KARNIVOOL - In Verses
Mehr über Karnivool
- Genre:
- Progressive Rock
- ∅-Note:
- 10.00
- Label:
- Inside Out (Sony)
- Release:
- 06.02.2026
- Ghost
- Drone
- Aozora
- Animation
- Conversations
- Reanimation
- All It Takes
- Remote Self Control
- Opal
- Salva
Back with a Bang!
Wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben. Ich bin nicht sicher, ob es dieses Sprichwort auch in Australien gibt, aber Zeit hat sich KARNIVOOL mit "In Verses" auf jeden Fall eine Menge gelassen, immerhin liegt die Veröffentlichung des letzten Studioalbums "Asymmetry" bald dreizehn Jahre zurück. Die Band selbst sagt, dass an "In Verses" über zehn Jahre gearbeitet wurde, was schon dadurch unterstrichen wird, dass ein Song wie das vorab veröffentlichte 'Aozora' seine Live-Premiere bereits 2015 feierte und 'All It Takes' auf der "Decade Of Sound Awake"-BluRay in 2021 enthalten war.
Jetzt liegt "In Verses" also endlich vor und ich nehme es mal vorweg: in meinen Ohren übertrifft sich KARNIVOOL auf diesem Werk selbst und lässt selbst das Erfolgsalbum "Sound Awake" hinter sich. Die zehn Songs wirken - bei der langen Entstehungszeit beinahe überraschend - wie eine kompakte Einheit, bei der jede Note, jeder Song genau am richtigen Platz sitzt. Das beginnt logischerweise mit dem Opener 'Ghost', der mit seiner Zeile "Sacrifices sung - in verses that roll off the tongue." quasi den Titeltrack darstellt. Schon hier wird die Symbiose aus durchaus eingängigen Melodien mit erinnerungswürdigen Texten ("And still we feel nothing, like any other day."), abgefahrener Saitenhexerei von Andrew Goddard, rhythmischen Verschiebungen und dem Schwebegesang von Ian Kenny auf den Punkt gebracht.
Das folgende 'Drone' beginnt mit tief gestimmten Gitarren, die sich in die Magengrube bohren und ein wenig wie ein Blick in die eigenen Vergangenheit wirken. Überhaupt erscheint der Song etwas schroffer, brennt sich aber dennoch tief in die Hirnrinde, wenn Kenny singt "don't blame me if your empathy's the enemy". Großartig.
Doch tatsächlich wird es noch besser. Ich weiß gar nicht, wie viele Extrarunden ich 'Aozora' bereits spendiert habe, aber was soll ich auch machen, wenn der Song mich nicht loslässt? Bereits beim ersten Durchlauf, irgendwann im letzten Herbst, wusste ich, dass das eine besondere Nummer ist. Hier begegnet uns unglaubliche Dynamik, mit einem formidablen Chorus, den ich nie müde werde zu hören: "If I held your face to a mirror - would you smile? - If I held your head under water - would you fight for your life?", wobei das sogar nur das Vorspiel zum emotionalen Höhepunkt ist. Doch hört selbst.
Bevor ich hier jetzt zu einer seitenlangen Laudatio ansetze und ich euch dabei aller Phantasie beraube, möchte ich nur noch das Abschlussdoppel 'Opal' und 'Salva' herausheben, denn hier ist es auch noch die emotionale Wucht, die zumindest mich noch total umhaut. Wenn Kenny in 'Opal' singt "I wouldn't show them you care - I'd be so still - quiet like death was around." baut sich der Kloß im Hals bereits auf, der sich bei 'Salva' bei "But I've got to go - I've got to run away - don't wait when I'm gone - I'm not coming home - say a few words at my funeral." manifestiert. Wenn dann im furiosen Finale die Dudelsäcke ertönen, nachdem Kenny "carry my heart down to the sea - and let the salt dissolve it" singt, ist das ein emotionaler Hieb in die Magengrube.
"In Verses" lief hier seit Ende November sicher gute vierzig Mal und bislang hat sich nicht eine Sekunde abgenutzt, stattdessen wurde das Album größer und größer. Alles andere als die Höchstnote ist hier daher völlig unangebracht. Absolut brillant.
- Note:
- 10.00
- Redakteur:
- Peter Kubaschk


