SUPERTHOUSAND - Four
Mehr über Superthousand
- Genre:
- Prog Rock / Art Rock
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Eigenproduktion / Eigenvertrieb
- Release:
- 26.09.2025
- Seven
- Gift
- Stellar Dust
- Four
- Kipppunkt
- End
Feinster Prog aus dem Bergischen Land.
Wer SUPERTHOUSAND schon einmal live erleben durfte, der weiß, dass es dieses Trio aus Gummersbach versteht, massive Klanglandschaften zu erzeugen, in denen man sich teilweise richtiggehend verlieren kann. Für das vierte Album der bisherigen Karriere hat es sich die Band, die aus Markus Missbrandt (Schlagzeug), Gitarrist und Sänger Dominik Mertens und Lars Dreier (Keyboard, Bass) besteht, recht einfach gemacht, denn das aus sechs Tracks bestehende Prog-Werk hört schlicht und ergreifend auf den Namen "Four" und wird von einem einfachen, aber doch auch spannenden Artwork geziert, das ein aus LED-Leuchtstäben zusammengesetztes Quadrat in einem nächtlichen Wald zeigt.
Visuell vermeiden es die Gummersbacher also schon einmal, die Erwartungen von Hörern und Hörerinnen auf eine bestimme Fährte zu lenken, was auch gut ist, denn musikalisch ist man doch ein wenig als Chamäleon zwischen allen Prog-Stühlen unterwegs. So drängen sich mir beim zehnminütigen Opener 'Seven' quasi die Vergleiche zu den Prog-Titanen der Siebziger auf, wobei ich primär GENESIS als Inspirationsquelle im Auge habe. Gleichzeitig interpretiert SUPERTHOUSAND die eigenen Einflüsse aber mit sehr moderner Schlagseite, was dann auch Kollegen wie STEVEN WILSON als Referenz auf den Plan holt, und wenn am Ende die Gitarren mit einer ordentlichen Portion Distortion aus den Boxen dröhnen, wird es sogar richtig wuchtig und episch, sodass sogar die Briten BIFFY CLYRO als entfernter musikalischer Fixpunkt ins Spiel kommen. Alles in allem ergibt das eine spannende und sehr abwechslungsreiche Mischung, die in einem hochgradig unterhaltsamen Track umgesetzt wird, den ich euch direkt als Anspieltipp mit auf den Weg geben kann.
Nun habe ich euch aber ein musikalisches Chamäleon versprochen und so zeigt 'Gift' SUPERTHOUSAND direkt im Anschluss von einer gänzlich anderen Seite, denn der atmosphärisch akustische Beginn offenbart nicht nur, dass Dominik durchaus gesanglich ein paar Ähnlichkeiten zu Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN hat, sondern ruft auch PINK FLOYD als musikalischen Paten auf den Plan. Hat man sich aber gerade an die akustische Gitarre und die eindringliche Stimme gewöhnt, nimmt die Nummer plötzlich eine Abzweigung hin zu vermehrten Synthesizer-Sounds und verliert sich im Anschluss in einem treibenden Synth-Loop, der die restliche Spielzeit bestimmt und plötzlich eine komplett andere Dimension des Bandsounds präsentiert. 'Stellar Dust' zieht danach als überraschend kompakte Nummer das Konzept mit der dominierenden Akustikgitarre konsequent durch, während 'Four' und 'End' wieder die herrliche Welle zwischen verträumt und überraschend rockig reiten, die auch schon 'Seven' zu einem so starken Track gemacht hat. 'Kipppunkt' komplettiert schließlich das abwechlsungsreiche Bild mit ungewohnt klassischen Prog-Tönen, die den Track zumindest in Teilen klingen lassen wie einen Prog-Beitrag aus den Siebzigern.
Am Ende bleibt so der etwas blasse und manchmal zu drucklose Drumsound mein einziger persönlicher Kritikpunkt an einem Album, das ansonsten auf ganzer Linie überzeugen kann. Musikalisch ist SUPERTHOUSAND nämlich unheimlich vielseitig unterwegs, schafft es aber immer, den ausladenden Kompositionen einen roten Faden zu verpassen. Und handwerklich bleibt es sowieso erstaunlich, wie die Band mit nur drei Musikern so unheimlich dichte und fesselnde Klanglandschaften erzeugen kann. Prog-Liebhaber und Liebhaberinnen aller Couleur sollten hier entsprechend dringen einmal ein Ohr riskieren!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


