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Gruppenthearpie KREATOR-"Phantom Antichrist"

24.06.2012 | 08:36

Nach ACCEPT und RUNNING WILD veröffentlicht mit KREATOR ein weiteres deutsches Metalurgestein ein Album. "Phantom Antichrist" ist die Nummer dreizehn in der KREATOR-Diskographie. Diese Zahl allein ist ja schon Metal und von Kollege Marcel gab es dazu noch eine 10.0 (siehe Review) im Soundcheck. Was die anderen Redakteure sagen, erfahrt ihr natürlich in der Gruppentherapie!

"Thrash, Altenessen." Dieser kultige Film über einen Haufen Langhaariger aus dem Ruhrgebiet und deren damals schon in Szenekreisen mächtig angesagte Heavy-Metal-Band machte mich 1989 zum KREATOR-Fan. Kaum eine deutsche Formation hat es geschafft über so viele Jahre hinweg immer wieder allerhöchste Qualität abzuliefern. Mit "Phantom Antichrist" fügen Mille und Kumpanen ihrer glorreichen Diskographie ein weiteres Highlight hinzu. Sowohl die schneidende Kälte und fiese Perfektion von "Enemy Of God" als auch die rotzig-rohe Aggression von "Hordes Of Chaos" sind wieder etwas in den Hintergrund getreten. Stilistisch würde ich das neue Album irgendwo zwischen "Coma Of Souls" und "Violent Revolution" einordnen, abgeschmeckt mit einem Schuss "Endorama" vielleicht. In diesem Gewand bekommt man dann Großartigkeiten wie die ganz und gar KREATOR-typischen Thrash-Bolzen 'Phantom Antichrist' und 'Civilization Collapse', die mitreißenden und äußerst einprägsamen Nackenmuskelquäler 'Death To The World', 'United In Hate' und 'Victory Will Come' (drei kommende Live-Kracher) und die gigantische Mitsing-Hymne 'From Flood Into Fire' geboten. Insgesamt fällt auf, dass die Jungs dieses Mal besonderen Wert auf Eingängigkeit und Hit-Potenzial gelegt haben, ohne auch nur einen Bruchteil an Durchschlagskraft, Härte und Authentizität einzubüßen. Summa summarum ist "Phantom Antichrist" ein ganz heißer Anwärter auf den Titel "Thrash-Album des Jahres 2012". KAUFEN!

Note: 9,0/10
[Martin van der Laan]

Dass KREATOR eine sehr wagemutige, experimentelle Band ist, hätte man in der letzten Dekade beinahe vergessen können, denn "Violent Revolution", "Enemy Of God" und "Hordes Of Chaos" waren sich stilistisch bei aller Klasse doch sehr ähnlich. Ein Umstand, den auch Mille erkannt hat. Und so kommt "Phantom Antichrist" deutlich abwechslungsreicher, stellenweise sehr melodisch und überraschend hymnisch daher. Neben den typsichen KREATOR-Abrissbirnen wie dem Titelsong, 'Dead To The World' oder 'Civilization Collapse' gibt es eben auch das mit einem bombastisch-hymnischen Refrain und Akustikbreak veredelte 'From Flood Into Fire' oder das getragene, mit leicht folkiger Gitarre versehene 'Until Our Paths Cross Again'. Dazu kommen viele edle, sehr melodische Leadgitarren von Sami, der es so versteht in beinahe jeder Nummer Akzente zu setzen. Das macht "Phantom Antichrist" zu einem kurzweiligen Thrash-Hammer, der einmal mehr beweist, dass die Ruhrpott-Legende die beste deutsche Thrash-Band ist. Mit Abstand.

