDERHOOF, PRESTO BALLET oder gar HALL AFLAME aufnehmen. Kommt ja vielleicht auch noch. In der Kirche steht nun der ehemalige ROSS THE BOSS-Fronter Marc Lopes auf der Kanzel und macht eine ganz ausgezeichnete Figur mit seiner rauen, manchmal leicht gurgelnden Stimme. Die funktioniert bei der grobschlächtigeren Ausrichtung des neuen Materials nämlich ganz wunderbar. Auf "Congregation Of Annihilation" hat man immer wieder den Eindruck, Herr Vanderhoof habe "The Dark" im Player gehabt, als er das Material schrieb. Ernsthaft: So dicht am Thrash hat die Metalkirche noch nie agiert. Wer jetzt fürchtet, darunter würden die Melodien und Hooks leiden, darf sich entspannt zurücklehnen, denn das Album ist bei aller Heftigkeit voller Ohrwürmer. Man teste nur den arg grantigen Titelsong, das heimtückisch-verspielte 'Me The Nothing' oder die Hitsingle 'Making Monsters' und ahnt, mit welchem Hit-Feuerwerk man es hier zu tun hat. Auch wenn die Nummern zum Ende hin etwas gleichförmig werden, ist das insgesamt schon ein amtliches Brett. Außerdem muss ich den kraftvollen, klaren Klang der Scheibe hervorheben. Endlich mal eine Oldschool-Band, die nicht auf den Trigger-Zug aufspringt. Das Ergebnis: Ein teils recht prominent klackernder Bass, der schön drückt und ein Schlagzeug, welches nicht alle anderen Zutaten zukleistert. Geht doch!

Note: 8,5/10
[Holger Andrae]

Wie Holg bin auch ich nie so richtig weg gekommen von METAL CHURCH. Das liegt zum einen natürlich auch bei mir an den stets grandiosen Liveauftritten, in welchem Line-up auch immer, zum anderen haben bei mir aber auch die meisten Alben nach den hängenden Tatsachen noch zünden können. Klar, es gab auch mal Durchhänger, und kaum eines der späteren Alben war von A bis Z ein echter Knaller, aber grundsolide bis hochfein waren sie alle, und der eine oder andere Knaller war auf nahezu jeder Scheibe am Start. Nach dem so unfassbar tragischen Ende der wunderbaren Reunion mit Mike Howe habe ich indes keine großen Hoffnungen mehr gehabt, dass Kurdt und seinen Mitstreitern nochmal ein weiterer Neuanfang gelingen könnte. Eine Rückkehr von Ronnie Munroe hätte ich mir natürlich gut vorstellen können, doch der hat bei VICIOUS RUMORS eine tolle neue Heimat gefunden, und als Marc Lopes von ROSS THE BOSS als neuer Frontmann bestätigt wurde, fragte ich mich schon, ob das wirklich gut gehen würde. Nun, was soll ich sagen: Es ist gut gegangen, und zwar verdammt gut. Marc Lopes ist viel besser als sein Ruf, denn allzu viele Leute wünschen sich für ein Album von Ross Friedman einen Sänger wie Eric Adams, und der ist Marc verbindlich nicht. Zum neuen, thrashigen, brachial harten Langdreher von METAL CHURCH passt der Mann aber in der Tat wie die Faust aufs Auge, tendiert dabei aber eher ein bisschen mehr in Richtung von David Wayne als in Richtung seines direkten Vorgängers. Wirkt das Album bei ersten Durchlauf noch ein bisschen unrund, speziell im Refrain zum Titelstück, so erschließt sich der aktuelle Ansatz der Band mit jeder weiteren Umdrehung ein bisschen mehr, und am Ende zünden tatsächlich nahezu alle Songs, so dass ich unterm Strich echt nicht sagen könnte, dass das Album schlechter wäre, als seine direkten Vorgänger, auch wenn Marc Lopes natürlich nicht die unvergessliche und unvergleichliche Stimme von Mike Howe hat. Trotzdem passt auf dem Album fast alles: Es hat Biss, es hat Hooks, es hat Spielfreude, und es hat eine vernünftige US-Power-Metal-Produktion, die nicht zu steril geraten ist. Außerdem hat es Vanderhoof'sche Killerriffs am Fließband. Von daher beide Daumen hoch für die Kirche des Stahls.

Note: 8,5/10
[Rüdiger Stehle]

Redakteur:
Thomas Becker

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