Note: 9,0/10

[Peter Kubaschk]


Auf KREATOR ist Verlass: Die Ruhrpott-Urgesteine um Mille und den Ventor wissen, was ihre Fans wollen: Sie wollen ein qualitativ hochwertiges Thrashbrett mit Texten, mit denen sie sich identifizieren können. Und genau das bekommen sie mit "Phantom Antichrist" auch wieder geboten. Das ist vom ersten Ton an typisch KREATOR. Allerdings begeht das Quartett nicht den Fehler, auf Neuerungen zu verzichten. So klingt man anno 2012 wesentlich melodischer als es noch auf den beiden Vorgängeralbum der Fall war. Gerade die Soli von Sami Yil-Sirniö lockern das feiste Geschrubbe immer wieder angenehm auf. Und auch das Klangbild hat sich etwas gewandelt. So ballert das Phantom angenehm kraftvoll und warm, um nicht zu schreiben heißblütig, aus den Boxen. Das kracht mehr "in the face" als es noch bei den Chaoshorden der Fall war. Töfte. Einzelne Songs heraus zu heben, fällt bei der gebotenen Qualität nicht ganz leicht. Allerdings hat man mit dem eröffnenden Titelsong, 'Civilization Collapse' und 'The Few, The Proud, The Broken' drei Nummern am Start, die allein aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Durchschlagskraft positiv herausstechen. Dagegen nervt 'From Flood Into Fire' mit einem fürchterlichen Schüttelreim-Chorus. Das hätte nicht sein müssen und steht in krassem Kontrast zu sehr ernst und erwachsen klingenden Nummern wie 'Until Our Path Cross Again'. In dieser Nummer zeigt das Quartett, dass man auch ohne Hochgeschwindigkeitszelebrieren extrem böse klingen kann. Highlight.

Note; 8,0/10

[Holger Andrae]


In medias res: "Phantom Antichrist" reiht sich aus meiner Sicht logisch hinter "Violent Revolution", "Enemy Of God" und "Hordes Of Chaos" ein und hat ein Stück von all diesen Alben. Die Platte ist recht melodisch und eingängig geworden, worüber man sich an dieser Stelle natürlich streiten kann, jedoch ist sie deshalb nicht minder drückend. Und dass man es hier mit KREATOR zu tun hat, dafür braucht man nicht einmal Milles (markante, arschgeile!) Vocals hören. Grundsätzlich kann ich mich also den Lobeshymnen meiner Kollegen anschließen. Die Platte ist unglaublich kurzweilig komponiert und animiert einen schon nach kurzer Zeit zum Bangen, Mitkreischen und ähnlichen Ausrastaktivitäten. Dabei fällt keine Nummer wirklich ab - so weit, so gut. Aber ich habe bei jedem Durchlauf aufs Neue das Gefühl, dass bei KREATOR nach wie vor noch ein wenig Luft nach oben ist, wenn man zu den tollen, erwachsenen Kompositionen der Neuzeit einen Schuss Räudigkeit der Vergangenheit hinzugeben würde. Denn so ist mir das Album leider einen Tacken zu melodisch, um perfekt zu sein. Aber all dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Essener nach wie vor zum Besten gehören, was Metal-Deutschland auffahren kann. Ich jedenfalls habe "Phantom Antichrist" binnen der ersten zwei Wochen sicher 25 mal aufgelegt - das dürfte eine klare Sprache sprechen.

Note: 9,0/10
[Oliver Paßgang]

Auch ich kann bestätigen, dass KREATOR mit dem neuen Alben wieder nichts anbrennen lassen und eine amtliche Thrashkeule mit Melodie eingehobelt haben. Die Band steht zu ihrem unverkennbaren Uptempo-Thrash-Sound und denkt nur selten daran, diesen zu variieren. Akzente werden einmal mehr von Samis facettenreichen Leadgitarren gesetzt und Mille packt den einen oder anderen hymnischen Refrain aus, den der eine oder andere Sommerfestivalbesucher sicher wieder lauthals mitgrölen wird. Ein Übertrack wie das famose 'Hordes Of Chaos' fehlt, dennoch nehme ich einen Zuwachs an melodischen Passagen wahr und manchmal gesellt sich sogar Süßes (z.B. Akustikgitarren vor 'United in Hate') in den fiesen KREATOR-Sound. Ich denke, "Phantom Antichrist" werde ich öfters mal auflegen.

Note: 8,5/10

[Thomas Becker]

Redakteur:
Thomas Becker

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